{"id":9069,"date":"2015-04-23T02:00:11","date_gmt":"2015-04-23T01:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=9069"},"modified":"2015-04-21T17:40:07","modified_gmt":"2015-04-21T16:40:07","slug":"big-eyes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/big-eyes\/","title":{"rendered":"BIG EYES"},"content":{"rendered":"<p><em>BIG EYES &#8211; Bundesstart 23.04.2015<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/big-eyes\/big-eyes-1\/\" rel=\"attachment wp-att-9071\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-9071\" title=\"Copyright StudioCanal \/ The Weinstein Company\" alt=\"Big-Eyes-1, Copyright StudioCanal \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-1.jpg\" width=\"250\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-1.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Die Besprechung basiert auf der britischen BluRay-Fassung im Originalton.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Scott Alexander und Larry Karaszewski sind wahre Spezialisten, einzigartigen K\u00fcnstlern in die Seele zu schauen. Wie dem Hustler-Herausgeber in THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT. Oder in der Andy Kaufman Biografie MAN IN THE MOON, wo das Autoren-Duo ganz im Sinne von Kaufman, den Film mit dem Abspann beginnen l\u00e4sst, weil dann die Leute noch nicht einfach aus dem Kino laufen. Nat\u00fcrlich nicht zu vergessen ist Alexander und Karaszewskis Buch f\u00fcr ED WOOD, den Tim Burton ganz hervorragend inszenierte. ED WOOD ist auch der einzige Film in Tim Burtons Karriere, der BIG EYES f\u00fcr einen Hauch am n\u00e4chsten kommt. Ansonsten muss man unumwunden sagen, dass BIG EYES Tim Burtons ungew\u00f6hnlichster Film ist. Weil er eben nicht das Ungew\u00f6hnliche zelebriert. Es sind die 1950er, und da war es fast noch eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass sich eine Frau ihrem Mann unterwirft. Oder sie haut einfach ab. So wie es Margaret Ulbrich am Anfang tut. Das Notwendigste gepackt, die Tochter ins Auto verfrachtet, und raus aus der synthetischen Vorstadt ins bunte Leben von San Francisco. \u00a0<!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Bruno Delbonnel schafft ganz klar strukturierte Bilder, mit kr\u00e4ftigen, hellen Farben. In vielen Einstellungen ist das Bild sogar von einer fast schon irritierenden Symmetrie beherrscht. Es unterstreicht Tim Burtons Ansatz, eine Geschichte aus den F\u00fcnfzigern, auch im cineastischen Look der F\u00fcnfziger zu halten, und sich aller filmischen Extravaganzen zu erwehren. Das Zeitkolorit und Atmosph\u00e4re schon \u00fcberw\u00e4ltigende Ausma\u00dfe annehmen, hat aber eindeutig mit Rick Heinrichs Produktionsdesign zu tun. Jedes Stra\u00dfenbild, die Autos, die einzelnen Setting, die Kost\u00fcme, alle M\u00f6belst\u00fccke. Hier scheint alles zu passen, alles ist stimmig. In dieser Welt versucht Margaret Ulbrich selbstst\u00e4ndig zu werden. Sie geht arbeiten, und malt nebenher. Kinder mit \u00fcberproportionierten Augen sind ihr Motiv. Sehr traurig wirkende Kinder, aber auch sehr ansprechend. Nur verkaufen kann sie keines ihrer Gem\u00e4lde. Da kommt ihr der Dampfplauderer und Frauenschwarm Walter Keane gerade recht, der seine eigenen Bilder von Pariser Stra\u00dfenimpressionen sehr gut an den Mann und auch die Frau zu bringen versteht. Beide verstehen sich auf Anhieb, und er schafft es m\u00f6gliche Kunden f\u00fcr Margarets Big-Eyes-Bilder zu interessieren. In seinem \u00dcbereifer geschieht Walter allerdings das zuerst nicht geplante Missgeschick, die Bilder als seine Kreationen auszugeben, um \u00fcberhaupt erst Leute darauf aufmerksam zu machen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Tim Burton hat in seiner Karriere kaum eine Darstellerin so sensibel inszeniert, wie Amy Adams als Margaret Keane. Sie ist gleichzeitig starke Pers\u00f6nlichkeit und verunsicherte Person. Adams gibt einen sehr guten Eindruck davon, wie ein Frau in dieser Zeit zwischen Tradition und Moderne hin und her gerissen wurde. Ihre erf\u00fcllende Pr\u00e4senz beherrscht jede Szene, und vermittelt augenblicklich, wie sich das Frauenbild in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert hat. Margaret Keane, geschiedene Ulbrich, ist noch ein verzweifeltes Opfer einer Zeit, wo die Rollenverteilung klar geregelt war. Aber Amy Adams braucht dazu nicht den exaltierten Ausbruch, oder die \u00fcberschw\u00e4nglichen Emotionen. Mit nur kleinen Gesten, und gesetzterer Mimik wird sie nur noch um ein vielfaches realistischer. Amy Adams hat erneut die M\u00f6glichkeit erhalten, sich als Schauspielerin zu beweisen, die mit allen Frauentypen \u00fcberzeugen kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Weniger gut hat es da Gegenpart Christoph Waltz, schon jetzt einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschsprachigen Schauspieler in Hollywood. Gleich mit seinem ersten englischsprachigen Film, konnte Waltz dem deutschen Film komplett den R\u00fccken kehren. Aber Waltz leidet darunter, dass er seit eben diesem INGLOURIOUS BASTERDS immer wieder die selbe Rolle spielt. Ein aufgeregter, \u00fcberdrehter Aufsprecher, der mit seinen sich stets wiederholenden Manierismen und vokalen Ausdrucksweisen zugegebenerma\u00dfen sein Publikum begeistert, aber auch in BIG EYES keine neue Facette in seinem Spiel zu zeigen versteht. Waltz mag einen sehr treffend gespielten Walter Keane geben, allerdings ist dieser Keane eine Figur, die kein Eigenleben hat, sondern