{"id":9910,"date":"2015-10-29T06:05:38","date_gmt":"2015-10-29T05:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/?p=9910"},"modified":"2015-10-28T22:09:08","modified_gmt":"2015-10-28T21:09:08","slug":"the-walk-von-robert-zemeckis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-walk-von-robert-zemeckis\/","title":{"rendered":"THE WALK  &#8211; von Robert Zemeckis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-walk-von-robert-zemeckis\/walk-1\/\" rel=\"attachment wp-att-9916\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-9916\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing GmbH\" alt=\"Walk-1, Copyright Sony Pictures Releasing GmbH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-1.jpg\" width=\"250\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-1.jpg 250w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-1-141x200.jpg 141w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-1-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>THE WALK &#8211; Bundesstart 22.10.2015<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In einer der letzten Szenen sagt ein Charakter zu Philippe Petit, er h\u00e4tte ihnen Leben eingehaucht, ihnen eine Seele gegeben. Die Zwillingst\u00fcrme des Welthandelszentrum waren w\u00e4hrend ihres Baus tats\u00e4chlich New Yorks ungeliebte Kinder. Monstrosit\u00e4ten, die man mit Aktenschr\u00e4nken verglich. Ob es wirklich Philippe Petits illegaler Drahtseilakt war, der die New Yorker Herzen f\u00fcr die T\u00fcrme \u00f6ffnete, ist schwer nachzuweisen. Aber die Legende ist zu sch\u00f6n, als das man sie nicht glauben k\u00f6nnte, oder wollte. Das Petit wegen seines Vergehens zu einer Drahtseil-Vorstellung f\u00fcr Kinder verurteilt wurde, l\u00e4sst schon tiefer in die Seele von New York blicken, und best\u00e4rkt den Verdacht von Petits Einfluss. Als er zuvor eine \u00e4hnliche Aktion zwischen den T\u00fcrmen von Notre-Dame vollzog, feierte ihn die gesamte Weltpresse, lediglich die Franzosen prangerten den Stunt an. Was den K\u00fcnstler sehr erz\u00fcrnte. Das er hingegen f\u00fcr seine Nummer in New York von der amerikanischen Presse bejubelt wurde, d\u00fcrfte ein Punkt gewesen sein, dass sich der geb\u00fcrtige Franzose daf\u00fcr entschied in Amerika zu bleiben. Schlie\u00dflich ist Philippe Petit kein einfacher K\u00fcnstler, sondern einer, der sehr selbstbewusst seine Anerkennung einfordert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Robert Zemeckis war immer ganz vorne dabei, wenn es um die Verwendung neuer Film-Technologien ging. Besonders die digitale Entwicklung hat es ihm angetan. Zuerst bringt er einen gezeichneten Hasen und einen lebensechten Detektiven zusammen, dann l\u00e4sst er einen ganzen Film hindurch Goldie Hawn mit riesigen Durchschuss im Bauch herumlaufen, sp\u00e4ter nahm er Gary Sinise die Beine ab und stellte Tom Hanks an die Seite von John F. Kennedy. Als Motion-Capture erfunden wurde, war Zemeckis mit POLAREXPRESS der erste, und setzte bei BEOWULF mit dem selben Verfahren gleich in 3D eins drauf. Da nimmt sich THE WALK eher unspektakul\u00e4r aus. Zemeckis sah sich eher Vorw\u00fcrfen ausgesetzt, warum er gerade einmal 7 Jahre nach der Oscar pr\u00e4mierten Dokumentation MAN ON WIRE, Philippe Petits Geschichte schon wieder aufkochen wollte. Warum es sogar dringlich erforderlich war, das zeigt uns Robert Zemeckis in den letzten zwanzig Minuten von THE WALK.