{"id":8539,"date":"2015-01-30T23:52:52","date_gmt":"2015-01-30T22:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=8539"},"modified":"2015-01-31T16:06:45","modified_gmt":"2015-01-31T15:06:45","slug":"the-imitation-game-ein-streng-geheimes-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-imitation-game-ein-streng-geheimes-leben\/","title":{"rendered":"THE IMITATION GAME &#8211; Ein streng gespoilertes Leben"},"content":{"rendered":"<p><em>THE IMITATION GAME &#8211; Bundesstart 22.01.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-imitation-game-ein-streng-geheimes-leben\/imitation-game-2\/\" rel=\"attachment wp-att-8524\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8524 alignleft\" title=\"Copyright Square One Entertainment \/ The Weinstein Company\" alt=\"Imitation-Game-1, Copyright Square One Entertainment \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-2.jpeg\" width=\"300\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-2.jpeg 300w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-2-142x200.jpeg 142w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-2-213x300.jpeg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Dies ist die Geschichte von Alan Turing, der sich 1953 das Leben nahm, weil er durch eine Hormonbehandlung stark depressiv wurde. Alan Turing war einer von 49.000 Homosexuellen, die zwangssterilisiert wurden, als Homosexualit\u00e4t in Gro\u00dfbritannien noch den Tatbestand einer Straftat erf\u00fcllte. Es ist das traurige Ende eines Lebens, das mit so viel heldenhafter F\u00fclle gesegnet schien. Dies ist die Geschichte von Alan Turing, der w\u00e4hrend des zweiten Weltkrieges den Code der deutschen Verschl\u00fcsselungsmaschine Enigma knackte. Das ist doch der Stoff, aus dem die Helden sind. Die tragischen Helden, mit ganz hohem Filmpotential. Das muss der Norweger Morten Tyldum sofort erkannt haben, auch wenn ihm bestimmt nicht gleich die gro\u00dfe Oscar-Parade in den Sinn gekommen sein wird. Aber wie sieht ein wahrer Oscar-Stoff aus? Nach einer wahren Begebenheit, ein etwas absonderlicher Charakter, ein pers\u00f6nliches ber\u00fchrendes Leben, eine Heldenreise, die gegen jede Vernunft obsiegt. Dreht jemand einen Film nach einer wahren Begebenheit, ruft das umgehend die Kritiker auf den Plan, wo die dramatisierte Geschichte von den Fakten abweicht. Und immer wieder muss man feststellen, wie dumm das ist. W\u00fcrden Filme sich gestreng an die Fakten halten, w\u00fcrde sich das kein Zuschauer antun. Schlie\u00dflich geht es in erster Linie um den Kern einer Geschichte, und um deren Aussage. Auch THE IMITATION GAME gibt sich faktischen \u00c4nderungen hin, um die Geschichte gleicherma\u00dfen spannend, aber auch ber\u00fchrend erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span> <span style=\"color: #000000;\">1939 kommt Alan Turing nach Bletchley Park, um sich f\u00fcr eine Anstellung f\u00fcr die Regierung zu bewerben. Mit seiner extrem humorlosen und leider auch unversch\u00e4mt direkten Art, eckt er nur an,\u00a0 doch die F\u00fchrungsspitze ist auf jede noch so abwegige Hilfe angewiesen, die nicht zu entschl\u00fcsselnde Enigma der Deutschen zu knacken. Erst einmal ernennt er sich selbst zum Leiter der Abteilung, siebt dann ordentlich unter den Kollegen aus, und nimmt zum Entsetzen ganz Bletchley Parks, eine Frau in sein Team. W\u00e4hrend die Kollegen versuchen, sich mathematisch dem Code anzun\u00e4hern, entwirft Turing eine Maschine, welche die selbe Rechenleistung in ungleich k\u00fcrzerer Zeit schaffen w\u00fcrde. Alan Turing ist zerfressen vom Ehrgeiz. Schlie\u00dflich ist Logik und Mathematik das einzige, was Alan nach einer gescheiterten Liebe geblieben ist. Eine nicht sehr unkomplizierte Liebe, eine die nicht sein durfte, und dann auch nicht war. Kollegin Joan m\u00f6chte ihm da gerne Trost und