SPLITSVILLE

„Splitsville“ läuft leider nur in ausgewählten Kinos

Splitsville - (c) UNIVERSAL PICTURES– Bundesstart 22.01.2026
– Release 05.09.2025 (US)

Freundschaft, dass ist das Ding der Freunde Michael Angelo Covino und Kyle Marvin. Zusammen haben sie auch die Tragikomödie „The Climb“ geschrieben und gespielt, die von Covino inszeniert wurde. Zuerst als Kurzfilm, dann in abendfüllender Form. Mit „Splitsville“ gehen sie in Sachen Freundschaft einige Schritte weiter. Und es sicherlich das Verrückteste was in den letzten Jahren an Beziehungskomödien im Kino zu sehen war. Oder wie sich der Film selbst betitelt: ‚Eine unromantische Komödie‘. Wobei der Begriff der Komödie dabei extrem gedehnt wird. Carey und Paul sind beste Freunde. Besser, Paul ist Careys einziger Freund, dafür umso inniger. Carey will mit seiner Frau Ashley das Paar Paul und Julie besuchen. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einem bizarren Ereignis, das Ashley zu einem Geständnis treibt. Sie will die Scheidung.

Schon in den ersten Minuten zeigen die Macher, dass dieser Film ein klein wenig anders sein will. ‚Die‘ Macher sind natürlich Covino und Marvin, auch wenn ersterer Regie führt. Es ist ihr Film, und sie geben ihm merklich ihre ganz eigene Note. Der geschasste Carey kommt erst einmal bei Julie und Paul unter, und erfährt dabei das Geheimnis ihrer beständigen und glücklichen Ehe: Sie führen eine offene Partnerschaft. Wann immer ihnen danach ist, schlafen sie mit anderen Menschen. Verwirrt, aber auch angetan, will Carey mit dieser Art Beziehung Ashley zurückgewinnen. Und wie nicht anders zu erwarten, geht für die Vier von da an alles in Richtung Katastrophe.

Wie nicht anders zu erwarten. Und doch läuft alles neben jener Spur dessen, was üblicherweise zu erwarten wäre. „Splitsville“ ist bitterböse Satire über Lebenskonzepte, und turbulente Screwball um Beziehungen. Es ist aber gleichzeitig eine grundehrliche Betrachtung über die Kraft der Liebe und damit verbundenen Versagensängste. Michael Angelo Covinos Kunst besteht darin, all diese Stilmittel und beziehungstechnischen Themen so präzise ineinander zu verweben, dass der Film einen wunderbar homogenen Fluss in den einzelnen Kapiteln bekommt. Es sind sechs dieser Kapitel, in die die Macher ihren Film unterteilt haben, und umgehen somit im Handlungsverlauf ausbremsende Übergänge. (Alle vier Darsteller haben übrigens Produzentenstatus)

Splitsville 2 - (c) UNIVERSAL PICTURES

Adam Newport-Berra ist an der Kamera und schafft mit oftmals atemberaubend langen Einstellungen eine intensive Atmosphäre, weil die Handlung der Akteure auch in ihrem gesamten Umfeld wahrzunehmen ist. Ein sehr langer und physisch anspruchsvoller Zweikampf zwischen Paul und Carey ist nahezu an einem Stück und ohne Stuntmen gedreht. Auch eine mehrere Wochen umfassende Zustandsbeschreibung in Ashley und Careys Haus wurde in einer einzigen Einstellung gedreht, bei der die sieben Protagonisten notwendige Garderobenwechsel außerhalb des Kamerabildes vollführen.

Covino und Co geizen also nie mit optischen Einfällen, aber diese sind auch immer den Figuren und ihren Beziehungsgeflechten unterworfen. „Splitsville“ bleibt trotz seiner Turbulenzen und ungewöhnlichen Ideen starkes Charakterkino – sehr intensives Charakterkino sogar. Hier sind die Figuren immer ehrlich, stets unverfälscht. Das ist manchmal traurig, meist brüllend komisch, aber niemals verletzend, oder das sie von der Regie vorgeführt werden. In gewisser Weise erledigen das die Protagonisten aus sich heraus selbst, ohne sich aber zu weltfremden Idioten oder beziehungsunfähigen Clowns zu machen. Während die Männer figürlich im Vordergrund stehen, bilden Dakota Johnson in ihrer mysteriösen Erotik und Adria Arjona mit temperamentvoller Sinnlichkeit jeweils beeindruckende Gegenparts, auch wenn die Erzählung sie leider etwas kürzer hält. Die Kraft des Films liegt in der Wahrheit seiner Figuren.

Während die Kraft des Films in den Figuren liegt, liegt seine Triebfeder in den Dialogen. Geschliffene, perfekt ausgespielte Dialoge. Und turbulente, schwindelerregende Wortwechsel die einen Staunen lassen, welche die tiefe Verbundenheit der Figuren betont. Diese irrwitzig schnellen und spritzigen Wortwechsel unterstreichen aber gleichzeitig die Dynamik zwischen den Darstellern. Zu dem ganzen urkomischen Treiben hat Joe Rudge als Music-Supervisor eine sensationelle Auswahl empfohlen, die sich endlich einmal weit von bekannten Musikstücken entfernt. Die Songs sind stimmig, aber durch ihre geringeren Bekanntheitsgrad auch sehr angenehm zu hören.

Alles was dem Film noch fehlt ist tatsächlich mehr Tiefgang, und pointiertere Erkenntnisse jenseits des bekannten Spektrums im Kreislauf der Liebe und dem nie enden wollenden Zirkus der Beziehungen. Dennoch bleibt „Splitsville“ in seiner aberwitzig schrägen Erzählung durchweg originell und richtig komisch. Mit einem erfrischenden Ensemble, das dieser Erzählung eine einnehmende Ehrlichkeit gibt.

Splitsville 1 - (c) UNIVERSAL PICTURES


Darsteller: Kyle Marvin, Michael Angelo Covino, Dakota Johnson, Adria Arjona, Simon Webster u.a.

Regie: Michael Angelo Covino
Drehbuch: Michael Angelo Covino, Kyle Marvin
Kamera: Adam Newport-Berra
Bildschnitt: Sara Shaw
Musik: Dabney Morris, David Wingo
Produktionsdesign: Stephen Phelps
USA / 2025
104 Minuten

Bildrechte: UNIVERSAL PICTURES
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