RETURN TO SILENT HILL

Return Silent Hill - (c) LEONINE DISTRIBUTION– Bundesstart 05.02.2026
– Release 21.01.2026 (EGY)

Sneak Preview 30.1.26, Cineplex, Fürth
Als Christophe Gans 2006 seine Kinoadaption des Konami Computerspiels „Silent Hill“ machte, wurde das Publikum mit einem soliden, nicht sehr erfolgreichen, aber effektiven psychologischen Horrorthriller erfreut. Zu jener Zeit war es noch üblich, dass Verfilmungen von Computerspielen gar nichts mehr mit dem Ursprungsmaterial zu tun hatten. Doch Christoph Gans – und hier muss sich der nichtspielende Rezensent auf Hörensagen berufen – soll die Welt, Kreaturen, und Spielcharakteristika sehr gut getroffen haben. Und nebenher war „Silent Hill“ eben auch noch ein kinofreundlicher, gut inszenierter, atmosphärischer Horror. Nach 20 Jahren kehrt Visionär Christophe Gans in das Grusel-Städtchen zurück. Visionär ist bei Gans so zu verstehen, dass er ein Meister in der visuellen Inszenierung ist (wie bei „Crying Freeman“ oder „Pakt der Wölfe“). Beim Geschichtenerzählen hingegen, da lässt er bei der Rückkehr nach Silent Hill viel zu wünschen übrig.

An einer Raststelle kollidiert James Sunderland mit den Koffern der adretten Mary Crane. Gerade wollte die junge Frau das langweilige Leben in ihrem langweiligen Heimatkaff hinter sich lassen: Silent Hill. Die Funken fliegen, sie beschließt zu bleiben, er beschließt zu bleiben, eine strahlende Zukunft erwartet das glückliche Pärchen. Bis Mary stirbt. Jahre später ist James hoffnungsloser Alkoholiker, bis ihn ein Brief wachrüttelt. Angeblich von Mary, die ihn bittet zurück nach Silent Hill zu kommen. Dem kommt James schon aus reiner Neugierde nach. Das Städtchen ist ohne Sonne, von Asche bedeckt, vollkommen heruntergekommen, und nur drei oder vier Menschen sind zu finden. Dafür gibt es jede Menge seltsamer Wesen, scheinbar feindseliger Natur.

Schon an der einleitenden Episode ist zu erkennen, dass sich Gans mit seinen zwei Co-Autoren nicht sonderlich für Originalität interessiert. Wie der erste „Silent Hill“-Film, soll auch dieser nach dem zweiten Computerspiel der Reihe konzipiert sein – Übereinstimmungen mögen aber bitte geneigte Kenner beantworten. Für einen passiv zu konsumierenden Film ist es jedenfalls ungenügend. Wesentlich schlimmer ist allerdings, was Gans mit dem eigentlichen Kern des Films macht. James stolpert verwirrt durch das verfallene Silent Hill. Er wird entweder von bizarren Wesen gejagt, oder trifft auf Personen, die stark an Mary erinnern. An bestimmten Orten in der heruntergekommenen Stadt durchlebt James immer wieder in Rückblenden diverse Momente des Glücks mit Mary, bevor er im Jetzt von neuen Gefahren gejagt wird.

Return Silent Hill 2 - (c) LEONINE DISTRIBUTION

Es ist so wie es sich anhört, und das ist nicht sonderlich aufregend: Jeder Handlungsteil wirkt wie ein eigenständiges Level bei einem… Computerspiel. Aber keines dieser Level erklärt sich in seiner bizarren Ausprägung, und kein Level baut auf das andere auf. Wer jemanden anderen schon einmal beim Computerspielen zugesehen hat – ohne zu wissen wie das Spiel funktioniert – der hat eine Vorstellung, wie unbefriedigend so etwas sein kann. „Return to Silent Hill“ ist sehr unbefriedigend. Es entsteht auch nie das Gefühl von wirklicher Gefahr für die Hauptfigur. Der Regisseur ist viel mehr daran interessiert den psychologischen Terror von der unwirklichen Umgebung mit Kamera, Schnitt und einem nur leidlich interessanten Set-Design in Szene zu setzen.

Aber eben jenes Grauen funktioniert nicht. Die einzelnen Sequenzen haben keinen schlüssigen Aufbau und finden nie zueinander. Doch vor allem sorgt man sich nicht um die Charaktere. Mary und James sind eine Beziehung wie aus einem billigen Weihnachtsfilm, aber nicht einmal das können zwei Schauspieler auffangen die das Charisma von Laiendarstellern versprühen – Jeremy Irvine, wie konnte das nach „War Horse“ passieren? Albtraumhafte Wesen müssen in ihrer Form und Funktion keinen Sinn ergeben. Sie müssen Angst machen, Unbehagen auslösen, alles möglich werden lassen. Doch Gans inszeniert sie mit einer überraschenden Beliebigkeit.

Natürlich sind irritierende Szenenaufbauten und desorientierende Horrorszenarien ein grundlegender Aspekt dieser Art von Filmen, dem ursprünglichen Videospiel, und besonders in diesem Nonstop spielenden Albtraum. Doch von ‚Level‘ zu ‚Level‘ wird die Frage nach einem befriedigenden Konzept eindringlicher. Und wenn Christophe Gans alle Level für die Zuschauenden gespielt hat, kommt es zur kathartischen Erlösung des Helden. Für den Film als solchen hingegen, ist es eine bedrückende Tragödie. Der Visionär Christophe Gans schafft Atmosphäre, und ihm gelingen – in Verbindung mit DOP Pablo Rosso – eindrucksvolle Bilder. Doch wer am Ende des Films zurückblickt, findet keine Substanz, und keine Geschichte die es wert war erzählt zu werden.

Return Silent Hill 1 - (c) LEONINE DISTRIBUTION


Darsteller: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Evie Templeton, Eve Macklin, Pearse Egan u.a.

Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Christophe Gans, William Josef Schneider, Sandra Vo-Anh
nach dem Konami Computerspiel von
Hiroyuki Owaku und Keiichiro Toyama

Kamera: Pablo Rosso
Bildschnitt: Sébastian Prangère
Musik: Akira Yamaoka
Produktionsdesign: Mina Buric, Jovana Mihajlovic
Frankreich, Serbien, Deutschland, Großbritannien, Japan, USA
2026
106 Minuten

Bildrechte: LEONINE DISTRIBUTION
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