FFF ’19: TONE-DEAF

Tone-Deaf a, Copyright  SABAN FILMSFFF19, Copyright ROSEBUD ENTERTAINMENTTONE-DEAF
– keine Kinoauswertung
– auf Amazon Prime & iTunes

Es ist vielversprechend, was Richard Bates Jr. mit TONE-DEAF zu Film bringen wollte. Es ist Material, das sich schnell zu einem Festivals-Liebling entwickeln kann. Leicht und ungezwungen inszeniert, mit witzigen Untertönen, einigen variablen Unbekannten, und blutigen Überraschungen. Olive ist genervt und muss mal raus, das meint ihre beste Freundin, und das meint auch ihre Hippie-Mutter. Den Job in den Sand gesetzt, und den Freund vor die Tür. Wenigstens ein verlängertes Wochenende auf dem Land könnte Ruhe in Olives verkorkstes Leben bringen. Das pompöse Landhaus des frischen Witwers Harvey scheint genau das richtige. Doch Harvey hat so seine eigenen Probleme, wie er in seiner ersten Szene dem weiblichen Publikum direkt mitteilt. Harvey durchbricht die vierte Wand.


Für einen Horror-Slasher beginnt TONE-DEAF den Gesetzgebungen des Genres mit ausreichender Exposition der Figuren. Das ist flott und unterhaltsam erzählt. Amanda Crew präsentiert sich dabei als ebenfalls genre-typische, aber sehr sympathische Protagonistin, die in einigen Einstellungen wie ein Spiegelbild der jungen Jill Clayburgh aussieht. Und genauso unbedarft und das Publikum einnehmend, beginnt sie ihre kleine Flucht. Wäre da nicht Vermieter Harvey, der sich seit dem Tod seiner Frau in eine alte Hütte wenige Schritte weiter zurück gezogen hat. Er ist schizophren, und glaubt alles schon erlebt zu haben. Nur eines fehlt ihm in seinem Lebenslauf. Harvey hat noch nie einen Menschen umgebracht.

Anders als Amanda Crew, kommt Robert Patrick einfach nicht aus dem Modus des Psychopathen heraus. Schon das erste Zusammentreffen entpuppt sich als unangenehm und merkwürdig. Patrick zeigt keine Variationen in seinem Spiel, bleibt eintönig und absehbar. Von da an verliert der Film auch nach und nach das Interesse seines Publikums. Die Hauptfiguren verhalten sich ständig so, wie sich niemand in entsprechenden Situationen verhalten würde. Es gibt einige sehr effektive Spannungsmomente, ziemlich schräge Gruseleinlagen und derbe, aber nicht übertriebene Splatter-Szenen. Und immer wieder inszeniert Regisseur Bates direkte Verbindungen vom Publikum zu den Darstellern, zum Beispiel eine Fliege, die zuerst auf der Kameralinse herum krabbelt und dann zu Olive fliegt.

Das ist alles so gemacht wie es der geneigte Fan auch gerne haben möchte. Allerdings hat man zu diesem Zeitpunkt längst das Interesse an den Figuren verloren, die ständig nur um sich selbst kreisen, und keine Empathie mehr wecken. Das Humorpotential ist erschöpft und nährt sich von Wiederholungen. Es ist ein Status Quo, der einen nur noch von einem Effekt zum anderen leitet, aber vollkommen gleichgültig lässt, wer denn nun als nächstes eine blutige Wunde bekommt. Das ist letztendlich doch zu wenig, und was nach den alten Regeln vielversprechend begonnen hat, zerfällt in Belanglosigkeiten. Das ist alles netter Zeitvertreib, aber wirklich nicht zwingend notwendig. Am Ende will Richard Bates Jr. seinen Film auch noch als Generationenkampf zwischen Baby-Boomer und Millennials verstanden wissen. Und sollte es wirklich so gewesen sein, ist es eine schmerzliche Erinnerung daran, dass man dem Film als Ganzes schon lange nicht mehr gefolgt ist.

Tone-Deaf b, Copyright  SABAN FILMS

Darsteller: Amanda Crew, Robert Patrick, Kim Delaney, Hayley Marie Norman u.a.
Regie & Drehbuch: Richard Bates Jr.
Kamera: Ed Wu
Bildschnitt: Yvonne Valdez
Musik: Michl Britsch
Produktionsdesign: Leigh Poindexter
USA / 2019
87 Minuten

Bildrechte: SABAN FILMS
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