– Bundesstart 26.02.2026
– World Release 25.02.2026
Nach Euphorie folgt Ernüchterung – vielleicht sollte es auch ‚Normalisierung‘ heißen. Die Revitalisierung eines Franchise ist und bleibt eine zwiespältige Angelegenheit. „Scream“ – der von 2022 – ist so
eine Angelegenheit. Doch nach dem fragwürdigen Versuch mit „Scream VI“ einen Scream-Film zu machen, kam die Euphorie: Neve Campbell ließ sich für Teil 7 doch wieder zu einer Ghostface-Begegnung hinreißen. Somit gestaltet sich auch der einzig wirklich funktionierende Meta-Moment in „Scream 7“ wenn Courteney Cox zu Neve Campbell sagt, die dem in New York spielenden sechsten Teil fern geblieben war: „Sei froh das du New York ausgelassen hast. Es war brutal.“ Das brachte Lacher im Auditorium – wahrscheinlich Liebhaber der Filmreihe. Es brachte auch den Rezensenten zum Lachen – ganz sicher Liebhaber der Wes Craven-Filme. ‚Meta‘, das ist der Zauberbegriff, der die Filmreihe zu Anfang definierte. Jeder Teil hatte seine Ebene: Horrorfilme an sich, Grundlagen einer Fortsetzung, oder die Regeln einer Trilogie. Etwas in den Film hinein meint eine Protagonistin, jetzt wäre das Motiv der Morde die ‚Nostalgie‘. Tatsächlich versucht der Film eine Stimmung der Nostalgie – aber Meta ist das nicht.
Es geht zurück zu Sidney Prescott, die jetzt verheiratet ist und Evans heißt. Doch die Intention ist die gleiche wie zwei Filme vorher: Neben den angestammten Figuren – die nun wirklich dem demografischen Zielpublikum entaltert sind – soll eine junge attraktive Truppe von noch fast Teenagern das Zepter, oder eben das Messer, in die Hand nehmen. In diesem Fall unter der Führung von Tatum Evans, oder wie sie selbst im Finale sagt: The Daughter of Sidney – Fucking – Prescott.
Vergessen ist weitgehend was die Filmreihe begründete, zu der Kevin Williamson die Idee und die ersten vier Drehbücher lieferte. Die Kunst war es, Essenz und Konventionen des Genres auszuhebeln, indem sich strikt an die Klischees gehalten wird – inhaltlich, wie übergeordnet. Als sich das Slasher-Genre in den Neunzigern totgelaufen hatte, erklärten 1996 Williamson und Wes Craven warum, in dem sie es vorführten und metaphysisch aufarbeiteten. Nebenbei hat „Scream (’96)“ auch die Metaebene im Kino populär gemacht, doch anderorts mit weniger Finesse als bei Wes Craven. Nicht zu vergessen die exzellenten Filmreferenzen, die hier in der siebten Auflage schmerzlich vermisst werden. Filmzitate, Querverweise, Ausschnitte, Vergleiche zu anderen Filmen oder Schauspielern. Cravens Filme sind ein ewig sprudelnder Hort der offenen Huldigung des Kinos, was hier vollkommen verloren geht.
Dafür werden in „Scream 7“ nun allerlei Namen und Charaktere der gesamten Vorgängerfilme ins mörderische Spiel gebracht. Das ist Standard in allen Filmreihen, und nur wenig nostalgisch. Und schon gar nicht Meta. Nach seinem eigenen verfassten und inszenierten „Tötet Mrs. Tingle“ 1999, ist nun der ebenfalls selbst ersonnene „Scream 7“ Kevin Williamsons zweite Regiearbeit. Euphorie und Ernüchterung. Es ist ein grundsolider Slasher, der den Gore-Gehalt all seiner Vorgänger nachahmt. Leider nicht mehr. Das ist unglaublich unterhaltsam – aber zu wenig für sein Erbe.
