PRIMATE

Primate - © 2025 Paramount Pictures– Bundesstart 29.01.2026
– Release 08.01.2026 (ARG)

Hoppla, sagen sich geneigte Kinogänger, wieder ein Film mit einem süßen Menschenaffen, der Amok lauf wird. Filmemacher Johannes Roberts hat ja vorher bereits Tierhorror mit Haien gemacht – die zwei „47 Meters Down“-Filme – in einer Zeit, als Hai Attacken im Kino längst Out waren. Im Übrigen hat Roberts diese Filme – wie „Primate“ auch – ebenfalls mit Ernest Riera geschrieben. Die Liste der Filme, bei denen sich die zwei Autoren mit Anleihen bedient haben ist lang. Natürlich Romeros „Der Affe im Mensch“, und genauso selbstverständlich „Cujo“, und viele mehr. Doch nicht zu vergessen, all die Teenager-Slasher, mit jungen höchst attraktiven Menschen, die in idyllischer Abgeschiedenheit scheinbar hilflos einer tödlichen Gefahr ausgesetzt sind. Roberts und Riera bedienen sich reichlich und ersichtlich, was sie auch nicht leugnen können – oder wollen. Denn was sie daraus machen ist verdammt unterhaltsam.

Das Genre will es nicht anders, wie so viele seiner Art wirft auch dieser Film mehr Fragen auf, als er beantwortet. Zum Beispiel wie viel Gage ein lokaler Krimiautor bekommt, um sich ein derart luxuriöses Anwesen auf Hawaii leisten zu können. In das kehrt Lucy mit ihren beiden besten Freundinnen, Kate und Hannah, für die Sommerferien zurück. Dort warten bereits Kates fescher Bruder Nick, Schwester Erin, der taubstumme Vater Adam, und natürlich Ben, der Schimpanse. „Alle in den Pool“, schreit Nick als es blutig wird, „Affen können nicht schwimmen“. Faktisch ist das falsch. Die Macher haben allerdings intelligent vorgebaut, weil der Schimpanse sehr wohl schwimmen könnte, aber bedingt durch die Tollwut gibt es eine körperliche Sperre gegen Wasser.

Es sind Kleinigkeiten, die ein raffiniertes Ganzes ergeben. Wie die eigentliche Tatsache, dass Menschenaffen auf Hawaii nicht als Haustiere gehalten werden dürfen. Doch Ben ist kein Haustier, sondern Studienobjekt von Adams verstorbener Frau, und Kates Mutter, eine Linguistik-Professorin. Raffiniert, somit kann sich Ben auch konkret mitteilen. Bereits die Eröffnungssequenz zeigt eindeutig was passieren wird, und mit welch explizit blutigen Konsequenzen. Ahnungslos wollen die jungen Erwachsenen ausgelassen feiern, denn der Vater ist länger unterwegs auf Signierstunde. Gelegenheit für den mit Tollwut infizierten Schimpansen Ben seinen Amoklauf zu starten.

Primate 1 - © 2025 Paramount Pictures

Das hört sich nach einer skandalös langen Spoiler-Einleitung an, ist es aber nicht. Johnannes Roberts spielt sogar sehr geschickt damit, die Zuschauenden vorsätzlich mit all den hinlänglich bekannten Versatzstücken zu füttern. Für Quereinsteiger aus der Weihnachtsfilm- und Romcom-Szene wird das sicherlich eine schaurig schöne Erfahrung mit wundervollen Schocks und herrlicher Spannung. Für alteingesessene Genrefreunde ist es ein aberwitziger Ritt, bei dem sich nicht die Frage stellt ‚was passieren wird‘, sondern ‚wie es passiert‘. Und dieses Klientel zieht auch die weit besseren Momente an Unterhaltung aus den überraschenden Variationen von Stereotypen.

Abstriche müssen leider beim Hauptdarsteller selbst gemacht werden, der in den Nahaufnahmen einfach nicht real aussieht, weder in CGI noch als animatronische Figur. Hingegen sind die Bewegungen des Primaten – das haben wir von Jane Goodall gelernt – weitgehend natürlich. Das Splatter-Vergnügen wird aber dank der sehr intensiv inszenierten Spannung nur minimal beeinträchtigt. Selbst Stephen Murphys Kamera beteiligt sich für den bestmöglichen Gruselspaß an bekannten Versatzstücken. Mit optischen Spielereien, von irreführenden Perspektiven, bis Gänsehaut erzeugenden Fahrten, und eingeschränkten Blickwinkeln. Das alles aber mit herrlich knackigen Farben und wundervollen Kontrasten, für reizvolles Urlaubsgefühl.

Manche werden sich wundert, wie die Macher einen Oscar-Preisträger wie Troy Kotsur zu einem Arthouse-fremden Vergnügen wie diesem bewegen konnten. Dafür haben sich eben diese Macher ein wirklich exzellentes Szenario ausgedacht, dass einen Mann wie Kotsur mit seinen körperlichen Einschränkungen einfach locken MUSS. Was sich also auf den ersten Blick wie triviales Gruselstück mit obligatorischen Spannungsmomenten ausnimmt, entpuppt sich als Adrenalin getriebene Überraschung. Ein Genrevergnügen, welches seine besten Momente – und derer gibt es viele – aus den überraschenden Variationen bewusst vorhersehbarer Versatzstücke generiert.

Primate 2 - © 2025 Paramount Pictures


Darsteller: Johnny Sequoyah, Jess Alexander, Troy Kotsur, Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng u.a.

Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera
Kamera: Stephen Murphy
Bildschnitt: Peter Gvozdas
Musik: Adrian Johnston
Produktionsdesign: Simon Bowles
Großbritannien, Kanada, Australien, USA
2025
89 Minuten

Bildrechte: PARAMOUNT PICTURES
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