Jetzt im Heimkino: COYOTES

Coyotes - (c) AURA ENTERTAINMENT– seit 05.02.2026 DVD & Blu-ray
– keine deutsche Kinoauswertung
– Release 01.10.2025 (EGY)

Um gleich vorzubeugen, dass Coyoten ein ähnliches Schicksal erleiden könnten, wie seinerzeit den Haien nach Steven Spielbergs Klassiker: Es gibt in Amerika nur einen einzigen, offiziell verzeichneten Todesfall durch einen Coyoten. Das war 1981, bis dahin und auch bis heute wurde kein tödlicher Angriff mehr vermeldet. Beruhigend kommt hinzu, dass Colin Minihans Film auch nicht die Trag- und Reichweite des legendären „Weißen Hai“ erreichen wird. Das liegt nicht einfach nur an Regisseur Minihan, sondern zum gewichtigeren Teil an den Autoren Tad Daggerhart und Nick Simon. Auch wenn alle drei im Geschäft nicht unbescholten sind, in „Coyotes“ werden unglaublich viele Möglichkeiten angeschnitten, die keiner der drei Genannten wirklich zu nutzen versteht. „Coyotes“ ist ein aberwitziges Vergnügen, aber ohne Biss.

Wildfeuer und stürmische Winde um Los Angeles herum treiben allerlei Getier von den wilden Hügeln in die bebauten Randgebiete, vornehmlich die Villenviertel um Hollywood. Was der Film als Ausgangssituation nimmt, ist realer und beständiger Alltag in dieser Gegend. Comic-Zeichner und linkischer Anti-Held Scott lebt mit seiner äußerst souveränen Frau Liv und der pubertierend nervigen Tochter Chloe in einer feudalen Villa in den Hollywood Hills. Jeder Charakter wird mit Bild und Namen in der Form eines Comic-Bildes eingeführt. Das soll sicherlich Bezug auf Scott Handwerk nehmen, erfüllt aber sonst keinen weiteren Zweck. Die Inszenierung bedient sich vieler Stilmittel, Klischee, und Reminiszenzen, ohne etwas eigenes damit zu machen.

Colin Minihan schafft viel mehr Hommage anstatt eines autonomen Films. Das zieht sich dann auch über die Nebenfiguren, die – dem Genre gerecht – als mögliches Coyoten-Futter dienen werden. Ein überzeichneter Kammerjäger, ein übertriebener Nachbar, und die übliche Prostituierte mit dem Herz am rechten Fleck – oder auch nicht. Sie ist die einzige Figur die überrascht. Stürme und Wildfeuer haben also Coyoten in das reiche Viertel getrieben – und sie tun, was Coyoten sonst nie tun würden. Aber man muss möglichst spannend und blutig die Herzen der Freunde von Horrorkomödien höher schlagen lassen. Nur das die Komödie nicht richtig funktionieren will.

Und auch der Horror geht irgendwie in eine andere Richtung, als zu erwarten ist. Das liegt in erster Linie an den Computer-animierten Coyoten, die gut aussehen, aber nicht wirklich real. In scheinbarer Ermangelung von Rechenleistung bedienen sich die Macher auch auffallend oft der gleichen Aufnahme. Äußerst rar sind Einstellungen von Getier und Mensch gemeinsam im Bild, und dann merklich schnell geschnitten. Das macht immer wieder den Eindruck, als wären Opfer und Täter gar nicht im selben Raum. Es ist ein großes Manko, aber nicht das Problem von „Coyotes“.

Coyotes 2 - (c) AURA ENTERTAINMENT

Die Autoren verstehen die Mechanismen und Zutaten dieser Filme. Diese Mischung zwischen Trash und Exploitation, zwischen überzogenem Splatter und abgedrehter Komödie. Daggerhart und Simon verstehen, realisieren aber nicht. Und das macht Regisseur Minihan ziemlich einsam an der Inszenierungsfront, der weiß Szenen angemessen nach den Standards aufzubauen, aber ihm fehlt das Material diese Szenen befriedigend abzuschließen. Unablässig laufen viele der eigentlich guten Momente ins Leere. Witzige Dialoge lassen die Pointen vermissen. Den Gore-Effekten fehlt der Mut zu richtig derbem Blut und Gedärm. Spannung wird nie über den Standard hinaus erzeugt. Und Scott und Liv fehlt eine explizitere Charakterisierung.

„Coyotes“ ist ein unterhaltsamer Spaß, der zu keinem Zeitpunkt wirklich schlecht ist. Ja – es kommt das große Aber. So wird bei Scott lediglich angedeutet, dass er nicht gerade das Zeug zum Superhelden hat, und im Hintergrund eigentlich Liv den Laden und die Familie am Laufen hält. Dies stärker auszuspielen entspräche einem überzogenen Klischee, hätte dann allerdings auch wesentlich mehr Trash-Potential gehabt. Der Begriff Standard, ist eine Beschreibung die den gesamten Film durchzieht.

Kate Bosworth und ihr realer Gatte Justin Long wirken in manchen Szenen etwas unterfordert, helfen dem Film allerdings mit ihrer spielerischen Leichtigkeit. Die technischen Branchen sind geradezu makellos, aber auch, weil sie jede Originalität vermeiden. Das fällt besonders bei Bradley Stuckels Bildgestaltung auf, die eigentlich nur tut, was von ihr erwartet wird. Es steckt sehr viel Potential in dem absurden Szenario, das allerdings nicht so frei wüten darf wie seine tierischen Darsteller. Genrefreunde können Gefallen an dem kurzweiligen Horrorvergnügen finden, dass aber nie Gefahr läuft, für seine Tiere das Schicksal des weißen Hai zu wiederholen.

Coyotes 1 - (c) AURA ENTERTAINMENT


Darsteller: Kate Bosworth, Justin Long, Mila Harris, Brittany Allen, Kevin Glynn, Keir O’Donnell, Norbert Leo Butz u.a.

Regie & Bildschnitt: Colin Minihan
Drehbuch: Tad Daggerhart, Nick Simon
Kamera: Bradley Stuckel
Musik: Brittany Allen
Produktionsdesign: Jaime Luna
USA / 2025
91 Minuten

Bildrechte: AURA ENTERTAINMENT
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