SHOOT OUT – OHNE GNADE aber mit Wucht

BULLET TO THE HEAD – Bundesstart 07.03.2013

Falls jemand im Film SHOOT OUT das Shoot-Out vermissen sollte, dann liegt das nur an dem eingedeutschten Titel. Halt, der ist ja englisch, was wieder einmal einiges erklärt. Aber für das deutsche Publikum ist es eh nur der neue Film mit Sylvester Stallone. Und Stallone geht immer. Ist bestimmt so gut wie die EXPENDABLES-Filme. Nein, ist er nicht. Denn BULLET ist nicht der neue Film mit Stallone, sondern der neue Film von WALTER HILL. Einer, der sich eigentlich häufiger auf dem Regiestuhl einfinden sollte. Wer RED HEAT gesehen hat, sich bei beiden 48 HOURS amüsierte, oder bei CROSSROADS die Musik genoss, der weiß, dass Walter Hill genau der richtige für das Sub-Genre Buddy-Movie ist. Ein bisschen auch der Mann fürs Grobe. Sein Film WARRIORS provozierte Tode in den Zuschauerräumen, und als Produzent für die HBO-Serie DEADWOOD ließ er die Sprache von Fernsehserien revolutionieren. Mit ALIEN braucht man dabei gar nicht erst anfangen. BULLET TO THE HEAD ist ein Film von Walter Hill. Mit Sylvester Stallone.

Der Auftragskiller James Bonomo tötet einen korrupten Polizisten. Der untersuchende Detective Taylor Kwon kommt dem Mann aus der Unterwelt schnell auf die Fährte. Doch Ersterer wurde betrogen, und dem Zweiten werden nur Steine in den Weg gelegt. Nach einer titelgebenden Szene bleibt den Kontrahenten nichts anderes übrig als zusammenzuarbeiten, denn die zu findenden Drahtzieher haben ein undurchsichtiges Netz an Korruption errichtet, das bis in die Stadtspitze reicht.

Niemand wird von BULLET TO THE HEAD wirklich überrascht werden. Die Story ist so geradlinig erzählt, wie es möglich ist. Es gibt, fast schon selbstverständlich, gewisse Genre-Standards die absehbar werden. Aber gerade dadurch wird BULLET zu einem, wenn man das so sagen darf, liebenswerden Film. Walter Hill weiß, was sein Publikum erwartet. Und vor allem weiß er, von was das allgemeine Publikum nicht noch mehr braucht. Natürlich sind die Figuren allesamt ultra-cool und stets mit einem flotten Einzeiler gesegnet, und nichts in Geschichte und Handlung hat es noch nicht gegeben. Aber Hill inszeniert alles mit einer glaubhaften Bodenhaftung. Keine übersteigerten Stunts, keine physischen Unmöglichkeiten, keine unendlich gefüllten Magazine, und Superhelden bleiben draußen. Wenn Hill sich seine Protagonisten prügeln lässt, dann glaubt man das es weh tut. Wenn geschossen wird, dann kann alles passieren, außer das von einer Kugel gleich drei Böse sterben werden.

Mit gerade 91 Minuten hat BULLET zudem die perfekte Länge für einen rein auf Unterhaltung ausgelegten Actionfilm. Hills Langzeitkollaborateur Llyod Ahern hat mit seinen klaren, satten Bildern eine für die Handlung symbiotische Atmosphäre geschaffen, die zum Glück nicht durch Timothy Alversons Schnitt ruiniert wird. Hier gibt es noch Action der alten Schule, die gefällt, weil sie nicht vorgibt, mehr zu sein, als wirklich geboten wird. Auf den Punkt und ohne Schnörkel, dafür mit einem Sylvester Stallone, der es wirklich noch drauf hat und eine nicht zu definierende Authentizität ausstrahlt. So macht Popcorn-Kino Spaß, wenn man einmal ohne Zerstörungsorgien, Blutarien und körperliche Kuriositäten unterhalten werden möchte. Walter Hill muss eben doch wieder des Öfteren in den Regiestuhl.

Darsteller: Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Adewele Akinnuoye-Agbaje, Christian Slater, Jon Seda, Jason Momoa u.a.
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Alessandro Camon, nach der Graphic Novel von Alexis Nolent
Kamera: Lloyd Ahern II
Bildschnitt: Timothy Alverson
Musik: Steve Mazzaro
Produktionsdesign: Toby Corbett
USA / 2013
zirka 91 Minuten

Bildschnitt: Constantin Film / Warner Bors. Pictures

 

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