{"id":6611,"date":"2014-02-27T10:00:52","date_gmt":"2014-02-27T09:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6611"},"modified":"2014-02-26T10:11:48","modified_gmt":"2014-02-26T09:11:48","slug":"philomena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/philomena\/","title":{"rendered":"PHILOMENA"},"content":{"rendered":"<p><em>PHILOMENA &#8211; Bundesstart 27.02.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/the-monuments-men\/philomena-1\/\" rel=\"attachment wp-att-6602\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6602\" title=\"Copyright Square One Entertainment \/ Weinstein Company \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" alt=\"Philomena-1, Copyright Square One Entertainment \/ Weinstein Company \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-1.jpg\" width=\"300\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-1-153x200.jpg 153w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-1-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Als Regisseur und Schauspieler Peter Mullan 2003 seinen zweiten Langfilm vorstellte, l\u00f6ste er eine Welle ungl\u00e4ubigen Entsetzens aus. Junge M\u00e4dchen, die 1963 in einem im Heim eines katholischen Klosters unter unmenschlichen Verh\u00e4ltnissen leben und arbeiten mussten. War das die christliche N\u00e4chstenliebe? Die Zust\u00e4nde im Film DIE UNBARMHERZIGEN SCHWESTERN waren verst\u00f6rend. Aber eine ehemalige Bewohnerin, oder Gefangene, des Magdalena-Stifts, bescheinigte dem Film, dass er nicht ann\u00e4hernd die Zust\u00e4nde wiedergeben konnte, wie sie die M\u00e4dchen tats\u00e4chlich erlebt hatten. Eine unbedachte, leichtsinnige Handlung bringt Philomena Lee 1951 in eine noch bedauernswertere Lage. Die Jugendliche wird schwanger, und weil im erzkatholischen Irland, umgehend in ein Kloster gesperrt, wo sie ohne medizinische Unterst\u00fctzung einen Jungen zur Welt bringt. Einmal am Tag darf sie ihn dann anschlie\u00dfend sehen, f\u00fcr gerade eine Stunde. Philomena bei\u00dft sich durch, ackert unmenschliche Stunden in der W\u00e4scherei, immer im Glauben, mit ihrer Vollj\u00e4hrigkeit und ihrem geliebten Sohn ein gutes Leben au\u00dferhalb der Klostermauern beginnen zu k\u00f6nnen. Doch Kleinkinder bedeuten f\u00fcr das Kloster auch Finanzen. Hilflos muss Philomena mit ansehen, wie ihr Sohn Anthony mit einem Ehepaar davon f\u00e4hrt, welches Anthony f\u00fcr 1000 Pfund adoptiert hat. Ein Schrecken, den Philomena erst 50 Jahre sp\u00e4ter verarbeiten kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Auch wenn es eine wahre Geschichte ist, scheint PHILOMENA auf den ersten Blick keine sehr au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte f\u00fcr gro\u00dfes Gef\u00fchlskino. Die Eckpfeiler von Befremden, Ann\u00e4herung, emotionalen Ausbr\u00fcchen, und Konfrontation geben den Anschein von Standards eines Dramas. Dazu ist er ein fast klassischer Road-Movie, bei dem nach einer beschwerlichen Reise, am Ausgangspunkt die Erf\u00fcllung steht. Doch Englands erster Filmregisseur Stephen Frears braucht keine au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichten, sondern er zeichnet au\u00dfergew\u00f6hnliche Figuren, und er setzt sie in ganz gew\u00f6hnliche Situationen. Die eigentlich ganz normale Fahrt auf einem Personentransporter am Flughafen zum Beispiel, in der sich neben einer fr\u00f6hlich plappernden Philomena, Journalist Martin Sixsmith sichtlich unwohl f\u00fchlt, weil er in dem Gef\u00e4hrt aus der Menge heraus sticht. Und hier beginnt auch das besondere Geschick in der Erz\u00e4hlung, weil Frears heimlich und fast unmerklich mehr Augenmerk auf Martin Sixsmith legt. Nat\u00fcrlich kommt die Geschichte und der Charakter von Philomena Lee keineswegs zu kurz, letztendlich ist sie stets die treibende Substanz f\u00fcr den Politreporter, der sich f\u00fcr Boulevard-Journalismus eigentlich viel zu schade ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Was hingegen viel offensichtlicher ins Bewusstsein r\u00fcckt, ist die Balance von Stephen Frears Umsetzungen der Stimmungslagen. Diese Balance bezieht sich nicht darauf, dass dem Humor die selbe Gewichtung zuf\u00e4llt, wie den tragischen Momenten. Vielmehr inszeniert Frears, wie er es immer tut, und so seine Filme zu einem homogenen Erlebnis werden lassen. Der Humor ist dezent, die Lacher keine Schenkelklopfer, und die emotionalen Elemente sind nicht zum Tr\u00e4nenrausch hin gepl\u00fcndert, oder dramatisch \u00fcberfrachtet. Das macht die Figuren und ihre Geschichte glaubhaft und real, zeitgleich auch spannend und mitf\u00fchlend. Dadurch wird die zwischenmenschliche Beziehung zwischen der hilfesuchenden Philomena und dem nach Herausforderung ringenden Martin geistreich und sehr subtil untermauert. Fast unmerklich, wie sie sich anf\u00e4nglich nie verstehen, was der andere mit seinen humorigen Bemerkungen eigentlich meint. Dass diese Momente nicht breit ausgespielt, oder auf Kom\u00f6dien-Niveau hochstilisiert werden, macht den eigentlichen Genuss von