Metropolis, die zweite Welturaufführung

Dieser Beitrag entstand im Februar 2010 nach der Premiere von METROPOLIS
Die Zwischenrufe von Andreas wurden nach heftigen und konstruktiven Diskussionen eingefügt.

Brigitte Helm, in bekanntem Zustand

So nannte man das Event tatsächlich. Die zweite Welturaufführung. Man mag diesen Unsinn verschmerzen. METROPOLIS, der große, deutsche Science-Fiction-Film von Fritz Lang aus dem Jahre 1927, wurde in seiner restaurierten, ursprünglichen Fassung der Welt präsentiert. Wieder einmal. Ursprüngliche Fassung? Nun, auch nur zum Teil. Historiker und Restauratoren schätzen, dass jetzt nur noch 8 Minuten zur eigentlichen Urfassung fehlen.

Die 60te Berlinale scheint der perfekte Premieren-Hintergrund. Dort gab es schon die Feier zu METROPOLIS‘ digitaler Restaurierung von 2001. Da sprach man noch vom ewigen Torso. Jetzt, am 12. Februar 2010, 2000 geladene Gäste im Friedrichstadtpalast, die Alte Oper in Frankfurt ist ebenfalls zugeschalten, auch nur geladene Gäste. Der Filmfan darf bei Minusgraden das Public Viewing vorm Brandenburger Tor genießen.

Im Film METROPOLIS dürfen sich im ‚Klub der Söhne’ die verwöhnten Söhne der herrschenden Oberschicht amüsieren, während diejenigen, welche die Stadt am Leben erhalten, noch nicht einmal das Tageslicht zu sehen bekommen. Eine wunderschöne Parallele zu dem Ereignis am 12. Februar in Berlin, das man auch live auf ARTE mitverfolgen konnte. Politiker halten Ansprachen, begrüßen sich gegenseitig, erwähnen ihr eigenes, nobles Handeln. Der, für den Filmgeschichte wirklich etwas bedeutet, bleibt außen vor. Selbst die in der Alten Oper anwesende Paula Felix-Didier des Filmmuseums Buenos Aires findet nur nebensächliche Erwähnung. Sie hat mit ihrem Ex-Mann das lange verschollene, fehlende Material zu METROPOLIS in ihrem Archiv wiederentdeckt.

Nach der ARTE-Premiere gab es noch eine Dokumentation von Artem Demenok, die allerdings nichts erzählte, was im Folgenden und in diversen Zeitungsartikel nicht schon erzählt worden wäre. Keine neuen Informationen, keine Erkenntnisse, selbst Spekulationen bleiben draußen. Über den Prozess, das neu gefundene Material zu rekonstruieren, erfährt man noch viel weniger.

Der Einfluss von METROPOLIS auf die Entwicklung im Film und in der Filmgeschichte selbst bleibt immens. Auch wenn sich sein Regisseur selbst von der zweifelhaften Aussage der Handlung lange Zeit distanziert hat. „Als ich Metropolis fertig hatte, mochte ich Metropolis überhaupt nicht. Ich fand, dass manche Sachen zu einfach gemacht waren“, so Fritz Lang in einem Interview 1971.

Andrews Zwischenruf: Dass der Mittler zwischen Hirn und Hand, also zwischen der Führungsschicht und den Arbeitern, das Herz sei, hielt Fritz Lang im Nachhinein für albern und dumm. Aber Fritz Lang redete gerne und viel, und gerne mal was ihm gerade in den Sinn kam. Das vorgebliche Versagen in der Handlung sprach er seiner Ex-Frau und verantwortlichen Drehbuchautorin Thea von Harbou zu. Eigentlich nicht die feine Art, aber von Harbou entwickelte sich zur glühenden Nazi-Dame, und das gefiel dem Regisseur nicht wirklich.

Der teuerste deutsche Film bis dato wurde im Premierenjahr 1927 ein gewaltiger Flop. Trotz noch nie zuvor gesehener Szenen dank epochaler Tricksequenzen, war das Publikum nicht für METROPOLIS zu begeistern. Vierzig Kopien waren im Umlauf, manche davon wurden verkauft, der Rest vernichtet. Ein Jahr zuvor hatten die Amerikaner bereits ein Kameranegativ erhalten und eine eigene, kürzere und von der Handlung anders gestaltete Version erstellt. Daran orientierte sich die dann auch in Deutschland neu geschnittene Fassung, die ein halbes Jahr nach der Premiere erneut ins Kino kam. Das Publikum konnte sich allerdings auch daran nicht erwärmen.

