{"id":8793,"date":"2015-03-16T05:00:42","date_gmt":"2015-03-16T04:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=8793"},"modified":"2015-03-15T22:06:58","modified_gmt":"2015-03-15T21:06:58","slug":"chappie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/chappie\/","title":{"rendered":"CHAPPIE"},"content":{"rendered":"<p><em>CHAPPIE &#8211; Bundesstart 05.03.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/chappie\/chappie-1\/\" rel=\"attachment wp-att-8795\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing\" alt=\"Chappie-1, Copyright Sony Pictures Releasing\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chappie-1.jpg\" width=\"300\" height=\"424\" \/><\/a><span style=\"color: #000000;\">Mit EX_MACHINA und AUTOMATA ist dies der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit k\u00fcnstlichen Intelligenzen besch\u00e4ftigt. Und Robotern, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Behandelt AUTOMATA mehr die Frage nach dem Recht der Selbstbestimmung von Robotern, stellt EX_MACHINA die Frage, inwieweit das angenommene Bewusstsein nicht doch programmierte Aktionen sind. CHAPPIE hingegen will alles, und dar\u00fcber hinaus noch viel mehr. Er will Sozialkritik vertreten, ein knallharter Action-Film sein, sich als Darsteller-Kino pr\u00e4sentieren, und die Auswirkungen von k\u00fcnstlichen Intelligenzen beleuchten. Und damit wollte Neill Blomkamp zu viel. In keinen seiner Absichten schafft es der Regisseur und Co-Autor in die Tiefe zu gehen, sondern sich nur in der Breite aufzustellen. Man k\u00f6nnte mit CHAPPIE den Karriereweg Neill Blomkamps, mit dem von M. Night Shyamalan gleichstellen. Auch wenn Shyamalan schon zwei kleine Filme gemacht hatte, bevor er mit der Kino-Sensation SIXTH SENSE Zuschauer und Kritiker in Euphorie versetzte. Hat er seitdem sieben weitere Kinofilme gemacht, war die Talfahrt eben verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geruhsam. Neill Blomkamp hat sich mit nur drei Filmen von ganz oben, ins Mittelma\u00df, und nun nach unten gearbeitet.<!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Die Handlung<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Einheit 22 ist der Pechvogel bei Johannisburgs Polizei, des ersten kompletten Roboter-Verbandes weltweit. Bei Eins\u00e4tzen ist es stets Einheit 22 der Leidtragende, mit Aufenthalten in der Werkstatt. Bis ihn eine Panzerfaust trifft, welche seine Batterie mit dem Geh\u00e4use verschmilzt. Eine Reparatur ist unm\u00f6glich, und so schickt Roboter-Beauftragter Deon Wilson Einheit 22 zur Verschrottung. Wilson arbeitet nebenher an einem Programm, welches k\u00fcnstlichen Intelligenzen ein eigenes Bewusstsein geben soll, und wird ausgerechnet noch in dieser Nacht erfolgreich. Aber ein Vorsprechen bei Michelle Bradley, welche den R\u00fcstungsbetrieb leitet, endet mit ihrer Ablehnung. Kurzerhand klaut Deon die ausgemusterte Einheit 22, wird aber von den Kriminellen Ninja und America entf\u00fchrt, und in deren sogenanntes Zuhause gebracht, wo Yo-Landi auf sie wartet, Ninjas Freundin. Deon wird gezwungen, 22 wieder zusammen zu bauen, weil sie dringend einen Roboter f\u00fcr einen \u00dcberfall brauchen. Sollte Ninja nicht innerhalb einer Woche seine Schulden bezahlen, w\u00fcrde die ganze Dreier-Gang mit dem Leben daf\u00fcr bezahlen. Doch als Deon dem Roboter sein evolution\u00e4res Programm aufspielt, erwacht in 22 ein Kind. Ein Kind, welches erst lernen muss, ohne Lebenserfahrung, ohne Sprachkenntnis, aber mit Angst und Zur\u00fcckhaltung. F\u00fcr Ninja eine Katastrophe. Aber ein Roboter lernt schnell, und das Chappie getaufte Kind lernt schie\u00dfen, fluchen und einen coolen Ghetto-Style. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Die Charaktere<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Es gibt in CHAPPIE keinen glaubw\u00fcrdigen, und keinen sympathischen Charakter. Gerade vielleicht America, ist in seiner zur\u00fcckhaltenden Art ertr\u00e4glich. Deon Wilson sitzt entweder \u00fcber der Tastatur, und schwitzt dabei, oder versucht sich unentwegt ungeschickt mit Ninja auseinander zu setzen. Vincent Moore ist ein allzu offensichtlicher Psychopath, der in der Firma Deon als seinen Konkurrenten ansieht, und auf billigste Weise versucht, seine eigenen Projekte durch zu bringen. Yo-Landi gibt sich als besch\u00fctzende Mutter f\u00fcr Chappie, ist st\u00e4ndig weinerlich und setzt sich nur durch, wenn es das Drehbuch erfordert. Ninja ist die schlimmste Fehlentwicklung, als st\u00e4ndig motzender und drohender Einfaltspinsel, der \u00fcberhaupt nichts versteht und nicht einen Funken von Reife zeigt. Aber daf\u00fcr wird Ninja im emotional entscheidenden Moment eine charakterliche 180-Grad-Wendung machen, die nicht nur unmotiviert ist, sondern auch vollkommen gegen die vorangegangenen 100 Minuten steht. Und dann ist da Chappie selbst, den man liebenswert einsch\u00e4tzen k\u00f6nnte, aber sich auch so unkonstant entwickelt, dass er die meiste Zeit nur nervt, wenn er sich nicht zwischen kindlichem Trotz, jugendlicher \u00c4ngstlichkeit, und verunsicherter Gangster-Mentalit\u00e4t entscheiden kann. Die Entwicklung bei Chappie ist kaum nach zu vollziehen, sondern unaufh\u00f6rlich schwankend, was den Charakter \u00fcberhaupt nicht voran bringt. Allesamt wecken die Figuren keine Bindung zum Zuschauer, und ihnen wird auch keine Gelegenheit einger\u00e4umt, eine Bindung auf zu bauen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Die Inszenierung<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Blomkamp wei\u00df, wie er die Handlung voran treiben muss. Er l\u00e4sst kaum Leerlauf, bringt seine Szenen immer auf den Punkt. Aber wie f\u00fcllt man diese Szenen? Und das ist dass Problem mit CHAPPIE, Filmemacher Blomkamp wei\u00df nicht, mit dieser schon mehrmals verwursteten Pr\u00e4missen von Robotern in Verbindung von Bewusstsein aus einem artifiziellem Intellekt, eine noch nicht erz\u00e4hlte Geschichte zu kreieren. Alles ist schon einmal dagewesen, alles wurde schon einmal erz\u00e4hlt. Dann marschiert jeder bei der R\u00fcstungsfabrik ein und aus, als w\u00e4re es der nachbarliche Baumarkt. Jeder hat \u00fcberall hin Zutritt, wie es die Handlung gerade braucht. Und wenn sich Wilson und Moore ihren Showdown liefern, dann ist da auch kein Sicherheitsdienst. Wenn immer es notwendig wird, arbeitet keine Menschenseele in den Hallen. Da bedroht ein Mitarbeiter einen Kollegen mit einer Pistole, vor allen anderen Kollegen, und tut dies dann als Scherz ab, ohne weiterreichende Konsequenzen. Das alles hinterl\u00e4sst einen sehr faden Beigeschmack. Wenn Ninja Chappie eine Lektion erteilen will, m\u00f6chte Blomkamp damit eine sehr emotionale Sequenz einleiten. Doch zu diesem Zeitpunkt ist alles schon viel zu verfahren. Anstatt sich auf die Entwicklung des Roboters zu konzentrieren, verschachtelt sich die Handlung in ein andauerndes Katz und Maus Spiel, wo \u00fcberraschend der auftaucht, unvermittelt der andere etwas wichtiges tut, immer wieder wirft der Zufall alles hin und her. Das vermittelt nat\u00fcrlich das Gef\u00fchl eines rasanten Filmes, der er letztendlich auch ist. Allerdings vergisst er dabei eine dringend notwendige, philosophische Tiefe.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Die Darsteller<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Viel kann man \u00fcber Hugh Jackman nat\u00fcrlich nicht sagen, der ausgezeichnete Schauspieler musste sich eben nur mit einer schlecht geschriebenen und \u00fcberzeichnet inszenierten Figur auseinandersetzen. Warum Sigourney Weaver ihre eindimensionale, und f\u00fcr die Handlung vollkommen unn\u00fctze Rolle \u00fcbernommen hat, dar\u00fcber kann man nur spekulieren. Dev Patel trifft hier das gleiche Schicksal wie Jackman, seine Figur ist einfach falsch in Szene gesetzt. SLUMDOG MILLIONAIRE ist aus gutem Grund ein so einschlagender Erfolg geworden, also liegt es sicher nicht an Patel, wenn sich der Charakter des Deon Wilson so unausgegoren ausnimmt. Und dann ist da die Band &#8218;Die