TED BUNDY: NO MAN OF GOD

No Man Of God - Copyright CENTRAL FILM VERLEIHNO MAN OF GOD
– Bundesstart 23.09.2021

Die Faszination des Unbeschreiblichen, des Unerklärlichen, des Widernatürlichen. Selten befassen sich Presse, oder fiktive Adaptionen mit den Opfern dessen, was man im allgemeinen als das Böse beschreibt. Der 1946 geborene Jura- und Psychologiestudent Theodore Bundy ist im Wesen von Serienkillern, das bisher am intensivsten untersuchte und häufigsten beschriebene Individuum. Das lag zum einen an seinem relativ guten Bildungsgrad, und in den, seinen perversen Leidenschaft widersprüchlich scheinenden akademischen Interessen. Und zum anderen lag es an seiner einnehmenden, charismatischen Art. Doch ausschlaggebend waren zweifellos seine drei nachgewiesenen und dreißig gestandenen Ermordungen von vornehmlich jungen Frauen. Hier, wie eigentlich bei den meisten Serienkillern, bleiben die Opfer anonym im Hintergrund. Romanautor Thomas Harris brachte diesen Zustand etwas ins Wanken, als er seinerzeit den FBI-Profiler Will Graham auf die Jagd nach dem roten Drachen schickte, und damit in den Vordergrund stellte.

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HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT

Riders oJ - Copyright SPLENDID FILMRIDERS OF JUSTICE
RETFÆRDIGHEDENS RYTTERE
– Bundesstart 23.09.2021

Die Besprechung basiert auf der Prime Video Fassung in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

Es ist nicht unbedingt ein langer, dafür sehr fruchtbarer Weg, den Regisseur Anders Thomas Jensen mit Mads Mikkelsen bisher gegangen ist. In seinen nur fünf Spielfilmen seit 2000, besetzte Jensen stets Mikkelsen in der Hauptrolle. Skift aldrig et vinderhold, denkt sich der schlaue Däne. So gehört auch Nicolas Bro zu Jensens Stammmannschaft. Oder Nikolaj Lie Kaas, der Freunden von skandinavischen Krimis in vier Jussi Adler-Olsen Verfilmungen die Stimmung verdüstern durfte. Und auch Komponist Jeppe Kaas ist Teil der Familie. Und um die Kausalitätskette zu erweitern, hat Jensen obendrein das Drehbuch zu Kristian Levrings SALVATION geschrieben, wo Mads Mikkelsen in einem der besten Western der Neuzeit brillierte. Skift aldrig et vinderhold, never change a winning team. Und das ist die absolute Stärke bei HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT.

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Editorial: DUNE

Uwe KrausDune - Copyright WARNER BROS– Bundesstart 15.09.2021

Es dauert zirka drei Minuten. Nach einer kurzen Einführung über die Historie des Wüstenplaneten Arrakis, erscheint der Schriftzug DUNE. Mit dem Zusatz ‚Part One‘. Denis Villeneuves schon im Vorfeld als Meisterwerk gepriesene Adaption entpuppt sich als zweieinhalbstündige Mogelpackung. Hätte man es wissen können? Selbstverständlich. Hätte man es wissen müssen? Auf keinen Fall. Dem durchschnittlichen Ticket-Preis nach gerechnet, haben an den zwei Starttagen weltweit ungefähr 840.000 Zuschauer DUNE gesehen. Die Frage sei gestattet, wie viele dieser Menschen Nachrichten aus dem Filmgeschäft verfolgen, regelmäßig das Feuilleton lesen, oder sich intensiv mit einem zum Besuch anstehenden Film auseinandersetzen. Es geht hier nicht darum, mit welchen Empfindungen das Kino am Ende verlassen wird, sondern das Gefühl, welches einen beschleicht, wenn der Film beginnt.

