{"id":6904,"date":"2014-04-02T14:20:31","date_gmt":"2014-04-02T13:20:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6904"},"modified":"2014-04-02T17:07:54","modified_gmt":"2014-04-02T16:07:54","slug":"fantasy-filmfest-nights-snowpiercer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/fantasy-filmfest-nights-snowpiercer\/","title":{"rendered":"Fantasy Filmfest Nights: SNOWPIERCER"},"content":{"rendered":"<p><em>SNOWPIERCER &#8211; Bundesstart 03.04.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=6878\" rel=\"attachment wp-att-6878\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6878 alignright\" title=\"MFA Filmdistribution \/ The Weinstein Company\" alt=\"Snowpiercer-1, Copyright MFA Filmdistribution \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Snowpiercer-1.jpg\" width=\"300\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Snowpiercer-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Snowpiercer-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Snowpiercer-1-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/fantasy-filmfest-nights-snowpiercer\/ffn14-2\/\" rel=\"attachment wp-att-6907\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6907\" title=\"Copyright Rosebud Entertainment\" alt=\"FFN14-2, Copyright Rosebud Entertainment\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/FFN14-2.jpg\" width=\"100\" height=\"133\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Wenn der Snowpiercer in langen Schleifen die diversen Kontinente durchstreift, und den Globus umrundet hat, dann hat er 438.000 Meilen hinter sich gebracht, und exakt ein Jahr dazu gebraucht. Seit 18 Jahre nun schon, achtzehn mal um die vereiste, tote Welt. Au\u00dferhalb des gewaltigen Zuges ist ein \u00dcberleben unm\u00f6glich, w\u00fcrde er anhalten, m\u00fcssten alle Insassen sofort erfrieren. Dennoch ist er ein Wunder der Technik, und die letzte Bastion menschlichen Lebens. Die hinteren Waggons sind voll gepfercht mit Elend, verwahrlosten Kindern, nur das notwendigste an Kleidung, keine Duschen, und lediglich Protein-Blocks als Nahrung. Das es denen im vorderen Bereich des Zuges besser geht, wissen die von Hinten. Der charismatische Curtis ist einer von ihnen, der sein Recht auf bessere Lebensbedingungen einfordern will. Revolution keimt auf, im tosenden Fahrwind des Zuges, und dem endlosen Geratter auf den Schienen. Doch Curtis will auch kein Anf\u00fchrer sein, er f\u00fchlt sich nicht danach, und lehnt es ab. Durch Zufall ist es aber ausgerechnet Curtis, der feststellt, dass die Wachen \u00fcberhaupt keine Munition mehr in den Gewehren f\u00fchren. Wahrscheinlich aufgebraucht beim letzten, niedergeschlagenen Aufstand der hinteren Abteile. Mit ausgefuchsten Ideen, beginnt der Sturm nach vorne, denn wer die Maschine beherrscht, der beherrscht das Leben im Zug.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Die Grenzen f\u00fcr apokalyptische Welten sind weit gesteckt. Aber eine nachvollziehbare, glaubw\u00fcrdige Dystopie hingegen zu erschaffen, ist schon viel schwerer. Viele dieser d\u00fcsteren Zukunftsaussichten errichten ihre eigene, in sich geschlossene Welt. Ein eigener Kosmos, der stimmig sein muss, und in dem wechselseitige Vorkommnisse auch logisch miteinander korrespondieren. SNOWPIERCER umgeht die Auseinandersetzung mit seine Schw\u00e4chen dieser geschlossenen Welt, sehr geschickt mit vagen Andeutungen. Ist am Anfang noch vollkommen unklar, wie der Zug \u00fcberhaupt angetrieben wird, gibt es am Ende ebenso vage Bilder, welche eine vom Zuschauer selbst zusammen gereimte Erkl\u00e4rung sein k\u00f6nnte. Selbst als bei einem gewissen Punkt im Film pl\u00f6tzlich wieder mit Munition best\u00fcckte Waffen zum Einsatz kommen, k\u00f6nnte eine vielfach interpretierbare Ansprache des Zugf\u00fchrers eine L\u00f6sung anbieten. K\u00f6nnte. SNOWPIERCER ist in dieser Beziehung sehr geschickt, wenngleich nicht sehr befriedigend, weil es nicht wirklich stimmig wirkt. So wie die atemberaubenden 50 Meilen in der Stunde, mit der sich der Zug durch die Eislandschaft frisst. Bei 438.000 Meilen im Jahr und 8750 Stunden, die ein Jahr hat, ein einfache Rechnung. Die wenigen Au\u00dfenaufnahmen vermitteln unentwegt eine Geschwindigkeit von mindestens 150 MpH. Und es gibt Szenen, die eine weit h\u00f6here Geschwindigkeit als 50 MpH nicht nur plausibel, sondern dringlich erforderlich machen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nichtsdestotrotz ist SNOWPIERCER spannendes Action-Kino, mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Pr\u00e4misse. Die Weltgemeinschaft entschlie\u00dft sich endlich etwas gegen die Klimaerw\u00e4rmung zu tun. Auch hier wird der Film nicht wirklich konkret, was CW-7 eigentlich ist, doch es wirkt. Weit st\u00e4rker als erwartet, die Erde wird zu einem unwirklichen Eisplaneten, auf dem jedes Leben unm\u00f6glich wird. Nur Erfinder und Ingenieur Wilford hat mit seinem irrwitzigen Plan, eine Eisenbahnstrecke rund um den Globus zu bauen, der Katastrophe vorgebaut. Die letzte Zuflucht vom Rest der Menschheit. Wenn der Film beginnt, ist der Zug bereits 18 Jahre unterwegs, die Stimmung an Bord entsprechend. Was gleich zu Beginn auff\u00e4llt, ist dank hervorragendem Set-Design und raffinierten Computer-Grafiken, die perfekte Illusion eines fahrenden Zuges, bei dem man mehrere Waggons in die Tiefe blicken kann. Ab der zweiten H\u00e4lfte verliert sich dieser Effekt leider immer weiter.