{"id":8177,"date":"2014-12-09T23:21:55","date_gmt":"2014-12-09T22:21:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=8177"},"modified":"2014-12-09T23:22:10","modified_gmt":"2014-12-09T22:22:10","slug":"das-verschwinden-der-eleanor-rigby-disappearance-of-eleanor-rigby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/das-verschwinden-der-eleanor-rigby-disappearance-of-eleanor-rigby\/","title":{"rendered":"DAS VERSCHWINDEN DER ELEANOR RIGBY"},"content":{"rendered":"<p><em>THE DISAPPEARANCE OF ELEANOR RIGBY &#8211; Bundesstart 27.11.2014<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/das-verschwinden-der-eleanor-rigby-disappearance-of-eleanor-rigby\/disappearance-of-eleanor-rigby-1\/\" rel=\"attachment wp-att-8179\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8179\" title=\"Copyright Prokino\" alt=\"Disappearance-of-Eleanor-Rigby-1, Copyright Prokino\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-1.jpg\" width=\"300\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Falls sie sich nicht mehr an Ned Benson, den Regisseur und Drehbuchautor erinnern k\u00f6nnen. Keine Schande, hat er doch erst sechs Filme als Filmautor umgesetzt. Drei davon waren Kurzfilme. Die anderen Drei tragen den gleichen Titel THE DISAPPEARANCE OF ELEANOR RIGBY. Vielleicht ist es genau das, was dieses Projekt so ambitioniert macht. Ned Benson, noch unvorbelastet von der Traumfabrik-Maschinerie, trug wie jeder Filmstudent die innovativen Ideen in seinem Herzen, als er bei der Columbia University seinen Abschluss machte. Und sie als Zuschauer m\u00fcssen zugeben, dass seine Idee zu ELEANOR RIGBY tats\u00e4chlich etwas herausforderndes hat. Warum muss es immer nur ein Jugendbuch sein, das man wahllos und beliebig dem schn\u00f6den Mammon zum Trotz, in mehrere Kinoverfilmungen aufteilt? Wie w\u00e4re es mit dem richtigen Leben? Wir alle stellen uns die Frage, wie das Leben funktioniert, was uns ausmacht, und warum wir welche Entscheidungen treffen. Das alles ist sehr komplex, und danach hat Ned Benson seine Geschichte konzipiert. Eine einzige Geschichte aus zwei Perspektiven gesehen, in zwei separaten Filmen erz\u00e4hlt. Clint Eastwood hat das im gr\u00f6\u00dferen Sinne schon mit der Schlacht von IWO JIMA mehr als erfolgreich umgesetzt. Aber was sind Politik und Kriegsmechanismen, gegen die Verletzlichkeit der menschlichen Seele. Ned Benson hatte sich zweifellos das schwierigere Unterfangen ausgesucht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Nach einem Selbstmordversuch zieht Eleanor Rigby wieder bei ihren Eltern ein, um ihrem Mann Conor meiden zu k\u00f6nnen. Conor wiederum kann das ehemals gemeinsame Appartement nicht ertragen, und zieht vorerst bei zu seinem Vater. Conors Bem\u00fchungen, mit seiner Frau in Kontakt zu treten, enden immer wieder mit Entt\u00e4uschungen. Eleanor hingegen braucht ihren Mann, sie will ihn, kann aber nicht gegen ihre Gef\u00fchle. Was diese Beziehung bis zu diesem Stadium zerst\u00f6rte, erfahren wir erst nach und nach bruchst\u00fcckweise im weiteren Verlauf der Handlung. All diese bitteren Gef\u00fchlswallungen werden auf einmal immer verst\u00e4ndlicher, immer nachvollziehbarer. Aber keine der Figuren wird auf den Pr\u00fcfstand gestellt, oder muss die eigentlich dramaturgische Opferrolle \u00fcbernehmen. Es ist nicht die gemeinsame bittere Erfahrung, welche sich zwischen Eleanor und Conor stellen wird, sondern tats\u00e4chlich ihre gegenseitige Liebe. Wie viel Liebe kann ein Mensch ertragen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ned Benson hat zwei Filme gemacht. In HIM erz\u00e4hlt er die scheinbar unverst\u00e4ndliche Entfremdung aus der m\u00e4nnlichen Sicht von Conor. In HER konzentriert sich der Film lediglich auf die Sichtweise von Eleanor. Ein