ETERNITY

Eternity - (c) A24 / DCM Distribution– Bundesstart 04.12.2025
– Release 26.11.2025 (US)

Larry segnet in einem stattlichen Alter das Zeitliche. Seine Augen öffnet er wieder als agiler Mittdreißiger, in einer Welt mit der Anmutung eines 70er-Jahre-Hotels. Es ist der Knotenpunkt zwischen irdischem Leben und der Ewigkeit. Hier hat er eine Woche Zeit sich zu entscheiden, wie er die Ewigkeit verbringen will. Für immer in einem Fitness-Center, oder in einer Kapitalistenwelt, vielleicht ewige Party im Studio 54. Natürlich gibt es auch gewöhnliches, wie die Ewigkeit in einer Hütte in den Bergen, oder am sonnigen Strand. Larry beschließt erst einmal zu warten. Seine Joan ist schwer krank, und wird wohl bald ebenfalls in der Zwischenstation einfahren. Dann will er mit ihr gemeinsam entscheiden. Zwischenzeitlich muss er für seinen verlängerten Aufenthalt im Dienste der Station arbeiten, in seinem Fall als Barkeeper. Und dann ist es ‚endlich‘ soweit: Joan kommt an – und mit ihr, ein schier unlösbares Problem. Vor Larry war Joan mit Luke verheiratet, der aber im Krieg gefallen war. Jetzt wird Joan nicht nur von Larry – der nichts davon ahnen konnte – gleichfalls von Luke in der Station empfangen. Und der hat mehrere Jahrzehnte auf sie gewartet.

Die Filmideen um eine Zwischenwelt sind fast so alt wie das Kino selbst. Die bekannteste ist sicherlich „Der Himmel kann warten“ von Ernst Lubitsch aus 1943, und sein Warren Beatty-Remake aus 1978. Die schönste und originellste Auseinandersetzung mit der Vorstufe zur Ewigkeit ist aber das vielfach unterschätzte „Rendezvous im Jenseits“ von und mit Albert Brooks aus 1991. Und dazwischen oder danach gab es noch viele, viele mehr. Und es sind immer romantische Komödien, die dieses Sub-Genre so beliebt machen. Worin sich scheinbar auch Filmemacher David Freyne motiviert sah, der das Buch zusammen mit Autor Patrick Cunnane ersonnen hat.

Mit dem Dreiergespann Elizabeth Olsen, Miles Teller und Callum Turner ist die essenzielle Frage von attraktiven und damit anziehenden Darstellern geklärt. Und mit Da’Vine Joy Randolph und John Early sind auch die notwendigen witzigen Sidekicks gesichert. Randolph und Early sind als Afterlife Coordinator zugange, welche die Wege der Verblichenen zur Entscheidung über ihre Ewigkeit begleiten. Mit erstaunlichem Timing halten sie die Stimmung auf Komödie, wenn es zwischen den Hauptfiguren wieder etwas zu sentimental wird. Teller ist Larry, der sich der ewigen Liebe von Joan sicher ist. Turner ist Luke, der ohne Joan keinen Sinn in der Ewigkeit sieht. Und für die Ewigkeit muss sich Olsen als Joan für einen der beiden Männer entscheiden.

Eternity 2 - (c) A24 / DCM Distribution

Also, ordentlich Potential für Sentimentalitäten, dass die Macher mit dem einnehmenden Charisma seiner Protagonisten voller Gefühl einzusetzen verstehen. Aber auch viel Raum für lustige Situationen und witzige Dialoge, was aber definitiv zu wenig genutzt wird. Teller beweist wieder ein gutes Gespür für aberwitzige Momente, schließlich muss er seine Angebetete für die Ewigkeit gewinnen. Er rutscht dabei aber nie in Slapstick ab, auch wenn seinem Larry das Problem mehr und mehr über den Kopf wächst. Olsens Charakter ist da schon etwas mehr in der Screwball-Komödie verhaftet, die erst einmal zu sich selbst finden muss, bevor sie sich überhaupt für einen ihrer Männer entscheiden kann. So gut Olsen grundsätzlich in der Komödie ist, bleibt Da’Vine Joy Randolph einfach unschlagbar mit Timing im Spiel und ihren vortrefflichen Einzeilern.

Die 70er-Jahre Anmutung der Zwischenstation wirkt im Dekor und den Bauten sehr uninspiriert. Witzige Lichtblicke sind dafür immer die Wechsel der Tageszeiten, wenn offensichtlich einfach nur ein mit Sonne oder Mond bemaltes Transparent vor den Fenstern herunterfällt. Pointen wie diese hätte es wirklich mehr vertragen. Mehr verrückte Dinge die im Hintergrund geschehen, wie die unzähligen Werbestände für die verschiedenen Möglichkeiten der Ewigkeit. Mehr davon wäre ein besserer Kontrast zu den starken Gefühlen gewesen, mit denen die Figuren geplagt werden. Der Tod und die Ewigkeit sind ja auch keine einfache Sache. David Freyne inszeniert das alles mit leichter Hand und ansprechendem Tempo. Im Verlauf ist immer was am geschehen und es gibt keinen Leerlauf. Aber es muss auch angeführt werden, dass sich Freyne zu sehr und zu oft auf seine guten und harmonierenden Darsteller verlassen muss.

„Eternity“ ist ein Darsteller-Film, der durch sein starkes Ensemble funktioniert, und mit dem die Schauspieler auch sehr gut etwas anzufangen wissen. Nur ist der Film im Gesamten etwas gering an originellen Einfällen geraten, die das übersinnliche Szenario in seiner Absurdität mehr zur Schau stellen. Und er hätte mehr Humorspitzen vertragen. Die Lacher sitzen, aber etwas mehr wäre auch etwas besser. Was bleibt ist eine charmante Komödie, die mit seiner Prämisse der Entscheidung für die Ewigkeit sehr gut unterhält. Freyne und sein Co-Autor können auch das herzerweichende Dilemma raffiniert aufzulösen – aber zum Klassiker reicht es leider nicht.

Eternity 1 - (c) A24 / DCM Distribution


Darsteller: Miles Teller, Elizabeth Olsen, Callum Turner, Da’Vine Joy Randolph, John Early u.a.

Regie: David Freyne
Drehbuch: David Freyne, Patrick Cunnane
Kamera: Ruairí O’Brien
Bildschnitt: Joe Sawyer
Musik: David Fleming
Produktionsdesign: Zazu Myers
USA / 2025
112 Minuten

Bildrechte: A24 / DCM Film Distribution
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