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Drehbuch von Zemeckis und Christopher Brown nimmt sich sehr viel Zeit, Petits Vorgeschichte zu erkunden. Seine Anf\u00e4nge als Stra\u00dfenartist, wie er seinen Mentor Papa Rudy trifft, und er Annie kennenlernt. Aber immer nebenher lebt auch das Phantom der neu errichteten Zwillingst\u00fcrme. Das sich auch die Inszenierung soviel Zeit l\u00e4sst, den Hintergrund des K\u00fcnstlers zu beleuchten, ist weder Zeitschinderei oder langatmig. Der Zuschauer lernt Philippe Petit wirklich kennen. Ein Getriebener, dem man eine starke Portion Egoismus vorwerfen kann. Dennoch f\u00e4llt es schwer, diesem Charakter in irgend einer Weise b\u00f6se zu sein. Petits egomanisches Verhalten bezieht sich nicht auf seine Figur selbst, sondern fokusiert sich auf seinen unersch\u00fctterlichen Traum. In den ersten 80 Minuten funktioniert THE WALK eher als Drama. Aber ein Drama bei dem schon hier Zemeckis mit optischen Spielereien \u00fcberrascht und der Erz\u00e4hlung einen erfrischenden Fluss verleiht. Sei nur erw\u00e4hnt, die immer mehr verschwindenden Seile als Philippe sich das Hochseil selbst beibringt. Oder die Kamera welche die Perspektive hinter eine Zeitung wechselt, die f\u00fcr den Zuschauer transparent wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann folgt ein Teil, der sehr spannende Anleihen beim Thriller, speziell bei R\u00e4uber-Filmen nimmt. Schlie\u00dflich muss das um Petit gescharte Team jede Menge Material auf die D\u00e4cher der T\u00fcrme bringen. Seilzug, Spannvorrichtungen, Balancierstange, usw.. Daf\u00fcr bleibt dem Team ein extrem schmales Zeitfenster, weil der &#8222;Coup&#8220; beginnen muss, bevor die ersten Arbeiter wieder auf die Baustellen kommen. Aber auch die patrouillierenden Wachm\u00e4nner machen es den auf die zwei T\u00fcrme aufgeteilten Teams nicht einfach. Hier beginnt die Inszenierung bereits mit den ersten Andeutungen, was den Zuschauer im Finale erwarten d\u00fcrfte. Immer wieder scheint der &#8222;Coup&#8220; an unerwarteten Hindernissen zu scheitern. Sehr spannend inszeniert, mit optischen Leckerbissen, die zu einer Herausforderung f\u00fcr Zartbesaitete werden. Und zu den ersten Strahlen der aufgehende Sonne schlie\u00dflich der &#8222;Coup&#8220; selbst. 42 Meter stehen die T\u00fcrme an dieser Stelle auseinander, aber mit einem Abgrund von 417 Metern. Und nun fordert Zemeckis selbst die Hartgesottenen heraus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt Ger\u00fcchte, Zuschauer h\u00e4tten sich bei der Premierevorstellung \u00fcbergeben. Das sind aber nur Aussagen eines Reporters, die nie wirklich best\u00e4tigt wurden. Es w\u00e4re aber auch nicht im Sinne des Filmemachers gewesen, den Zuschauer \u00fcber die Grenzen zu sto\u00dfen. Zemeckis wollte genau das erreichen, was die Doku MAN ON WIRE nicht konnte. Er wollte das Publikum mit nach oben nehmen, und er wollte den &#8222;Coup&#8220; aus der optischen Perspektive von Petit erleben lassen. Und das ist ihm in vollem Umfang gelungen. Obwohl die Szenen auf nicht schwindelfreie Personen durchaus sehr belastend wirken, sind die Effekte nicht um des Effektes willen geschuldet. Es ist schlie\u00dflich nicht nur der Blick in den Abgrund, sondern auch Joseph Gordon-Levitts charismatisches Spiel, welches den Kern verbindet. Petit hatte ein Ziel, und so geht der Charakter auch damit um. Er hat seinen Traum erf\u00fcllt, und nun wo er auf dem Seil zwischen den T\u00fcrmen steht, ist alles andere irrelevant. Selbst die Aussicht auf einen Absturz.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dem Eingreifen der Polizei ist es zu verdanken, dass Petit nach dem ersten \u00dcberqueren eben nicht einfach vom Seil geht. Auf beiden D\u00e4chern der T\u00fcrme stehen Beamte, um ihn dingfest zu machen. Das verleitet den Hochseilartisten dazu, insgesamt sechs Mal die 417 Meter zu \u00fcberqueren. Das ist f\u00fcr den Zuschauer extrem Nerven aufreibend, aber es erkl\u00e4rt auch wieder, warum Zemeckis sich soviel Zeit lie\u00df, Petits Vorgeschichte und Motivation zu beleuchten. Es macht f\u00fcr diesen Charakter einfach Sinn. Es folgt alles einer innerlichen Logik. Der Wahnsinn hinter dem Akt, ist ein rein menschlicher.