Es gibt Scream-Filme die anderen formelhaften und klischeebeladenen Filmen den Spiegel vorhalten. Seit der Neuauflage vor vier Jahren, ist jeder Teil des Franchise dieser Film im Spiegel. Keine Frage, technisch ist „Scream 7“ nahezu perfekt. Ramsey Nickell weiß genau wie er die Kamera positionieren, und wo Bewegung sein muss. Das düstere akzentuierte Beleuchtungskonzept wird der Thriller- und Schockatmosphäre mehr als gerecht. Gelegentliche überhöhte Lichtstimmungen unterstreichen den Wahnsinn des Szenarios, wie der Kill auf der Theaterbühne wundervoll zu beweisen versteht.
Der Action-erprobte Jim Page tut in der Montage ein Übriges, um dem Film eine treibende Dynamik zu geben – aber auch in den richtigen Momenten den Darstellern für Charakterszenen Raum zu lassen. Und hier zieht der Film auch eine unsichtbare Grenze zwischen Nostalgie und Erneuerung. Bei allem Respekt vor den Talenten von Isabel May als Tatum, oder Anna Camp als Nachbarin Jessica, es sind die Urgesteine im Geschäft und des Franchise, welche die im Genre gerne vernachlässigte Komponente von emotionaler Tiefe in den Film bringen – und damit eine Art Echtheit.
Durch Melissa Barreras unrühmliches Ausscheiden aus der neuen Trilogie, liegt der Schwerpunkt erneut auf Sidney Prescott und damit Neve Campbell. Während Campbell einfühlsame Szenen als Mutter ausspielen darf, hält die Regie in der Action lediglich die Standards für sie bereit. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass Williamson die starke Hand eines konsequenten Wes Craven fehlt. Lässt schon das Drehbuch an Originalität zu wünschen übrig, ist die Inszenierung sogar um einiges dürftiger.
Bekommt Courteney Cox hier einen der besten Einstiege in der Reihe, verschwindet ihre so herrlich rücksichtslose und eigennützige Gale Weathers im Finale auf mysteriöse Weise. Darf sie zuerst noch ein paar wertvolle Ideen einbringen, scheint es, als hätte sie der Autor und Regisseur im weiteren Verlauf einfach vergessen. Dann gibt es für eine elementare Szene eine von mehreren Polizisten durchgeführte Hausdurchsuchung, der auch nur ein Funke an Logik fehlt. Dazu ein Live-Interview in einem Fernsehsender, das äußerst dilettantisch erklärt wird. Nicht zu vergessen das katastrophale Deep-Fake-Element, dem absolut jedes Verständnis für die Technologie fehlt.
Nach Euphorie folgt Ernüchterung. Für einen wirklich guten Slasher, braucht es nicht einmal so viel. Für einen wirklich guten „Scream“ hingegen braucht es sehr viel. Dieser siebten Ausgabe fehlt zum Beispiel dieser bitterböse Witz, eigentlich überhaupt Humor. So wundervoll es ist Neve Campbell und Courteney Cox wieder in ihren Paraderollen zu sehen, so sehr werden die Besonderheiten vermisst, mit denen ausgerechnet Kevin Williamson die ersten vier Filme zu etwas wirklich Besonderem gemacht hat. Was bleibt ist ein überdurchschnittlich gut gespielter Slasher mit ausgezeichneten Schockmomenten und herrlich perfiden Kills. Der Rest ist Ernüchterung.
Darsteller: Neve Campbell, Isabel May, Jasmin Savoy Brown, Mason Gooding, Anna Camp, McKenna Grace Michelle Randolph und Courteney Cox u.a.
Regie: Kevin Williamson
Drehbuch: Kevin Williamson, Guy Busick
Kamera: Ramsey Nickell
Bildschnitt: Jim Page
Musik: Marco Beltrami
Produktionsdesign: John Collins
Kanada, USA / 2026
114 Minuten

