Drive-In: LOVE STORY

Drive-In-Love-Story

LOVE STORY  – Bundesstart 26.08.1971

Love Story 4, Copyright PARAMOUNT PICTURESEs ist der Albtraum jeden gestandenen Mannes. Nur einmal möchte die Dame des Herzens die Entscheidung über den gemeinsamen Film treffen. Am besten im beschaulichen Autokino, Privatsphäre fast pur, 1970 sind Autos mit durchgehender Vorderbank möglich, 100 Minuten ungehindert kuscheln, ungeniertes Schluchzen und Heulen. Millionen hatten das Buch gelesen. Sie würden kommen, sie würden alle kommen. Von Paramount ein genialer Schachzug. Erich Segal hatte das Drehbuch verfasst, der Film konnte in Produktion gehen. Man ließ Segal gleich noch in diesem Vorfeld einen Roman daraus machen, der sein weibliches Zielpublikum genau erreichte. Bei VOM WINDE VERWEHT hatte es auch funktioniert, nur dass dabei das Buch tatsächlich zuerst war. Aber LOVE STORY erreichte eine vergleichbare Euphorie.

Der Film beginnt mit den verheißungsvollen Worten, welche das Ende nicht zur Überraschung werden lassen. Schlimmer noch, im Sprachgebrauch nennt man es Damoklesschwert. Die weniger begünstigte Arbeitertochter Jenny Cavilleri lernt in Harvard den sehr gut betuchten Oliver Barrett kennen. Während ihm sein finanzstarker Hintergrund peinlich ist, liebt sie es, ihn damit bei jeder Gelegenheit aufzuziehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, weil sie sich vom ersten Augenblick an ungeniert alle gegenseitigen Ressentiments geradewegs ins Gesicht sagen können. Und mehr braucht man über diese Geschichte nicht zu wissen. Viel mehr ist da auch nicht. Nun, vielleicht die kleine Sache über den Ausgang der Geschichte. Ansonsten ist LOVE STORY einfach, geradlinig, und direkt.

Was man dem Film später unter Garantie vorhalten wird, ist seine Banalität. Aber warum, bleibt völlig schleierhaft. Vielleicht ist es dieser nüchterne, nicht interpretierbare Titel. Allerdings ist LOVE STORY in seiner schlichten Erzählung eine höchst komplexe Geschichte über zwei Menschen, und wie Beziehungen funktionieren. Das die Handlung für das Ende eine dramatische Auflösung vorsieht, verstärkt noch die Notwendigkeit, dass die Geschichte auf das Notwendigste, die Essenz einer Beziehung herunter gebrochen bleibt. Niemand würde den GLORREICHEN SIEBEN vorwerfen, dass sein eigentlicher Kern lediglich auf eine große Schießerei hinausläuft.

Love Story 3, Copyright PARAMOUNT PICTURES

Wer den Roman gelesen hat, den dürften die fälschlichen Ressentiments gerechtfertigt erscheinen. Erich Segal hat eigentlich nur eine Geschichte geschrieben, mit der man arbeiten kann, als Romanautor verliert er sich in Kitsch und sprachlichen Klischees. Was Regisseur Arthur Hiller daraus gemacht hat ist erstaunlich, kaum inszeniert, sondern sorgsam begleitet. Es ist unbestritten MacGraws und O’Neals emotional tiefgreifende Bühne. John Marley und Ray Milland sind als die Veteranen im kleinen Ensemble sehr zurückgenommen, dafür umso eindringlicher in ihrer Präsenz. Das Spiel gehört eindeutig einer, entgegen aller bürgerlichen Konventionen, ständig fluchenden Ali MacGraw und dem impulsiven, aber ständig verunsicherten Ryan O’Neal. Sie sind das nicht zu übertreffende Paradebeispiel für die Begrifflichkeit der ‘stimmigen Chemie’. Wenn sie sich in einer Szene scheinbar unverzeihlich streiten, und mit einem harten Schnitt in der Nächsten engumschlungen jeder in seinem Buch ließt, dann braucht das keine klärenden Dialoge. Liebe heißt ja auch, niemals sagen zu müssen, dass es einem leid tut.

Was wirklich kontraproduktiv in die Produktion einfließt, ist die Überbeanspruchung von Francis Lais musikalischem Hauptthema. Der Melodie wird man sehr schnell überdrüssig, und sie entwickelt ebenso schnell einen gewissen nervenden Faktor. Was die Inszenierung tunlichst vermeidet, versucht der Musikeinsatz zu implementieren, was eher gegen die Atmosphäre wirkt. Allen Vorurteilen zum Trotz vermeidet Arthur Hiller jede suggestive Rührseligkeit, und lässt seine Protagonisten ehrliche, oftmals nachvollziehbare Höhen und Tiefen durchleben. Er ist eigentlich genau das, was man von diesem Film erwartet. Und in seiner schnörkellosen Direktheit und unverfälschten Geradlinigkeit doch wieder überrascht anders. Von der Romanadaption des eigentlichen Drehbuches, sollte man sich jedenfalls nicht schrecken lassen.

Love Story 2, Copyright PARAMOUNT PICTURES

Darsteller: Ali MacGraw, Ryan O’Neal, John Marley, Ray Milland, Katharina Balfour, Walker Daniels, Tommy Lee Jones u.a.
Regie: Arthur Hiller
Drehbuch: Erich Segal
Kamera: Richard C. Kratina
Bildschnitt: Robert C. Jones
Musik: Francis Lai
Produktionsdesign: Robert Gundlach, Philip Smith
USA / 1970
100 Minuten

Bildrechte: PARAMOUNT PICTURES
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen, Rund ums Kino abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort