{"id":8474,"date":"2015-01-15T10:00:37","date_gmt":"2015-01-15T09:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=8474"},"modified":"2015-01-13T22:15:33","modified_gmt":"2015-01-13T21:15:33","slug":"the-gambler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-gambler\/","title":{"rendered":"THE GAMBLER"},"content":{"rendered":"<p><em>THE GAMBLER &#8211; Bundesstart 15.01.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-gambler\/gambler-1\/\" rel=\"attachment wp-att-8475\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8475\" title=\"Copyright Paramount Pictures\" alt=\"Gambler-1, Copyright Paramount Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-1.jpg\" width=\"300\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-1.jpg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Bereits 1867 schrieb Dostojewski den Roman DER SPIELER. Als \u00fcber hundert Jahre sp\u00e4ter James Toback ein Drehbuch verfasste, welches die Geschichte in die Neuzeit versetzte, konnte nat\u00fcrlich nur ein Grundger\u00fcst davon bleiben, was Fjodor Dostojewski einst geschrieben hatte. Geblieben ist eine klare Vorstellung, was der Schriftsteller mit seiner Geschichte vermitteln wollte. Ein strenger Blick auf die gesellschaftliche Toleranz gegen\u00fcber dem Gl\u00fcckspiel, und dem sittlichen Verfall von Spiels\u00fcchtigen. Und das in einer Zeit, wo man noch Jahrzehnte davon entfernt war, dass die Gesellschaft eine Sucht als Krankheitsbild anerkennen sollte. Mit Rupert Wyatts jetzt erschienen Filmfassung, gibt es mindestens zw\u00f6lf Verfilmungen von Dostojewskis Roman. In diesem Zusammenhang ist allerdings lediglich Karel Reisz&#8216; Interpretation nach James Tobacks Drehbuch von 1974 interessant. Denn hier setzt William Monahan seine Neuausrichtung der Geschichte an. Aus den langsam in die Spielsucht abrutschenden Figuren, wird ein einziger, bereits unhaltbar s\u00fcchtiger Charakter. Das Toback aus Dostojewskis General, ausgerechnet einen Literatur Professor macht, ist dann schon wieder ein bewundernswerter Kniff in Anbetracht einer Buchvorlage. Das f\u00fcr Monahan gerade darin der besondere Reiz f\u00fcr ein Remake lag, merkt man umgehend an den stets ans Existenzielle gehenden Dialogen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more-->Jim Bennett ist Literatur Professor, und s\u00fcchtiger Spieler. Es ist nicht das Spiel alleine, welches ihn beherrscht, sondern der Zwang immer aufs Ganze zu gehen. Selbstzerst\u00f6rerisch treibt er sich selbst in den Abgrund. Jim Bennett hasst sich selbst, hasst sein Leben, und er wei\u00df nicht einmal mehr warum. Bei einem koreanischen Spielbetrieb hat er 260.000 Dollar Schulden. Um diese Schulden auszugleichen, borgt er sich Geld beim hiesigen Gangster Neville. Jim k\u00f6nnte ohne weiteres aus diesem Sumpf entfliehen, k\u00f6nnte er seine Grenzen richtig einsch\u00e4tzen. Kann er weder den Koreaner bezahlen, noch den Forderungen von Neville nachkommen, wendet er sich an das \u00f6rtliche Syndikat, um auf dritter Front einen Schuldenberg an zu h\u00e4ufen. Und bei allen Fraktionen, hat die R\u00fcckzahlung der Schulden nie mit dem Geld selbst zu tun, sondern mit dem Prinzip. Und dem Prinzip nach, ist Jim Bennett so gut wie ein toter Mann, weil er sehr gut spielen kann, aber niemals im Stande ist, sein Limit wahr zu nehmen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein bekanntes Szenario, eine oft erz\u00e4hlte Geschichte, und ein attraktiver Hauptdarsteller. Ein derart \u00fcberschaubarer Zutatenmix zeigt sich offen f\u00fcr ein paar \u00dcberraschungen. Was Rupert Wyatt hier allerdings inszeniert hat, folgt den ausgetrampelten Pfaden des altbekannten Losers, der erst am Ende seinen inneren Schweinehund zu \u00fcberwinden versteht. Auf der einen Seite ist Mark Wahlberg ein begnadeter Schauspieler mit viel Charisma. Auf der anderen Seite, ist er der schlichtweg viel zu coole Fuck-You-Charakter. Im \u00dcbrigen ist die Fuck-You-Lebenseinstellung ein entscheidender Bestandteil des Handlungsverlaufes. Was allerdings immer den bitteren Beigeschmack von Zugest\u00e4ndnissen an das aktuelle Kino hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nicht das es st\u00f6rend w\u00e4re, dass diese Geschichte bereits in vielen anderen thematisch variierenden Erz\u00e4hlungen zu sehen gewesen w\u00e4re. Sondern Wyatt schafft es in seiner Inszenierung nicht, diese k\u00fcnstliche Fabrikation von