Antwoord&#8216;, die sich hier selbst darstellen und ihre K\u00fcnstlernamen auf die Filmfiguren \u00fcbertrugen. &#8218;Die Antwoord&#8216; ist in S\u00fcdafrika eine sehr bekannte Rap-Rave-Band, und fielen international mit dem Musikvideo &#8218;Enter The Ninja&#8216; auf, dessen Set-Design f\u00fcr CHAPPIE \u00fcbernommen wurde. Aber Watkin Tudor Jones und Yo-Landi Visser sind keine Schauspieler. Sie k\u00f6nnen nicht auffangen, was das Drehbuch ihnen an schwachen Figuren zumutet. Jones verf\u00e4llt dabei in ein sich st\u00e4ndig wiederholendes Klischee, w\u00e4hrend Visser keinen stimmigen Eindruck macht, der zu dem Milieu passen m\u00fcsste. Auch ein Punkt, der vielleicht darstellerisch aufzufangen gewesen w\u00e4re.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Fazit<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ein junger Mann sitzt am Computer und tippt, und tippt. Immer wieder sieht man eine Bildschirmanzeige, dass das Programm nur zu so und soviel Prozent erreicht. Immer wieder Verzweiflung, immer mehr tippen. Dazwischen viel Red Bull. Und bevor die Sonne aufgeht, hei\u00dft es auf einmal 100 Prozent. Der junge Mann hat am Computer eine k\u00fcnstliche Intelligenz geschaffen die \u00fcber ein eigenes Bewusstsein verf\u00fcgt. Jetzt ist ja ein menschliches Bewusstsein genau das, was einem vom Computer unterscheidet. Wie also, k\u00f6nnte man so etwas am Computer gestalten? Nicht das man erwarten sollte, dass Neill Blomkamp bis in die Details, diese L\u00f6sung aufzeichnet, um sich als der innovativ geniale Science-Fiction-Autor zu pr\u00e4sentieren. Aber was bei einem innovativ genialen Science-Fiction-Film passieren w\u00fcrde, ist beim Zuschauer das Gef\u00fchl zu erwecken, als h\u00e4tte man tats\u00e4chlich etwas erkl\u00e4rt bekommen, das weit hinter das tippen von Zahlencodes geht. CHAPPIE ist nicht die volle Katastrophe, zu der man ihn durchaus machen k\u00f6nnte. Aber er ist sehr weit von dem entfernt, was er wirklich sein k\u00f6nnte. CHAPPIE ist nichts weiter als Unterhaltung. Er fordert nicht heraus, er hinterfragt nicht. K\u00f6nnten wir tats\u00e4chlich ein eigenst\u00e4ndiges Bewusstsein erschaffen, was w\u00fcrde das f\u00fcr die Menschheit bedeuten. Welche Pflichten k\u00e4men damit auf uns zu. Worin l\u00e4gen die Grenzen. CHAPPIE aber, setzt uns einen drolligen Roboter auf die Leinwand, mit dem viele ungerechte Dinge passieren, und der Zuschauer soll viel Mitgef\u00fchl dabei entwickeln. Soweit erf\u00fchlt dann auch der Film seinen Auftrag. Genau soweit.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/chappie\/chappie-2\/\" rel=\"attachment wp-att-8796\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8796\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing\" alt=\"Chappie-2, Copyright Sony Pictures Releasing\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chappie-2.jpg\" width=\"620\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chappie-2.jpg 620w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chappie-2-200x101.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Chappie-2-300x151.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller:<\/em> <em>Stimme von Chappie: Sharlto Copley <\/em><br \/>\n<em> Dev Patel, Watkin Tudor Jones, Yo-Landi Visser, Hugh Jackman, Sigourney Weaver, Jose Pablo Cantillo, Anderson Cooper u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Neill Blomkamp<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Trent Opaloch<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: Julian Clarke<\/em><br \/>\n<em> Musik: Hans Zimmer<\/em><br \/>\n<em> Mexiko &#8211; USA \/ 2015<\/em><br \/>\n<em> 120 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Sony Pictures Releasing<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHAPPIE &#8211; Bundesstart 05.03.2015 Mit EX_MACHINA und AUTOMATA ist dies der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit k\u00fcnstlichen Intelligenzen besch\u00e4ftigt. 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