{"id":7870,"date":"2014-10-03T19:04:19","date_gmt":"2014-10-03T18:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=7870"},"modified":"2014-10-03T19:04:39","modified_gmt":"2014-10-03T18:04:39","slug":"hueter-der-erinnerung-the-giver","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/hueter-der-erinnerung-the-giver\/","title":{"rendered":"H\u00fcter der Erinnerung &#8211; THE GIVER"},"content":{"rendered":"<p><em>THE GIVER &#8211; Bundesstart 02.10.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/fantasy-filmfest-2014-whit-bird-in-a-blizzard\/giver-the-1\/\" rel=\"attachment wp-att-7860\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7860\" title=\"Copyright StudioCanal\" alt=\"Giver-The-1, Copyright StudioCanal\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-1.jpg\" width=\"300\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-1-135x200.jpg 135w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-1-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Als Lois Lowrys Kinderbuch THE GIVER &#8211; H\u00dcTER DER ERINNERUNG erschien, zeigte sich der Schauspieler Jeff Bridges sofort interessiert. Zwei Filme hatte er bis zu diesem Zeitpunkt erst produziert, und in Lowrys Roman sah er nicht nur eine ansprechende Geschichte, sondern ein exzellentes Vehikel f\u00fcr seinen Vater Lloyd Bridges. Nach seinen eigenen Angaben, muss es wohl auch in den Tiefen von Kellern oder Dachb\u00f6den die Kopie eines Filmes geben, den die Bridges Familie im Heimkino-Format aus der Romanvorlage fertigte, um eventuelle Investoren zu interessieren. Lloyd verstarb 1998, und weitere 15 Jahre vergingen bis THE GIVER realisiert werden konnte. Zehn dieser Jahre war Walden Media ein treuer Begleiter, die sich nicht nur mit Projekten wie der REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE Reihe, und den NARNIA-Verfilmungen zu Kinder- und Jugendfilm-Experten mauserten. Dennoch lie\u00df sich der Film schwer realisieren, und das filmische Endprodukt THE GIVER zeigt auch genau auf, woran es dem Film mangelt, um das moderne Kino zu bedienen, in dem es alle Altersgruppen zu unterhalten versteht. THE GIVER war als Kinderbuch geschrieben, und gibt als Film auch nicht viel mehr her. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Zuerst ist es wieder eine nur scheinbar perfekte Zukunft. Aber keine, die sich selbst zu erkl\u00e4ren versteht. Ordentliche Off-Kommentare sind eingesetzt, um den Zuschauer auf die Situation einzustimmen, was allerdings nicht notwendig gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten sich die kreativen Abteilungen etwas mehr um die Situation bem\u00fcht. Nach dem sogenannten Zusammenbruch der bekannten Weltordnung, wurden Gef\u00fchle, Farben und Individualit\u00e4ten aus der Gesellschaft verbannt. In dieser geordneten Welt gibt es allerdings eine Person, die das Wissen an fr\u00fchere Zeiten und Zust\u00e4nde bewahrt, und irgendwann an einen Nachfolger weitergibt. H\u00fcter des Wissens, das ist zuerst Jeff Bridges, der seinen Erfahrungsschatz an Brenton Thwaites weitergibt, in dieser Welt, wo die Aufgaben des Individuums klar geregelt und zugeteilt werden. Was also dereinst der Sohn f\u00fcr seinen Vater ersonnen hatte, geht nun an den kreativen Kopf selbst. Jeff zelebriert die Rolle, die er dereinst auf seinen Vater Lloyd reflektiert sah, mit unaufdringlichem Pathos.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber einen wirklichen guten Film ergibt das dann auch wieder nicht. Obwohl bereits 1993 geschrieben, ergibt\u00a0 sich THE GIVER in der Literatur-Landschaft wie eine Epigone der weit sp\u00e4ter erschienenen DIVERGENT- und PANEM-Reihen. Wo THE GIVER als Roman Jahre zuvor erschienen war, kommt er als Verfilmung um Jahre zu sp\u00e4t. Das liegt vor allem daran, dass die Produzenten zu sehr an der Buchvorlage haften, und sich damit ihre Zielgruppe festlegen. Mit seinen sympathischen und \u00fcberzeugenden Darstellern kann der Film durchaus gute Momente ausspielen. Und sehr mutig ist in der Bildgestaltung, dass THE GIVER sich tats\u00e4chlich traut, in Schwarzwei\u00df zu beginnen. Erst als Jonas, als auserw\u00e4hlter Nachfolger des alternden H\u00fcters, mehr und mehr versteht, wie die vorangegangene Welt funktioniert und ausgesehen hat, gewinnen einzelne Elemente langsam an Farbe. Bei Jonas beginnt es mit leichten Rott\u00f6nen. W\u00e4hrend die Kameraarbeit ansonsten eher einem professionellen Durchschnitt entspricht, ist das Farben-Gimmick nicht nur verwegen, sondern vertieft zudem auf spannende Weise die Erz\u00e4hlebene. