WHAT A WAY TO GO
Bundesstart 21.08.1964 – Release 26.06.1964 (CAN)
Louisa May Foster möchte dem Finanzamt ihr gesamtes Vermögen von 210 Millionen Dollar schenken. Louisa wollte nie Geld, obwohl es ihr eigentlich zuhause eingetrichtert wurde. Sie wollte einfach nur mit dem richtigen Mann glücklich werden. So eine Einstellung ist Grund genug, sie zu einem Psychiater zu schicken. Und diesem erzählt sie ihre Geschichte. Es ist eine ereignisreiche, eine abenteuerliche, und eine durch und durch verrückte Geschichte. Eine gewaltige Aufgabe für Shirley MacLaine, die hier tatsächlich in jeder Szene zu sehen ist, in einem ebenso gewaltigen Film. Es ist ein gründlich konzipiertes und kalkuliertes Projekt, das mit Gene Kelly entwickelt wurde. Der Sänger, Tänzer, Schauspieler und Regisseur wollte mit Marilyn Monroe arbeiten, aber nicht Regie führen. Die hatte sich ohnehin schon für J. Lee Thompson entschieden. Thompson blieb, die Darsteller nicht. Die Monroe verstarb, Elizabeth Taylor, Frank Sinatra, Marlon Brando, Steve McQueen, Marcello Mastroiani, David Niven sagten ab. Bühne frei für eine fabelhafte Shirley MacLaine.
Louisa May Foster erzählt ihrem Psychiater – und uns – von ihren vier Ehemännern. Vier Männer denen Geld egal war, ganz nach Louisas Geschmack. Dann aber packt jeden von ihnen die Absicht, Louisa noch viel glücklicher machen zu müssen, und zwar mit Geld. Das Vermögen wächst mit jedem Ehemann, aber jeder von ihnen wird auch von seinem Ehrgeiz dahingerafft und zu Grabe getragen. Dick van Dyke ist der arme Ladenbesitzer Edgar Hopper, der mit seinem Geschäft kaum etwas verdient. Aber er kann seine Louisa in der Hütte mit dem undichten Dach nicht mehr leiden sehen. Da legt sich Edgar als Geschäftsmann richtig ins Zeug, bis ihm das Herz versagt. Dann ist da Paul Newman als Larry Flint, ein erfolgloser Künstler in Paris, der ausgerechnet von Louisa derart inspiriert wird, dass er mit seinen Bildern Millionen verdient.
Mit dem Playboy und Ahornsirup-Millionär Rod Anderson, den Robert Mitchum spielt, verhält es sich umgekehrt. Für seine Louisa gibt er seinen luxuriösen Lebensstil auf, um eine kleine Farm zu bewirtschaften. Aber im Hintergrund macht Rods Firma weiterhin Profit, und somit Louisa noch viel vermögender als ihr Gatte… Naja, er war eben nicht fürs Landleben geschaffen. Dann tritt Gene Kelley als Pinky Benson in Louisas Leben, ein glückloser Varieté-Künstler, der mit Clownmaske und hässlichen Klamotten auftritt, was die Gäste mit mehr Essen und Trinken quittieren, ganz nach dem Geschmack des Geschäftsführers. Doch ausgerechnet Louisa nötigt Pinky einmal aus Zeitdruck, ohne Maske aufzutreten. Plötzlich bekommt Pinky Aufmerksamkeit, wird bekannt, wird berühmt, und den Rest kann sich jeder wohl selbst ausmalen.
Mit „Immer mit einem Andern“ ist J. Lee Thompson ein knallbunter, quietschfideler und absurder Spaß gelungen. Eigentlich ist Thompson als Regisseur bekannt für aufwendige Abenteuerfilme. Und so wie der Regisseur hier eine verrückte Idee nach der anderen inszeniert, merkt man das auch. Jeder ernste Satz oder düstere Moment wird umgehend von einem aberwitzigen Einfall unterbrochen. Die Geschwindigkeit des Films ist atemberaubend, aber das muss auch so sein, denn nicht jede Pointe zündet wirklich. Es gibt Scherze die geradewegs über das Ziel hinausschießen. Es gibt Witze die nicht lustig sind. Oder Absurditäten die einen den Kopf schütteln lassen. Doch diese gehen meistens unter, in diesem Feuerwerk an verrückten Einfällen, urkomischen Wortgefechten, und treffender Situationskomik. Der Film ist unglaublich witzig.
Nach einem Roman von Gwen Davis haben die Musical-Spezialisten Betty Comden und Adolph Green das Drehbuch verfasst. Herausgekommen ist ein prall gefüllter Film, bei dem man nicht weiß wo man zuerst hinschauen oder zuhören soll. Aber der grandioseste Einfall sind sicherlich die filmischen Einschübe, wenn Louisa erzählt wie sie ihr Leben mit dem jeweiligen Mann empfindet. Mit Edgar Hopper ist eine Passage umgesetzt wie ein Slapstick-Stummfilm. Das Leben mit Künstler Larry Flint ist ein Ausschnitt aus einem Film der französischen Nouvelle Vague. Mit Rod Anderson sieht sich Louisa in einem aufwendigen Ausstattungsfilm. Und mit Pinky tanzt sie durch ein großes Hollywood-Musical. Die jeweiligen Segmente sind dabei so treffend gelungen, dass sie trotz der vielen anderen Vorzüge des Films, die Höhepunkte darstellen.
Doch letztendlich zusammengehalten wird „Immer mit einem Andern“ durch die unendlich scheinenden Energie von Shirley MacLaine – eine der wenigen Frauen im Rat-Pack um Sinatra, Martin, Davis, Bogart oder Lawford. MacLaine kann spielen, singen, tanzen und hat ein grandioses Gespür für den richtigen Moment in einer Szene. Das macht aber ihre Mitspieler nicht minder interessant, obwohl- oder weil – im Grunde jeder von ihnen nach Typ besetzt ist. Van Dyke als liebevoller Tollpatsch, Newman als unberechenbarer Außenseiter, Mitchum der gepflegte Mann von Welt, oder Kelly, der darf singen und tanzen. Und dann ist da noch Dean Martin, der ist auch nach Typ besetzt, doch für den hat der Film etwas Besonderes vor. Es geht fast nicht anders, als an diesem Film einfach nur Freude zu haben. Prachtvolle Kulissen, die brillanten Darsteller, MacLaines 72 Frisuren und – meistens – gelungene Albernheiten, verrückte Einfälle und losgelöste Späßen. Richtig großes Kino für Auge, Herz und Humor.
Darsteller: Shirley MacLaine, Paul Newman, Robert Mitchum, Dean Martin, Gene Kelly, Dick Van Dyke, Robert Cummings u.a.
Regie: J. Lee Thompson
Drehbuch: Betty Comden, Adolph Green
Kamera: Leon Shamroy
Bildschnitt: Marjorie Fowler, Pat Shade
Musik: Nelson Riddle
Choreographie: Gene Kelly
Art Directors: Ted Haworth, Jack Martin Smith
Ausstattung: Stuart A. Reiss, Walter M. Scott
USA / 1964
111 Minuten



