{"id":6978,"date":"2014-04-12T21:48:15","date_gmt":"2014-04-12T20:48:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=6978"},"modified":"2014-04-13T11:25:01","modified_gmt":"2014-04-13T10:25:01","slug":"die-bestimmung-divergent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-bestimmung-divergent\/","title":{"rendered":"DIE BESTIMMUNG &#8211; DIVERGENT"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>DIVERGENT &#8211; Bundesstart 10.04.2014<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=6969\" rel=\"attachment wp-att-6969\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6969\" title=\"Copyright Summit Entertainment \/ Lionsgate \/ Concorde Filmverleih\" alt=\"Divergent-1, Copyright Summit Entertainment \/ Concorde Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-1.jpg\" width=\"300\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-1-138x200.jpg 138w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-1-207x300.jpg 207w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Man kann ohne \u00dcbertreibung sagen, dass DIVERGENT die beste Roman-Adaption seit Jahren ist. Der geneigte Leser muss nichts aus der Geschichte vermissen. Der Film geht sogar soweit, dass er weniger plausible Handlungsteile des Buches sauber umgeht. Zweifellos ist DIVERGENT eine beispielhafte Adaption, nur war der Roman selbst eine eher durchschnittliche Leseerfahrung. Der inflation\u00e4re Aussto\u00df von Jugendroman-Trilogien scheint sich damit zu begr\u00fcnden, dass die gro\u00dfen Filmstudios gerne und schnell die Rechte erwerben. Unter dem Deckmantel der Jugend, k\u00f6nnen auch weniger durchdachte Geschichten ohne weiteres ver\u00f6ffentlicht werden. Womit man der lesenden Jugend allerdings Unrecht tut. Wie andere, vorangegangene Buchreihen, spielt auch DIVERGENT mit einer d\u00fcsteren Zukunftsvision. Solche Visionen wirken meist nur oberfl\u00e4chlich stimmig. Beginnt man zu hinterfragen, zeigen diese gezeichneten Welten sehr schnell Risse. Auch Veronica Roth&#8216; DIVERGENT-Reihe kann sich nicht vor diesen Rissen retten. Doch in erster Linie geht es ums Erwachsenwerden, das Loslassen, die Selbstbestimmung. Zumindest dieser erste Film, ist thematisch eine gro\u00dfe coming-of-age-story, in der in diesem Fall Beatrice Prior ihre Platz in dieser Welt finden muss, und der Weg dorthin ist selten schmerzlos. Und das Ganze wurde mit einem gigantischen Deckmantel von dystopischer Zukunft umh\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Die Welt begrenzt sich hier auf die abgeriegelte Stadt Chicago. Die Gesellschaft ist in f\u00fcnf Fraktionen aufgeteilt, und egal in welcher Fraktion man aufw\u00e4chst, kann man in entsprechendem Alter selbst eine Fraktion erw\u00e4hlen, der man angeh\u00f6ren will. Mit einem Test kann man feststellen, f\u00fcr welche Fraktion man wirklich geeignet ist. Die Amite sind f\u00fcr die Lebensmittelversorgung vor den Toren der Stadt zust\u00e4ndig. Die Ferox fast selbstzerst\u00f6rerische K\u00e4mpfernaturen, welche die Stadt besch\u00fctzen. Wissenschaftler und Lehrer sind bei den Ken zu finden. Bei den Candor, die niemals l\u00fcgen, wird das Rechtssystem verwaltet. Und die eigentliche Regierung wird von den Altruan gestellt, die mit ihrer inneren Einstellung zur Selbstaufopferung, wirklich dem Wohle des Volkes dienen. Doch es gibt noch die Unbestimmten. Menschen, die nach alter Weltordnung nicht von einem einzigen Kodex bestimmt werden, sondern alle menschlichen Tugenden in sich einen. Sie w\u00e4ren Freigeister, nicht kontrollierbare Individuen. Sie w\u00fcrden die Gesellschaftsordnung auf den Kopf stellen, deswegen werden sie mit allen Mittel zur Strecke gebracht. Beatrice Prior muss entdecken, dass sie eine Unbestimmte ist, und hofft mit