PHILOMENA aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch diese Kom\u00f6die ist auch ein sehr intelligentes, weil ehrlich emotionales Drama. Was Hauptdarsteller Steve Coogans Drehbuch auch vorz\u00fcglich angeboten hat. An einem Punkt gibt es f\u00fcr Philomena eine herbe Niederlage in ihrer Suche nach ihrem Sohn. Eine Situation, die der Zuschauer auch schon geraume Zeit erahnt hat. Doch mit einem selbstbewussten Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die gegebenen Lage, \u00fcberrascht Philomena nicht nur ihren Gegenpart, sondern auch das Publikum, und bietet stattdessen selbst eine nur allzu logische Alternative f\u00fcr einen ohnehin ausweglosen Umstand. Gerade diese Szene, h\u00e4tte gen\u00fcgend Potential um unendlich tief in die Tr\u00e4nenkiste zu greifen, was wirklich kein Zuschauer dem Regisseur \u00fcbel genommen h\u00e4tte. Aber es w\u00e4re unehrlich und irref\u00fchrend gewesen. Und ausgerechnet das macht PHILOMENA zu einem sehr sensiblen St\u00fcck. Nicht weil der Film k\u00fcnstlich und inszeniert Emotionen weckt, sondern weil er stets menschlich nachvollziehbar bleibt, und ein bereitwilliges Publikum respektvoll und ehrlich behandelt. In diesen Augenblicken wird PHILOMENA zu einem Erlebnis, das den Zuschauer mitnimmt, und nicht dem Zuschauer zu dessen Gefallen hinterher hechelt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Vorwurf an die Weinstein Company, bei Ver\u00f6ffentlichung der UNBARMHERZIGEN SCHWESTERN noch Miramax genannt, gerne auf die Institution der katholischen Kirche einzuschlagen ist berechtigt. Doch die Geschichte der Philomena Lee, auch stellvertretend f\u00fcr all die anderen bitteren Schicksale in Heimen und Kl\u00f6stern, sollte durchaus nach drau\u00dfen getragen werden. Das tut PHILOMENA mit einer so selbstverst\u00e4ndlichen Leichtigkeit, dass man sich seiner einnehmenden Kraft kaum entziehen kann. Er gibt keine Meinung vor, und ist auch nicht so anklagend, wie er tats\u00e4chlich sein k\u00f6nnte. Stephen Frears hat erneut einen gesellschaftlichen Zustand beschrieben, welchen er durch Menschlichkeit lebendig werden l\u00e4sst. Der skeptische Journalist Sixsmith wird am Ende derjenige sein, der seinen Weltblick ver\u00e4ndert hat. Nicht weil in Irland im Namen der Kirche soviel Unrecht geschehen ist, sondern weil es eine Frau geschafft hat, aus ihrem erdr\u00fcckenden Leid auszubrechen, weil sie unvoreingenommen die Welt von allen Seiten betrachten konnte. In diesem Sinne kommt Film und die Umsetzung der Geschichte eigentlich denen entgegen, die sich verantwortlich zeigen m\u00fcssten, was dereinst geschehen war. So \u00e4u\u00dferte Stephen Frears auf einer Pressekonferenz seinen gr\u00f6\u00dften Wunsch f\u00fcr PHILOMENA, n\u00e4mlich dass der Pabst ihn sich ansehen m\u00f6ge.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/the-monuments-men\/philomena-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6603\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-6603\" title=\"Copyright Square One Entertainment \/ Weinstein Company \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" alt=\"Philomena-2, Copyright Square One Entertainment \/ Weinstein Company \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-2.jpg\" width=\"620\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-2-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Philomena-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Darsteller: Judi Dench, Steve Coogan, Sophie Kennedy Clark, Mare Winningham, Barbara Jefford, Peter Hermann, Ruth McCabe\u00a0 u.a.<br \/>\nRegie: Stephen Frears<br \/>\nDrehbuch: Steve Coogan, Jeff Pope, nach dem Buch von Martin Sixsmith<br \/>\nKamera: Robbie Ryan<br \/>\nBildschnitt: Valerio Bonelli<br \/>\nMusik: Alexandre Desplat<br \/>\nProduktionsdesign: Alan MacDonald<br \/>\nGro\u00dfbritannien &#8211; Frankreich &#8211; USA \/ 2013<br \/>\nzirka 98 Minuten<\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Square One Entertainment \/ Weinstein Company \/ Twentieth Century Fox Film Coperation<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PHILOMENA &#8211; Bundesstart 27.02.2014 Als Regisseur und Schauspieler Peter Mullan 2003 seinen zweiten Langfilm vorstellte, l\u00f6ste er eine Welle ungl\u00e4ubigen Entsetzens aus. Junge M\u00e4dchen, die 1963 in einem im Heim eines katholischen Klosters unter unmenschlichen Verh\u00e4ltnissen leben und arbeiten mussten. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/philomena\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[1137,261,1139,1140,1138,459],"class_list":["post-6611","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-im-kino-gesehen","tag-judi-dench","tag-komodie","tag-philomena","tag-stephen-frears","tag-steve-coogan","tag-tragikomodie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6611"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6685,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6611\/revisions\/6685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}