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit THE WALK hat Robert Zemeckis erneut bewiesen, dass \u00fcberraschendes und ber\u00fchrendes Kino immer noch m\u00f6glich ist. Das die moderne Technik nicht einfach nur Schauwerte erzeugen, sondern man mit diesen Schauwerten auch tats\u00e4chlich noch narrativ erz\u00e4hlen kann. Immer wieder hat Zemeckis das Herz der Zuschauer getroffen. FORREST GUMP oder CAST AWAY. Sie konnten nur so umgesetzt werden, weil die technischen Voraussetzungen daf\u00fcr gegeben waren. Aber auch genau aus diesem Grund haben die Filme ihr Publikum auch derart ber\u00fchrt. Den Effekt erzielen ist die eine Sache. Mit dem Effekt emotional zu arbeiten, eine ganz andere.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dabei gelingt es Zemeckis erstaunlicherweise, die Zwillingst\u00fcrme wieder weit hinter den 11. September zu r\u00fccken. Ihnen einen nat\u00fcrlichen Bestand zu verleihen, sie ohne jeden Makel zu inszenieren. Und das ist ein besonderer Verdienst an der Inszenierung, dass sie es schafft, das eigentliche Schicksal einfach einmal auszublenden. Weil THE WALK zu einem Gegenentwurf von jenen Filmen wird, welche das World Trade Center zu einem Symbol von Zerst\u00f6rung und Terror machen. So beweist Robert Zemeckis erneut, dass Kino gerade wegen aller technischen Gimmicks immer noch sehr spannend und unterhaltend inszeniert werden kann. Die Magie des Kinos. Das ist durchaus ZUR\u00dcCK IN DIE ZUKUNFT, aber findet auch einen w\u00fcrdigen Nachfolger in THE WALK.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/2015\/the-walk-von-robert-zemeckis\/walk-2\/\" rel=\"attachment wp-att-9917\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9917\" title=\"Copyright Sony Pictures Releasing GmbH\" alt=\"Walk-2, Copyright Sony Pictures Releasing GmbH\" src=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-2.jpg\" width=\"640\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-2.jpg 640w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-2-200x82.jpg 200w, https:\/\/www.alleyways.de\/abgeschminkt\/wp-content\/uploads\/Walk-2-300x124.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Darsteller:<strong> Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley, Charlotte Le Bon, James Badge Dale, Cl\u00e9ment Sibomy, C\u00e9sar Domboy, Ben Schwartz, Benedict Samuel, Steve Valentine\u00a0<\/strong> u.a.<\/em><br \/>\n<em> Regie: <strong>Robert Zemeckis<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Drehbuch: <strong>Robert Zemeckis, Christopher Brown<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Kamera: <strong>Dariusz Wolski<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Bildschnitt: <strong>Jeremiah O&#8217;Driscoll<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Musik: <strong>Alan Silvestri<\/strong><\/em><br \/>\n<em> Produktionsdesign: <strong>Naomi Shohan<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> USA<\/strong> \/ 2015<\/em><br \/>\n<strong><em> 123 Minuten<\/em><\/strong><\/p>\n<h5>Bildrechte: <strong>Sony Pictures Releasing GmbH<\/strong><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THE WALK &#8211; Bundesstart 22.10.2015 In einer der letzten Szenen sagt ein Charakter zu Philippe Petit, er h\u00e4tte ihnen Leben eingehaucht, ihnen eine Seele gegeben. 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