{"id":6821,"date":"2014-03-27T10:00:10","date_gmt":"2014-03-27T09:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6821"},"modified":"2014-03-26T16:00:34","modified_gmt":"2014-03-26T15:00:34","slug":"her-spike-jonze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/her-spike-jonze\/","title":{"rendered":"HER &#8211; ein sicheres Update"},"content":{"rendered":"<p><em>HER &#8211; Bundesstart 27.03.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/her-spike-jonze\/her-1\/\" rel=\"attachment wp-att-6833\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6833\" title=\"Warner Bros.\" alt=\"Her-1, Copright Warner Bros.\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-1.jpg\" width=\"620\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-1.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-1-200x100.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-1-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Theodore ist ein einsamer Mann, der mit einer traumhaften Frau verheiratet war, aber nicht seiner Traumfrau. Nicht die Frau, die alles f\u00fcr ihn gegeben h\u00e4tte. Und so ist Theodore trotz bester und innigster Freunde, doch irgendwie ein einsamer Mann, der introvertiert durch ein Los Angeles der Zukunft l\u00e4uft. Wer kennt sie nicht, diese Angst vor der Einsamkeit. Aber wer kennt nicht auch die die Angst vor einem neuen Betriebssystem. Installation, und dann? Theodore ist so abgelenkt von seiner eigenen Traurigkeit, das er sich dar\u00fcber keine Sorgen macht, und das hei\u00df umworbene Betriebssystem erwirbt. K\u00fcnstliche Intelligenz soll es haben, und sich selbstst\u00e4ndig den Bed\u00fcrfnissen und Angewohnheiten des Benutzers anpassen. Theodore ist zuerst erheitert, gibt dem BS w\u00e4hrend der Installation eine weibliche Identit\u00e4t, und es stellt sich schlie\u00dflich als Samantha vor. Theodores anf\u00e4ngliche Erheiterung wandelt sich in Staunen, denn Samantha gibt ihm nicht das Gef\u00fchl, eine k\u00fcnstliche Intelligenz sein, sondern ein Wesen, das sich voll und ganz auf ihn einl\u00e4sst, nur f\u00fcr ihn da ist. Seine Traumfrau etwa?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Eins muss man Spike Jonze lassen, er zeigt Nerven zu glauben, mit so einem Stoff durch zu kommen. Aber der Mann der schon mit BEING JOHN MALKOVICH erfolgreich war, und sich mit einer schr\u00e4gen ADAPTION behauptete, der sollte auch eine Beziehung zwischen einer Stimme eines Computer-Betriebssystems und einem menschlichen Wesen glaubhaft werden lassen. Und das tut er auch, weil Jonze von seinem Stoff \u00fcberzeugt ist. Theodore beginnt seine Welt mit Samantha zu teilen. Er l\u00e4sst das Video-Auge seines Smart-Phones aus der Hemdtasche sehen, und das Betriebssystem sieht und erlebt alles, wie Theodore sein Leben lebt. Jonze setzt nicht etwa die Rationalit\u00e4t in den Kontext seiner Geschichte, sondern die schlichte Frage: Warum nicht? Aber HER ist dennoch kein M\u00e4rchen, keine lustige Anekdote, oder schriller Klamauk. HER funktioniert als warmherzige, reale Geschichte, an deren Glaubw\u00fcrdigkeit man selbst als Zuschauer \u00fcberhaupt keine Zweifel hegt. Das enorme schauspielerische Talent von Joaquin Phoenix und die auf das wesentliche konzentrierte Regie von Jonze geben dem Zuschauer gegen jede Vernunft, eine greifbare und mitf\u00fchlende Beziehung, die man nachempfinden kann. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der k\u00fcnstlerische Kniff ist dabei, alles normal wirken zu lassen. So tanzt Theodore mit seinem Smart-Phone, sprich Samantha, ausgelassen durchs Einkaufszentrum. Und keine Mensch w\u00fcrdigt ihn eines zweiten Blickes. Es sind Theodores Momente, sind seine Gef\u00fchle, und nicht ablenkende Reaktionen einer verst\u00e4ndnislosen Umwelt. Im Zeitalter der Kommunikation gibt es kein Unverst\u00e4ndnis mehr. Wir haben diese Welt angenommen, und jetzt gehen wir in ihr auf. Es ist kaum zu beschreiben, was es am Ende wirklich ausmacht, dass auch der Zuschauer keinen Zweifel an dieser Beziehung hegt. Nicht einmal anfangs schleicht sich der Gedanke von Absurdit\u00e4t ein, der unter anderen Umst\u00e4nden vielleicht umgehend das Filmvergn\u00fcgen gekippt h\u00e4tte. Liegt es an Theodores leuchtenden Augen, seinem stets milden L\u00e4cheln, oder ist es die einnehmend sanfte Stimme von Samantha. Die ihren Namen daher hat, dass Samantha Morton zuerst das Betriebssystem sprach, und die Dialoge am Set mit Joaquin Phoenix spielte. Was nach Phoenix&#8216; Spiel zu urteilen, vor Ort perfekt harmonierte, war nach Meinung des Regisseurs, und Samantha Morton selbst, am Schneidetisch ein eher unbefriedigendes Resultat. Scarlett Johannson synchronisierte schlie\u00dflich Samantha, mit nicht minder zur Herz gehender Sanftmut. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">HER spielt in einer nahe Zukunft. Aber es ist keine fremde, unwirkliche Zukunft. Mit dem Produktionsdesign er\u00f6ffnet HER eine zweite Ebene. Es ist die logische Weiterentwicklung einer aktuell bestehenden Gesellschaft. HER sollte als Beispiel in die Schulen aufgenommen werden, wie man eine glaubhafte Zukunft erschafft. Die Stadtbilder, die Kost\u00fcme, das Set-Design, die Ausstattung. Mit ganz wenig, wurde hier sehr viel erreicht. Der futuristische Eindruck entsteht durch nur geringe Ver\u00e4nderungen an aktuellen Moden und Mobiliar, aber auch der gezeigte Umgang mit Technik. Gro\u00dfz\u00fcgige Stadtansichten von Los Angeles runden ein perfekten Bild ab, wobei Shanghai als Double diente, aber den Eindruck tats\u00e4chlich verst\u00e4rkt. Kamermann Hoyte van Hoytemna w\u00e4hlte stets Bildausschnitte, die Phoenix wohl in den Vordergrund setzten, aber genug Raum lie\u00dfen, um die Gr\u00f6\u00dfe und Atmosph\u00e4re der Stadt erleben zu k\u00f6nnen. All diese kleinen Ver\u00e4nderungen, ergeben ein gro\u00dfes, beeindruckendes Bild einer Zukunft, die schon vor der T\u00fcr steht. Denn wenn im Grunde die gezeigte Beziehung im Film auf die Wirklichkeit \u00fcbertragen, absurd erscheint, so ist in dieser Wirklichkeit unsere Faszination, Affinit\u00e4t und bereits auch Abh\u00e4ngigkeit von den modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten, schon sehr nah an der Geschichte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein leicht schr\u00e4ger Soundtrack von Arcade Fire und Owen Pallett, angereichert mit vielen unbekannten, und nicht weniger schr\u00e4ger Songs, runden ein Filmvergn\u00fcgen ab, das damit fast als perfekt zu bezeichnen w\u00e4re. Fast, w\u00e4re da nicht HERs \u00fcberbeanspruchte L\u00e4nge. Kein Zweifel, dass es wirklich erholsam ist, wieder einmal einen einf\u00fchlsam ruhigen Film zu sehen, der sich Zeit nimmt. Einzelne Szenen gewinnen enorm, an ihrer zeitlich freiz\u00fcgigen Inszenierung, weil es sie authentischer und ehrlicher macht, aber damit auch dem Zuschauer mehr Gelegenheit einr\u00e4umt, das Spiel und die Atmosph\u00e4re zu genie\u00dfen. Das bedeutet, das HER nur um einige Szenen zu lang ist. Als ob Spike Jonze nicht von seinen Figuren und der Stimme ablassen konnte. Aber es ist nur dieser kleine Tick, dieses leichte Gef\u00fchl, dass die Handlung eigentlich etwas z\u00fcgiger voranschreiten k\u00f6nnte. Denn man hat sehr schnell die Beziehung zwischen der k\u00fcnstlichen Intelligenz und dem Menschen verstanden und nachvollzogen. Eben auf Grund der feinf\u00fchligen Regie und dem perfekten Spiel, nicht nur Phoenix&#8216;, sondern aller Darsteller. So w\u00e4re mit etwas mehr Tempo in der Handlung, keineswegs innerhalb der Szenen, tats\u00e4chlich nur in der Handlung, aus dem exzellenten, ein perfektes Filmvergn\u00fcgen geworden. Der Film ist einen Besuch trotz allem wert. Wer will denn nicht sehen, wie die Zukunft aussieht, und das vielleicht mit einem Betriebssystem an deiner Seite.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/her-spike-jonze\/her-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6834\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-6834\" title=\"Warner Bros.\" alt=\"Her-2, Copyright Warner Bros.\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-2.jpg\" width=\"620\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-2-200x124.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Her-2-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Chris Pratt, Matt Letscher, Portia Doubleday und als Samantha: Scarlett Johansson<\/em><br \/>\n<em> Regie &amp; Drehbuch: Spike Jonze<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Hoyte van Hoytemna<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Eric Zumbrunnen, Jeff Buchanan<\/em><br \/>\n<em> Musik: Arcade Fire, Owen Pallett<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: KK Barrett<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> zirka 126 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Warner Bros.<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HER &#8211; Bundesstart 27.03.2014 Theodore ist ein einsamer Mann, der mit einer traumhaften Frau verheiratet war, aber nicht seiner Traumfrau. 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