{"id":7382,"date":"2014-07-14T08:00:48","date_gmt":"2014-07-14T07:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=7382"},"modified":"2014-07-14T17:41:51","modified_gmt":"2014-07-14T16:41:51","slug":"die-karte-meiner-traeume-3d-t-s-spivet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-karte-meiner-traeume-3d-t-s-spivet\/","title":{"rendered":"DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME 3D"},"content":{"rendered":"<p><em>THE YOUNG AND PRODIGIOUS T.S. SPIVET &#8211; Bundesstart 10.07.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-karte-meiner-traeume-3d-t-s-spivet\/young-prodigious-spivet-2\/\" rel=\"attachment wp-att-7385\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7385\" title=\"Copyright DCM Film Distribution\" alt=\"Young-Prodigious-Spivet-1, Copyright DCM Film Distribution\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-2.jpg\" width=\"300\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-2.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-2-148x200.jpg 148w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-2-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Im Schnitt macht Jean-Pierre Jeunet alle vier Jahre einen Film. Bunte Filme, abstrakt, m\u00e4rchenhaft, aber immer mit einem d\u00fcsteren Schuss. In seinem siebten Langfilm mit dem irref\u00fchrenden Titel DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME, ist das d\u00fcstere Moment der Tod des Zwillingsbruders vom zehnj\u00e4hrigen T.S.. Die Verschrobenheit von T.S. ist seine Intelligenz, alles muss er kartographieren, oder er arbeitet an wissenschaftlichen Experimenten. Eigentlich w\u00e4re da T.S. bei seiner Familie auf der Copperpot Ranch in Montana bestens aufgehoben. Seine Schwester ist lediglich an Schauspielunterricht und an Miss America Wettbewerben interessiert. Die Mutter hat sich in ihrer Insektenforschung verloren. Der Vater ist ein Cowboy ganz alter Schule, der, so meint T.S. in seinen Off-Kommentaren, 100 Jahre zu sp\u00e4t geboren wurde. Und dann ist da nat\u00fcrlich noch der Familienhund, der die meisten Macken auf sich vereint, zum Beispiel Blecheimer essen. Aber T.S. Spivet ist trotz seiner \u00fcberragenden Auffassungsgabe ein zehnj\u00e4hriger Junge, und so f\u00fchlt er sich von allen missverstanden und ungeliebt, zudem er selbst die Welt noch nicht wirklich versteht. Dann erfindet T.S. auch noch das Perpetuum Mobile, und soll vom Smithsonian Institute einen renommierten Preis \u00fcberreicht bekommen. Ohne seine Familie zu informieren, beginnt T.S. kurzerhand eine abenteuerliche Reise nach Washington.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME ist neben GRAVITY ein Exempel, wie 3D tats\u00e4chlich funktioniert, und einen Film f\u00fcr den Zuschauer wirklich bereichert. Thomas Hardmeier hat fantastische Bilder erschaffen, aber auch ganz offensichtlich unter der gestrengen Vision des Regisseurs. Die weiten Landschaften und die Interieurs, Hardmeier bem\u00fcht \u00fcberwiegend eine Weitwinkel-Optik, um den Zuschauer in den Film f\u00fchren. Aber er zieht ihn nicht gewaltsam mit Effekten ins Geschehen, sondern geleitet ihn behutsam mit seinen extrem choreografierten Aufnahmen in T.S. Spivets Welt, in der jedes Bild wie eine nachgef\u00e4rbte Postkarte wirkt. Optisch ist DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME ein kleines Filmwunder, und hier kommt Jeunet seiner AMELIE am n\u00e4chsten. Mit dem nicht zu verleugnenden Vorteil von 3D. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Trotz seines tragischen Hintergrundes, ist der Verlust des Zwillingsbruders, und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Familie, mit leichter Hand erz\u00e4hlt. Er ist erstaunlich witzig, ohne allerdings irgendwelche Spr\u00fcche oder komische Situationen zu bem\u00fchen. Jeunet erz\u00e4hlt nicht bed\u00e4chtig, aber sehr ruhig, man soll sich auf den jungen T.S. einlassen k\u00f6nnen, nicht nur auf seine Abenteuer, sondern vor allem auf seine Gedanken. Melancholie schwingt in der Handlung immer mit. So bestreitet er seine erste Etappe in einem Campingwagen, der verkehrt auf einem Eisenbahnwaggon transportiert wird, so hat T.S. st\u00e4ndig das Gef\u00fchl wieder zur\u00fcck zu fahren, anstatt sich seinem Ziel Washington anzun\u00e4hern. Aber der Film ist nicht nur die Geschichte eines Jungen, der seinen Weg sucht, sondern auch eine durchaus komplexe Abhandlung wie eine Familie funktioniert. Wie sich seine gegens\u00e4tzlichen Eltern jemals finden und verlieben konnten, bleibt f\u00fcr T.S. ein unl\u00f6sbares R\u00e4tsel, auch wenn er in der Lage ist ein Perpetuum Mobile zu konstruieren. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">HELLBOY hat Jeunet angeboten bekommen, und HARRY POTTER, aber die gro\u00dfen Studios h\u00e4tten ihm die kreative Freiheit genommen. Bei ALIEN 4 hat es einigerma\u00dfen geklappt, dass der Regisseur seine Vorstellungen ausleben konnte. DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME ist ein amerikanischer Film durch und durch, aber eine franz\u00f6sisch-kanadische Produktion. Und das ist am Resultat gesehen, eine weise Entscheidung, weil amerikanische Studios bekannterma\u00dfen nie die versprochenen Freir\u00e4ume einhalten. So kann sich der Zuschauer an einem leichten, aber einnehmenden Abenteuer\u00a0 erfreuen, welches mit exzellenten Darstellern unterh\u00e4lt. Der harte Cowboy mit dem weichen Kern h\u00e4tte mit Callum Keith Rennie nicht idealer besetzt sein k\u00f6nnen. Selbst Helena Bonham Carter \u00fcberzeugt, wegen ihrer zur\u00fcckhaltenden Sensibilit\u00e4t, und diesmal nicht mit \u00fcberdrehtem Auftreten. Nat\u00fcrlich fehlt auch nicht Jeunets Dauer-Mime Dominique Pinon, der in allen Filmen des Regisseur auftritt. Doch steht und f\u00e4llt das Schauspiel-Ensemble mit seinem Hauptdarsteller, und das steht mit Leinwand-Newcomer Kyle Catlett. Catlett sieht meistens nur traurig oder verwirrt in die Kamera, aber er ist ein sehr einnehmender Sympathietr\u00e4ger mit Pr\u00e4senz.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">DIE KARTE MEINER TR\u00c4UME k\u00f6nnte perfektes M\u00e4rchenkino mit Tiefgang sein, h\u00e4tte sich Jean-Pierre Jeunet mehr um die letzte Viertelstunde bem\u00fcht. Hier verliert der Film etwas seine Kontinuit\u00e4t und droht ins Melodram abzurutschen, wenn die Sequenz im Fernsehstudio allzu amerikanischen Standards nach inszeniert ist. Aber insgesamt d\u00fcrfte es wenig Zuschauer geben, die keinen Gefallen an den detailverliebten Einf\u00e4llen und dem k\u00fcnstlerischen Gesamtkonzept finden. Traurig ist nur, dass es nun wieder vier Jahre dauert, bis ein neuer Film von Jean-Pierre Jeunet das Kino bereichern wird. Denn es ist sicher, dass Jeunet nicht nur zu den eigenwilligsten, sondern auch vision\u00e4rsten Regisseuren des Gegenwartkinos geh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/die-karte-meiner-traeume-3d-t-s-spivet\/the-selected-works-of-t-s-spivet-day-44photo-jan-thijs-2012\/\" rel=\"attachment wp-att-7384\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7384 aligncenter\" title=\"Copyright DCM Film Distribution\" alt=\"Copyright DCM Film Distribution\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-1.jpg\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-1.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-1-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Young-Prodigious-Spivet-1-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Kyle Catlett, Judy Davis, Callum Keith Rennie, Helene Bonham Carter, Niamh Wilson, Jakob Davies, Rick Mercer, Dominique Pinon u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Jean-Pierre Jeunet<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant, nach Reif Larsen<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Thomas Hardmeier<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Herve Schneid<\/em><br \/>\n<em> Musik: Denis Sanacore<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Aline Bonetto<\/em><br \/>\n<em> Frankreich-Kanada \/ 2013<\/em><br \/>\n<em> 105 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>DCM Film Distribution<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE YOUNG AND PRODIGIOUS T.S. 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