{"id":783,"date":"2011-04-03T12:32:10","date_gmt":"2011-04-03T11:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=783"},"modified":"2011-04-12T19:06:51","modified_gmt":"2011-04-12T18:06:51","slug":"winters-bone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/winters-bone\/","title":{"rendered":"Kein Idyll in Winters Bone"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-785\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/winters-bone\/wintersbone\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-785\" title=\"wintersbone\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone.jpg\" alt=\"amerikanisches Teaser-Poster\" width=\"132\" height=\"200\" \/><\/a>Das Erste, was einem bei WINTERS BONE einf\u00e4llt, ist der Zweifel an der Authentizit\u00e4t des Gezeigten. Diese Welt ist so weit weg, dass man nicht an sie glauben will, und dabei ist sie doch so nah. In den tristen, farblosen Ausl\u00e4ufern der Ozark-Hochebene in Missouri kann nicht einmal die Sonne den Tag erhellen. Michael McDonoughs digital gedrehte Bilder sind kalt, unwirklich und trostlos. Dabei funktionieren sie wie das emotionale Herzst\u00fcck des Films, das seine Figuren nicht nur umschlie\u00dft, sondern auch zu durchdringen scheint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Die gerade mal siebzehn Jahre alte Ree muss sich nicht nur um ihre beiden j\u00fcngeren Geschwister k\u00fcmmern, sondern auch um die von starken Depressionen gezeichnete Mutter. Ihr Vater sa\u00df wegen Drogenhandel im Gef\u00e4ngnis. Und nun steht der Sheriff vor der T\u00fcr, um Ree mitzuteilen, dass ihr Vater als Kaution das Haus verpf\u00e4ndet hat und danach spurlos verschwunden ist. Um eine Zwangsr\u00e4umung abzuwenden, bleiben Ree zwei Wochen, ihren Vater zu finden. Oder zu beweisen, dass er tot ist. Doch je mehr sich Ree bem\u00fcht, desto mehr w\u00e4chst der Unmut in der l\u00e4ndlichen Gemeinde. Scheinbar soll der Vater nicht gefunden werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_788\" style=\"width: 166px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-788\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/winters-bone\/wintersbone1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-788\" class=\"size-full wp-image-788\" title=\"wintersbone1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone1.jpg\" alt=\"\" width=\"156\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-788\" class=\"wp-caption-text\">Debra Granik<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mehr als einmal fragt Ree: \u201eSind wir denn nicht miteinander verwandt?\u201c Doch in dieser \u00e4rmlichsten aller Welten, einer Industrienation, ist Verwandtschaft ein leerer Begriff. Hier gibt es kein Unsere-kleine-Farm-Idyll, Regisseurin Debra Granik zeigt eine n\u00fcchterne Realit\u00e4t, in der Grabesk\u00e4lte sp\u00fcrbar wird. Wenn Nachbarn helfen, dann zum eigenen Vorteil. Doch Granik ist auch weit davon entfernt, zu verurteilen, Ursachen zu suchen oder Mitleid erhaschen zu wollen. Die gesellschaftliche Form dieses kargen Lebens in einer Welt, die man durchaus noch als Wildnis bezeichnen kann, soll nicht analysiert werden. Die Figuren bleiben sie selbst und werden nicht obskuren Erkl\u00e4rungsversuchen unterstellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">WINTERS BONE ist mehr Krimi als Sozialdrama. Er gewinnt immer mehr an Spannung, wenn dem Zuschauer bewusst wird, dass alles m\u00f6glich ist. Ree wird geschlagen, gedem\u00fctigt, und ihr Tod w\u00e4re nicht abwegig. Ree befindet sich mit ihren jungen Jahren auf der Ebene des Zuschauers, wenn sie realisiert, wo die Erwachsenen in ihrem Umfeld bereits angekommen sind. Auch der Zuschauer fragt sich: \u201eSind sie denn nicht miteinander verwandt?\u201c Es ist dieses letzte Qu\u00e4ntchen, das ihr zur eigentlichen Erkenntnis fehlt, dass der Begriff Verwandtschaft auch in eine fatale Richtung zu deuten ist. Rees kleine Geschwister sind noch reinen Herzens, spielen, lachen und tollen herum, weil ihnen das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihren sozialen Status fehlt. Dem gegen\u00fcber steht die verh\u00e4rmte Welt der Erwachsenen, die keine Tr\u00e4ume mehr zul\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die zweifellos st\u00e4rkste Szene ist ein improvisiertes Gespr\u00e4ch in einem Rekrutierungsb\u00fcro der U.S. Army. B\u00fcro und Sergeant Schalk sind echt, keine Kulisse, kein Statist. Hier prallen zwei Welten aufeinander, verdeutlichen dem Zuschauer allein durch das Gespr\u00e4ch eindringlich den Kontrast zwischen einem geordneten, nachvollziehbaren Lebensweg und dem sozialen Gef\u00fcge einer Welt, die st\u00e4ndig improvisiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Einer grandios einf\u00fchlsamen Jennifer Lawrence steht ein \u00fcberzeugend stoischer John Hawkes als Rees Onkel Teartrop gegen\u00fcber. In einer blassen, kalten Welt, vor der man eigentlich lieber die Augen verschlie\u00dfen m\u00f6chte, sind beide die letzten Funken eines sterbenden Feuers, in dessen Umfeld niemand die Kraft oder die Mittel hat, ein St\u00fcck Holz nachzulegen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_786\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a rel=\"attachment wp-att-786\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/winters-bone\/wintersbone2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-786\" class=\"size-full wp-image-786\" title=\"wintersbone2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone2.jpg\" alt=\"Ashlee Thompson, Jennifer Lawrence, Isaiah Stone\" width=\"500\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone2.jpg 500w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone2-200x104.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/wintersbone2-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-786\" class=\"wp-caption-text\">Ashlee Thompson, Jennifer Lawrence, Isaiah Stone<\/p><\/div>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Garret Dillahunt, Dale Dickey, Sheryl Lee, Lauren Sweetser, Russell Schalk u.a.<br \/>\nRegie: Debra Granik \u2013 Drehbuch: Debra Granik, Anne Rosellini \u2013 Kamera: Michael McDonough \u2013 Bildschnitt: Affonso Goncalves \u2013 Musik: Dickon Hinchliffe \u2013 Produktionsdesign: Mark White<br \/>\nUSA \/2010 \u2013 zirka 99 Minuten<\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Bildquelle: Ascot Elite \/ Roadside Attractions<br \/>\n<\/span><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erste, was einem bei WINTERS BONE einf\u00e4llt, ist der Zweifel an der Authentizit\u00e4t des Gezeigten. 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