{"id":9715,"date":"2015-09-02T06:00:40","date_gmt":"2015-09-02T05:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=9715"},"modified":"2015-09-01T20:59:30","modified_gmt":"2015-09-01T19:59:30","slug":"self-less-der-fremde-in-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/self-less-der-fremde-in-mir\/","title":{"rendered":"SELF \/ LESS &#8211;  Der Fremde In Mir"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=9712\" rel=\"attachment wp-att-9712\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-9712\" title=\"Copyright Concorde Filmverleih\" alt=\"selfless-2, Copyright Concorde Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/selfless-2.jpg\" width=\"250\" height=\"351\" \/><\/a>SELF\/LESS &#8211; Bundesstart 20.08.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #800000;\">(Spoiler voraus)<\/span> Bereits mit seiner ersten Inszenierung, dem Video zu R.E.M.s &#8218;Losing My Religion&#8216;, setzte Tarsem Singh Dhandwar einen visuellen Stil, mit dem er sp\u00e4ter auch das Arthouse-Kino \u00fcberraschte. Das war 2000 mit THE CELL, und setzte sich mit THE FALL fort. Selbst seine kommerzielleren Gro\u00dfproduktionen KRIEG DER G\u00d6TTER und SPIEGLEIN, SPIEGLEIN zeigten in der Inszenierung das hauptgewichtige Interesse Tarsem Singhs, die Optik als eine wesentliche Erz\u00e4hlebene zu nutzen. Bereits in seinem Spielfilm-Deb\u00fct THE CELL, ging es um die Manipulation des menschlichen Geistes. Ein Police-Detective will in die Gedanken eines ins Koma gefallenen Serienkiller eindringen, um dessen letztes Opfer zu finden. In SELF\/LESS geht es darum, gleich das gesamte Bewusstsein eines Menschen zu \u00fcberschreiben. Eine intellektuelle Herausforderung, ist diese Thematik doch bereits in diversen Filmen mehr oder weniger gelungen behandelt worden. Und ganz selten mit einer \u00fcber den Menschen reflektierenden Absicht.\u00a0\u00a0 <!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Damian Hale ist Immobilenmagnat in New York, und entsprechend mit einem grotesken Verm\u00f6gen ausgestattet. Doch Hale hat etwas, wobei ihm all sein Geld nicht helfen kann. Er ist alt, und hat Krebs. \u00dcber seinen Anwalt und besten Freund Martin O&#8217;Neill, tritt ein Professor Albright an Hale heran. Albrights Firma k\u00f6nnte sein Bewusstsein in einen jungen, gesunden K\u00f6rper transferieren, danach m\u00fcsste er allerdings alles hinter sich lassen und seine Identit\u00e4t wechseln. Nur wenig sp\u00e4ter, wird Damien Hale als Mark Bitwell ein neues Leben beginnen. Ein junger, kr\u00e4ftiger, und vor allem gesunder Mann. Allerdings muss Mark darauf achten, regelm\u00e4\u00dfig seine Medikamente zu nehmen, weil er sonst von Halluzinationen heimgesucht werden wird, die sogar t\u00f6dlich enden w\u00fcrden. Seine frisch erstarkte M\u00e4nnlichkeit nutzend, beginnt Mark einen Lebensstil, bei dem er des \u00d6fteren vergisst, seine Tablette zu schlucken. Nicht nur mit unsch\u00f6nen Begleiterscheinungen, sondern mit einer schrecklichen Erkenntnis.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">SELF\/LESS funktioniert hervorragend in seinen technischen Branchen. Die Kameraarbeit ist solide, in den Action-Sequenzen aber manchmal etwas unstet, und verl\u00e4sst immer wieder die packende Perspektive des Helden. Daf\u00fcr ist Robert Duffys Schnitt ein grandioses Beispiel, wie man Tempo, Dramatik, und sehr viel Atmosph\u00e4re erzeugen kann, wenn man das richtige Konzept f\u00fcr diese oftmals untersch\u00e4tzte Branche hat. Gegen Ende jedes Abschnittes auf Damien Hales \/ Mark Bitwells abenteuerlichen Weg, beginnt eine immer schneller werdende Schnittfolge, welche den augenblicklichen Status Quo der Situation symbolisiert. Wenn Mark sein neues Leben zu genie\u00dfen beginnt, sind es teilweise nur einzelne Bilder, die sich im Stakkato mit Disco-Bilder, beim Sex, oder heftigen trinken abwechseln. Bis das Bild unvermittelt verharrt, und der Zuschauer realisiert, dass der Charakter seine dringliche Medikation vergessen hat. Das hat viel mit Handwerk zu tun, wurde hier aber zur Kunst erhoben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Damien Hale ist