Trotz offiziellem Kinostart 8.1.26, spielt der Film lediglich
zu sporadischen Zeiten in stets variierenden Spielstätten
– Bundesstart 08.01.2026
– Release 04.07.2025 (US)
In der kleinen Gemeinde Possum Trot, Texas, adoptieren 22 Familien 77 der am schwersten zu vermittelnden Kinder aus Pflegeheimen. Denn Anstoß dazu gibt Donna Martin, Frau des örtlichen Pastors WC Martin, die nach dem Tod ihrer Mutter den Halt verloren hat. Obwohl sie bereits zwei Kindern haben – eines davon sogar eingeschränkt – folgt Donna dem Zeichen Gottes, sich um mehr Kinder zu kümmern. Keine Familie in der Gemeinde ist mit Geld gesegnet, dennoch wagen alle den Schritt Donna und WC zu folgen. Am Ende des Films wird es im Radius von 100 Meilen um Possum Trot keine bedürftigen Kinder mehr geben. Aber dazwischen gibt es jede Menge Komplikationen und Prüfungen für die einzelnen Eltern, den schwierigen Kindern, und der Gemeinde im Gesamten. Eine wahre Geschichte die als Inspiration dienen soll, die Regisseur und Autor Joshua Weigel unter Ausreizung aller manipulativer Filmtechniken erzählt.
Eigentlich war der Titel nur auf „Possum Trot“ festgelegt, wurde aber abgeändert, nachdem die Angel Studios die Verleihrechte erworben haben. Das konservative Studio, welches sich auf Themen mit christlich basierende Hintergründen spezialisiert, will mit der Titeländerung „Sound of Hope“ an den obskuren Erfolg der QAnon-Schmonzette „Sound of Freedom“ anknüpfen. Doch eigentlich wäre etwas Abstand zu „Freedom“ förderlicher gewesen. Stattdessen sind die Angel Studios für „Hope“ eine Partnerschaft mit The Daily Wire eingegangen, einem ultra-konservativen Medienunternehmen. Das ist natürlich ohne Bedeutung für die eigentliche Qualität des Films – erzeugt aber einen sehr schalen Beigeschmack bei einem politisch neutralem Publikum.
Unklar ist die Aufgabenteilung von gleich zwei Kameraleuten Banji Bakshi und Sean Patrick Kirby, die aber „Possum Trot“ mit klaren und kräftigen Bildern wundervoll photographiert haben. Die Kamera weiß immer wo sie sein muss, um die Figuren emotional zu unterstützen, und dem Publikum auch eine Vorstellung von den Verhältnissen in der kleinen Gemeinde zu geben. Begrüßenswert ist der Verzicht auf visuell überfrachtete Spielereien. Dafür sorgen schon die phrasenhaften Dialoge.
Der ganze Film und das filmische Erlebnis leiden unter diesen Dialogen. „Euphoria“-Darstellerin Nika King als Donna, und Demetrius Grosse in der Rolle von Pastor Martin, sind ein glaubwürdiges Paar das im Umgang miteinander sehr gut funktioniert. Beide sind exzellente Darsteller, die das Beste aus einer Geschichte machen, mit der aber Regisseur Weigel kaum etwas anzufangen weiß. In der ersten Hälfte präsentiert sich Donnas Idee der Adaptionen noch im eitlen Sonnenschein, bis sich in der Pastorenfamilie – und in der Gemeinde allgemein – die ersten Probleme mit den belasteten, manchmal auch traumatisierten Kindern ergeben.
Ein spezielles Problemkind ist Terri, ein zwölfjähriges Mädchen, das in ihrem Elternhaus missbraucht wurde. Die bisher unauffällige Diaana Banicova spielt Terri, und ihr hier gezeigtes eindimensionales Spiel wird nur wenig zu ihrer eventuellen Karriere beitragen. Wobei wirklich schwer zu beurteilen ist, ob es an Banicovas Talent, oder am Unvermögen des Regisseurs liegt. Terri ist ein emotional zentraler Punkt in der Geschichte. Doch die zweite Hälfte des Film erschöpft sich sehr schnell in ständigen Wiederholungen von Terris Auseinandersetzungen mit ihren Adoptiveltern Donna und WC. Selbst als die Handlung unvermittelt ein Jahr nach vorne springt, keine Veränderungen in den Beziehungen zu bemerken sind, und die Kinder keinen Deut gealtert scheinen.
Mit exzessiven 130 Minuten ist der Film ohnehin 30 Minuten zu lang. Die Geschichte wäre erzählt und die Botschaft der guten Tat längst angekommen. Und die Botschaft ist eine Gute, sie ist wichtig und nie zu unterschätzen. Auch die Komplikationen, die mit besonderen Kindern einhergehen können – oder werden. Und hier liegt das Problem mit Filmen die auf christlichem Glauben beruhen: Sie verstehen nur selten die Menschen zu erreichen, die einer Glaubensrichtung negativ gegenüberstehen.
Sollte Joshua Weigles Absicht gewesen sein, einen Film ausschließlich für ein christliches Publikum zu machen, hat er seine Mission bestens erfüllt. „Possum Trot“ hört sich bisweilen wie eine 130-minütige Predigt an. Kein Dialog, der nicht den Namen des Herrn oder seinen Sohn Jesus bemüht. Nichts in der Gemeinde Possum Trot passiert aus den Personen selbst heraus. Für alles ist Jesus Christus verantwortlich, und dieser wird auch alles richten. Joshua Weigel hat mit seiner Gattin Rebekah in jeder Konversation und jedem Off-Ton das Wirken des Herrn untergebracht. Das mag für einen Teil des Publikums durchaus legitim sein. Für den Film bedeutet das, dass es keine natürlichen Dialoge gibt, nichts was aus den Figuren selbst kommt, was sich ehrlich und real anhört. Der Film verliert den anderen Teil des Publikums.
Dieser andere Teil des Publikums will nicht belehrt werden, es möchte erfahren und erleben. Diese Chance gibt ihm der Film nicht. Er überzeugt Menschen, die nicht überzeugt werden müssen. Sollte das genug für Joshua Weigel sein, dann ist es recht. Anderseits ist es eine verpasste Chance für ein sehr wichtiges Thema. Und dann setzt ständig die unheimlich aufdringliche Musik von Sean Philip Johnson ein, die jede Stimmung vorgibt. Was das Gefühl verstärkt, der Regisseur würde der Kraft einer vorbildhaften Geschichte misstrauen, die tatsächlich passiert ist.
Darsteller: Nika King, Demetrius Grosse, Eizabeth Mitchell, Diaana Banicova, Jillian Reeves, Kaysi J. Bradley u.a.
Regie: Joshua Weigel
Drehbuch: Joshua Weigel, Rebekah Weigel
Kamera: Benji Bakshi, Sean Patrick Kirby
Bildschnitt: Davis Andalman
Musik: Sean Philip Johnson
Produktionsdesign: Debbie DeVilla
USA / 2024
130 Minuten

