{"id":8394,"date":"2015-01-16T19:55:57","date_gmt":"2015-01-16T18:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=8394"},"modified":"2015-01-16T23:21:11","modified_gmt":"2015-01-16T22:21:11","slug":"annie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/annie\/","title":{"rendered":"ANNIE"},"content":{"rendered":"<p><em>ANNIE &#8211; Bundesstart 15.01.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/annie\/annie-1\/\" rel=\"attachment wp-att-8395\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8395\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing\" alt=\"Annie-1, Copyright Sony Pictures Releasing\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-1.jpg\" width=\"300\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Musicals sind ja wirklich eine Seltenheit im Kino geworden. Lediglich Disney-Filme wagen es noch immer, immer wieder spontan und unmotiviert in Gesang auszubrechen. Und genau das erkl\u00e4rt aber auch den Schwund in diesem Genre, weil selbst die sch\u00f6nsten Lieder den dramatischen Fluss eines Filmes eigentlich nur aufhalten. Eine Arie in der Oper bedeutet ja auch, das die Handlung ruht. Man muss sich also einiges einfallen lassen, um den Stillstand nicht als solchen zu vermitteln, weil diese St\u00fccke dann doch eine erkl\u00e4rende Bedeutung haben. Robert Wise schaffte das bei WEST SIDE STORY mit atemberaubenden Bildkompositionen und herausragenden Choreografien. Und wie schafft das Will Gluck bei ANNIE? In dem er das Genre Musical erst einmal genau durchleuchtet hat, ganz offensichtlich mit dem Anspruch, sich so weit wie m\u00f6glich von den Genre-Standards fern zu halten. Heraus gekommen ist eine vergn\u00fcgliche Neuinterpretation eines fast 40 Jahre alten B\u00fchnenst\u00fcckes, und einem \u00fcber 30 Jahre alten Filmes. Ein Film des Meisters John Houston im \u00dcbrigen, bei dem noch vor 1982 ein frohlockendes Musical \u00fcber ein Waisenkind mit ungetr\u00fcbter Lebensfreude in der Vita kaum vorstellbar gewesen w\u00e4re. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Annie (Wallis) ist es nicht m\u00fcde, immer wieder zu betonen, dass sie keine Waise sei, sondern ein Pflegekind. Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass ihre leiblichen Eltern eines Tages wieder in Erscheinung treten werden. Annie ist eines von vier Pflegekindern bei der \u00fcberdrehten Colleen Hannigan (Diaz), welche die finanzielle Unterst\u00fctzung des Staates eher f\u00fcr ihren Alkoholkonsum ben\u00f6tigt. Durch einen wirklich dummen Zufall, trifft Annie auf den Gro\u00dfunternehmer Will Stacks (Foxx), der nichts mehr hasst, als andere Menschen. Aber dem Erfolg verschrieben, m\u00f6chte Stacks \u00fcber seinen Million\u00e4rsstatus hinaus noch mehr erreichen. Zum Beispiel das B\u00fcrgermeisteramt von New York. Das er Annie davor bewahrt, von einem Auto \u00fcberfahren zu werden, war nur ein Reflex, wird aber Dank der neuen sozialen Medien ein sofortigen Click-Schlager. Der zuerst unbeliebte Misanthrop, gewinnt an Beliebtheit. Sein katzbuckelnder Berater Guy (Cannavale) wittert eine M\u00f6glichkeit, um seinem Herrn noch dienlicher zu sein. Der Million\u00e4r soll das arme Waisenkind Annie &#8230; falsch, das Pflegekind Annie, bei sich aufnehmen. Die positiven Umfragewerte f\u00fcr Will Stacks \u00fcberschlagen sich. Genie\u00dft Annie erst einmal ihre neue, reiche Umgebung, glaubt sie weiterhin an die R\u00fcckkehr ihrer wahren Eltern. Und im Hintergrund nutzen das die b\u00f6sen Kr\u00e4fte, um ihren pers\u00f6nlichen Vorteil rein finanzieller Kultur zu pflegen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/annie\/annie-3\/\" rel=\"attachment wp-att-8516\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8516\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing\" alt=\"Annie-3, Copyright Sony Pictures Releasing\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-3.jpg\" width=\"300\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-3.