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SCENES FROM A MARRIAGE

Episode 1 – Innocence & Panic

Scenes FAM - Copyright HBO– ab 12.09.2021 auf SKY / HBOmax
– deutsche Synch-Fassung 19.11.2021

Ganze 20 Minuten in die erste Episode ‚Innocence & Panic‘ hinein, stellt Peter ehrlich verwirrt eine Frage. „Warum“, will Peter wissen, „warum ist sie an monogamen Langzeitbeziehungen interessiert?“ Die besten Freunde Mira und Jonathan haben an einer Studie über partnerschaftliche Rollenverteilungen teilgenommen. „Es gibt doch so viele andere Beziehungsmodelle. Es ist eine neue Zeit.“
Sich an einem Klassiker zu versuchen, der noch heute Bestand hat, und damals wie heute unangenehm unter die Haut geht, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Und gleich in der ersten Folge, stellt sich diese Neuverfilmung mit Peters Frage selbst zur Diskussion. Als Zuschauer könnte man über die Sinnhaftigkeit verkürzt fragen, „warum?“.

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SAW – SPIRAL

Spiral - Copyright LIONSGATESPIRAL: From the Book of SAW
– Bundesstart 16.09.2021

Diese Besprechung liegt dem amerikanischen Prime Video Stream zugrunde.
Wenn Detective Ezekiel ‚Zeke‘ Banks gegen seinen Willen den Anfänger William Schenk als neuen Partner zugeteilt bekommt, wird er von Schenk gefragt, wie Zeke seinen Kaffee möchte. „Alleine“, ist die mürrische Antwort. Und schon ist man mit der unoriginellsten Standardsituation bei einem Buddy-Movie, mittendrin im Reigen von Hecksel und Gemetzel. John Kramer ist vor 15 Jahren gestorben, sein Vermächtnis hält noch vier Jahre an. Jedes Jahr eine Fortsetzung, dass schafft Zuschauerbindung. Das Versprechen, die Blut- und Gekrösereihe abgeschlossen zu haben, hält nur sieben Jahre. Die Möglichkeit war verführerisch, nur der Zuspruch hält sich in verhältnismäßigen Grenzen. 2017 trägt man mit JIGSAW auch die Erben von John Kramer zu Grabe. Doch sein Geist bleibt ruhelos, und spukt in Chris Rocks Gedanken. Und so sucht dieser Geist nun Detective Zeke Banks heim, der in einer grausamen Mordserie auffallende Verbindungen zu dem sogenannten Jigsaw-Killer findet.

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MALIGNANT

Malignant - Copyright WARNER BROS– Bundesstart 02.09.2021

Es fällt immer wieder positiv auf, dass man auch James Wan bekommt, wenn James Wan drauf steht. Ein Mann der mit innovativen Variationen im modernen Horrorfilm eine Lücke für sich fand. Sieht man sich das gesamte sogenannte CONJURING-Universe und die SAW-Reihe an, eröffnen sich kaum noch originelle Ideen. Es sind eher ständige Wiederholungen von absehbaren Jump-Scars, effektiven Spannungsstandards und bemerkenswerter Zusammenarbeit der Design-, Kamera- und Schnittabteilungen. Der einheitliche Guss aller Werke kommt beim geneigten Publikum sehr gut an, der Ticketverkauf spricht eindeutige Zahlen. Wo James Wan drauf steht, ist auch James Wan drin. Nicht umsonst orientieren sich Newcomer verstärkt an seinen Werken, die er als Ausführender Produzent fast im Alleingang prägt.

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DON’T BREATHE 2

Dont Breathe 2 - Copyright SONY PICTURES– Bundesstart 09.09.2021

Es ist erstaunlich, dass Fede Alvaraez und Rodo Sayagues‘ Überraschungs-Thriller DON’T BREATHE ganze fünf Jahre brauchte, um endlich fortgesetzt zu werden. Der ‚blinde Man‘ hat mittlerweile einen Namen, was aber weder handlungsrelevant ist, noch den geneigten Zuschauer interessieren dürfte. Es kommt darauf an, dass der blinde Mann wieder den bösen Jungs das Fürchten lehrt. Wobei es zum Konzept von Teil Eins gehörte, die Charakterisierung von Gut und Böse auf den Kopf zu stellen. Dieses Konzept wird auch fünf Jahre später ein elementarer Teil der Handlung. Darüber hinaus wollen aber die Filmemacher nur das Beste für ihr erfolgreiches geistiges Kind, und überhäufen es mit allerlei Einfällen, um aus der Kinderstube ein ordentliches Eigenheim zu gestalten. Denn wie mittlerweile üblich, wird auch DON’T BREATHE als Filmerfolg nicht einfach fortgesetzt. Teil Zwei wird mit Elementen aufgeblasen, die eine weit komplexere Geschichte für die Zukunft ermöglichen.