Nun war es damals so, und über viele Jahrzehnte hinweg die Regel, dass man Rohmaterial grundsätzlich vernichtete, wenn die fertige Filmfassung erstellt war. Grundsätzlich war das Lagern von Material wegen des sehr leicht entzündlichen Nitrofilms auch viel zu gefährlich. Gerade in den ersten beiden Jahrzehnten des Kinos war es dadurch auch üblich, sogar abgespielte Filmkopien zu vernichten. Einen geschichtlichen Wert von Filmen sah zu dieser Zeit wirklich niemand. Es war also kein Schlag gegen die Filmkunst, sondern normaler Ablauf, dass auch die aus METROPOLIS geschnittenen Sequenzen irgendwann in den Abfall wanderten.

Ein argentinischer Verleiher hatte sogleich am Premierenabend zugeschlagen und eine ursprüngliche Kopie erstanden. Man weiß, dass diese Kopie nicht exakt der Premierenfassung entspricht, ihr aber sehr ähnlich ist. Diese Kopie wanderte vom Verleiher in eine Privatsammlung und von dort in eine Kunstsammlung. In all den Stationen ihrer verschiedenen Besitzer wurde diese eine Kopie gerne und oft gezeigt. Und auch entsprechend behandelt. Staub, Schmutz und Kratzer. Alles, was eine gute Filmkopie über sich ergehen lassen muss. Über Jahrzehnte hinweg.

Andrews Zwischenruf: Es ist schon ein Wahnsinn. Über Monate wird gedreht, der aufwendigste Film der UFA entsteht, die UFA-Verantwortlichen genehmigen Fritz Lang eine Aufstockung des Budgets nach der anderen, Millionen Reichsmark fließen, hunderte Menschen schinden sich, geben ihr Bestes, ein ausgeklügelter Film entsteht … – und dann sehen ihn gerade mal 15.000 Menschen während weniger Monate Anfang 1927. Kurz darauf bekommt ein Bühnenautor in Amerika den Film in die Hände, ein Mann, der nichts, aber auch gar nichts mit dem Entstehen zu tun hat, keinen Menschen in dem fernen Deutschland gesprochen hat, nicht um ihre Absichten weiß, keinen Tropfen Schweiß für die Dreharbeiten verschwendet hat und sich trotzdem anmaßt, Urteil zu fällen über diesen Film. Und dieser Mensch zerstückelt den Film, schreibt nach eigenem Gutdünken um, wirft Szenen über Bord und entscheidet, was von diesem bedeutenden Film übrig bleibt. Was ihm nicht in den Kram passt, sehen fortan nur noch ein paar Menschen in Argentinien, das war es dann schon. Bis 2010.

Filmhistoriker und -archivare versuchten in unterschiedlichen Epochen immer wieder, das filmarchitektonische Meisterwerk in seiner Gänze herzustellen. Oder zumindest den ursprünglichen Handlungsablauf zu rekonstruieren. Selbst politisch sich differenziert gegenüberstehende Länder spielten sich über ihre Archive Material zu und tauschten fleißig Material und Informationen. Dabei machte man eine sehr ungewöhnliche Entdeckung. Die Entdeckung der Katze.

Man ließ Fassungen aus unterschiedlichen Ländern zeitgleich ablaufen, in der Hoffnung auf der einen Kopie eine Szene zu entdecken, die in der anderen nicht vorhanden war. Stattdessen fand man in einer Szene eine durchs Bild wandernde Katze, die in ein und derselben Sequenz auf der anderen Kopie nicht vorhanden war. Die Katze machte darauf aufmerksam, dass bei verschiedenen Negativen verschiedene Takes derselben Einstellung benutzt wurden. Dann erkannte man, dass sich bei diesen unterschiedlichen Negativen auch die Szenenfolgen variierten, die Szenenlängen aber stets gleich waren. Der Grund war einfach, man hatte das Rohmaterial nicht kopiert, sondern aus dem sogenannten Kameranegativ gleich drei komplette Fassungen geschnitzt. Da von jeder Szene mehrere Takes gemacht wurden und teilweise mit mehreren Kameras gleichzeitig gedreht wurde, war genug Material vorhanden.