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-3-145x200.jpg 145w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-3-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Kameramann Michael Grady geh\u00f6rt wohl zu den weniger bekannten Bildgestaltern, aber dies zu unrecht. Denn zuletzt bei GONE, FASTER, oder EINFACH ZU HABEN hat er schon immer bewiesen, dass es sehr gut m\u00f6glich ist, die Bildsprache dem Thema, oder dem Tenor der Erz\u00e4hlung anzupassen. Die heutige ANNIE als Remake eines \u00fcber 30 Jahre alten Filmes abzutun, w\u00e4re grundlegend falsch. Genau genommen trifft die immer wieder vergewaltigte Wortsch\u00f6pfung von Neuinterpretation, ausgerechnet bei diesem Film seine perfekte Einordnung. Zweifellos ist genau hier die Erkl\u00e4rung, warum Regisseur Will Gluck auch nicht auf seinen Kamera-Kumpel Michael Grady verzichten konnte. Und das muss man einfach als gl\u00fccklichen Umstand zugute halten. ANNIE in dieser neuen Form, ist keine ANNIE die das Musical wieder verst\u00e4rkt in die Kinos bringen wird. Aber dieser Film beweist sich als Beispiel daf\u00fcr, dass es immer wieder diese \u00fcberraschenden und \u00fcberw\u00e4ltigenden Ausnahmen geben kann, die f\u00fcr diesen speziellen Fall Zuschauer f\u00fcr sich einzunehmen versteht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Warum tut sich ANNIE gegen\u00fcber seinen Vorlagen und anderen Kino-Musicals hervor? Zuerst einmal gilt die Ausrichtung einer afroamerikanischen Annie. Das nimm der Film schon einmal zum Anlass, die Kenner des Musicals zu irritieren. Denn der Film beginnt mit einem quirligen wei\u00dfen M\u00e4dchen mit wilder roter Lockenm\u00e4hne, dass in einem Klassenzimmer ihre Mitsch\u00fcler unterh\u00e4lt. Das Bild einer Annie, wie wir sie l\u00e4ngst kennen, und so auch von Harold Gray erfunden und gezeichnet worden war. Nach der ersten Verwunderung, darf die zweite Annie in der Klasse, mit ihrem Vortrag beginnen, und hier betritt dann tats\u00e4chlich unsere eigentliche Hauptfigur die B\u00fchne. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man hat sich einiges einfallen lassen, um ANNIE von der Statik einer B\u00fchneninszenierung weg zu bringen. Das zeigt sich schon mit einem der besten Titelvorsp\u00e4nne der j\u00fcngeren Kinogeschichte. Die Themen der bekannteren Songs, wie &#8222;Tomorrow&#8220; oder &#8222;It&#8217;s a hard-knock life&#8220;, werden in einem Medley nicht von Instrumenten gespielt, sondern von der Ger\u00e4uschkulisse einer Gro\u00dfstadt. Kehrende Besen, hupende Autos, bellende Hunde. Das alles noch im Rhythmus geschnitten, ist ein kleines Kunstwerk f\u00fcr sich. Auch die Choreografien in den Song-Einlagen sind sehr \u00fcberraschend inszeniert. Bei &#8222;It&#8217;s a hard-knock Life&#8220; in etwa, interagieren die Darsteller und ihre Putzmittel immer mit der Kamera, sprich dem Zuschauer. Da f\u00e4hrt der Schrubber \u00fcber die Linse, oder wird Putzwasser \u00fcber die Kamera gekippt, und so fort. Und bei &#8222;Tomorrow&#8220;, dem anr\u00fchrenden St\u00fcck, wo Annie ihre Hoffnung besingt, endlich ihre wahren Eltern zu finden, arbeitet die Inszenierung mit Spiegelbildern und Reflexionen. Annie sieht in Schaufenstern oder im Lack von Autos Bilder von gl\u00fccklichen Familien, und wenn sie sich umdreht, ist da kein Vater der sein Kind in die H\u00f6he h\u00e4lt, sondern ein Bauarbeiter, der seinem Kollegen einen gro\u00dfen Eimer auf das Ger\u00fcst reicht. Das ist nicht einfach nur originell, sondern unterstreicht den Tenor des Liedes ebenso, wie Annies innerstes Wesen. Und wenn Bobby Cannavale in einer Bar beginnt Cameron Diaz anzusingen, ist ihre Reaktion ein unschlagbarer Seitenhieb auf gerade diese f\u00fcr Musicals typischen Situationen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Greg Kurstin und Sia Furler komponierten drei neue Songs f\u00fcr den von Will Smith hervorragend produzierten Film, und Sia Furler schrieb mit Stargate