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STILLWATER – Gegen jeden Verdacht

Stillwater - Copyright FOCUS FEATURESSTILLWATER
– Bundesstart 09.09.2021

Dies ist die Geschichte von Bill, der in Oklahoma auf Ölplattformen oder bei Abbruch von Häusern arbeitet. Seit fünf Jahren reist er in regelmäßigen Abständen nach Marseille, Frankreich, um seine wegen Mordes inhaftierte Tochter Allison zu besuchen. Dies ist die Geschichte von Allison und Bill, die als Vater und Tochter erst eine intensive Beziehung aufbauten, als sie verurteilt wurde, ihre Kommilitonin und Freundin ermordet zu haben. Es ist aber auch die Geschichte von Virginie, eine alleinerziehende Mutter, die einem Arbeiter aus der unteren Mittelschicht hilft, sich in einer ihm fremden Welt orientieren zu können. Aber STILLWATER ist noch soviel mehr, aber vor allem ganz anders, als reißerische Trailer und Plakate glauben machen wollen.

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CANDYMAN

Candyman - Copyright UNIVERSAL STUDIO– Bundesstart 26.08.2021

Es gibt immer wieder diese Art von Film, die zuerst wenig Eindruck machen, eher gewöhnlich wirken. Erst später verändert sich dann die Wahrnehmung. Sei es wegen seiner künstlerischen Umsetzung, mit einer genialen thematischen Auflösung, oder bei einer nachfolgenden Reflexion, beginnt sich dieser Film richtig zu entfalten und zu erschließen. So ein Film ist Nia DaCostas CANDYMAN. Seine offenkundige Metaphorik und gesellschaftskulturellen Anspielungen stellt er tatsächlich so raffiniert neben die eigentliche Handlung, dass sie kaum als Kritik, sondern eher als notwendige Basis wahrgenommen werden. 1992 war Cabrini-Green im Norden Chicagos bereits eines der ärmsten und gewalttätigsten Stadtviertel. Es war ein Novum, dass sich seinerzeit ein massentauglicher Horrorfilm trotz seines Genres ernsthaft mit der sozialen Problematik seines Handlungsortes auseinandersetzt. 29 Jahre später kann Jordan Peele, dessen eindeutige Handschrift als Produzent erkennbar ist, dem Schreckgespenst von damals, einige Facetten hinzufügen.

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FRENCH EXIT

French Exit 3 - Copyright SONY PICTURES

– Bundesstart 02.09.2021

Die ist ein Film, den man einfach lieben möchte. Genau dieses Gefühl will man. Man will eine Bindung zu FRENCH EXIT aufbauen, so sehr wie Francis Price einen unverrückbaren Bezug zur Geldverschwendung hat. Es geht in FRENCH EXIT um das tiefere Verständnis zwischen Menschen, wie unbekannte Leute untereinander eine unbeabsichtigte Beziehung eingehen. Das Schicksal hat immer einen anderen Plan. In einer Szene sagt Francis Price in ihrer kalten und direkten Art zu ihrer freundlichen Nachbarin, dass sie nicht das geringste Interesse an ihrer Freundschaft hätte. Aus Gründen die der Film nicht erklärt, verbringen sie dann doch die meiste Zeit ihrer Einsamkeit zusammen. Genauso wie man Anfangs einfach nicht verstehen will, was ihren erwachsenen Sohn Malcolm antreibt. Mit stoischer Gleichgültigkeit folgt er seiner schrecklich egomanischen Mutter von New York nach Paris, wo sie ihrer privaten Insolvenz zu entkommen versucht.