eine Beziehung anbieten, die der Erfinder nat\u00fcrlich zur\u00fcck wei\u00dft. Allerdings hat auch Joan ganz eigene Ziele, die sich Alans Gesinnung durchaus bewusst ist, und sich f\u00fcr eine anstehende Karriere, den R\u00fccken von anderen M\u00e4nner frei zu halten versucht. Dann beginnt Alans Maschine zu arbeiten. Und die Gruppe Wissenschaftler wird pl\u00f6tzlich mit unerwarteten Verantwortungen konfrontiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In seiner technischen Umsetzung, ist IMITATION GAME ein sehr zufriedenstellender Film, der keine W\u00fcnsche offen l\u00e4sst. Auch die Darsteller \u00fcberzeugen allesamt, und geben mit ihrem Spiel dem Spannungsbogen eine erweiterte Ebene. Morten Tyldum hat seine Inszenierung genau auf einen stimmigen Rhythmus und antreibendes Tempo ausgelegt. Auch wenn manch dramaturgischer Kniff, dann doch zu simpel oder ungenau umgesetzt ist. Zum Beispiel versucht Turing seine ihn eigentlich hassenden Kollegen hinter sich zu bringen, und wie er das letztendlich bewerkstelligt, ist dann doch offensichtlich dem Umstand geschuldet, das man m\u00f6glichst schnell mit der Handlung voran kommen wollte. Auch die Rolle des Detectives, der den Einbruch in Turings Haus 1951 aufkl\u00e4ren will, ist nicht im geringsten schl\u00fcssig. In erster Linie ist er der Katalysator, um die Geschichte an den Zuschauer zu bringen. Aber was Detective Nock vorgibt zu tun, und wie er wirklich handelt, widerspricht sich st\u00e4ndig, ohne das es wirklich einen Grund daf\u00fcr g\u00e4be. Das \u00e4ndert aber kaum etwas daran, dass IMITATION GAME eine sehr gut erz\u00e4hlte Geschichte bleibt. Auch wenn man trotz aller Bem\u00fchungen den Vorgang der Entschl\u00fcsselung nicht wirklich versteht. Die Enigma und das pers\u00f6nliche Schicksal Turings halten sich im Spannungsfeld nicht einfach nur die Waage, sondern greifen immer wieder ineinander. Doch das \u00fcberraschendste ist GAMEs Humor, der immer wieder mit Turings Verhalten durchschl\u00e4gt. Der Trag\u00f6die zum Trotz, kann und darf in IMITATION GAME sehr viel gelacht werden. Und das daf\u00fcr gewisse Fakten abgewandelt werden m\u00fcssen, um den dramatischen Effekt zu erhalten, das kennt man aus jeder Biografie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber was ist mit einer Biografie, in der \u00fcberhaupt nichts mehr stimmt. Eine Biografie, in der alle Fakten so gebeugt wurden, dass sie am Ende nur noch eine filmische Einheit ergaben. So war Turing nie der exzentrische Einzelg\u00e4nger, sondern wurde von Kollegen als sehr umg\u00e4nglicher, liebevoller Mann beschrieben. Die Enigma-Truppe z\u00e4hlte zudem weit mehr als nur vier Mann plus Frau, und Turing war \u00fcberhaupt nicht ihr Leiter. Nicht in Bletchley-Park wurde begonnen, den Code zu entschl\u00fcsseln, vielmehr baute das britische Team auf den schon erfolgreichen Arbeiten des polnischen Geheimdienstes auf. Wichtig waren daf\u00fcr die Schl\u00fcsselb\u00fccher der Deutschen, welche der Film ENIGMA von 2001 stark thematisierte, hier aber keine Erw\u00e4hnung finden. Und nicht Turing allein verfasste den Brief an Churchill, um die Arbeiten zu \u00fcbernehmen, sondern er verfasste ihn gemeinsam mit einigen Kollegen, um beim Projekt zu bleiben. Die Briten besa\u00dfen auch keine Original-Enigma, sondern arbeiteten mit einem Nachbau, der nach den Angaben eines Spions gefertigt wurde. War die Entschl\u00fcsselung in Wirklichkeit ein extrem komplexer mathematischer Vorgang, stellt sie sich im Film als genialer Geistesblitz. Zudem war Commander Denniston, Oberkommandierender von Bletchley Park, Turing sehr wohl gesonnen, wo man hingegen den Film f\u00fcr pointenreiche Zwecke dazu nutzt, sie zu \u00fcberzeugten Gegnern zu machen. So beschrieb jedenfalls Simon Singh in seinem Buch &#8222;Geheime Botschaften&#8220; die eigentlichen