In Buenos Aires indessen war die vollständige Premierenfassung bis zum Erbrechen abgespielt worden. Über die Jahre hinweg war sich aber keiner mehr darüber bewusst, was für eine Fassung da eigentlich gezeigt wurde. Man war sehr großzügig, ob Verleiher oder Privatbesitzer, man zeigte den Film, wenn gewünscht. Und er wurde ohne jede Sorgfaltspflicht behandelt. Total verkratzt und verdreckt wurde der Film im Archiv gelagert, bis Mitte der Sechziger das Filmmuseum in Buenos Aires alles an gefährlichem Nitrofilm loswerden musste. Das komplette Archiv mit 35mm-Filmen wurde, ohne die einzelnen Filme vorher zu reinigen, auf 16mm Negativfilm umkopiert. Das reduzierte nicht nur die Bildauflösung um ein Viertel, sondern sämtliche Schmutz- und Gebrauchsspuren wurden mitkopiert. METROPOLIS war bei dieser ‚Rettungsaktion‘ auch vertreten.

Brigitte Helm, selten so gesehen

Zwischenzeitlich fand man auch die Original-Partitur der Filmmusik wieder, wie sie bei der Premiere gespielt wurde. Für die Restauratoren bot das ganz wichtige Anhaltspunkte über die richtige Länge einzelner Szenen, die Szenenfolgen an sich und den Handlungsverlauf. Gottfried Huppertz‘ Musik war nicht einfach nur, wie zu dieser Zeit üblich, begleitend, sondern ist eine melodische Tonkollage, welche die stummen Worte und ausladenden Gesten instrumentiert, unterstützt und auch eine zweite Handlungsebene eröffnet. Zudem war auf den Notenblättern an 1.028 Stellen vermerkt, was gerade auf der Leinwand zu sehen war. Irgendwann kam dann noch eine Sammlung in einem Schweizer Filmarchiv dazu, die unzählige Standfotos und Ablichtungen von den Dreharbeiten beinhaltete. In einem anderen Teil der Welt fand man die Zensurkarte der Premierenfassung, die noch ein wenig detaillierter die Szenenabfolge beschrieb.

Es entstand 2001 eine komplett digital bearbeitete Fassung auf Grundlage drei unterschiedlicher, aber qualitativ bestmöglichen Kopien. Soweit mit Zensurkarte und Original-Partitur rekonstruierbar, wurde der Film wieder in die Original-Szenenfolge geschnitten und die zirka 30 fehlenden Minuten mit Hilfe der Schweizer Stand- und Arbeitsfotos erläutert. Die Fassung dauert 118 Minuten, wurde ‚ewiger Torso‘ benannt, begeisterte die Filmwelt, feierte auf der Berlinale Premiere und wurde Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Dann kamen die Argentinier und belästigten Martin Körper mit Unterstützung der Zeitung „Die Zeit“ so lange mit ihrer 16mm Kopie, bis er klein beigab und sich das Material ansah. Martin Körper hatte schon 1988 als Restaurator mit METROPOLIS zu tun und zeichnete sich auch verantwortlich für das Weltdokumentenerbe, das 2001 entstanden war. Aber von 16mm wollte er nichts wissen. Das wäre erstens qualitativ viel zu schlechtes Material, und warum sollte zweitens ausgerechnet aus Buenos Aires die große Offenbarung kommen.

Das war 2008. Und 2010 feierte METROPOLIS die zweite Welturaufführung. Es ist nicht zu recherchieren, ob mit der Veröffentlichung des digitalen Triumphes 2001 ähnliche Plattitüden freigesetzt wurden. 2010 allerdings wirken sie mächtig übertrieben. Zweifellos gibt diese ursprünglichste aller bisherigen Fassungen nun einen fantastischen Einblick auf den Aufbau und Ablauf der lange Zeit ungewissen Handlung. Für einen unbeschwerten Filmgenuss ist das eingefügte Material aus Argentinien allerdings nicht geeignet.

