THE RETURN
– Bundesstart 27.11.2025
– Release 05.12.2024 (UAE)
Nach 20 Jahren, nach dem Krieg gegen Troja, nach den Abenteuern auf die im Film nicht eingegangen wird, kehrt Odysseus zurück in seine Heimat Ithaka, in der er mit seiner Frau Penelope herrschte. Nackt an den Strand gespült. Unerkannt von Menschen die ihm helfen. Vom Krieg traumatisiert. Während seiner Abwesenheit haben allerlei fragwürdige Gestalten die Insel in Beschlag genommen, das Volk unterdrückt, und für den Niedergang der Insel gesorgt. Sie sind die Freier, die darauf hoffen, dass Penelope einen von ihnen zum Nachfolger ihres lange verschollenen Gatten ernennt. Als Sohn von Odysseus und Penelope, wird Telemachos von den Freiern nur verschont, um sich nicht Chancen bei der Herrscherin zu verbauen. Odysseus‘ Rückkehr bleibt für lange Zeit unentdeckt. Doch langsam erwacht der Herrscher aus seinem Trauma, und erkennt die Notwendigkeit das niederträchtige Treiben zu beenden.
Wie in alten Überlieferungen üblich, gehen auch bei Uberto Pasolinis Film epische Tragödie und evolutionär verwurzelte Gewalt Hand in Hand. Nur nimmt sich Pasolini diesbezüglich in der dramatischen und visuellen Inszenierung sehr zurück. Noch vor Nolans „The Odyssey“ und nach dem noch immer relevanten „Troy“ von Petersen, ist Pasolinis Odysseus-Erzählung die Antithese zum Spektakel. Dennoch ist dieser Film nicht ohne Schauwerte, und das sind schlicht und ergreifend Juliette Binoche und Ralph Fiennes. Zwei herausragende Darsteller die mit ihrer Ausdruckskraft schon über zwei Kinogenerationen beeindrucken. Zwei, die selbst mit ausdrucksloser Miene viel mehr zu sagen verstehen, als mit den geschliffensten Dialogzeilen.
Auf Binoche und Fiennes ist Verlass, was aber leider auch für den Regisseur ausreichend scheint. Doch nicht für den Film selbst. Am Anfang zaubert Marius Panduru noch überwältigende Bilder von Odysseus Strandung auf Ithaka auf die Leinwand. Doch sehr schnell wechselt die Kamera zu einer nüchternen Bildsprache. Innen wie außen sind die Drehorte eher zurückhaltend im Aufwand, mit dem Anspruch auf ein zeitgemäß realistisches Bühnenbild. Die Beleuchtung ist auf natürliches Licht beschränkt, ohne erkennbare künstliche Lichtsetzung. Nacht- und Innenaufnahmen sind auf Lagerfeuer und Fackelschein reduziert. Weil das Drehbuch auch noch von jedem übernatürlichen und mystischen Zauber befreit wurde, der eigentlich sonst mit Odysseus einhergeht, bewegt sich der Film auf einer ausgeprägt realistischen Erzählebene.
Was bleibt ist eine – wortwörtlich – griechische Tragödie mit der überladenen Schwere eines Shakespeares. Und das ist mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes exzellent gelungen. In einer Szene versucht Odysseus Inkognito der gereizten Penelope von den Heldentaten ihres Gatten in Troja zu erzählen, während sie dem vermeintlich fremden Bettler gegenüber Vorwürfe gegen ihren Mann erhebt. Natürlich hat sie ihn erkannt, und er ist sich auch dessen bewusst – aber beide halten mit stoischer Überzeugung an ihrer Fassade fest. Es ist einfach mitreißende Schauspielkunst.
Leider umgibt Uberto Pasolini (nicht mit Pier Paolo verwandt, aber Neffe von Visconti) seine starken Hauptdarsteller mit nur wenig überzeugenden Figuren, mit denen ihre jeweiligen Schauspieler auch nur wenig Überzeugendes darbieten können. Auf der einen Seite sind da Penelope und Odysseus, die mit ihrem Schicksal kämpfen, sich mit Existenzialismus und Loyalität, Verrat und Hingabe, Aufarbeitung und Verdrängung auseinandersetzen. Dem gegenüber steht eine Gruppe Freier und Aufschneider, die um Penelope werben, aber als Charaktere uninteressant und nach Stereotyp gezeichnet sind. Hier verliert der Film das meiste von dem was er sein könnte.
Auch wenn sich das Buch – trotz aller Reduzierungen – noch erstaunlich eng an elf der letzten zwölf Bücher der ‚Odyssee‘ hält, gelingt Uberto Pasolini kein wirklich mythischer Film, der dem Geist seiner Figuren gerecht wird. John Collee („Master and Commander“) und Edward Bond („Blow-up) haben mit Pasolini am Buch geschrieben, was eigentlich viel mehr verspricht, als die Herren letztendlich auf die Leinwand bringen. Zugegeben, können die letzten zwanzig Minuten mit dem Bogen des Odysseus noch einmal den Puls anheben, wenn sich die gebrochene Heldenfigur an seinen Widersachern rächt. Doch auch hier verzichtet Pasolini auf die Annäherung an modernes Kino. Der blutüberströmte Odysseus kämpft sich durch ein träge inszeniertes Finale – ein Abschluss, der wenig Spannung und kaum Wucht entfaltet. Auch wenn das nicht ausschlaggebend für eine griechische Tragödie sein sollte, doch abgesehen von Juliette Binoche und Ralph Fiennes bleibt der Film sonst an cineastischen Reizen erstaunlich blass.
Darsteller: Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Charlie Plummer, Ángela Molina, Marwan Kenzari, Claudio Santamaria, Roberto Serpi u.a.
Regie: Uberto Pasolini
Drehbuch: Uberto Pasolini, Edward Bond, John Collee
Kamera: Marius Panduru
Bildschnitt: David Charap
Musik: Rachel Portman
Produktionsdesign: Giuliano Pannuti
Italien, Griechenland, Großbritannien, Frankreich
2024
116 Minuten

