FFF ’19: 47 METERS DOWN UNCAGED

47 Meters Uncaged a, Copyright CONCORDE FILMVERLEIHFFF19 47 METERS DOWN: Uncaged
– Bundesstart 10.10.2019

Ob der mexikanische Tetra-Fisch wirklich unter Wasser kreischen kann, müssen andere beantworten. Aber im Film erfüllt es einen primitiven, und wirklich unnötigen Effekt. Wirft aber augenblicklich genau die bereits gestellte Frage auf, wozu sollte es gut sein, dass ein Fisch unter Wasser Geräusche von sich geben kann. Doch letztendlich auch nur eine von unendlich viele Fragen, die man von Jonathan Roberts und seinem Co-Autor Ernest Riera beantwortet haben möchte. Gerade als mit CRAWL bewiesen wurde, das Tierhorror im Kino tatsächlich noch auf einer realistischen Ebene funktionieren kann, kommt jemand mit einer neuen Hai-Variation daher. Und die ist allein schon von der Thematik her absolut ermüdend. Obwohl Regisseur Roberts durchaus erkennen lässt, spannend inszenieren zu können.


Für Steven Spielberg war es Fluch und Segen, dass sein animatronischer Hai Bruno sich entweder nicht bewegte, oder einfach plump auf den Meeresgrund sackte. Spielberg war gezwungen Spannung dadurch zu erzeugen, dass man den Hai eben nicht sah. Der Ur-Vater des Blockbusters wurde geboren. Was folgte war eine nicht enden wollende Anzahl von Tierhorrorfilmen, die über vierzig Jahre nach DER WEISSE HAI noch anhält. Bären, Hunde, Schlangen, Schwertwale, aber keiner hat es so weit gebracht wie der Hai, der große Weiße. Die Prämisse zu seinem Nachfolger von 47 METERS DOWN, nutzt Johannes Roberts zum Teil sogar sehr geschickt in Spielberg Manier. Seine Protagonisten tauchen in einer unbeleuchteten Unterwasserhöhle, lediglich die Helmlampen als Lichtquelle. Das sorgt in einigen Sequenzen für wirklich schweißnasse Hände, wenn der Regisseur den Zuschauer aus der Sicht der Darsteller die Umgebung beobachten lässt. Und nicht immer folgt daraufhin ein Schreckmoment, was die Spannung dann sogar noch hoch hält.

Vier junge, von Liebreiz gezeichnete Mädels verzichten auf einen Ausflug mit einem für Hai Beobachtungen geeigneten Glasboot. Viel interessanter ist ein kleiner See im Dschungel, wo man nicht nur herrlich baden kann, sondern auch vier passende Taucher-Ausrüstungen findet, die eigentlich einer archäologischen Gruppe gehören. Über ein unter Wasser liegendes Höhlensystem kommt man zu einer ebenso überfluteten antiken Stadt. Das nennt man dann einmal Ausflug, vor allem weil es noch viel mehr zu erleben gibt, als man wirklich gewollt hat. Fast eine Stunde verbringt das Publikum mit den Damen im erfrischenden Nass. Von da an wird auch sehr viel geschrien, und gejammert, und dann wieder geschrien. Das zehrt schnell an den Nerven, aber nicht der Spannung wegen, sondern wegen der strapazierten Geduld.

Und wer während der Laufzeit gerne mal abschalten möchte, kann sich mit einer der vielen zoologischen Fragen auseinander setzen, die Buch und Inszenierung mit auf den Weg geben. Zum Beispiel, wie viele Generationen Haie brauchen, bis sich ihre Augen rückentwickelt haben. Oder, wie diese Evolution vonstattengeht, wenn es sich nur um einen einzigen Hai handelt. Wo Roberts auf der einen Seite bei seinem Publikum punkten kann, macht er diese positiven Aspekte an anderer Stelle mit trivialem Humbug wieder kaputt. Auch wenn geneigter Genre-Freund mehr an Effekten interessiert ist, als an Plausibilität, muss man es mit der Einfältigkeit nicht übertreiben. Denn selbst als Persiflage könnte der Film nicht verstanden werden, weil ihm wirklich jede Spur von Humor, oder Selbstironie fehlt.

Witzig, das mit Corinne Foxx und Sistine Stallone, zwei Töchter sehr bekannter Hollywood-Darsteller, ihr Filmdebut geben. Ein bisschen väterlicher Rat bei der Auswahl des Stoffes hätte vielleicht gut getan. Und so ganz nebenbei, fehlt in diesem Film auch nicht das unscheinbare Mauerblümchen. Damit wäre bereits zu Beginn des Filmes geklärt, welche Figur überleben wird. Niemand der einen Horrorfilm besucht, erwartet eine verfilmte Doktorarbeit. Aber es tut allen gut, den Machern, dem Film, dem Publikum, wenn man etwas Mühe und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Stoff zu spüren bekommt. Und das fehlt 47 METERS DOWN: UNCAGED bis zum Meeresboden.

47 Meters Uncaged b, Copyright CONCORDE FILMVERLEIH

Darsteller: Sophie Nélisse, Corinne Foxx, Brianne Tju, Sistine Stallone, John Corbett, Brec Bassinger u.a.
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Ernest Riera, Jonathan Roberts
Kamera: Mark Silk
Bildschnitt: Martin Brinkler
Musik: TOMANDANDY
Produktionsdesign: David Bryan
Großbritannien -USA / 2019
90 Minuten

Bildrechte: CONCORDE FILMVERLEIH
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