{"id":4893,"date":"2013-02-27T19:55:03","date_gmt":"2013-02-27T18:55:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=4893"},"modified":"2013-03-05T18:08:01","modified_gmt":"2013-03-05T17:08:01","slug":"hyde-park-on-hudson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/hyde-park-on-hudson\/","title":{"rendered":"HYDE PARK ON HUDSON"},"content":{"rendered":"<p><em>HYDE PARK ON HUDSON &#8211; Bundesstart 28.02.2013<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/hyde-park-on-hudson\/hyde-park-on-hudson-01\/\" rel=\"attachment wp-att-4899\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4899\" title=\"Hyde-Park-on-Hudson-01, Copyright  Tobis Film \/ Focus Feature\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-01.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-01.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-01-200x84.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-01-300x126.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges erwartet Franklin Delano Roosevelt als 32. Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika ganz besondere G\u00e4ste auf seinem Landsitz, welcher ausgerechnet Hyde Park genannt wird, am malerischen Fl\u00fcsschen Hudson. K\u00f6nig George VI. aus Gro\u00dfbritannien hat sich mit Gattin Elizabeth zum Staatsbesuch angek\u00fcndigt. Die Vorbereitungen sind entsprechend turbulent und hektisch, zur Ruhe kommt der Pr\u00e4sident auf dem Landsitz kaum. Da kann etwas Ablenkung durchaus nicht schaden. Zum Beispiel mit der Cousine f\u00fcnften Grades Daisy, nach welcher Roosevelt schicken l\u00e4sst. Und dies, obwohl seine Gattin Eleanor ebenso anwesend ist wie seine Geliebte Missy.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Roger Michells Film nach dem Drehbuch von Richard Nelson \u00fcbt sich in der schon bew\u00e4hrten Tradition, sich Pers\u00f6nlichkeiten nicht mehr \u00fcber die Erz\u00e4hlung ihres gesamten Lebens anzun\u00e4hern, sondern \u00fcber ein besonderes Ereignis w\u00e4hrend ihrer Schaffenskraft zu definieren. Aber dem Film fehlt eine klare Linie, um seinem Anliegen gerecht zu werden. Wir lernen einen lebenslustigen und unkomplizierten Pr\u00e4sidenten kennen, wobei offensichtlich wird, warum er zu den wenigen wirklich beliebten Volksvertretern der Vereinigten Staaten z\u00e4hlt. FDR war auch der einzige Pr\u00e4sident, der in vier Amtsperioden gew\u00e4hlt wurde. Ein sympathischer Mann, dem man ohne Weiteres nicht nur die Betr\u00fcgereien an seiner Frau nachsieht, sondern auch noch das Hintergehen seiner Geliebten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Besuch des britischen K\u00f6nigspaares kommt nicht von ungef\u00e4hr. Zum einen ist es Georges Antrittsbesuch und zum anderen kippen die politischen Verh\u00e4ltnisse in Europa am kippen. Entsprechend nerv\u00f6s zeigt sich das Paar aus \u00dcbersee, das hinter vielen Dingen nur die Verunglimpfung der Monarchie vermutet. Warum hei\u00dft der Landsitz ausgerechnet wie der Londoner Park und warum gibt es anstelle eines Staatsdinners ein Picknick? Aber viel schlimmer, warum werden sie vom einfachen Bauern auf dem Land nicht erkannt? Michell und Nelson haben gut daran getan, sich gewisse Freiheiten gegen\u00fcber den tats\u00e4chlichen Ereignissen des Staatsbesuches herauszunehmen. Und es war wichtig, die politischen Hintergr\u00fcnde Europa betreffend weitgehend au\u00dfer Acht zu lassen. So wird der Zusammenprall der Kulturen besser, aber auch am\u00fcsanter in den Vordergrund ger\u00fcckt. Wie sich die Figuren von einem Dilemma zum n\u00e4chsten hangeln, inszeniert Michell mit einem herrlich anzusehenden Vergn\u00fcgen, wo er zur Freude des Publikums wie bei einem Pingpong-Spiel in den Szenen hin- und herspringt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">So ganz mag dieser vergn\u00fcgliche Diskurs aber nicht zu der vorangegangenen, nicht minder am\u00fcsant erz\u00e4hlten Geschichte passen. Es ist die verunsicherte Cousine Daisy, die zu ihrem Verwandten und gleichzeitigen Pr\u00e4sidenten zwecks geistiger Zerstreuung gerufen wird. Es ist zu erwarten, dass Daisy und Franklin sich n\u00e4herkommen werden. Laura Linney als Daisy bringt genau das in ihre Rolle, was man von einem an Konventionen gew\u00f6hnten M\u00e4uschen vom Lande erwarten kann. Zuerst ist es die gro\u00dfe Unsicherheit, dann f\u00fchlt sie sich geschmeichelt, schlie\u00dflich wird es Obsession. Unbeschwert und entspannt zeigt Roger Michell diese leise aufflammende Beziehung, die ihren H\u00f6hepunkt nat\u00fcrlich mit Bill Murrays Darstellung als FDR feiert. Der Regisseur wusste genau, wie er seine Charaktere und die Situationen handhaben musste, um keine \u00fcberfl\u00fcssig peinliche