einen neuen Vierten, die da w\u00e4ren &#8222;Opportunity&#8220;, &#8222;Who Am I&#8220;, &#8222;Moonquake Lake&#8220;, und The City&#8217;s Yours&#8220;. Von den zwanzig einzelnen Musiknummern des Broadway-Musicals blieben f\u00fcr diese Filmfassung lediglich neun St\u00fccke. Und auch diese von Charles Strouse komponierten und von Martin Charnin getexteten Lieder, wurden von Kurstin und Furler angemessen neu arrangiert, um sich flie\u00dfender in den Film einzuf\u00fcgen zu lassen, und zudem einen moderneren Anstrich zu erhalten. Ohne die Vorlagen zu kennen, scheint es aber ganz im Sinne des Films gewesen zu sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber ANNIE gl\u00e4nzt auch mit nicht nur exzellent aufpolierten Charakteren, sondern ihren fabelhaften Darstellern. Allen voran Jamie Foxx als opportunistischer Polit-Kandidat, der dem Genre entsprechend \u00fcberspitzt agieren und reagieren darf, aber seine Figur stets vor der L\u00e4cherlichkeit oder nervenden Farce zu sch\u00fctzen versteht. Erstklassig zeigt sich auch Rose Byrne als Stacks Assistentin Grace, sie so verunsichert durchs Leben stolpert, das sie einem von Herzen leid tut. Und wie bem\u00fcht sie sich zeigt, immer wieder ins Gespr\u00e4ch zu bringen, dass sie sehr wohl Freunde h\u00e4tte, ist das f\u00fcr den Film ein durchweg funktionierender Running-Gag. Quivenzhan\u00e9 Wallis h\u00e4tte f\u00fcr die weltumarmende, immer positiv eingestellte Annie nicht besser besetzt werden k\u00f6nnen. Vielleicht fehlen ihr noch etwas die Tiefen in ihrem Spiel, aber es w\u00e4ren lediglich Nuancen, die bei einem gut aufgelegten Musical wie ANNIE jetzt tats\u00e4chlich als pingelig zu bezeichnen w\u00e4ren. Lediglich Cameron Diaz scheitert an ihrer Colleen, die einfach viel zu \u00fcberdreht gespielt wird. Wo Foxx seinen Charakter immer noch kurz vor der Peinlichkeit zur\u00fcck ziehen kann, f\u00e4hrt Diaz mit ihrer Figur immer nur nervend Vollgas.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">ANNIE ist ein sehr gelungenes, sehr kurzweiliges Kinovergn\u00fcgen f\u00fcr die gesamte Familie. Will Gluck hat das Genre nicht neu erfunden, aber es mit einem erstklassigen Team soweit aufpoliert, dass es frisch, unverkrampft und sehr unterhaltsam den Zuschauer an die Hand nimmt. Und weil nat\u00fcrlich die Frage aller Fragen weiterhin im unbeschrifteten Raum steht, beantworte ich sie mit Lautschrift, wie Wallis es selbst erkl\u00e4rt hat: Kwahwennschan\u00e4y<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/annie\/annie-2\/\" rel=\"attachment wp-att-8396\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-8396\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing\" alt=\"Annie-2, Copyright Sony Pictures Releasing\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-2.jpg\" width=\"620\" height=\"411\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-2-200x132.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Annie-2-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Jamie Foxx, Quivenzhan\u00e9 Wallis, Rose Byrne, Bobby Cannavale, Adewale Akinnuoye-Agbaje, David Zayas, Cameron Diaz u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Will Gluck<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Will Gluck, Aline Brosh McKenna, nach dem St\u00fcck von Thomas Meehan<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Michael Grady<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Tia Nolan<\/em><br \/>\n<em> Musik: Greg Kurstin<\/em>, <em>Sia Furler, nach den St\u00fccken von Charles Strouse und Ralph Burns<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Marcia Hinds<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> 118 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Sony Pictures Releasing<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANNIE &#8211; Bundesstart 15.01.2015 Musicals sind ja wirklich eine Seltenheit im Kino geworden. 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