der Wahl, eine Ferox zu werden, ihre eigentliche Bestimmung zu verbergen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Neil Burger hat einen technische tadellosen Film inszeniert, bei dem Bildgestaltung, Schnitt, Tempo und Effekte ein harmonisches Erlebnis machen. Zwei visuelle Effekte h\u00e4tten etwas Nachbearbeitung gebrauchen k\u00f6nnen, aber sie fallen nicht allzu unangenehm auf. Auch bei DIVERGENT bleibt die Kamera bei Zweik\u00e4mpfen zu nah an den Protagonisten, anstatt mit weiteren Einstellungen die Choreografie hervor zu heben. Das ist allerdings eine pers\u00f6nliche Betrachtungsweise. Auch die immer wieder eingestreuten Pop-Songs sind einfach etwas zu dick aufgetragen, sind aber ein nat\u00fcrliches Zugest\u00e4ndnis an das eigentliche Zielpublikum unter zwanzig Jahren. Was dann aber wirklich \u00fcberw\u00e4ltigt, sind die Kulissen des verwahrlosten Chicago. Das Produktionsdesign unter Andy Nicholson hat sich grandiose Gedanken zu dem gegebenen Szenario gemacht, und die bekannteren Ecken der Stadt hervorragend der Verwilderung ausgesetzt. Besonders tun sich dabei die Strom erzeugenden Windf\u00e4nger an den H\u00e4userfassaden hervor. Ein genialer Einfall f\u00fcr eine Stadt mit dem Spitznamen Windy City.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nachdem sie trotz ihrer kleineren Rolle in THE DESCENDANTS einem breiteren Publikum aufgefallen war, spielt sich Shailene Woodley als aufgew\u00fchlte Beatrice definitiv ganz nach oben. Ohne eine komplette Bandbreite von Emotionen wirklich voll ausspielen zu m\u00fcssen, bindet sie den Zuschauer mit ihrer Chemie zur Kameralinse. Aber auch Theo James, der nach ersten Szenenphotos lediglich den Anschein erweckte, nur wegen des Aussehens besetzt worden zu sein, ist ein respektabler Darsteller, der seine Rolle als Ausbilder Four hervorragend ausf\u00fcllt. Obwohl gut gespielt, muss sich der Rest des Ensemble eher mit Rollenklischees herum schlagen. Allerdings funktionieren diese Stereotypen immer noch in dem gegebenen Szenario.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Alles in allem k\u00f6nnte DIVERGENT also ein sehr guter Film sein, mit guten Spannungsmomenten, \u00fcberzeugenden Action-Sequenzen, einigen \u00dcberraschungen, und angemessenen Darstellern. Wie Neil Burger seine Protagonisten inszeniert hat, ihre zuf\u00e4lligen, und manchmal beabsichtigten Ber\u00fchrungen, unbewusste Blicke, zwanglose Dialoge, die dennoch viel sagen. Aus Woodley und James hat Burger ein wirklich einnehmendes P\u00e4rchen gemacht. Doch Burger stellt sich seinem Film etwas anderes entgegen, und das ist ein Jugendroman, der von Anfang an als Trilogie konzipiert war, und unbedingt eine pessimistische Zukunftsvision sein musste. Veronica Roth ist eine passable Schriftstellerin, die mit einem fl\u00fcssigen, und auch auf den Punkt kommenden Stil ihr Handwerk beweist. Allerdings mangelt es Roth daran, ein plausible Welt zu erschaffen, die in einer stringenten Weiterf\u00fchrung unserer aktuellen Gesellschaft kein stimmiges Bild von der Zukunft schafft. Und genau das hat der Film, wie die Gesamtheit seiner Handlung, eins zu eins \u00fcbernommen. Eine Form von zuk\u00fcnftiger Gesellschaft, die sich all zu leicht demontieren l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wer die richtigen Fragen stellt, der k\u00f6nnte DIVERGENT vielleicht augenblicklich in der Luft zerrei\u00dfen. Aber will man das wirklich? Muss eine wirklich spannend erz\u00e4hlte Geschichte, wirklich allen Regeln der Logik unterworfen sein? Das ist eine Streitfrage, die objektiv nicht zu beantworten ist, weil sich die Kunst der Unterhaltung in vielerlei Richtungen expandiert. Das Problem ist die Aufl\u00f6sung. Denn vielleicht hat Veronica Roth in