AMERICAN HUSTLE schafft an

AMERICAN HUSTLE – Bundesstart 13.02.2014

American-Hustle-1, Copyright Columbia Pictures / Sony Pictures Releasing / TOBIS FilmIrving Rosenfeld
Christian Bale schafft mit seiner Darstellung des Irving, einen schmierigen, doch allzu selbstsicheren Kunsthändler und -fälscher, Scheckbetrüger und Kreditganoven. Seine Fassade scheint nicht einmal zu bröckeln, als er von FBI-Agent Richie MiMaso hochgenommen wird, und sich auf einen wirklich unmöglichen Handel einlassen muss. Das eigentliche Problem von Irving sind die zwei Frauen in seinem Leben. Die eine, für die er sich verantwortlich fühlt, und die andere, die er tatsächlich liebt. Durch sein Geschäft mit dem FBI beginnen die Beziehungen zu diesen Frauen kompliziert zu werden, und langsam muss sich Irving Schwächen eingestehen, die er vorher mit einem Lächeln hinweg gefegt hätte. Nicht nur, dass Irving Rosenfeld ein sehr starker, komplexer Charakter ist, Christian Bale spielt ihn mit einer derart einnehmenden Ehrlichkeit, und makellosen Intensität, die alle Ovationen rechtfertigen. Mit künstlicher, aber genialer Fettleibigkeit, und schreiend komischen Toupet, kann Bale seine langsam aufkeimende Verzweiflung spürbar werden lassen, ohne dies theatralisch ausspielen zu müssen, oder erklärende Dialoge von sich zu geben. Regisseur David O. Russell hat Bale bereits bei THE FIGHTER zu einem eher diskussionswürdigen Nebendarsteller-Oscar gebracht. Aber trotz ebenbürtiger Konkurrenz, wäre für Irving Rosenfeld ein Hauptdarsteller-Preis über alle Zweifel erhaben.

Sydney Prosser
Berechnend und unberechenbar. Und sich ihrer Anziehungskraft durchaus bewusst. Als rechte Hand von Betrüger und jetzt FBI-Lockvogel Irving Rosenfeld, überzeugt eine umwerfende Amy Adams. Doch Adams ist nicht einfach nur verführerisches Sexsymbol. Ihre Sydney Prosser ist zuerst einmal sich selbst am meisten schuldig. Das Drehbuch von Russell und Eric Warren Singer zeichnen Sydney als durchtriebene und stets undurchsichtige Figur. Adams zeigt genau, dass in Wirklichkeit ihr Charakter alle Fäden in der Hand hält, auch wenn sie sich gerne als schmückendes Beiwerk gibt. Immer wieder muss sie regulierend, aber unauffällig eingreifen, dass die jeweiligen Pläne auch tatsächlich aufgehen. Amy Adams hat schon eine enorme Palette von Charaktere verkörpert. Aber ihre Sydney dürfte einer ihrer mysteriösesten Figuren sein. Mit oberflächlicher Verletzlichkeit und innerer Härte, kann der Zuschauer nicht abschätzen welches Spiel Sydney nun wirklich spielt. Und Adams spielt das vorzüglich aus. Zudem dürfte sie die meiste Freude am Set bereitet haben, denn man möchte sich nicht vorstellen wie oft sich während der Dreharbeiten ihre Oberweite bei diesen überaus provokanten Kleidern ihren Weg an die frische Luft gebahnt haben müssen.

Richie DiMaso
Bradley Cooper kann mit seinem verschmitzten Lächeln und fast schon spitzbübigen Flunkern in den Augen, einen herrlich überheblichen Scheißer spielen. FBI-Agent Richie DiMaso weiß, dass er Irving und Sydney dort hat, wo sie ihm garantiert nicht mehr auskommen können. Sein Selbstsicherheit treibt ihn dabei zu immer größeren Aktionen an, welche seine zwei Opfer erfüllen müssen. Und seine Selbstsicherheit, lässt ihn auch nicht daran zweifeln, dass Sydney trotz aller anderweitigen Androhungen, ihm ihre wahre Liebe bekunden wird. Wie ein spät pubertierender Junge huscht er durch die Szenerie, lacht und klopft sich auf die Schenkel, wenn ein Plan aufgeht, oder ist den Tränen nahe, wenn es Rückschläge in der Beziehung zu Sydney gibt. Cooper kann das, er kann das sogar sehr gut. Wie er den Sieger gibt, obwohl diese Erfolge vom Durchhaltevermögen Irvings und dem Geschick von Sydney abhängig sind. Richie DiMaso ist ein Typ, der die Geschichten vom hohen Aufstieg und dem tiefen Fall nie gehört hat. Man lacht mit ihm, wie er sich über andere Menschen lustig macht, sich über alle Obrigkeiten hinweg setzt, und mit steigender Arroganz immer dreister agiert. Doch man lacht noch mehr, wenn sein anmaßendes Kartenhaus über ihn zusammenbricht. Und Bradley Cooper kann das sehr überzeugend, so überzeugend, dass sich dann am Ende doch eine Spur von Mitleid beim Zuschauer regt.