gewillt, den K\u00f6rper zu wechseln, und als Mark Bitwell muss er feststellen muss, dass seine neue Erscheinung keine im Labor gez\u00fcchtete Figur ist. Von hier an bricht der Film total auseinander, und geht einen vollkommenen konventionellen, schlie\u00dflich vorhersehbaren Weg. Dem Protagonisten wird eine Moral aufgezwungen, die mit der eigentlichen Pr\u00e4misse gar nicht mehr vereinbar ist. In der zweiten H\u00e4lfte k\u00f6nnte Mark Bitwell auch Joe Jedermann sein, der mit Damien Hale nichts mehr zu tun hat. Bitwells Absichten und Handeln sind logisch und nachvollziehbar, aber nur aus der Sicht seines fr\u00fcheren Selbst, welches sich aber \u00fcberhaupt nicht seiner selbst bewusst ist. Was Bitwell tut ist niemals mit dem dominierenden Damien Hale vereinbar. Hier wird ein eingef\u00fchrter und aufgebauter Charakter unvermittelt ins Gegenteil verkehrt. David und \u00c0lex Pastor haben im schreiben einfach vergessen, wo die eigentlichen M\u00f6glichkeiten liegen. Eine Auseinandersetzung mit der Dualit\u00e4t der zwei verschiedenen Charaktere wird schlichtweg ignoriert. Aber auch die M\u00f6glichkeiten durch die dargestellten Technologie, und die daraus resultierenden moralischen und gesellschaftlichen Aspekte, lassen die Pastor-Br\u00fcder vollkommen au\u00dfer Acht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Man k\u00f6nnte noch auf sehr viele Logikl\u00f6cher eingehen, vielmehr auch auf die, der Handlung entgegen kommenden sonderbaren Zuf\u00e4lle. Und das f\u00e4ngt schon mit Mark Bitwells Vergangenheit an, bevor Hale von ihm Besitz ergriff. Bequemer kann man es sich als Autor nicht machen, wenn man nicht den Hintergrund der Geschichte im Auge hat, sondern diesen Hintergrund lediglich als Vehikel f\u00fcr ein eigentlich anderes Genre nutzen will. Das gr\u00f6\u00dfte Versagen in der Geschichte, ist eigentlich Ben Kingsley als Damien Hale einzuf\u00fchren, den Darsteller selbst aber nach den ersten zwanzig Minuten nicht mehr zu zeigen. Sang- und klanglos verschwindet Kingsley, wo es mit geschickten Kunstkniffen durchaus m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, ihn immer wieder ins Spiel zu bringen. Was die Wertigkeit der Erz\u00e4hlung durchaus um einiges gesteigert h\u00e4tte. Ein Gimmick, welches durchaus einem K\u00fcnstler wie Tarsem Singh gut zu Gesicht gestanden w\u00e4re. So verkommt SELF\/LESS zu einem Actionfilm, der seine vielen M\u00f6glichkeiten nicht zu nutzen versteht. Er ger\u00e4t in ein Fahrwasser, das nur anderen, \u00e4hnlich gelagerten Filmen nachfolgt. SELF\/LESS hat sehr viel Unterhaltungswert. Aber anspruchsvolle Unterhaltung sieht anders aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?attachment_id=9711\" rel=\"attachment wp-att-9711\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9711\" title=\"Copyright Concorde Filmverleih\" alt=\"Selfless-1, Copyright Concorde Filmverleih\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Selfless-1.jpg\" width=\"640\" height=\"341\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller: <strong>Ryan Reynolds, Ben Kingsley, Matthew Goode, Natalie Martinez, Victor Garber, Derek Luke<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Tarsem Singh<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>David Pastor, \u00c0lex Pastor<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Brendan Galvin<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Robert Duffy<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik:<strong> Dudu Aram, Antonio Pinto<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Tom Foden<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> USA<\/strong> \/ 2015<\/em><br \/>\n<em> 117 Minuten<\/em><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Concorde Filmverleih<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SELF\/LESS &#8211; Bundesstart 20.08.2015 (Spoiler voraus) Bereits mit seiner ersten Inszenierung, dem Video zu R.E.M.s &#8218;Losing My Religion&#8216;, setzte Tarsem Singh Dhandwar einen visuellen Stil, mit dem er sp\u00e4ter auch das Arthouse-Kino \u00fcberraschte. 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