{"id":6806,"date":"2014-03-14T20:11:06","date_gmt":"2014-03-14T19:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6806"},"modified":"2014-03-14T20:11:06","modified_gmt":"2014-03-14T19:11:06","slug":"die-buecherdiebin-book-thief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-buecherdiebin-book-thief\/","title":{"rendered":"DIE B\u00dcCHERDIEBIN gespoilert"},"content":{"rendered":"<p><em>THE BOOK THIEF \u2013 Bundesstart 13.03.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-buecherdiebin-book-thief\/book-thief-1\/\" rel=\"attachment wp-att-6808\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6808\" title=\"20th Century Fox of Germany \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" alt=\"book-thief-1, Copyright 20th Century Fox of Germany \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-1.jpg\" width=\"300\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-1-153x200.jpg 153w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-1-229x300.jpg 229w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Den Vorwurf, dass die B\u00dcCHERDIEBIN eine viel zu milde Darstellung der Nazi-Herrschaft abbildet, kann man durchaus geltend machen. In der Tat ist es ein Film, der Brutalit\u00e4t und Willk\u00fcr meidet. Doch das sieht nur der Erwachsene so. Wie erleben aber Kinder ein derartiges Schreckensregime, die offenen Gr\u00e4ueltaten, oder einfach nur den unterschwelligen Rassismus? DIE B\u00dcCHERDIEBIN verdeutlicht sehr anschaulich und nachvollziehbar, wie sich ein Kind durch so eine f\u00fcrchterliche Zeit man\u00f6vrieren muss. Unschuldige Kinder, die weder Rassenfragen kennen, noch den Tod als solches verstehen. Liesel Meminger kommt zu ihren Adoptionseltern Hans und Rosa Hubermann, in die Kleinstadt Molching. Der Zweite Weltkrieg steht vor der T\u00fcr, doch davon wei\u00df Liesel nichts, genauso wenig wie sie immer wieder auftauchenden Faschisten versteht. Obwohl, oder gerade weil sie nicht lesen kann, ist sie von B\u00fcchern fasziniert. Das geht soweit, dass Liesl sogar nach der B\u00fccherverbrennung ein unversehrtes Buch aus dem Aschehaufen fischt. Der treusorgende und gutm\u00fctige Hans bringt ihr das Lesen bei, w\u00e4hrend die robuste und hartherzig wirkende Rosa das Leben der Familie meistert. Dann steht eines Tages Max vor der T\u00fcr, der Sohn eines alten Freundes, der im Keller Unterschlupf findet. Liesel ist von Max fasziniert, denn was einen Juden von anderen Menschen unterscheiden soll, irritiert das M\u00e4dchen genau so, wie die Frage, warum man nicht einfach etwas dagegen unternehmen kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Brian Percivals Regie ist sehr feinf\u00fchlig, die Atmosph\u00e4re stets auf einem ehrlichen Niveau. Dabei w\u00fcrde der Stoff reichlich Gelegenheit bieten, die unverhohlene Tr\u00e4nendr\u00fcse zu beanspruchen. Doch Liesel geht weniger mit Emotionen durch diese bittere Zeit, sondern viel mehr mit Verwirrung. Und das kann DIE B\u00dcCHERDIEBIN eindrucksvoll vermitteln. Tote Menschen sind keine zerfetzten Leiber, sondern friedvolle H\u00fcllen ohne Leben. Und warum nicht jubelnd durch die Stra\u00dfen laufen, weil der Deutschland England den Krieg erkl\u00e4rt hat. Ist Krieg nicht ein gro\u00dfes Abenteuer? Der Tod selbst ist der Erz\u00e4hler, der zugibt von Menschen besessen zu sein, so ist das, wenn man nichts anderes zu tun hat, als sich um sie zu k\u00fcmmern. Lakonisch meint der Tod, dass er unz\u00e4hlige junge Menschen erlebt h\u00e4tte, die glaubten gegen den Feind zu Felde zu ziehen, dabei waren sie alle auf dem Weg zu ihm.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das ausgerechnet der Tod die Geschichte kommentiert, ist keine Verniedlichung des Schreckens. Sondern er macht den Schrecken da greifbar, wo Liesel noch zu unerfahren ist, um zu verstehen. Bisweilen klingt der Tod etwas zynisch, was aber auch damit zu tun hat, der er vom Menschen gerne ignoriert wird. Der Tod, das ist die eigentliche G\u00e4nsehaut in Liesels Geschichte. Das Unausweichliche, egal was der Mensch glaubt, dagegen tun zu k\u00f6nnen. Aus der Romanvorlage den Tod als Erz\u00e4hler zu \u00fcbernehmen, war die gl\u00fccklichste Entscheidung f\u00fcr die B\u00dcCHERDIEBIN. Weniger gl\u00fccklich, sind die vielen Handlungsstr\u00e4nge, die Michael Petroni unbedingt adaptieren musste, ohne diese befriedigend aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Stellvertretend w\u00e4re da das B\u00fcrgermeister-Ehepaar Hermann, und deren Einfluss auf Liesels Affinit\u00e4t zum Buch. Die Beziehung innerhalb dieser Ehe, w\u00e4re selbst einer n\u00e4herer Betrachtung wert gewesen. Er als offensichtlicher Regime-Sympathisant, sie als frustrierte Hausfrau ohne Aufgabe. Dazwischen ein junges M\u00e4dchen, welches seinen eigenen Weg auch noch nicht gefunden hat, aber auch in den Hermanns keinen Vorbildcharakter finden kann. Auch die Figur des Vaters von Liesels bestem Freund Rudi, macht immer den