lediglich den Geist eines etablierten Darstellers atmet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit den Big-Eyes-Bildern baut Walter schlie\u00dflich ein Imperium auf, wo Margaret lediglich im Dachgeschoss immer neue Motive produzieren muss. Obwohl von ihre gezeichnet, werden die Bilder mehr und mehr zu Walters Kreationen. Die Welt sieht in den traurigen Kindergesichtern auch nur Walters Kunst. Der Punkt des Umkehrens ist schon lange \u00fcberschritten. Doch was Margaret am meisten schmerzt, ist ihre Tochter f\u00fcr dieses ganze Unterfangen angelogen zu haben. W\u00e4hrend f\u00fcr Walter die L\u00fcge immer mehr zur Realit\u00e4t wird, leidet die eigentliche K\u00fcnstlerin vermehrt darunter, nie zu sich selbst stehen zu d\u00fcrfen. Und nicht einmal die eigene Tochter involvieren zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">BIG EYES ist bis zu diesem Zeitpunkt ein sehr eindringlicher Film, der Dank seiner hervorragenden Hauptdarstellerin zu einem sehr einnehmenden Drama wird. Und auch Delaney Raye und Madeleine Arthur als junge und \u00e4ltere Tochter Jane unterst\u00fctzen diesen emotionalen Reigen in eindringlicher Form, weil das Drehbuch sie nicht als blo\u00dfe Statistenrolle, sondern als bindendes Glied zwischen der an sich zweifelnden und der lethargischen Margaret nutzen kann. Das Besetzungsb\u00fcro hat gro\u00dfartiges geleistet, die nicht verwandten Raye und Arthur zu engagieren, die nicht nur darstellerisch, sondern vor allem \u00e4u\u00dferlich perfekt besetzt wurden. Dann geschieht in der letzten Viertelstunde, was man bei einem Tim Burton Film eigentlich wirklich vermisst h\u00e4tte. Und das ist das absurde Moment. Diese fein \u00fcbersteigerten Szenen, die so unbek\u00fcmmert zwischen Realit\u00e4t und Absurdit\u00e4t hin und her schwanken. Denn am Ende wird Margaret ihr Recht auf ihr k\u00fcnstlerisches Eigentum einfordern, und es mag einen realen Hintergrund haben, wie Walter Keane darauf reagierte. Im Films selbst wirkt diese Selbstdarstellung dann doch eher wie eine versponnene Drehbuchidee, die keine reale R\u00fcckendeckung zu haben scheint.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">BIG EYES ist ein wundervoller Film, der durch seine Darsteller lebt. Die Inszenierung ist frei von m\u00f6glichen Eskapaden, und so findet der Zuschauer sehr schnell Zugang zu den Figuren. Es ist eine wahre Geschichte, nach wahren Begebenheiten. Und die heute noch malende Margaret Keane, war sehr angetan von der f\u00fcr sie sehr realistischen Umsetzung von Handlung und Figuren. Bis zu seinem Tod im Jahr 2000, hat Walter Keane behauptet der Sch\u00f6pfer der Big-Eyes-Bilder zu sein, obwohl das Gericht Jahre zuvor durch klare Indizien zu Gunsten von Margaret entschieden hatte. In einer Szene, die man im nachhinein als sehr entlarvende Darstellung gegen Walter Keane sehen muss, kann man die wirkliche Margaret Keane auf einer Parkbank sitzend sehen. Das man sich dies nur durch eigene Recherche, ohne Hilfe von Presseheft oder -mitteilung erarbeiten muss, ist sehr traurig. Schlie\u00dflich h\u00e4tte Margaret Keane in einer Biografie \u00fcber sich selbst mehr verdient, als nur einen prominent besetzten Hintergrund, der nicht einmal von der PR f\u00fcr erw\u00e4hnenswert gehalten wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/big-eyes\/big-eyes-2\/\" rel=\"attachment wp-att-9072\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9072\" title=\"Copyright StudioCanal \/ The Weinstein Company\" alt=\"Big-Eyes-2, Copyright StudioCanal \/ The Weinstein Company\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-2.jpg\" width=\"640\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-2-200x129.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Big-Eyes-2-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: Amy Adams, Christoph Waltz, Danny Huston, Terence Stamp, Jason Schwartzman, Krysten Ritter u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: Tim Burton<\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: Scott Alexander, Larry Karaszewski<\/em><br \/>\n<em> Kamera: Bruno Delbonnel<\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: JC Bond<\/em><br \/>\n<em> Musik: Danny Elfman<\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: Rick Heinrichs<\/em><br \/>\n<em> USA &#8211; Kanada \/ 2014<\/em><br \/>\n<em> 106 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>StudioCanal \/ The Weinstein Company<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BIG EYES &#8211; Bundesstart 23.04.2015 Die Besprechung basiert auf der britischen BluRay-Fassung im Originalton. Scott Alexander und Larry Karaszewski sind wahre Spezialisten, einzigartigen K\u00fcnstlern in die Seele zu schauen. Wie dem Hustler-Herausgeber in THE PEOPLE VS. LARRY FLYNT. Oder in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/big-eyes\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[451,1727,443,134,171],"class_list":["post-9069","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-im-kino-gesehen","tag-amy-adams","tag-big-eyes","tag-biografie","tag-christoph-waltz","tag-drama"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9069","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9069"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9069\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9129,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9069\/revisions\/9129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}