{"id":6170,"date":"2013-11-20T16:54:31","date_gmt":"2013-11-20T15:54:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6170"},"modified":"2014-04-15T17:19:04","modified_gmt":"2014-04-15T16:19:04","slug":"lunchbox-ist-einfach-kostlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lunchbox-ist-einfach-kostlich\/","title":{"rendered":"LUNCHBOX ist einfach k\u00f6stlich"},"content":{"rendered":"<p><em>THE LUNCHBOX &#8211; Bundesstart 21.12.2013<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lunchbox-ist-einfach-kostlich\/lunchbox-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6177\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6177\" title=\"Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" alt=\"Lunchbox-2, Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-2.jpg\" width=\"300\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-2.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-2-153x200.jpg 153w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-2-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Seit SLUMDOG MILLIONAIRE ist der filmische Blick auf Indien auch von europ\u00e4ischer Seite aus gesch\u00e4rft. Sp\u00e4ter hat LIFE OF PI noch einmal nachgeschoben. Eigenartigerweise wird dabei gerne au\u00dfer Acht gelassen, das der Erste eine britische und der Zweit eine taiwanesische Produktion ist. Bis dahin war der indische Film immer mit dem Klischee einhergegangen, dass selbst in den tragischsten Situationen die Darsteller in Gesang und Tanz ausbrechen w\u00fcrden. Doch LUNCHBOX zeigt nicht nur eine ganz andere Art Film, sondern auch eine sehr eigene Art eine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Die Werbetrommeln m\u00f6chten LUNCHBOX als Feel-Good-Movie verstanden wissen, liegen damit allerdings sehr daneben. Doch die Geschichte von Saajan und Ila zu kategorisieren ist ein schweres Unterfangen. Den so witzig er stellenweise ist, umso trauriger ist er manchmal auch. Er stimmt nachdenklich, und macht dennoch Freude. Es ist eben ein indischer Film, der nicht auf die Standards zur\u00fcckgreifen muss, die Hollywood so erfolgreich machen. Das er dennoch mit diesen Standards spielt, sie andeutet und wieder verwirft, dass macht die zauberhafte Stimmung von LUNCHBOX aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Die Dabbawalas sind 5000 organisierte Essensaustr\u00e4ger in Mumbai, die Vormittags die Essensbeh\u00e4lter von f\u00fcrsorglichen Ehefrauen oder speziellen Dabba-Restaurants abholen, an die Arbeitspl\u00e4tze der hart arbeitenden M\u00e4nner liefern, und Nachmittags die leeren Beh\u00e4lter zur\u00fcckbringen. Nun, die meist leeren Beh\u00e4lter, den Ila ist es gewohnt, dass ihr Ehemann die H\u00e4lfte der Mahlzeit zur\u00fcckgehen l\u00e4sst. Umso erstaunter ist sie, als eines Tages ihr Beh\u00e4ltnis ganz leer ist. In einem unverf\u00e4nglichen Gespr\u00e4ch mit ihrem Mann, findet Ila heraus, dass ihr Essensbeh\u00e4lter von einem Tag auf den anderen an die falsche Person ging. Da ihr Mann sowieso kaum noch Interesse f\u00fcr sie zeigt, sieht Ila keinen Grund etwas gegen die Falschlieferung zu unternehmen. Stattdessen nimmt sie die Herausforderung an, und mit dem Unbekannten Empf\u00e4nger Kontakt auf, indem sie Briefe dem Essen beilegt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lunchbox-ist-einfach-kostlich\/lunchbox-3\/\" rel=\"attachment wp-att-6178\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6178\" title=\"Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" alt=\"Lunchbox-3, Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-3.jpg\" width=\"300\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-3.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-3-159x200.jpg 159w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-3-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Saajan Fernandez ist ein menschenscheuer Witwer, der dem Vorruhestand entgegen geht. Die Nachbarskinder m\u00f6gen den st\u00e4ndigen N\u00f6rgler nicht, seine Arbeitskollegen halten schon l\u00e4nger Abstand. Und so mag es Saajan auch ganz gerne. Erst als er in seinem Dabba-Restaurant wegen des baldigen Ruhestandes sein mitt\u00e4gliches Abonnement aufk\u00fcndigt, f\u00e4llt ihm auf, dass das pl\u00f6tzlich so fantastische Essen eine Verwechslung ist. Und als er den ersten Brief von Ila in den H\u00e4nden h\u00e4lt, setzt das f\u00fcr den selbsternannten Misanthropen unangenehme Ver\u00e4nderungen in Gang.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ritesh Batra zeigt seine von ihm entworfenen Figuren in einem fast schon tr\u00e4umerischen Schwebezustand. Er muss nie konkret werden, um dennoch pr\u00e4zise zu sein. Saajans Einsamkeit, oder Ilas Verdacht auf Untreue ihres Mannes. Es sind immer wieder vage Momente, die aber sehr viel bedeuten. So stellt der Regisseur mit dieser Erz\u00e4hlform den Zuschauer direkt neben die Protagonisten, l\u00e4sst ihn jeweils Teil des Gegen\u00fcbers sein, welcher mit dem Brief des anderen konfrontiert wird. Daraus entspinnt sich eine spannende Erwartungshaltung, mit der man immer tiefer in die Gef\u00fchlswelt von Saajan und Ila eintaucht. Ihre Briefwechsel sind manchmal elementar, manchmal auch einfach nur trivial. Sie sind echt, nicht nur die Figuren an sich, sondern auch die Momente, die sie in schriftlicher Form teilen. Hier beginnt Regisseur Batra sehr geschickt und unglaublich feinf\u00fchlig mit den Versatzst\u00fccken des westlichen Kinos zu spielen. Immer wieder tun sich Augenblicke auf, in denen sich der Zuschauer sicher ist, gewisse Dinge vorweg zu sehen. Aber es bleiben nur Andeutungen, eventuelle M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Zuschauer, dem Gl\u00fcck vorzugreifen. Jeder im Film sehnt sich nach diesem pers\u00f6nlichen Gl\u00fcck, und der Zuschauer ist bereit es jedem zuzugestehen. Nur l\u00e4uft die Geschichte anders, so wie das Leben auch immer andere Wege einschl\u00e4gt. LUNCHBOX wird so zu einem sehr ehrlichen Film, der dennoch seine ungez\u00fcgelte Romantik nicht unterschlagen muss. Auch wenn das Leben andere Wege geht, kann das Ziel n\u00e4mlich immer noch identisch sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein nicht unerheblicher Anteil an der Intensit\u00e4t von LUNCHBOX tr\u00e4gt Michael Simmonds&#8216; Bildgestaltung. Lustigerweise hat Simmonds zum Beispiel auch bei PARANORMAL ACTIVITY 2 die Kamera gef\u00fchrt. Ein Film, der dadurch funktionierte, dass er mit festen Kameraeinstellungen arbeitete. In LUNCHBOX ist es nicht un\u00e4hnlich, weil Simmonds nicht etwa das gro\u00dfe Panorama sucht, sondern stets auf die wesentlichen Elemente fokussiert bleibt. Saajans Schreibtisch, die Fahrt in der Bahn, Ila in ihrer K\u00fcche. Es gibt keine schm\u00fcckenden Elemente, keine sonst \u00fcblichen Einf\u00fchrungssch\u00fcsse. Wenn sich Irrfan Kahn nach dem Erhalt eines weiteren Briefes fast etwas schuldbewusst in der Kantine umsieht, dann bleibt die Kamera bei ihm, durch seine Reaktion erf\u00e4hrt das Publikum, ob er nun tats\u00e4chlich beobachtet wird, oder nicht. Der Film ist ein Charakterst\u00fcck, und die Kamera richtet sich danach, in dem sie das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Zuschauer und der Figur intensiviert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lunchbox-ist-einfach-kostlich\/lunchbox-1\/\" rel=\"attachment wp-att-6176\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6176\" title=\"Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" alt=\"Lunchbox-1,Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-1.jpg\" width=\"620\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-1.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-1-200x128.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-1-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der l\u00e4ngst auch im westlichen Kino bekannte Irrfan Khan ist zweifellos das tragende Herzst\u00fcck in dieser ergreifenden Geschichte, die sie ist, ohne r\u00fchrselig zu sein. Aber sein weiblicher Gegenpart, oder besser Mitpart, Nimrad Kaur, steht Khan in Ausdruck und Emotion in nichts nach. Sie sind ein wohlwollend einnehmendes Gespann, die in ihrer Darstellung etwas ganz Spannendes freilegen, von dem der Zuschauer nicht loskommt. Dazu umgibt diese Figuren ein herrliches Ensemble an wunderbar gezeichneten Nebenfiguren. Zuerst w\u00e4re da nat\u00fcrlich der ungezwungen fr\u00f6hliche Shaikh, der von Nawazuddin Siddiqui so ehrlich sensibel gespielt wird, das man auch seine Geschichte gerne weiter verfolgen w\u00fcrde. Aber am meisten bleibt wohl Bharati Achrekar h\u00e4ngen, die als Nachbarin Auntie einen besonderen Eindruck hinterl\u00e4sst, obwohl man sie nie zu Gesicht bekommt. Ein f\u00fcr die Geschichte hinrei\u00dfender, und \u00fcberraschend gelungener Einfall.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Etwas seltsam mutet an, was in der deutschen Synchronisation wahrscheinlich ausbleibt, dass in der Originalfassung die Dialoge in Hindi als auch in Englisch, mit bekannt stark indischem Akzent, gesprochen werden. Selbst innerhalb von Dialogen wechseln die Schauspieler von Hindi zu Englisch und wieder zur\u00fcck, ein verst\u00e4ndliches Muster ist dabei allerdings nicht zu erkennen. Wenngleich es zu Anfang verwirrt, schadet es nicht dem einnehmenden Verlauf der Handlung, die mit einer beeindruckenden Kollage beginnt, wie die Dabbawalas in einem chaotisch anmutenden System die Lunchboxen abholen, durch die Metropole kutschieren, mehrmals, umsortieren, weiter transportieren, und letztendlich zustellen. In diesem weltweit einmalige System von 5000 Dabbawalas und t\u00e4glich zirka 200.000 Essensbeh\u00e4lter, erreicht bei 8 Millionen Zustellungen nur eine Lunchbox den falschen Empf\u00e4nger. Im Film behaupten die Dabbawalas niemals Fehler zu begehen, und sie haben noch nie Fehler gemacht, und werden auch in Zukunft keine machen. Und das in einem Film, in dem es darum geht, das eben jener Fehler eingetreten ist. Oder ist es gar kein Fehler? Die hintergr\u00fcndige Magie von LUNCHBOX erlaubt durchaus auch etwas Mystik. Denn f\u00fcr die Leben von Saanja und Ila war es kein Fehler, dass die Boxen vertauscht wurden, und die Dabbawalas w\u00fcrden Recht behalten, auch wenn die falsche Box geliefert wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">LUNCHBOX ist nicht der Feel-Good-Movie den der Verleih zwanghaft versucht zu verkaufen. Er ist weit mehr, was sich allerdings schwer vermitteln l\u00e4sst. Er ist unglaublich spannend, ohne Thriller zu sein, sehr witzig, ohne als Kom\u00f6die zu funktionieren, und extrem dramatisch, ohne die Tr\u00e4nendr\u00fcse zu belasten. LUNCHBOX ist kein Film \u00fcber das stets fragw\u00fcrdige Finden alles Gl\u00fcckes dieser Welt, das der Zuschauer immer vorgesetzt bekommt. Wenn der Abspann beginnt, entpuppt sich LUNCHBOX als ein Film \u00fcber die Hoffnung, die wir alle in uns tragen, und verstehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2013\/lunchbox-ist-einfach-kostlich\/lunchbox-4\/\" rel=\"attachment wp-att-6179\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6179\" title=\"Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" alt=\"Lunchbox-4, Copyright NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-4.jpg\" width=\"620\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-4.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-4-200x156.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Lunchbox-4-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: Irrfan Khan, Nimrad Kaur, Nawazuddin Siddiqui, Denzil Smith, Bharati Achrekar, Nakul Vaid, Yashvi Puneet Nagar, Lillette Dubey u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch: Ritesh Batra<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Michael Simmonds<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: John Lyons<\/em><br \/>\n<em> Musik: Max Richter<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Shruti Gupte<\/em><br \/>\n<em> Indien-Frankreich-Deutschland-USA \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> zirka 104 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>NFP Marketing &amp; Distribution \/ Sony Pictures Classic<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE LUNCHBOX &#8211; Bundesstart 21.12.2013 Seit SLUMDOG MILLIONAIRE ist der filmische Blick auf Indien auch von europ\u00e4ischer Seite aus gesch\u00e4rft. 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