Eindruck, als w\u00e4re ihm in der Handlung und der Entwicklung der Geschichte weit mehr zugedacht gewesen, als er letztendlich zu tun bekommt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die narrative Struktur der B\u00dcCHERDIEBIN hat nicht wenige Schw\u00e4chen. Doch diesen Schw\u00e4chen stehen ganz gro\u00dfe Kino-Momente gegen\u00fcber. Florian Ballhaus\u2018 Bildgestaltung ist einer von diesen gro\u00dfen Momenten. In klar komponierten Einstellungen und Bewegungen, unterst\u00fctzt er den emotionalen Reigen, der auf die Protagonisten einwirkt. In vielen Sequenzen wird die Handlung allein durch Bilder erz\u00e4hlt, wenn Max zum Beispiel f\u00fcr Liesel ein Tagebuch fertigt. Und das aus einem ganz speziellen Werk. Ballhaus und Regisseur Percival haben weitgehend ohne Spezial- oder Visuelle-Effekte gearbeitet. Und doch erschaffen sie eine glaubhafte Gr\u00f6\u00dfe und Realit\u00e4t in Kulissen und echten Drehorten. Die Kamera wird zu einem Instrument, das selbst Kunstwerke erschafft, die je nach Anforderungen unterst\u00fctzen, alleine arbeiten, und dem Zuschauer Abstand, oder N\u00e4he verschaffen. Aber Florian Ballhaus kreiert mit seinem Werkzeug keine selbstgerechten, dem eigenen Ego unterstellten Bilder. Da wird Kino zum sprichw\u00f6rtlich ganz gro\u00dfen Kino, selbst wenn die Linse nur auf den verstehen wollenden Augen von Liesel ruhen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Fehler von der B\u00dcCHERDIEBIN ist tats\u00e4chlich der eher bescheidene Blick eines Kindes auf den Umsturz der Welt. Er will weder das \u00fcberzogene Melodram sein, noch die Kuschelversion einer brutalen Realit\u00e4t. Das brachte dem Film weit weniger Aufmerksamkeit, als er eigentlich verdient h\u00e4tte. Denn im Endeffekt ist B\u00dcCHERDIEBIN ein sehr ansprechender Film, der mit genialen Darstellern und harmonierend mit einer formidablen Kamerarbeit, durchaus den Schrecken verst\u00e4ndlich macht. Wenn Liesel aus ihrer Sicht heraus Max fragt, ob die Juden sich nicht einfach bei Hitler entschuldigen k\u00f6nnten, da begreifen auch Erwachsene, um wie viel schwerer es f\u00fcr die Kleinen gewesen sein muss, insbesondere diese Welt zu begreifen. Es bedarf also keiner drastischen Bilder, um Wirkung zu erzielen. Als Liesel das Buch aus dem Aschehaufen zieht, und dabei von jemanden zuf\u00e4llig gesehen wird, dann ist die daraus einhergehende Bedrohung nur f\u00fcr den Zuschauer wirklich verst\u00e4ndlich. So funktionieren auch bindende Emotionen, ohne Spannungsmomente um der Spannung willen aufbauen zu m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nur h\u00e4tte das Drehbuch mehr Mut zeigen d\u00fcrfen, die verschiedenen angedachten Handlungsstr\u00e4nge entweder zu kappen, oder konkreter auszuarbeiten. Denn hier werden sich nicht wenige Zuschauer fragen, wie die ein oder andere Figur den Ereignissen tats\u00e4chlich zuzuordnen ist. So auch am Ende, wenn das Publikum nach einem gewaltigen Zeitsprung aus Liesels weiterem Leben verbannt war, und der Tod seine letzten Worte spricht: Ich wollte der B\u00fccherdiebin sagen, dass sie eine der ganz wenigen Seelen war, die mich r\u00e4tseln lie\u00dfen, wie es w\u00e4re zu leben. Doch am Ende gab es keine Worte. Nur Frieden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-buecherdiebin-book-thief\/book-thief-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6809\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6809\" title=\"20th Century Fox of Germany \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" alt=\"book-thief-2, Copyright 20th Century Fox of Germany \/ Twentieth Century Fox Film Coperation\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-2.jpg\" width=\"620\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-2-200x130.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/book-thief-2-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Der Tod \u2013 Roger Allam \/ Ben Becker, Sophie N\u00e9lisse, Geoffrey Rush, Emily Watson, Nico Liersch, Ben Schnetzer, Rainer Bock, Barbara Auer u.v.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Brian Percival<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Michael Petroni, nach dem Buch von Markus Zusak<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Florian Ballhaus<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: John Wison<\/em><br \/>\n<em> Musik: John Williams<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Simon Elliot<\/em><br \/>\n<em> USA \u2013 Deutschland \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> zirka 131 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>20th Century Fox of Germany \/ Twentieth Century Fox Film Coperation<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE BOOK THIEF \u2013 Bundesstart 13.03.2014 Den Vorwurf, dass die B\u00dcCHERDIEBIN eine viel zu milde Darstellung der Nazi-Herrschaft abbildet, kann man durchaus geltend machen. 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