– Bundesstart 19.02.2026
– First Release 22.01.2026 (BR)
Es ist erschreckend, wenn man auf die Arbeiten des Drehbuchautoren David Koepp schaut, zuletzt der kongeniale Agenten-Thriller „Black Bag“. Es ist erschreckend, wenn man sich jetzt das Script zu „Cold Storage“ ansieht – oder den Film, der daraus geworden ist.
Oh, „Cold Storage“ ist kein schlechter Film an sich. Sehen ihn geneigte Zuschauende als Retrospektive aus den 80er-Jahren. Aber erst 2019 hat Koepp den Roman geschrieben – sein erster – den er dann selbst zum Drehbuch adaptierte. Somit ist die Nostalgieromantik schone einmal vom Tisch, sprich von der Leinwand. Und damit wird der von Jonny Campbell inszenierte Film ziemlich traurig, dessen aufregendste Arbeiten ziemlich wahrscheinlich die 3 Episoden von „Shameless“ sind.
Als 1979 das Weltraumlabor Skylab in der Erdatmosphäre eigentlich komplett verglühen sollte, widerstanden einige Teile und stürzten auf die Erde. Eines davon im Outback von Australien, und das brachte aus den unendlichen Weiten des Weltraums nichts Gutes mit. 2005 nehmen sich zwei Spezialisten der amerikanischen Bioterror-Einheit (Liam Neeson und Leslie Manville) dessen an, und so landet eine Probe des hoch infektiösen Pilzes in den Tiefen einer Bunkeranlage in Arkansas. In einer hübschen Zeitraffer Einstellung ist zu sehen, wie die militärische Anlage im Laufe von 19 Jahren erst aufgelassen wird, verfällt, und sich dann in eine private Self Storage-Einheit verwandelt.
Pilze und Sporen sind wahrlich keine neuen Unheilsbringer im Horror und der Science Fiction, seit „Last of Us“ aber als Zombie-Variante aktuell sehr beliebt. Somit nehmen sich die ersten Minuten von „Cold Storage“ aus, wie eine billige Version von „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem Weltall“, aber mit Potential. Doch wenn es zum eigentlichen Teil übergeht, wird es ein ganz anderer Film, aber wenig vielversprechend. Travis – auch Teacake genannt – und seine Kollegin-in-Einarbeitung Naomi haben die Nachtschicht bei Atchison Self Storage (Georgina Campbell und Joe Keery).
Von da an läuft alles – kaum überraschend – nach Blaupause: Die sprunghafte und unkonventionelle Naomi folgt mit dem redseligen und übervorsichtigen Tea Cake einem eigenartigen Geräusch in der Anlage. Das führt die beiden in einigen sehr vorhersehbaren Schritten viele hundert Meter unter die Anlage, zu einem Raum mit dem sich rasend schnell ausbreitenden Pilz. Und dieser Pilz verwandelt alle Lebewesen in matschige Monster, die letztendlich platzen, um sich so weiterzuverbreiten.
Währenddessen versammelt sich oben ein Sammelsurium an Mensch und Getier, dass bereits Opfer des Pilzes wird oder werden soll. Irgendwann kommen noch die beiden Bioterror-Agenten vom Anfang hinzu – die in 19 Jahren kein bisschen gealtert sind – und der Kampf gegen die Pilz-Zombies beginnt. Das ist alles spaßig gemeint, wenn die jungen Helden in Szene sind, während sich bei den älteren Helden eine nicht ernstzunehmende Ernsthaftigkeit zeigt. Mittendrin tun finstere Gesellen dumme Sachen, damit es eine Rechtfertigung für ihr moosgrünes Ableben gibt.
Gefilmt hat das Tony Slater King, der hauptsächlich TV-Serien ablichtet, als wäre „Cold Storage“ eine TV-Produktion. Die Ausleuchtung ist Standard, ohne Ideen für angemessene Atmosphäre. Die Bildgestaltung ist bestenfalls zweckmäßig. Damit bleibt dem Film kaum etwas, um sich zu profilieren. Mit seiner konstanten Mittelmäßigkeit könnte man sich für den reinen und anspruchslosen Zeitvertreib zufrieden geben. Aber da sind immer noch Neeson und Manville, und vor allem David Koepp.
„Stranger Things“ Joe Keery und „Barbarian“ Georgina Campbell sind das filmische Click-Bait für das jugendliche Zielpublikum, und haben kaum etwas zu tun, außer sich an den Handlungselementen entlang zu hangeln. Keery und Campbell sind im humoristischen Teil des Films, dem leider Witz in jedweder Form fehlt. Während sich Leslie Manville mit Liam Neeson in einem völlig anderem Film zu befinden scheinen, der wiederum den eigentlichen Qualitäten seiner Charakter-Darsteller nicht gerecht wird. Wirklich spannend ist keiner der beiden Teile, die lediglich versuchen ihre Ideen abzuarbeiten. Wobei von diesen Ideen keine wirklich originell oder überraschend ist.
„Cold Storage“ hat einen nur geringen Unterhaltungswert, weil er nicht einfach nur rückständig wirkt, sondern auch ist. Filme im Retro-Gewand – vor allem Horror – ziehen ihren Reiz mit den Elementen und Versatzstücken zu spielen. David Koepps Drehbuch macht den Eindruck, in jener Zeit geschrieben, und seitdem nicht mehr überarbeitet worden zu sein. „Indiana Jones“, „Mission: Impossible“, „Panic Room“, oder „Spider-Man“ – David Koepp hat das Mainstream-Kino positiv bereichert wie kein zweiter Drehbuchautor. Was bei „Cold Storage“ geschehen ist, wird ein Rätsel bleiben, oder man schiebt die Schuld auf die uninspirierten Regie von Jonny Campbell. Wie es auch gedreht und gewendet wird: Es ist weder von Buch noch Regie eine Glanzleistung.
Bleibt noch die Frage, warum der Name Tea Cake aus Zora Neale Hurstons epochalem Roman ‚Vor ihren Augen sahen sie Gott‘ entliehen wurde, und dies auch noch explizit betont wird. Eine Verbindung ist jedenfalls nicht zu erkennen.
Darsteller: Georgina Campbell, Joe Keery, Liam Neeson, Leslie Manville und Vanessa Redgrave u.a.
Regie: Jonny Campbell
Drehbuch: David Koepp
Kamera: Tony Slater Ling
Bildschnitt: Billy Sneddon
Musik: Mathieu Lamboley
Produktionsdesign: Elena Albanese
Frankreich, Italien, Marokko / 2026
99 Minuten