Der Schadensanteil der fehlenden 25 Minuten ist weit größer gewesen als das, was vom eigentlichen Bild übrig geblieben war. Eine harte Nuss, welche die Computer nicht überzeugend knacken konnten. Die Restauratoren entschieden sich nach eigenen Aussagen dazu, die weiterhin stark sichtbaren Zerstörungen als Dokument des Alters und des Verfalls geltend zu machen, der ebenso Bestandteil der Geschichte METROPOLIS‘ sei.

Andrews Zwischenruf: Man hat speziell eine Software entwickelt und versucht, zu verbessern. Sie liest Pixel für Pixel und vergleicht deren Grauwerte über einen längeren Zeitraum. Ändert er sich einmal nur kurzfristig, wird er als Schaden erkannt und ausgebessert. Das funktioniert umso schlechter, je zahlreicher und kleiner die Details auf dem Bild sind und je schneller die Bewegungen. Dann könnten zu viele Details fälschlich als Fehler erkannt werden, die Empfindlichkeit muss also herabgesetzt werden, es bleiben mehr Schäden im Bild. Es stand frühzeitig fest, dass der Film zur Berlinale 2010 gezeigt werden soll. An einem bestimmten Punkt musste man daher aufhören, die Software zu verbessern, und mit dem Rechnen anfangen.

Der Wechsel vom glasklar aufbereiteten Bild der 2001-Fassung zu dem restaurierten 16mm-Material ist alles andere als leicht zu verschmerzen. Oftmals sind es nur Sekunden-Einstellungen, die mit ihren Streifen, Kratzern und überlichteten Stellen das optisch perfektere Bild unterbrechen. Ständig wird man ob der wechselnden Qualität aus dem Fluss des Filmes gerissen. Ein Fluss, der sowieso schwer zu halten ist, weil Fritz Lang allgemein seine Szenen immer sehr ausufernd erzählte. Einiges der fünfundzwanzig neuen Minuten ist weniger erklärendes, als vielmehr Füllmaterial. Was man sofort in den Kontext des Füllmaterials bringt, weil man es ja anhand der Qualität sofort zuordnen kann.

Natürlich gibt es dann die längeren Passagen, die einen völlig neuen Handlungsverlauf offenbaren. Sehr wichtige und interessante Szenen.

Andrews Zwischenruf: In der Tat: Es ist zwar schnell ersichtlich, dass man diese Szenen ursprünglich in Amerika geschnitten hatte, weil sich durch Auslassen der Nebenhandlung leicht die Filmlänge reduzieren lässt. Einiges war regelrecht zensiert. So der Mord unter zwei Nebenbuhlern im Yoshiwara oder der Überlebenskampf der Kinder. Am wichtigsten sind die legendären Szenen mit der Hel, das Objekt der Begierde des Wissenschaftlers und des Firmenchefs, die die Feindschaft der beiden erst ausgelöst hat. Sämtliche geschnittenen Szenen, so sie nicht nur aus ein paar Sekunden bestehen, gewähren einen interessanten Einblick in die Historie der Rekonstruktion und die Gedanken des einstmaligen Verstümmelers, der diese Verstümmelung für den interessantesten Job seines Lebens hielt. Welche Ironie, dass so viele Menschen danach bestrebt waren, eben jenen Job wieder rückgängig zu machen, dadurch seinen Namen aber umso mehr verewigten: Channing Pollock.

Doch insgeheim wünscht man sich dann doch einen schnellstmöglichen Wechsel zum sauber und perfekt digital restaurierten Material. Solche Gedanken sind der kunsthistorischen Bedeutung des ursprünglichen Films überhaupt nicht zuträglich. Doch ein Film wie METROPOLIS kann in dieser Form keine Akzeptanz bei einem Publikum finden, das man vom Wert solcher Werke überzeugen sollte. Diese, immerhin auch noch nicht wirklich vollständige Fassung, ist lediglich ein Stück Geschichte, dass sich elitär fühlende Historiker und Cineasten mit geschwellter Brust einzuverleiben bemühen.

Selbstredend war die verkläpperte Disco-Fassung von Giorgio Moroder 1984 jedem Kunstverständigen mit Selbstachtung ein quälender Dorn im Auge. Doch hat es der damaligen Generation METROPOLIS als Kunstform und seine architektonische Bedeutung für die Filmgeschichte sehr nahe gebracht. Näher, als jede anderweitige restaurierte Fassung. Das David-Fincher-Video zu Madonnas ‚Express Yourself‘ geht komplett in der von Fritz Lang erschaffenen Ästhetik auf. Und Fincher lässt sogar die berüchtigte Katze als verbindendes Element einfließen.