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KILLERs BODYGUARD 2

Hitmans 2 - Copyright PARAMOUNT PICTURESHITMAN’S WIFE BODYGUARD
– Bundesstart 26.08.2021

Zwischen zwei DEADPOOL Filmen gab es sehr viele Kurzfilme mit und um Wade Wilson und seinem Alter Ego Deadpool. Ryan Reynolds war heiß, das Publikum war heißer, Deadpool brannte. Nicht nur im Film. Und zwischen sehr vielen Kurzfilmen mit und um Wade Wilson und seinem Alter Ego Deadpool, gab es KILLERS BODYGUARD. Eine überdrehte Action-Extravaganz die sich genau auf dem Niveau bewegen wollte, wie Tim Miller das abgefahrene Drehbuch von DEADPOOL inszeniert hatte. Und David Leitch stand dem mit DEADPOOL 2 in nichts nach. Spätestens da hätte Regisseur Patrick Hughes bemerken müssen, dass ihm noch einige Stunden in Film- und Theaterwissenschaft abhanden gekommen sind. Denn was ihm gefehlt hat, war das Gespür sein Publikum liebevoll zu umarmen, um mit unverfrorener Kaltschnäuzigkeit mit seinem Anti-Helden die Pforten des Schweinestalls zu öffnen. Aber Patrick Hughes hat geschwänzt, aber seine Hausaufgaben diesmal nicht von Tom O’Connor schreiben lassen, sondern von den Brüdern Brandon und Philip Murphy.

 

Seit seinen erschütternden Erlebnissen mit dem weltbesten Auftragskiller Darius Kincaid, ist der ehemals weltbeste Personenschützer Michael Bryce in Therapie. Nach Monaten vergeblicher Couchbesuche, kommt Michael die Idee vom Personenschützen ein Sabbatjahr nehmen. Alles was ihm seine Psychotherapeutin zugesteht ist ein Schweizer Taschenmesser, sonst nichts was als Waffe benutzt werden könnte. Für die wenigsten wird es eine Überraschung sein, das genau dieses Plot-Element… Wer an dieser Stelle Spoiler schreit, der sei gewarnt. Dies ist genau dieser Film, der solche Handlungsteile benutzt und ausspielt. Später im Film wird ein neuer Charakter eingeführt, der mysteriös im Dunkeln gehalten wird, bis die Spannung die Adern platzen lässt. Wenn man nicht schon längst aus allen möglichen Quellen ungewollt erfahren hätte, wer dieser Überraschungsgast sein soll.

Sam Jacksons Kincaid und Reynolds Bryce haben also ihren Spaß am Prügeln, Schießen, und Sprengen abgearbeitet. Ganz im Sinne des Irrglaubens, alles müsste in einer Fortsetzung erhöht werden, trifft KILLERs BODYGUARD 2 genau ins Herz. ‚Höher, schneller, stärker‘ ist das Motto von olympischen Spielen, bei Filmen ist es mittlerweile überholt und ermüdend. In den wenigstens Beispielen fordert es die Filmemacher und Autoren, sondern sie hangeln sich an Versatzstücken entlang, für die man den Erfolg des Vorgängers verantwortlich macht. Eine gute Idee schien an dieser Stelle die an Flüchen und Schimpfwörtern nicht zu überbietende Salma Hayek als Sonia Kincaid. Mit kurzen Intermezzos aufgefallen, übernimmt sie im zweiten Teil die Hauptrolle, und zwingt den abstinenten Bryce, mit ihr zusammen den abgöttisch geliebten Ehemann Darius aus einer misslichen Lage zu befreien.

Hitmans 2 c - Copyright PARAMOUNT PICTURES

In der Regel sind Action-Filme, die über die Stränge schlagen und mörderischen Spaß daran haben die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen, eine wohltuende Abwechslung zwischen Psychothrillern und High Concept Science Fiction. Ryan Reynolds ist ein Typ, der dies herrlich schräg verkörpern kann. Mit jugendlichem Charme und ungehemmter Geradlinigkeit hat er grafische Brutalität zu einer merkwürdig faszinierenden Kunstform erhoben. Man denke nicht nur an Wade Wilson, sondern auch an Marjane Satrapis THE VOICES. Konnte man beim erste KILLERs BODYGUARD noch ein Auge zudrücken, obwohl der schon gewaltige Probleme mit Humor und handlungsinterner Logik hatte, wird es nun um einiges schwieriger. Hey, höher, schneller, stärker.

