{"id":6343,"date":"2014-01-03T08:58:14","date_gmt":"2014-01-03T07:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6343"},"modified":"2014-01-03T14:00:19","modified_gmt":"2014-01-03T13:00:19","slug":"genug-gesagt-enough-said","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/genug-gesagt-enough-said\/","title":{"rendered":"GENUG GESAGT spricht f\u00fcr sich"},"content":{"rendered":"<p><em>ENOUGH SAID &#8211; Bundesstart 19.12.2013<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/genug-gesagt-enough-said\/enough-said-1\/\" rel=\"attachment wp-att-6345\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6345\" alt=\"Enough-said-1, Copyright Fox Searchlight \/ Twentieth Century Fox of Germany\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-1.jpg\" width=\"620\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-1.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-1-200x96.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-1-300x145.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als GENUG GESAGT beim Toronto Filmfestival Pr\u00e4miere feierte, war James Gandolfini gerade einmal drei Monate tot. Das schockierte nicht nur seine unz\u00e4hlige Kollegen, auch die Industrie und Filmfreunde gleicherma\u00dfen. Es ist nicht Gandolfinis letzter Film, aber so kurz nach seinem unvermittelten Ableben, tr\u00e4gt der Film damit eine besondere Leidenschaft. James Gandolfini war keiner dieser extrovertierten Method-Actor, und weit davor entfernt, sich bei jeder neuen Rolle neu zu definieren. Aber er war ein Mann, der stets er selbst blieb, immer dieser liebenswerte B\u00e4r als Kumpel-Typ, der sich nicht seinen Charakter ausspielte, sondern die Figurenzeichnung in sich aufnahm. Das machte ihn in seinen Filmen brutal, neurotisch, unberechenbar, aber auch liebenswert, daf\u00fcr einfach immer ehrlich. Und es macht ihn real und verletzlich in GENUG GESAGT. Einer der bis jetzt beeindrucktesten Charakterst\u00fccke, die Filmemacherin Nicole Holofcener bisher auf Bildschirm und Leinwand gebracht hat. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die geschiedene Eva. Sie ist Masseuse, mit F\u00fcnfzig immer noch allein, und ihre Tochter steckt in den Vorbereitungen aufs College zu gehen. Julia Louis-Dreyfus verk\u00f6rpert diesen ungebrochene, aber auch nicht unbedingt gl\u00fcckliche Frau mit einer ungeheuren Lebensenergie, die den Zuschauer umgehend f\u00fcr sich einnimmt. Louis-Dreyfus ist im Kino nur noch sehr sporadisch zu finden, seit sie das f\u00fcr Filmhauptrollen kritische Alter \u00fcberschritten hat. Und genau darum geht es auch in Holofceners Film. Um ein gewisses Alter, in dem man schon alles gesehen hat, aber noch immer gnadenlos belehrt wird. Mit einer Situation, in der sie mit Selbstsicherheit und altersweisen Rat der besten Freundin der Tochter Hilfestellung gibt, mit der sie sp\u00e4ter f\u00fcr ihre eigenen Situation selbst schwer zurecht. Und dabei dreht es sich um Albert, einem Mann ebenfalls \u00fcber F\u00fcnfzig, geschieden und mit Tochter. Albert ist alles au\u00dfer ein Traummann, zumindest \u00e4u\u00dferlich. Als sie sich auf einer Gartenparty kennenlernen, tauschen sie weniger Komplimente aus als Aufrichtigkeiten. Ein witziger, direkter Mann, der noch dazu r\u00fccksichtsvoll ist, aber auch ehrlich. Das mit dem Erscheinen von Albert auch f\u00fcr Eva \u00c4u\u00dferlichkeiten keine Rolle mehr spielen, ist keine Zugest\u00e4ndnis an ihr Alter und den damit einhergehenden Chancen, sondern ein Reifeprozess, in dem Werte und Anspr\u00fcche neu formiert sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt eine handlungsbedingte Wendung im zweiten Akt, die zuerst wie ein billiger Trick aus einer beliebigen DESPERATE HOUSEWIVES Episode nach Humor zu schielen scheint. Das st\u00f6\u00dft zuerst etwas auf, findet aber dann aber eine ebenso \u00fcberraschende Aufl\u00f6sung, und wird mit einem Mal zu einer der wichtigsten Aussagen in Holofcener Geschichte und Inszenierung. Und das ist, wie weit man sich ins \u00c4lterwerden hinein immer wieder beeinflussen l\u00e4sst, und anstatt die eigenen Gef\u00fchle zu respektieren, diese lieber immer wieder hinterfragt. Ein sehr klug beobachtender Film, der in seinen Dialogen so geradeheraus ehrlich ist, dass man diesen Figuren unabl\u00e4ssig zuh\u00f6ren m\u00f6chte. Der Humor ergibt sich nicht aus der Geschichte, oder dem Tun der Charaktere, sondern weil die Darsteller ihre Zeilen nicht als Dialog spielen, sondern als reale Gespr\u00e4che vermitteln. Ihre Interaktionen sind einfach nur glaubhaft, ohne \u00dcberspitzung, ohne k\u00fcnstlerische \u00dcberbeanspruchung. Nicole Holofcener l\u00e4sst ihre brillanten Darsteller einfach nur Mensch sein, gibt ihnen notwendigen Freiraum, und inszeniert sie dabei ohne Voyeurismus, oder Zurschaustellung zugunsten dramatischer Aufwertung. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das sich Xavier P\u00e9rez Grobets Bilder und Robert Frazens Bildschnitt dem klassischen Kino unterwerfen, ohne den f\u00fcrs Independent-Kino m\u00f6glichen Eskapaden zu verfallen, ist ein zus\u00e4tzliches Plus f\u00fcr GENUG GESAGT, weil es nicht von seinen hervorragenden Schauspielern und ihren intelligenten, weil real nachvollziehbaren Einzelszenen ablenkt. ENOUGH SAID ist bestes, weil durchweg gelungenes Ensemble-Kino mit einer herausragenden Julia Louis-Dreyfus und einem durch diesen Film noch schmerzlicher vermissten James Gandolfini. Genug gesagt.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/genug-gesagt-enough-said\/enough-said-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6346\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6346\" alt=\"Enough-said-2, Copyright Fox Searchlight \/ Twentieth Century Fox of Germany\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-2.jpg\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-2-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Enough-said-2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Darsteller: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Toni Collette, Ben Falcone, Catherine Keener, Tavi Gevinson u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch: Nicole Holofcener<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Xavier P\u00e9rez Grobet<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Robert Frazen<\/em><br \/>\n<em> Musik: Marcelo Zarvos<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Keith P. Cunningham<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> zirka 93 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Fox Searchlight \/ Twentieth Century Fox of Germany<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ENOUGH SAID &#8211; Bundesstart 19.12.2013 Als GENUG GESAGT beim Toronto Filmfestival Pr\u00e4miere feierte, war James Gandolfini gerade einmal drei Monate tot. Das schockierte nicht nur seine unz\u00e4hlige Kollegen, auch die Industrie und Filmfreunde gleicherma\u00dfen. 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