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Chris Evans hat als ungewollter Anf\u00fchrer keine gro\u00dfe Anspr\u00fcche zu erf\u00fcllen, aber er wird seinem Charakter mit verschleppter Wut durchaus gerecht. Viel auffallender ist da nat\u00fcrlich Tilda Swinton, die sich auch hier wie bei GRAND BUDAPEST HOTEL, hinter einer einzigartigen Maske versteckt. Swintons Auftritte sind unbestrittene Glanzlichter dieses Films. Der S\u00fcd-Koreaner Joon-ho Bong inszenierte seinen Film mit straffen Tempo, gibt aber auch ausreichend Zeit f\u00fcr die vielen einzigartigen Expositionen, die der Zug im Laufe des Klassenkampfes preis gibt. Der Sushi-Waggon, das Klassenzimmer, dies Discothek. Dazu gibt es immer wieder Action-Einlagen, in der sich die Soldaten der Elite-Passagiere grausame K\u00e4mpfe mit den Unterprivilegierten liefern. Diese K\u00e4mpfe sind tadellos eingef\u00fchrt und optisch umgesetzt. In der Axt-Schlacht allerdings schlagen die Protagonisten immer wieder allzu offensichtlich am Gegner vorbei, was die Tonspur allerdings als saftige Treffer verkauft. Das ist deswegen so schade, weil es im Grunde eine sehr intensive, und einnehmende Sequenz ruiniert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">K\u00f6nnte man die erste H\u00e4lfte von SNOWPIERCER als uramerikanisches Zukunftsspektakel mit dunkler Stimmungen bezeichnen, schwenkt Joon-ho Bong schlie\u00dflich zu einem asiatischen Ton \u00fcber. Die Stimmung wird greller, etwas absurder, und aufkeimender Humor schwankt zwischen Slapstick und Zynismus. Diese Art von Inszenierung muss man m\u00f6gen, und k\u00f6nnte gerade Freunde des gepflegten Mainstream leicht verschrecken. Doch alles in allem bleibt SNOWPIERCER ein mit viel Spannung und \u00dcberraschungen inszeniertes Endzeit-Szenario. Und das er derart gut seine Schw\u00e4chen f\u00fcr eine glaubhafte Dystopie \u00fcberspielen kann, das muss man ihm dazu hoch anrechnen. \u00c4hnlich gelagerte Filme, mit finsteren Hintergr\u00fcnden einer ganz neuen Weltordnung, lassen sich da sehr viel einfacher demontieren. Allerdings muss man sagen, dass auch bei SNOWPIERCER immer dieser leicht faule Geschmack mitspielt, diese Welt sei nicht wirklich bis zur letzten Konsequenz durchdacht. 126 spannende Minuten bleiben es allemal, sogar mit dieser philosophischen Einlage, die noch einmal versucht, die Grenzen zwischen Gut und B\u00f6se aufzuheben. Denn tats\u00e4chlich hat jeder an Bord seine Bestimmung. Und wie es scheint, erfolgt auf jede Aktion eine bereits im voraus kalkulierte Reaktion. SNOWPIERCER spielt gewiss nicht in der obersten Liga esoterischer Zukunftsspiele, aber er beweist, dass hinter seiner Geschichte eine weit tiefere Bedeutung beabsichtigt war. Und das ist doch gar nicht einmal so schlecht f\u00fcr einen Film, der vordergr\u00fcndig nur Spannungskino zu sein scheint.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=6879\" rel=\"attachment wp-att-6879\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-6879\" title=\"MFA Filmdistribution \/ The Weinstein Company\" alt=\"Snowpiercer-2, Copyright MFA Filmdistribution \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Snowpiercer-2.jpg\" width=\"620\" height=\"372\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Chris Evans, Jamie Bell, Tilda Swinton, Luke Pasqualino, Octavia Spencer, Kang-ho Song, Ah-sung Ko, Ed Harris, John Hurt u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Joon-ho Bong<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Joon-ho Bong, Kelly Masterson<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Kyung-pyo Hong<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Steve M. Choe<\/em><br \/>\n<em> Musik: Marco Beltrami<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Ondrej Nekvasil<\/em><br \/>\n<em> Tschechien-Frankreich-Korea-USA \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> zirka 126 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>MFA Filmdistribution \/ The Weinstein Company<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SNOWPIERCER &#8211; Bundesstart 03.04.2014 Wenn der Snowpiercer in langen Schleifen die diversen Kontinente durchstreift, und den Globus umrundet hat, dann hat er 438.000 Meilen hinter sich gebracht, und exakt ein Jahr dazu gebraucht. 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