Metropolis METROPOLIS in seiner ursprünglichsten Form sehen zu können, war natürlich ein sehr interessantes, doch eher analytisches Vergnügen. Ein Sich-fallen-lassen war durch die Umstände allerdings nicht gegeben, so wie es die 2001-Fassung noch vermochte. Dass der Erhalt des Materials unheimlich wichtig und bedeutend ist, muss unbestritten bleiben. Filmgenuss als solcher definiert sich allerdings anders. Es ist eben kein blödes Wortspiel, wenn man behauptet, dass man über die zwei unterschiedlichen Qualitäten des Materials nicht ‚hinwegsehen‘ kann.

Und noch ein Gedanke, der weder im Rahmen des Events oder des begleitenden Materials zu finden ist: Wie setzte sich Fritz Lang mit den Kürzungen und umgeschnittenen Versionen auseinander? Man möge sich vorstellen, da er sich mit der Aussage seiner eigenen Fassung sowieso unzufrieden zeigte, dass er der veränderten Handlung der amerikanischen Verleih-Version den Vorzug gab. Jede weitere Rekonstruktion der Premierenfassung würde ja dem Gedanken des Regisseurs zuwider laufen.

Man stelle sich weiterhin vor, in achtzig Jahren beginnen Filmhistoriker die ursprüngliche Kinofassung von Ridley Scotts ALIEN wieder herstellen. Als Cent-Fox 2003 Scott um einen ‚Directors Cut‘ bat, war der Film am Ende eine Minute kürzer. Zwar hatte er vier zusätzliche Minuten Handlung hineingeschnitten, an anderen Stellen allerdings fünf Minuten gekürzt. Eine Minute kürzer als die ursprüngliche Kinofassung, allerdings ganz im Sinne des Erfinders, sprich des Regisseurs. Und dann bemüht man sich achtzig Jahre später… Es wäre ein blamables Unterfangen. Aber dies nur als spekulatives Gedankenspiel.

Andrews letzte Worte: Wiederauferstehung einer Legende. Quotenerfolg für ARTE, zwei gefüllte Kinos in Berlin und Frankfurt, Public Viewing vor dem Brandenburger Tor; schon jetzt hat man die Zuschauerzahl von 1927 übertroffen. Die filmische Qualität von damals, die Unversehrtheit wird man nie mehr erreichen. Aber der Film hat es dennoch überlebt. Es hat noch einmal Millionen gekostet über die Jahre hinweg, die Intentionen der Kreativen wiederherzustellen, aber Metropolis lebt. Und ist sogar im Weltdokumentenerbe gelandet. Welch ein Erfolg. Fritz Lang und Thea Harbouch können doch stolz sein. Sie leben schon lange nicht mehr. An ihrer Stelle schmücken sich Politiker mit ihren Lorbeeren und offenbaren in ihren Reden, wie wenig sie wirklich verstanden haben. Nein, wenn Metropolis weiterlebt, dann in den Zuschauern, die er auch in kommenden Generationen erreichen wird. Der Triumph des Herzens über Hirn und Hand.

METROPOLIS hat also wieder einmal eine Weltpremiere hinter sich. Gesehen und zur Kenntnis genommen. Nur ein bisschen gefreut. Aber vielleicht tauchen ja während einer Anti-Terror-Aktion im Hindukusch sechs mysteriöse Filmdosen auf, in denen man die fehlenden acht Minuten von METROPOLIS findet. Oder vielleicht sogar unbeschadet, die letzte der vierzig, eigentlich vernichtet gedachten Kopien der Premierenfassung. Vielleicht kann man dann in ein paar Jahren eine noch ursprünglichere Fassung feiern. Dann werden wieder Staatsminister geladen. Menschen mit Beziehungen dürfen den Kinosaal bevölkern. Falsche Reden hallen durch die Kulturwelt. Sensationen werden heraufbeschworen. Gegenseitiges Klopfen auf die Schulter. Während Entdecker und Restauratoren mit den wirklichen Filmfreaks bei Minusgraden am Brandenburger Tor stehen dürfen.

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