{"id":836,"date":"2011-04-27T07:24:42","date_gmt":"2011-04-27T06:24:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=836"},"modified":"2011-04-27T07:32:18","modified_gmt":"2011-04-27T06:32:18","slug":"red-riding-hood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/red-riding-hood\/","title":{"rendered":"Red Riding Hood"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-840\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/red-riding-hood\/redridinghood1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-840\" title=\"RedRidingHood1\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/RedRidingHood1.jpg\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"200\" \/><\/a>Neil Jordan, wo bist du, wenn man dich braucht? Herrje, entschuldige. Du warst ja l\u00e4ngst da, aber man vergisst leicht. In der heutigen Filmwelt meint man zu glauben, dass Vergangenes nicht einfach nur alt ist, sondern sogleich aus dem Ged\u00e4chtnis von Cinephilen und der Historie getilgt sein muss. H\u00e4tten sich die Macher von \u201aTwilight\u2018 nicht denken k\u00f6nnen, dass sie mit ihrer Adaption eines M\u00e4rchens nicht nur vertr\u00e4umte M\u00e4dchenherzen ansprechen, sondern auch einen nicht unerheblichen Anteil von fantasy-affinen Kinog\u00e4ngern?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Nun, wenigstens l\u00fcgt die Werbung nicht. Wenn auf dieser Verpackung \u00fcber das rot-besch\u00fcrzten M\u00e4dchens steht, dass dieser Film von den Machern von \u201aTwilight\u2018 gemacht wurde, dann erwartet das Publikum auch tats\u00e4chlich ein Film, der mit brutaler Offenheit auf ein pubertierendes M\u00e4dchenpublikum hin konzipiert wurde, das im Fahrwasser einer anderen Serie Geld einspielen soll.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Daggerhorn ist schon ein raffinierter Name f\u00fcr ein Dorf, das von Amerikanern erfunden wurde, um dem deutschen Ursprung der eigentlichen Geschichte gerecht zu werden. Die Figuren m\u00fcssen sich mit Valerie, Peter, Henry oder Roxanne herumschlagen, nicht sehr inspiriert f\u00fcr eine Geschichte, die im Mittelalter angesiedelt sein will. Aber Daggerhorn, das hat etwas Phonetisches. Dieser Name ist aber wirklich das einzige Indiz von Originalit\u00e4tswillen und Kreativit\u00e4t. Ansonsten ist RED RIDING HOOD eine endlose Aneinanderreihung von cineastischen Fehltritten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nun, wie bereits Neil Jordan in \u201aZeit der W\u00f6lfe\u2018, hat Autor David Johnson aus dem b\u00f6sen Wolf einen Werwolf gemacht. Regisseurin Hardwicke wollte diesen vermeintlichen Werwolf auch noch von Taylor Lautner darstellen lassen, der bereits in der \u201aTwilight\u2018-Serie das behaarte Monster gibt. Schade, dass es Zeitprobleme gab, es h\u00e4tte die unfreiwillige Satire perfekt gemacht. Aber auch ohne Taylor Lautner bleibt der Werwolf zentraler Bestandteil dieser bezaubernden Veralberung von ernsthaft zahlenden Besuchern. Und nichts anderes ist dieser schlecht animierte Schattenriss, als ein Affront gegen sein Publikum. Es gibt mittlerweile Standards in Hollywood, die eine solche Peinlichkeit auch mit nur 42 Millionen Dollar Budget nicht mehr zulassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Auch die mittlerweile f\u00fcr den Fantasy-Film \u00fcblichen Fl\u00fcge \u00fcber die Landschaft sind einfach leicht zu erkennende Computergrafiken. Warum? Gedreht wurde im kanadischen British Columbia, da w\u00e4ren solche \u00dcberfl\u00fcge einfach real m\u00f6glich gewesen. Und jeder Produzent wei\u00df, dass Computerbilder eben nicht billiger sind als real verfilmte Szenen. Noch dazu, wenn es so belanglose Landschaften sind, wie man sie dem Zuschauer in RED RIDING HOOD vorsetzt. Daggerhorn selbst schreit an allen Ecken und Enden nach Kulisse. Richtig eingesetzt, kann das ein cineastischer Kunstgriff sein. Aber die gesamte Bildgestaltung von Mandy Walker macht den Eindruck, als wolle man versuchen, mit Licht, Schatten und bewegter Kamera die K\u00fcnstlichkeit der Bauten zu vertuschen. Aber es gibt keine gro\u00dfen Bilder, keine vern\u00fcnftige Verortung. Die Settings wirken willk\u00fcrlich und bekommen keinerlei Bezug zueinander.