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Doch hat auch diese Zukunftsvision keinen wirklich haltbaren Unterbau. Wie kann \u00fcberhaupt erst eine Gesellschaftsform entstehen, die derart fragil ist, dass sie allein von einem zweifelnden Jugendlichen gest\u00fcrzt werden kann? Auch wenn Sinn und Zweck sich oberfl\u00e4chlich betrachtet vern\u00fcnftig anh\u00f6ren. Doch was f\u00fcr einen Sinn macht es, durch Medikation den Menschen seiner Farben zu berauben, das Wort Liebe aus dem Wortschatz zu streichen, wenn alle gleichgeschalten sind, oder wirkliche Emotionen getilgt werden. Selbstverst\u00e4ndlich bleibt alles in Harmonie, und verhindert Kriege. Dennoch zeigt sich keine greifbare Grundlage, dass sich Menschen zu dieser Form einer Gesellschaft entschlie\u00dfen w\u00fcrden. Dabei sind einige der Ideen in der Geschichte durchaus interessante Gedankenspiele. So ist der Wandel in den Wahrnehmungen der einzelnen Figuren sehr gut umgesetzt, ihr Entsetzen \u00fcber pl\u00f6tzlich empfundene Emotionen, oder Verwunderung dar\u00fcber, mit einem mal Farben wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Aber auch das Konzept, dass \u00c4rzte Babys exekutieren, ohne eine Vorstellung vom t\u00f6ten zu haben, und somit vollkommen unreflektiert ihre Aufgaben verrichten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber die fragw\u00fcrdige, instabile Vision krankt auch am Mangel von Originalit\u00e4t im Setdesign. Auch hier wird oberfl\u00e4chlich gesehen, durchaus eine weiter entwickelte Zukunft vorgegaukelt. Doch die speichenlosen Fahrr\u00e4der sind lediglich optischer Schnickschnack, genau wie der Fu\u00dfg\u00e4ngerweg \u00fcber den zentralen Kuppelbau. Vieles am Design macht einfach keinen Sinn. Wie die kubischen Wohnh\u00e4user mit ihren versetzten zweiten Stockwerken. Oder warum brennen in der Community alle Stra\u00dfenlaternen, obwohl Nachts eine grunds\u00e4tzliche Ausgangsperre besteht? <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Warum THE GIVER dennoch gro\u00dfes Unterhaltungspotential besitzt, ist seinem unaufgeregten Ton zu verdanken, der sich erheblich von der eigentlich Ausdrucksweise im Mainstream abhebt. Das Urgestein Philip Noyce wusste genau, wie er seine Darsteller agieren lassen konnte, und die Szenen im Einklang damit inszenieren musste. Mit einem extrem geringen Budget von gerade einmal 25 Millionen Dollar, kann er es sich auch erlauben, sich weit vom Kino-Einerlei zu entfernen, ohne das die Produzenten sofort kalte F\u00fc\u00dfe bekommen mussten. Der zu erwartende Showdown folgt im Aufbau der klassischen Dramaturgie, und versteht es sehr geschickt, diese Dramaturgie dann gegen sich selbst zu richten. Die Aufl\u00f6sung des Films folgt ganz dem Ende der Romanvorlage, und zeigt sich als gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung. Denn versteht THE GIVER nie wirklich die Atmosph\u00e4re eines Kinderfilmes abzusch\u00fctteln, fordert er am Ende sein Publikum jeden Alters heraus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/fantasy-filmfest-2014-whit-bird-in-a-blizzard\/giver-the-2\/\" rel=\"attachment wp-att-7861\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7861\" title=\"Copyright StudioCanal\" alt=\"Giver-The-2, Copyright StudioCanal\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-2.jpg\" width=\"620\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-2-200x124.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Giver-The-2-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Brenton Thwaites, Odeya Rush, Cameron Monaghan, Jeff Bridges, Meryl Streep, Alexander Skarsg\u00e5rd, Katie Holmes, Taylor Swift u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Philip Noyce<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Michael Mitnick, Robert Weide, nach dem Roman von\u00a0 Lois Lowry<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Ross Emery<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Barry Alexander Brwon<\/em><br \/>\n<em> Musik: Marco Beltrami<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Ed Verreaux<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> 97 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>StudioCanal<\/strong><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE GIVER &#8211; Bundesstart 02.10.2014 Als Lois Lowrys Kinderbuch THE GIVER &#8211; H\u00dcTER DER ERINNERUNG erschien, zeigte sich der Schauspieler Jeff Bridges sofort interessiert. 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