Szenen entstehen zu lassen. Olivia Williams als Eleanor Roosevelt bildet in diesem grandiosen Ensemble\u00a0 keine Ausnahme. Wie sie mit ihrem Filmmann interagiert, die M\u00e4tressen neben ihm akzeptiert und dennoch die W\u00fcrde einer First Lady beh\u00e4lt und ausspielt, das kommt von einer Schauspielerin, die sich leider viel zu selten im Kino zeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da ist die Geschichte von Daisy und Franklin, die Ereignisse um die verkniffenen Briten und allzu legeren Amerikaner und schlie\u00dflich die zwischenmenschliche Ann\u00e4herung zweier Nationen. Die Darsteller, allen voran ein umwerfender Bill Murray, sind tadellos. Das Setting und die wunderbaren Bilder sind einfach hinrei\u00dfend. Der geschichtliche Hintergrund, wenngleich f\u00fcr dramaturgische Zwecke verfremdet, ist interessant und wirklich sehenswert. Hier zeigt sich also ein Film in\u00a0 sehr vielen einzelnen Teilen, die sehr am\u00fcsant und dramaturgisch ansprechend zugleich sind. Diese Teile bilden allerdings keine strukturelle Einheit. Es wirkt, als h\u00e4tten sich Drehbuch und Regie nicht entscheiden k\u00f6nnen, wo nun der Schwerpunkt dieser historisch wichtigen Tage liegen w\u00fcrde oder wie man diese Episoden in einen stimmigen Kontext bringen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Margaret \u201aDaisy\u2018 Suckley wurde hundert Jahre alt, und erst nach ihrem Tod 1991 wurde durch Briefe und Tageb\u00fccher das tats\u00e4chliche Ausma\u00df ihrer Beziehung zu dem 32. Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten deutlich. In Anlehnung an Suckleys Hinterlassenschaften verfasste Richard Nelson sein Drehbuch. Doch dies sollen die einzigen Anhaltspunkte f\u00fcr eine intime Beziehung zwischen Daisy und FDR bleiben. Zu der Zeit in Hyde Park am Hudson selbst gab es weder Spekulation geschweige denn den Skandal einer Beziehung. Dar\u00fcber hinaus war ja die Aff\u00e4re zwischen FDR und Missy ebenso kein Geheimnis. Selbst wenn alles nur ersponnen sein sollte, ist es doch zu gut, als dass man diese gute Geschichte einfach so ignorieren k\u00f6nnte. Sie zeichnet den Charakter eines Pr\u00e4sidenten, dem es an Menschlichkeit nicht mangelte, der sich aber gleichzeitig jeden Respekt verdiente.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gegen Ende sitzen Franklin und Bertie, wie King George auch genannt wurde, auf ein paar Drinks in der Bibliothek. Es ist eine staatstragende Szene, aber auch sie passt nicht so wirklich in den Kontext des Films bis dahin. Wieder schl\u00e4gt Michells Inszenierung eine neue Richtung ein. Aber mit dieser Szene wird deutlich, was diesen nach au\u00dfen hin kauzig sympathischen Allerweltsherren zu einem gro\u00dfen Staatsmann machte. Man darf bem\u00e4ngeln, was es zu bem\u00e4ngeln gibt, schlie\u00dflich ist es das, was aus HYDE PARK eben nicht diesen grandiosen Film macht, welcher er sein k\u00f6nnte. Aber dennoch ein herzlicher, sehr sch\u00f6n anzusehender Film, der am\u00fcsiert und ber\u00fchrt. Es muss nicht immer der gro\u00dfe Wurf sein, um einen Film trotz allem sympathisch zu finden.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/hyde-park-on-hudson\/hyde-park-on-hudson-02\/\" rel=\"attachment wp-att-4900\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4900\" title=\"Hyde-Park-on-Hudson-02, Copyright  Tobis Film \/ Focus Feature\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-02.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-02.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-02-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Hyde-Park-on-Hudson-02-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: <strong>Bill Murray, Laura Linney, Samuel West, Olivia Colman, Olivia Williams, Elizabeth Marvel, Elizabeth Wilson<\/strong> u.v.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Roger Michell<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch:<strong> Richard Nelson<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Lol Crawley<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Nicolas Gasler<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Jeremy Sams<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Simon Bowles<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Gro\u00dfbritannien \/ 2012<\/em><br \/>\n<em> zirka <strong>94<\/strong> Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildquelle: <strong>Tobis Film \/ Focus Feature<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HYDE PARK ON HUDSON &#8211; Bundesstart 28.02.2013 Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges erwartet Franklin Delano Roosevelt als 32. 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