cineastisches Experiment, das auf dem Toronto Film Festival 2013 begeistert und gefeiert aufgenommen wurde. Und wer, wenn nicht die Weinstein-Br\u00fcder, sollte dabei umgehend das Potential der beiden Filme erkannt haben. Jetzt kennen sie und ich die Weinsteins, die immer wieder glauben einen Film besser zu verstehen als ihre jeweiligen Macher. Gerade Harvey f\u00e4llt dadurch auf, aufgekaufte Filme gerne noch einmal zu modifizieren. Nicht nachvollziehbar, welchen Meisterwerken er damit geschadet, oder sie tats\u00e4chlich effizienter gemacht hat. So bei ELEANOR RIGBY, wo bereits zwei filmische Variationen von ELEANOR RIGBYs dritten Teil THEM kursieren. Die Weinsteins wollten aus den zwei, eigentlich bereits ins Herz geschlossenen Filmen, einen f\u00fcr die Massen kompakteren Einteiler machen, und gingen das nach Erwerb der Rechte selbst an, was bei den Br\u00fcdern bisher ganz normale Praxis war, und immer wieder einmal gegen die k\u00fcnstlerischen Absichten der Macher ging. Die der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglichere Version zur Entstehung von THEM, ist Ned Bensons eigenes Umdenken nach dem Toronto Film Festival, und pers\u00f6nliche Vorstellung von einer in sich verwobenen Darstellung beider Gef\u00fchlswelten von Eleanor und Conor. Wenn wir letzte Variation einfach so akzeptieren, dann k\u00f6nnen wir auch weiterhin an die M\u00f6glichkeit des freien Kinos glauben. Denn auch wenn die Weinstein Corporation der dickste Strohhalm im sogenannten unabh\u00e4ngigen Kino sind, benehmen sie sich gnadenlos gewinnorientierter und ausnahmslos restriktiver ihren angekauften Filmemachern gegen\u00fcber, als es die gro\u00dfen Studios tun.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man wird auch hierzulande abwarten m\u00fcssen, bis man in n\u00e4chster Zeit eventuell in den Genuss von HIM und HER kommen k\u00f6nnte. Vorerst muss sich selbst der experimentierfreudigste Zuschauer mit THEM begn\u00fcgen. Und, zugegeben, der bietet tats\u00e4chlich gro\u00dfartigstes Gef\u00fchlskino. Sollte er Szenen haben, denen man Kitsch vorwerfen k\u00f6nnte, dann merken sie als Zuschauer sehr schnell, dass das hier trotzdem echt ist. Dieser ungebrochene Realismus kommt daher, dass Ned Benson die Problematik und das Drama eben nicht direkt ansprechen l\u00e4sst, sondern durch nebens\u00e4chliche, eben realistische Situationen, den Kern indirekt reflektiert. Wie selbstverst\u00e4ndlich Eleanor und ihre Familie mit dem Alkoholismus der Mutter umgeht. Wie sich Conor seinem entfremdeten Vater ann\u00e4hert. Da werden keine salbungsvollen Worte gesprochen, oder k\u00fcnstlich unangenehme Momente geschaffen, um den dramatischen Effekt zu erh\u00f6hen. Genauso wenig m\u00fcssen Eleanor und Conor ihr Dilemma ausdiskutieren. Warum auch, wenn sie sich doch bis in die tiefsten ihrer Seele kennen. Und so n\u00e4heren sie sich als Zuschauer den Figuren immer n\u00e4her an, in dem sie \u00fcber Umwege und Abk\u00fcrzungen nicht einfach die eigentliche Geschichte kennen lernen, sondern dar\u00fcber noch wesentlich vielschichtiger mit den Charakteren vertraut werden. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ob es dazu wirklich eine von der Schulter gef\u00fchrte Kamera gebraucht h\u00e4tte, ist mehr als fraglich. Dieser Stil, den irgendeine Filmhochschule wohl einmal mit dem Begriff von Authentizit\u00e4t in Verbindung gebracht haben muss, wirkt immer wieder nur verst\u00f6rend, und lenkt ab. Eine verwackelte Kamera ersetzt nicht den Blick eines Menschen, auch wenn dieser anderen Menschen hinterher l\u00e4uft. Der Mensch sieht dreidimensional, was die Kamera nicht kann, und dementsprechend angeglichen eingesetzt werden sollte. Wenn Conor auf der Stra\u00dfe Eleanor hinter her geht, dann kann das