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ebenso uninspiriert pr\u00e4sentiert sich die vorhersehbare Geschichte. Valerie liebt Peter, ist aber Henry versprochen. Peter scheint der B\u00f6se, Valerie wendet sich an Henry. Und am Ende erkennt Valerie\u2026, aber man sollte nicht alles platttreten. Dazwischen t\u00f6tet der Werwolf einige Menschen, bis der Dorf-Mob sagt, jetzt ist genug, und einige Stunden sp\u00e4ter mit dem abgeschlagenen Kopf des vermeintlichen Monsters wiederkehrt. Jetzt wird Daggerhorn seit Jahrzehnten von dem Monster heimgesucht, da h\u00e4tte man auch einmal ein paar Jahre fr\u00fcher sagen k\u00f6nnen, jetzt ist genug. Aber so will es die Dramatik, auch wenn es nicht dramatisch ist, sondern ein seit Jahren \u00fcberholtes Klischee bedient.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nun, keiner kann etwas gegen Amanda Seyfried sagen, die weniger einem Sch\u00f6nheitsideal entspricht, aber eine \u00e4u\u00dferst attraktive Erscheinung ist. Ihr hat man diesen Film aufgelastet, den sie mit ihrem Talent durchaus tragen k\u00f6nnte, doch wird sie von den kreativen Abteilungen allein gelassen. Denn diese Produktion ist kein geschlossenes Ganzes, sondern zusammenhangloses St\u00fcckwerk von Drehbuch, Kamera und Regie. Mit diesem Film tut sie dem Publikum keinen Gefallen, aber man m\u00f6chte ihre Karriere in anderen, besseren Produktionen weiter verfolgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wer m\u00f6chte, kann sich an Julie Christie erfreuen, die allerdings nichts weiter zu tun hat, als das Publikum mit ihrem einflussreichen Namen zu verf\u00fchren. Als Gro\u00dfmutter ist sie hervorragend, und dass sie dann selbst der Werwolf sein k\u00f6nnte, w\u00e4re ein durchaus spannender Aspekt. Doch dann packt das Drehbuch die bekannteste aller Rotk\u00e4ppchen-Szenen in eine schlecht geschriebene und ohne Inspiration inszenierte Traumsequenz, und erheitert unfreiwillig den Besucher. Hat Gro\u00dfmutter wirklich so gro\u00dfe Augen, Ohren und Mund?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die ganz gro\u00dfe Kom\u00f6die liefert dann Gary Oldman, der seit zwanzig Jahren immerfort denselben durchgeknallten, \u00fcberdrehten Typus verk\u00f6rpert. Nat\u00fcrlich geht das Agieren der Darsteller auf das Konto der Inszenierung, f\u00fcr die wiederum die Regie eine Menge Geld \u00fcberwiesen bekommt. Bei Nolans BATMAN sieht man, dass es anders auch geht. Aber man entschied sich dann doch f\u00fcr eine Charakterzeichnung, die Oldman bereits zum \u00dcberdruss abgefeiert hat. Wie ein st\u00e4ndig unter Drogen stehender Derwisch skandiert er lauthals \u00fcber die Gefahren, die vom Werwolf ausgehen. Und er skandiert noch lauter, wenn das gesamte Dorf schweigend und ergriffen lauscht. Man m\u00fcsste eine Weile suchen, bis man eine Filmfigur findet, die schneller nervt als Oldmans Salomon.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die einzige wirklich \u00fcberraschende Wendung in RED RIDING HOOD ist die Offenbarung des Monsters. Nur weil das Gesicht von Herrn (Spoiler) gerade danach schreit, der B\u00f6se zu sein, will man ihn als solchen einfach nicht wahrhaben. Denn das w\u00e4re \u2026 zu bl\u00f6de. Ja, letztendlich ist es eben einfach zu bl\u00f6de.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #000000;\"><a rel=\"attachment wp-att-841\" href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2011\/red-riding-hood\/redridinghood2\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-841\" title=\"RedRidingHood2\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/RedRidingHood2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"430\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/RedRidingHood2.jpg 500w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/RedRidingHood2-200x172.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/RedRidingHood2-300x258.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/span><em>Darsteller: Amanda Seyfried, Gary Oldman, Billy Burke, Shiloh Fernandez, Max Irons, Virginia Madsen, Lukas Haas und Julie Christie u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Cathrine Hardwicke \u2013 Drehbuch: David Leslie Johnson \u2013 Kamera: Mandy Walker &#8211;\u00a0 Bildschnitt: Nancy Richardson, Julia Wong \u2013 Musik: Brian Reitzell, Alex Heffes \u2013 Produktionsdesign: Tom Sanders<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2011 \u2013 zirka 99 Minuten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neil Jordan, wo bist du, wenn man dich braucht? 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