ihren Romanen die richtigen Antworten, nur werden sie dem Zuschauer nicht im ersten, aber entscheidenden Band offeriert. Viel schlimmer noch, es bleibt zu bef\u00fcrchten, dass selbst nach drei B\u00fcchern keine befriedigenden L\u00f6sungen angeboten werden. Genau das tut der Film DIVERGENT mit dem Zuschauer, er zwingt ihn sich auf Teil zwei und drei einzulassen. Grunds\u00e4tzlich muss man sich fragen, ob es wirklich funktionieren kann, das Menschen auf eine bestimmte Fraktion konditioniert werden k\u00f6nnen. Und wie kann diese Ordnung tats\u00e4chlich bestehen bleiben. Im Film geht es darum, wie diese Gesellschaft auseinanderbricht. Und nach dem, h\u00e4tte diese Ordnung erst gar nicht entstehen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch auch wenn man bereit ist, gerne die Logik zu brechen, weil man daf\u00fcr dennoch eine gute Geschichte erz\u00e4hlt bekommt, ist es statthaft, dem Zuschauer eine Trilogie aufzuzwingen? War STAR WARS nicht in sich geschlossen, und wagte erst mit EPISODE 5 eine offene Handlung? Selbst DIVERGENTs thematischer Mitbewerber TRIBUTE VON PANEM machte aus dem ersten Teil eine in sich geschlossene Verfilmung. Hier treffen sich die zwei konzeptionellen Probleme von DIVERGENT als Film. Er wirkt wie eine einzige gro\u00df inszenierte Exposition, anstatt aufzul\u00f6sen, baut er immer weiter und weiter auf. Und dann entl\u00e4sst er den Zuschauer, nicht unbedingt mit einem Cliffhanger, aber mit einem definitiv offenen Ende. Man muss gerechterweise sagen, dass es durchweg unterhaltsame Momente, mit exzellenten Anleihen an das moderne Kino gibt, und oberfl\u00e4chlich betrachtet auch einen gelungenen Film ergeben. Aber er ist nicht stimmig. In sich tr\u00e4gt er zu viele wunde Punkte, mit denen man ihn zu Fall bringen k\u00f6nnte. Wie gute Science-Fiction, sind auch bis auf das letzte durchdachte Dystopien selten geworden. Und genau einen Tag vor diesen Zeilen, teilt Lionsgate mit, dass der dritte Band von Veronica Roth auf zwei Filme aufgeteilt werden wird. Da kann man als Zuschauer wirklich auf diverse Gedanken kommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=6970\" rel=\"attachment wp-att-6970\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6970 aligncenter\" title=\"Copyright Summit Entertainment \/ Lionsgate \/ Concorde Filmverleih\" alt=\"Divergent-2, Copyright Summit Entertainment \/ Concorde Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-2.jpg\" width=\"620\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-2-200x121.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Divergent-2-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Shailene Woodley, Theo James, Ashley Judd, Jai Courtney, Ray Stevenson, Zo\u00eb Kravitz, Miles Teller, Tony Goldwyn, Maggie Q, Mekhi Pfeiffer und Kate Winslet\u00a0 u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Neil Burger<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Evan Daugherty, Vanessa Taylor, nach Veronica Roth&#8216; Roman-Trilogie<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Alwin H. K\u00fcchler<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Richard Francis-Bruce, Nancy Richardson<\/em><br \/>\n<em> Musik: Junkie XL<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Andy Nicholson<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> zirka 139 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Summit Entertainment \/ Lionsgate \/ Concorde Filmverleih<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIVERGENT &#8211; Bundesstart 10.04.2014 Man kann ohne \u00dcbertreibung sagen, dass DIVERGENT die beste Roman-Adaption seit Jahren ist. Der geneigte Leser muss nichts aus der Geschichte vermissen. 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