Fakten dieser wahren Begebenheit. <span style=\"color: #993300;\">(Recherche: Lumberjack)<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Was macht also einen Film aus, der zum einen spannend erz\u00e4hlt ist, und auch mitf\u00fchlend umgesetzt wurde, sich aber durch seinen Hintergrund rechtfertigt. Doch wenn kaum etwas von diesem Hintergrund als faktische Wahrheit gezeigt wird, muss man den Film als solchen in Frage stellen k\u00f6nnen. Denn wirklich interessant sind doch zwei Aspekte der Geschichte, zum einen was Alan Turing f\u00fcr Gro\u00dfbritannien leistete, und zum anderen wie das Vereinigte K\u00f6nigreich mit Menschen wie Turing umging. Das mag im grunds\u00e4tzlichem Tenor des Films noch vorhanden sein, doch st\u00fctzt man das auf eine geschichtliche Vergangenheit, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nicht beliebig war, sondern entscheidend. Und in diesem Verlauf wird der Zuschauer mit einem Menschen konfrontiert, der tats\u00e4chlich sein Umfeld polarisierte, und dadurch das Publikum auch f\u00fcr sich einnimmt. Aber der im wirklichen Leben nie dieser Mensch war. Alan Turing kann auch nicht stellvertretend dargestellt werden, f\u00fcr all die hunderte von Menschen, die im streng geheimen Bletchley Park ihre Verdienste leisteten, ohne das diese aus Gr\u00fcnden der Geheimhaltung jemals individuell gew\u00fcrdigt wurden. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Alan Turing war durchaus ein mathematisches Genie, und man kann auch guten Gewissens sagen, der Begr\u00fcnder der Computer-Technologie. Doch dann treffen auch wieder zwei differenzierte Geschichte aufeinander, n\u00e4mlich der Mensch Alan Turing und die Leistungen, die in Bletchley Park insgesamt vollbracht wurden. Genau dies schien IMITATION GAME im Sinn gehabt zu haben, und scheitert letztendlich an seiner Authentizit\u00e4t. Wie widerspr\u00fcchlich so etwas doch werden kann, ist doch THE IMITATION GAME eigentlich ein stimmig unterhaltsamer Film, der die Genre-Konventionen geschickt zu nutzen versteht, ohne sie all zu offensichtlich zu verbrauchen. Kino, wie Kino sein sollte. Und doch ist ein bitterer Beigeschmack durchaus gerechtfertigt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-imitation-game-ein-streng-geheimes-leben\/benedict-cumberbatch-stars-in-the-imitation-game\/\" rel=\"attachment wp-att-8523\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8523\" title=\"Copyright Square One Entertainment \/ The Weinstein Company\" alt=\"Imitation-Game-2, Copyright Square One Entertainment \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-1.jpeg\" width=\"620\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-1.jpeg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-1-200x112.jpeg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Imitation-Game-1-300x169.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Charles Dance, Mark Strong, Allen Leech, Matthew Beard u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Morten Tyldum<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Graham Moore, nach dem Buch von Andrew Hodges<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Oscar Faura<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: William Goldenberg<\/em><br \/>\n<em> Musik: Alexandre Desplat<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Maria Djurkovic<\/em><br \/>\n<em> USA-Gro\u00dfbritannien \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> 114 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Square One Entertainment \/ The Weinstein Company<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE IMITATION GAME &#8211; Bundesstart 22.01.2015 Dies ist die Geschichte von Alan Turing, der sich 1953 das Leben nahm, weil er durch eine Hormonbehandlung stark depressiv wurde. 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