Nicht nur das der dürftige Handlungsverlauf überhaupt keinen Sinn macht, außer um von einem Set piece zum anderen zu kommen. Und das besteht hauptsächlich darin, dass Hayek ununterbrochen flucht und nicht oft genug Motherf***er sagen kann, Jackson seinen vermeintliche Kumpel Bryce ununterbrochen nieder macht, und Bryce immer wieder betont, dass sie alle beste Freunde wären. Die Actionsequenzen sind wirklich gut orchestriert und choreografiert, mit diesen allein hätte es ein unterhaltsamer Film werden können. Aber ein durch geknallter Grieche der Rache an der EU wegen Sanktionen gegen Griechenland nehmen will, und auch noch von einem Spanier gespielt wird, ist selbst für James Bond mäßige Allmachtsfantasien zu pubertär und unoriginell ausgefallen. Nicht einmal als Persiflage funktioniert das, was man anderorts eigentlich Plot nennt.

Was aber KILLERs BODYGUARD 2 wirklich zum No-Go macht, ist seine menschenverachtende Ignoranz gegenüber Menschenleben. Nicht der fragwürdige Umgang mit Michael Bryce, der von Kincaid und seiner Frau ständig auf das Schlimmste gedemütigt wird, und er beide trotzdem als seine Freunde bezeichnet. Auch nicht, dass dieses obszöne, abstoßend ordinäre Paar ihren absurden Kinderwunsch erfüllt bekommt. Es ist hier, wie bereits beim Vorgänger, dass unschuldige Menschen ohne Rücksicht, ohne Scheu, und ohne weitere Beachtung ihr Leben lassen müssen.

In anderen Action-Filmen wird so etwas als dramatischer Effekt genutzt, mit Empathie und emotionaler Bestürzung, und um eine psychologische Rechtfertigung zu finden. Regisseur Patrick Hughes lässt unbeteiligte Passanten oder Strandurlauber im Kugelhagel, oder bei Explosionen sterben, einfach weil sie da sind, und es hat keine handlungsspezifischen oder dramaturgischen Konsequenzen. Vielleicht will sich Hughes mit Begrifflichkeiten wie Satire, Farce oder politischer Kommentar rechtfertigen. Dann hätte er sowas in dieser Art inszenieren müssen, in diesem Film ist davon nichts zu finden.

Hitmans 2 a - Copyright PARAMOUNT PICTURES

 

Darsteller: Ryan Reynolds, Salma Hayek, Samuel L. Jackson, Antonio Banderas, Gary Oldman, Frank Grillo, Morgan Freeman  u.a.
Regie: Patrick Hughes
Drehbuch: Tom O’Connor, Philip Murphy, Brandon Murphy
Kamera: Terry Stacey
Bildschnitt: Michael J. Duthie, Hack Hutchings
Musik: Atli Örvarsson
Produktionsdesign: Russell De Rozario
Großbritannien – USA / 2021
100 Minuten

Bildrechte: PARAMOUNT PICTURES
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REMINISCENCE – Die Erinnerung stirbt nie

Reminiscence - Copyright WARNER BROSREMINISCENCE
– Bundesstart 26.08.2021

Es ist eine neue Generation von Filmemachern, der Lisa Joy entspringt. Haben schon früher die meisten Filmregisseure beim Fernsehen den Fuß in die Tür gesetzt, ist das heute nicht anders, nur mit einem gewaltigen Unterschied. High-Concept Serien haben mittlerweile ein Budget, wo einzelne Folgen mehr kosten, als alle Filmdebuts auf einem Sundance Filmfest zusammen genommen. Fast, aber kaum übertrieben. Und HBOs WESTWORLD ist definitiv, was man in der Branche mittlerweile Tentpole-TV nennt, was vor nicht all zu langer Zeit Kino-Großprojekten vorbehalten war. Lisa Joy hat Michael Crichtons Science-Fiction-Fantasie zusammen mit Jonathan Nolan neu interpretiert. Wobei stark anzunehmen ist, dass letzterer für die Tentpole-Budgetierung ausschlaggebend gewesen sein wird. Was hat der nicht schon für Wunder mit seinem Bruder ersonnen. Das sich Lisa Joy schließlich die kreativen Perlen an Technikern und Künstlern aus WESTWORLD für ihr Filmdebut picken würde, überrascht nicht. Letztendlich sind die optischen, inhaltlichen und darstellerischen Parallelen beider Produktionen nicht zu übersehen.

