GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE

Good Luck HF DD - © Briarcliff Entertainment– Bundesstart 12.03.2026
– First Release 13.02.2026 (US)

Der Mann aus der Zukunft betritt in Los Angeles ein Norms Restaurant, mit der Drohung seinen Sprengstoffgürtel zu zünden, sollte jemand Widerstand leisten, oder die Polizei rufen.  Der Mann aus der Zukunft braucht lediglich einige Freiwillige, die ihm helfen das Ende der Welt zu verhindern. Der Einstieg in die verrückten 134 Minuten dieses Films waren für Autor Matthew Robinson sicherlich die kniffligsten Minuten im Drehbuch. In dieser Zeit muss der Schreiber des unterschätzten aber genialen „Love & Monsters“ eine vollkommen absurde Ausgangssituation glaubhaft machen, einen vermeintlich psychotischen Dauerschwätzer als erwiesenen Helden etablieren, und alle sechs signifikanten Nebenrollen adäquat integrieren. Robinson ist das gelungen, zumal im starken Trio mit Sam Rockwell, dem die Trommelfeuer-Dialoge federleicht über die Lippen gehen, und Gore Verbinskis entfesselter Regie, die sich freudig auf alles einlässt.

Es ist einige Zeit her, dass Regisseur Verbinski einen künstlerischen Erfolg hatte. Seit „Rango“ 2011 war es mit den nachfolgenden „Lone Ranger“ und „Cure for Wellness“ nicht sehr aufregend gewesen, was der unkonventionelle Filmemacher an das Kinovolk brachte. „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ wird sicherlich nicht als Klassiker gefeiert werden, aber Dank des herrlich beflügelten Sam Rockwell liefert Verbinski wieder ein im Gedächtnis bleibendes vergnügliches Spektakel. An dem – selbstredend – Autor Robinson mit seinen kuriosen Einfällen einen gleichberechtigten Anteil hat.

Auf dem Weg der sieben bunt zusammengewürfelten Antihelden, ihre Mission zu erfüllen, springt der Film immer wieder zurück in der Zeit. Jeder Rücksprung ist eine Episode, die das Schicksal eines oder von zwei der Auserkorenen erzählt. Mit diesen Geschichten wird erzählt, was die Protagonisten letztendlich für die obskure Weltenrettung prädestiniert. Doch es offenbart sich auch eine unerwartetes Zukunftsszenario, welches jedoch sehr nah an unserer aktuellen sozio-technologischen Gesellschaft liegt.

Schulkinder sind den Algorithmen einer Social Media-Plattform verfallen, und jagen widerspenstige Lehrer. Eine KI-Firma kann einer trauernden Mutter ihren bei einem Schulmassaker getöteten Sohn zurück ins Leben bringen. Oder die Episode mit Geburtstagsdarstellerin Ingrid, die eine akute Allergie auf Smartphone-Strahlung und elektromagnetische Felder hat, und ausgerechnet mit einer virtuellen Realität konkurrieren muss. Eine mögliche, vielleicht auch unvermeidliche Zukunft ist also in allen Episoden und Aspekten dieses Films allgegenwärtig. 

Good Luck HF DD 2 - © Briarcliff Entertainment

Das eigentliche Kunststück ist die Möglichkeit alle Handlungspunkte gleichermaßen als Satire, Komödie und auch Gesellschaftskritik zu sehen. Jedes Element funktioniert, von welcher Richtung man es auch betrachten möchte. Mit der hyperaktiven Montage von Craig Wood und James Whitakers unbeschreiblich flexiblen Kameraführung wird der Film zu einem zeitgemäßen Medienprodukt, aber erst mit dem Triumvirat Verbinski, Robinson und Rockwell vervollkommnet sich dieser aberwitzige Ritt.

Der Film ist nicht ohne Makel: Er hat Logiklöcher – über die man aber nicht streiten muss. Das Finale trägt einfach übertrieben stark auf – was im aktuellen Kino leider gerne gefordert wird. Und das stahlblaue Farbkonzept lässt zu wünschen übrig – was im berauschenden Tempo des Films leicht unbemerkt bleibt. Die Macher trauen sich Dinge, die leicht daneben gehen könnten, die aber durch die konsequente Verschiebung der Konventionen eine überzeugende Akzeptanz erreichen. Siehe dazu auch das monströse Fabelwesen, oder das Kostüm des Mannes aus der Zukunft.

Über Sam Rockwell muss nicht viel geredet werden, der scheinbar in jeder Rolle zu brillieren versteht, weil er einfach er selbst bleibt. Verbinski hält in diesem Sinne auch jede neue Herausforderung der einzelnen Helden in einem Vakuum. Erst in der Auflösung jedes Settings stellt sich heraus, wie ernst der Mann aus der Zukunft tatsächlich zu nehmen ist – oder auch nicht. Michael Peña und Zazie Beetz sind als überforderte Lehrer nach ihren Anforderungen solide besetzt. Juno Temple erreicht als trauernde und zu allem bereite Mutter eine bewegende Ehrlichkeit.

Haley Lu Richardson ist ein wirklicher Coup in der Besetzung einer Prinzessin für Kindergeburtstage. Von der ersten Szene an wird klar, dass Großartiges von Prinzessin Ingrid zu erwarten ist. Richardson – mit ihrer grandios verrauchten Stimme und subtilen Spiel – wird schrittweise immer mehr gefordert, und entwickelt ein sensibles Gegengewicht zum überdrehten Mann aus der Zukunft. Ingrid ist die, die auf menschlicher Ebene dem Film eine inhaltliche Tiefe gibt. Das gibt „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ noch zusätzliche Stärke, der ohnehin schon absurd witzig, manchmal überraschend brutal, und unheimlich gut gespielt ist. Der nicht perfekt ist, aber unverschämt unterhaltsam. Gerade auch wegen seiner durchaus zum Nachdenken anregenden Ideen.

Good Luck HF DD 1 - © Briarcliff Entertainment


Darsteller: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudry, Georgina Goodman, Tom Taylor u.a.

Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Matthew Robinson
Kamera: James Whitaker
Bildschnitt: Craig Wood
Musik: Geoff Zanelli
Produktionsdesign: David Brisbin
Deutschland, USA / 2025
134 Minuten

Bildrechte: BRIARCLIFF ENTERTAINMENT
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