menschliche Auge die Unruhe des Schritts ausgleichen. Keine Kamera kann das simulieren, also sollten die Filmschaffenden dieser Welt endlich einmal zur Einsicht gelangen. Es st\u00f6rt, wenn die Kamera wackelt, weil es absolut unnat\u00fcrliche Sehgewohnheiten sind. Sehr witzig ist hingegen, dass Son Lux&#8216; elektronischer Soundtrack immer wieder Hans Zimmers INTERSTELLAR-Untermalung in Erinnerung ruft, ohne das Son Lux diese Musik wirklich nachempfunden h\u00e4tte. Aber da in beiden Filmen Jessica Chastain keine unerhebliche Rolle spielt, ist es ein nicht zu verkennender Nebeneffekt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wie viel Liebe kann ein Mensch ertragen? Oder kann man den Verlust von Liebe ertragen? Eleanor und Conor haben ein eher allt\u00e4gliches, wenngleich sehr trauriges Schicksal erlitten. Und was sie bis dahin zusammen erreicht und aufgebaut haben, hat nichts mit materiellen Dingen zu tun, sondern mit der gegenseitigen Ergebenheit, dem Vertrauen, und vor allem dem brauchen und gebraucht werden. Dabei ist allerdings die Empathie f\u00fcreinander allein nicht Ausschlag gebend. Denn diese unzertrennliche Liebe, welche nicht mehr zueinander finden mag, wird auch sehr subtil von ihrem Umfeld beeinflusst. Der hilflose Vater, die schonungslose Lehrerin, der verzweifelte beste Freund, die verunsicherte Schwester. Um den zentralen Kern, hat Benson ein Panoptikum an speziellen, aber niemals exaltierten Figuren gesponnen, die jeder von uns kennt, die man gleicherma\u00dfen sch\u00e4tzt und genau daf\u00fcr so verabscheut. Die Welt der ELEANOR RIGBY, ist eine bekannte Welt, mit all den \u00fcblichen Reibungspunkten, mit all dem bekannten Verst\u00e4ndnissen f\u00fcreinander, mit all den geliebten Freuden und gehassten Streitereien. Was passieren kann, wenn dieser Pfad unerwartet an diesem Bekannten, selbst dem ungeliebten Vertrauten, einfach vorbei f\u00fchrt, das erz\u00e4hlt dieser ungemein grandios gespielte Film. Wo nicht nur Jessica Chastain und James McAvoy in Stein mei\u00dfeln, warum sie zu den angesagtesten Jungdarstellern in der Filmszene geh\u00f6ren, sondern der Rest des Ensembles wie selbstverst\u00e4ndlich zeigt, warum nur sie diese spezifische Rolle spielen konnten. Und wie im richtigen Leben, werden sie als Zuschauer nicht vorhersehen k\u00f6nnen, wie das enden wird. Und wenn sie auch hoffen m\u00f6gen, wie die Geschichte ausgeht, so ist das nicht zwangsl\u00e4ufig der Fall.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2014\/das-verschwinden-der-eleanor-rigby-disappearance-of-eleanor-rigby\/disappearance-of-eleanor-rigby-2\/\" rel=\"attachment wp-att-8180\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8180\" alt=\"Disappearance-of-Eleanor-Rigby-2, Copyright Prokino\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-2.jpg\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-2-200x112.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Disappearance-of-Eleanor-Rigby-2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Jessica Chastain, James McAvoy, Viola Davis, Ciar\u00e1n Hinds, Isabelle Huppert, William Hurt, Bill Hader, Nina Arianda, Jess Weixler u.a.<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch &amp; Regie: Ned Benson<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Christopher Blauvelt<\/em><br \/>\n<em> Musik: Son Lux<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Kelly McGehee<\/em><br \/>\n<em> 123 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte:<strong> Prokino<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE DISAPPEARANCE OF ELEANOR RIGBY &#8211; Bundesstart 27.11.2014 Falls sie sich nicht mehr an Ned Benson, den Regisseur und Drehbuchautor erinnern k\u00f6nnen. 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