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THE FATHER

Father - Copyright TOBIS Film– Bundesstart 26.08.2021

Es ist ja nun schon so etwas wie ein kleines Sub-Genre im psychologischen Drama. Immer mehr Filmemacher verarbeiten ihre Erfahrungen mit Demenz, sei es aus Interesse oder persönlicher Betroffenheit. Das Thema Demenz rückt in seinen diversen symptomatischen Zusammensetzungen im öffentlichen Bewusstsein verstärkt in den Fokus. Noch bevor sich das Interesse cineastisch dem Mainstream annäherte, mit bekannteren Beispielen wie STILL ALICE, THE ROADS NOT TAKEN oder FALLING, hat Florian Zeller 2012 THE FATHER auf die Bühne gebracht. Der Erfolg auf der Leinwand ist also zum größten Teil dem phänomenalen Zuspruch auf den weltweiten Bühnen zu verdanken. Aber dem Dank wegen des Theatererfolgs schließt sich umgehend die grandiose Anziehungskraft von Anthony Hopkins an. Dem Darsteller aber eine seiner besten Leistung zu attestieren, wäre vielleicht gar nicht richtig, und würde Hopkins auch nicht gerecht werden.

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FREE GUY

Free Guy - Copyright DISNEY ENTERPRISES– Bundesstart 12.08.2021

Es ist ein Film der seine Erzählung von vorne bis hinten auf Standardelementen aufbaut, ist das Schlechteste was man über FREE GUY sagen kann. Was man unter anderem gutes sagen kann, dass kaum einem auffällt, wie hier ein Versatzstück nach dem anderen ausgelotet ist und genutzt wird. FREE GUY ist wie ein aufgeblasener Ballon, bei dem man einfach das Mundstück loslässt. Man weiß was passieren wird, aber man weiß nie, wie es passieren wird. Auf alle Fälle ist es ein irrer, wirrer Flug der unberechenbar bleibt. Und da kann das Wissen um all die bekannten Story-Elemente sogar für ordentliche Verwirrung sorgen. Wir lernen unseren Kumpel (um vorerst noch deutsch zu bleiben) so kennen, wie er sich selbst wahrnimmt. Ein sonniger Kerl, der tut was er tun soll, und es gut findet, weil es seine Bestimmung ist. Hellblaues Kurzarmhemd, beige Hose, unbeeindruckt von dem, was um ihn herum passiert, weil es eben so passieren soll. Es ist die moderne Fassung von Truman Burbank, der dereinst isoliert in einem gigantischen Fernsehstudio aufgewachsen ist und dort sein Leben verbrachte.

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SUPERINTELLIGENCE

Superintelligence -Copyright-WARNER-BROS.– Bundesstart 19.08.2021

Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Olivia Newton-John und John Travolta Vehikel ZWEI VOM GLEICHEN SCHLAG von John Herzfeld. Eher unwahrscheinlich, selbst für älter Jahrgänge. Gott hält die Menschheit für einen Fehlschlag und will sie mit einer zweiten Flut auslöschen. Doch vier Engel erwirken einen Aufschub, wenn sich zwei völlig Fremde ineinander verlieben und damit das Gute in den Menschen demonstrieren. Das war 1983, und warum sich niemand mehr daran erinnert, ist die grauenhafte Umsetzung dieser Geschichte, in der nicht einmal die sonst famose Chemie zwischen Olivia und John funktionierte. In einer Zeit, wo es sehr schick geworden ist, Gott zu verleugnen, wird es heute eben der Computer in SUPERINTELLIGENCE‘ ähnlich anmutender Grundgeschichte.

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