Handlungsablauf zu durchbrechen. Sicher ist Wahlberg ein durchaus ansprechender Schauspieler, aber er ist genau der Typus, der letztendlich als Sieger aus dem Schlamassel hervorgehen muss. Nat\u00fcrlich wird die Hauptfigur einen raffinierten, dem Publikum nicht bekannten Plan haben, um seine Zuschauer H\u00e4nde klatschend zu \u00fcberw\u00e4ltigen. Und es steht au\u00dfer Frage, dass die zum Scheitern verurteilte Beziehung mit einer Studentin nicht doch ein gutes Ende finden wird. Was bei THE GAMBLER in der Inszenierung \u00fcberhaupt nicht funktioniert, ist dieses Spiel mit dem &#8222;alles ist m\u00f6glich&#8220;. Was Ruper Wyatt dabei falsch gemacht, ist wirklich schwer zu erkl\u00e4ren. Es ist einfach das Gesp\u00fcr eines gereiften Publikums, welches versteht, dass hier mehr vorgegaukelt wird, als das mit m\u00f6glichen Realit\u00e4ten experimentiert wird. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Immer wieder gleiten einzelne Sequenzen in abstrakte Lebensweisheiten ab. Was der Film ungemein spannend umzusetzen versteht. Ganze Passagen f\u00fcllt der Handlungsverlauf mit Analysen und Reflexionen \u00fcber das Leben und die Bestimmung des Individuums. Dialoge, die so gehaltvoll sind, dass man tats\u00e4chlich bereit ist, sich Notizen zu machen. Aus diesen Dialogen wird deutlich, wie Jim Bennetts pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung seines eigenen Lebens zu verstehen ist. In diesen immer wieder zelebrierten Auseinandersetzungen, wird der Zuschauer direkt mit dem Innenleben der Hauptfigur konfrontiert. Jim Bennet hat keinen Glauben an sich selbst. Er versteht nur zu spielen, aber nur bis er das entscheidende Limit erreicht, und sich danach in sich selbst verliert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Woran also scheitert THE GAMBLER? An seinem viel zu ambitionierten Hauptdarsteller, der letztendlich doch immer den Charme des Gewinners vermittelt. Dann ist da diese bereits mehrfach inszenierte Heldenreise an sich, in welcher der Underdog am Ende doch \u00fcber sich hinausw\u00e4chst, welcherr selbst Ruper Wyatt nichts Neues abgewinnen kann. Und das ist der Mann, der dem Publikum sprechende Schimpansen glaubhaft machte. Viele Zutaten bei THE GAMBLER stimmen im Grunde, wie der immer \u00fcberw\u00e4ltigende John Goodman, doch genauso viel Zutaten stellen ihn als spannendes Drama in Frage. Wenn also so viel richtig gemacht wurde, und am Ende doch nichts zusammen passt, wen will man dann die Schuld geben? THE GAMBLER erweist sich nicht nur in k\u00fcnstlerischer Form als Problemkind, sondern auch im Fokus seiner intellektuellen Auseinandersetzungen. Mal gibt er sich als Gangsterballade, um dann wieder zum Exkurs \u00fcber den Stellenwert des Menschen im Gef\u00fcge der Menschheit zu schwenken. Wie wenn man beim Roulette lediglich auf Rot oder Schwarz setzt, und die Kugel im Finale von Nummernfach zu Nummernfach springt. THE GAMBLER ist ebenso ein Spieler durch und durch. Kein guter Film, trotz vieler sehenswerter Passagen. Sehr spannend umgesetzt, und doch nichts, was man nicht schon gesehen h\u00e4tte. Schwierig.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-gambler\/the-gambler\/\" rel=\"attachment wp-att-8476\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8476\" title=\"Copyright Paramount Pictures\" alt=\"THE GAMBLER, Copyright Paramount Pictures\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-2.jpg\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-2-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Gambler-2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Mark Wahlberg, John Goodman, Brie Larson, Michael Kenneth Williams, Jessica Lange u.v.a<\/em><br \/>\n<em> Regie: Rupert Wyatt<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: William Monahan, nach dem Drehbuch von John Toback<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Greig Fraser<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Pete Beaudreau<\/em><br \/>\n<em> Musik: Jon Brion, Theo Green<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Keith P. Cunningham<\/em><br \/>\n<em> USA \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> 111 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Paramount Pictures<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE GAMBLER &#8211; Bundesstart 15.01.2015 Bereits 1867 schrieb Dostojewski den Roman DER SPIELER. 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