Rosalyn Rosenfeld
Jennifer Lawrence spielt die eigentliche Ehefrau von Irving Rosenfeld. Das er sie nicht verlassen kann, liegt einfach an ihrem Sohn, den er adoptiert hat. Das er sie verlassen möchte, ist aber durchweg verständlich. Mit Rosalyn Rosenfeld zeigt der Film seine schwächste Rolle, dessen Ausarbeitung unverständlich bleibt. Schwer zu sagen zu welchem Grad Figurenbeschreibung oder Darstellung für diese unsympathische Charakter in diesem Maß verantwortlich sind, dass er sich erstens nicht wirklich ins Ensemble einfügt, und zweitens auch nicht in Übereinstimmung mit dem Tenor der Geschichte ist. Gerade ein Jahr nach SILVER LININGS, inszeniert Russell Jennifer Lawrence erneut als nervend, hysterischen Störfaktor, dem alle Sympathien verwehrt bleiben. Seit ihrem Durchbruch mit WINTER’S BONE, dreht Lawrence in jedem Jahr drei Filme. Anstatt mit Quantität aufzufallen, wäre die Schauspielerin mit Qualität entsprechend ihrem ersten Erfolg besser beraten.

David O. Russell
In vier Jahren und drei aufeinanderfolgenden Filmen hat David O. Russell mit seinen Regie-Arbeiten insgesamt 25 Oscar Nominierungen erhalten. Bei SILVER LININGS haben es seine Darsteller sogar in alle vier Schauspielkategorien geschafft. Ein Coup, der sich nur ein Jahr später bei AMERICAN HUSTLE wiederholte. Doch es bleibt klar, dass diese Ehrungen auf die Darsteller selbst zurückzuführen sind. Wie bei seinen vorangegangen Filmen, zeigt der Regisseur auch bei diesem Film eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit Figuren und Darstellern. Während die Handlung selbst immer einen selbstsicheren Fluss zeigen, inszeniert Russell zwischenmenschliche Konfrontationen stets in kopflose Überreizungen. Konflikte steigern sich immer wieder in unnötige Hysterie, die der eigentlichen Atmosphäre des jeweiligen Films zuwider laufen.

American Hustle
… ist ein Spaß, gelungene Satire, und spannendes Charakterkino. Ein mit vielen Überraschungen gespicktes Vergnügen, dessen herausragende Merkmale zweifellos die atemberaubenden Frisuren sind, die original 1978 bleiben, und heute doch nur Kopfschütteln herausfordern. Doch allein mit Frisur und Kostüm entwickelt AMERICAN HUSTLE ein reales, nachvollziehbares Zeitkolorit. Zudem hat Susan Jacobs als Music-Supervisor einen grandiosen Job getan, dass sie für diverse Szenen passende, aber auch zeitgemäße Musiktitel fand, die textlich das Geschehen vortrefflich kommentieren. Eine der stärksten Entwicklungen im Film, dürfte die des Bürgermeisters Carmine Polito sein, den Jeremy Renner mit leidenschaftlicher Konsequenz verkörpert. Ein Politiker durch und durch, dessen Verstrickungen in Korruption, und Verbindungen zur Mafia nur allzu gerne geglaubt werden. Doch das Auge sieht, was es sehen will, genau wie der Verstand versteht, was er verstehen will. Aber so ergeht es eben auch den Figuren im Film, die blenden und sich blenden lassen. Der Zuschauer ist selten einen Schritt voraus, aber er ist stets mittendrin. Atmet die Atmosphäre, genießt das Spiel, fiebert im emotionalen Spießrutenlauf, und erfreut sich an einer kaum vorhersehbaren Geschichte. Hervorragendes Kino, das sich manchmal selbst im Wege steht, um sein volles Potential ausleben zu können. Dafür gibt es Christian Bale mit Schmerbauch, wie ihn einfach nur Christian Bale mit Würde tragen kann.

American-Hustle-2, Copyright Columbia Pictures / Sony Pictures Releasing / TOBIS Film

Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Louis C. K., Jack Huston, Michael Peña, Alessandro Nivola, Shea Whigham u.a.
Regie: David O. Russell
Drehbuch: David O. Russell, Eric Warren Singer
Kamera: Linus Sandgren
Bildschnitt: Alan Baumgarten, Jay Cassidy, Crispin Struthers
Musik: Danny Elfman
Produktionsdesign: Judy Becker
USA / 2013
zirka 138 Minuten

Bildrechte: Columbia Pictures / Sony Pictures Releasing / TOBIS Film
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