ELLA McCAY

Wegen aufgehobenem Kinostart jetzt bei HULU via Disney+

Ella McCay - © 2025 20th Century Studios– seit 05.02.26 über Disney+
– Release 11.12.2024 (AUS)

Schon in jungen Jahren hat Ella McCay klare Vorstellungen für ihre Zukunft. Ihr krankhaft promiskuitiver Vater gehört nicht in diese Zukunft. Ella zieht bei ihrer Tante Helen ein, und ist fünfzehn Jahre später in der Politik, Vizegouverneurin eines unbestimmten Staates. Aber die familiären Probleme reißen genauso wenig ab, wie Ellas falsch gesetzte Ambitionen in der Politik. Denn Ella McCay will helfen, will Gutes tun, und mit so etwas eckt wirklich jeder bei Parteikollegen an. Als altgedienter Kinogänger wird einer schnell gewahr, wohin James L. Brooks mit seinem ersten Spielfilm seit 15 Jahren hin will. Angenehme Wohlfühlunterhaltung mit ganz viel Herz, knackigen Dialogen und echten Menschen. Handlung war bei James L. Brooks schon immer eher schmückendes Beiwerk, der seine besten Filme immer selbst geschrieben hat.

Der Dreifach-Spagat zwischen herzerwärmender Menschlichkeit, nachvollziehbarer Komödie und realistischem Drama war das, was Brooks Werke wie „Zeit der Zärtlichkeit“ oder „Besser geht’s nicht“ zu Klassikern ihres Fachs machte. Und „Ella McCay“ hat alle Zutaten dafür. Mit Emma Mackay eine Hauptdarstellerin, welche die Dynamik zwischen Sympathieträger und Unruhestifter beherrscht. Eine Handlung, die sich irgendwo in der Realität ansiedelt. Ein Panoptikum an Figuren mit allen erdenklichen Wesenszügen. Was James L. Brooks nicht hat, ist der richtige Topf für das Rezept.

Ella hat mit einem Bruder zu tun, der sich aus dem Leben zurückgezogen hat. Wehrt sich gegen einen Vater, der endlich wieder Kontakt zu ihr haben möchte. Wird vorzeitig zur Gouverneurin ernannt. Hat einen Gatten, der illegale Intrigen spinnt. Und Ella steht ihrem eigenen Idealismus im Weg. Die Handlung spielt 2008, wird aber ab und an von Rückblenden in Ellas Jugend unterbrochen. Somit ist die Geschichte frei von Sozialen Medien, mit denen die Erzählung nicht funktionieren würde. Und es ist eine politisch unverfänglichere Zeit, um Ellas Bemühungen für humanitäre Belange nicht vollkommen unrealistisch erscheinen zu lassen. Wirklich helfen tut es nicht.

Filme in dieser Art und mit diesem Anspruch sind sehr rar geworden. Und in Zeiten von inflationär produzierenden Streaming-Plattformen, sind solche Filme im Kino noch viel rarer geworden. Umso mehr enttäuscht James L. Brooks Versuch an die guten alten Zeiten anzuknüpfen. „Ella McCay“ ist nicht nur als Charakter ein fahriges Durcheinander. Ein traumhaftes Ensemble bleibt unentwegt hinter seinen Möglichkeiten. Das liegt nicht an den Schauspielern selbst, sondern an einem einfallslosen Drehbuch und einer strukturlosen Regie. So gibt es sehr viele, sehr lange Dialoge – aber in denen wird nichts gesagt, sie haben keine Substanz, und ihnen fehlt jeglicher Biss.

Ella McCay 2 - © 2025 20th Century Studios

Einige der Figuren bleiben undurchsichtig. Spike Fearn müht sich als Bruder Casey mit einer Verhaltensstörung ab, die ein großes Rätsel bleibt, dennoch absolut überzogen gespielt ist. Rebecca Halls Auftritt als Mutter ist so kurz und in jeder Richtung unbedeutend, dass die Frage bestehen bleibt, warum sie überhaupt im Film ist. Die Zukunft von Kumail Nanjianis äußerst sympathischem Sicherheitsmann bleibt ein Mysterium, obwohl gerade er einer der interessantesten Figuren sein könnte. Als vorlaute und grenzüberschreitende Tante ist Jamie Lee Curtis vollkommen unterfordert. Curtis – wie die meisten Charaktere – reagieren oftmals wie psychotische Hysteriker. Das ist manchmal anstrengend, aber es ist zu keinem Zeitpunkt witzig.

Keine der von Brooks dargestellten Lebenssituationen ist glaubwürdig, die meisten Ereignisse nicht nachvollziehbar. Die größte Enttäuschung ist allerdings Albert Brooks Gouverneur Bill. Der Mann des hintergründigen Humors lässt keine Zuschauenden an sich heran. Lügt er, spricht er die Wahrheit, ist er Freund, oder Feind. Scheinbar ist der Gouverneur Ausdruck von James L. Brooks Verständnis eines Politikers. Von allen Charakteren ist der von Albert Brooks der langweiligste, aber wirklich allein ist er nicht, weil alle Figuren im Allgemeinen sehr unzugänglich bleiben.

Soll der Film humorvoll sein, überdreht er. Will er dramatisch werden, ist er schrecklich simpel. Also an den Darstellern liegt es nicht, wie unschwer zu erkennen ist. Es ist der von James L. Brooks gewohnte, aber hier fehlende Scharfsinn, dem Drama mit einem hintersinnigen Augenzwinkern zu begegnen, und Figuren und Handlung mit einem an Lebenserfahrung gespeisten Humor nahbar zu machen. Zu allem Überfluss gibt es noch die liebevoll kratzbürstige Julie Kavner als Assistentin Estelle, die sehr präzise verkörpert, wie dieses Missgeschick an Film hätte sein können.

Ella McCay 1 - © 2025 20th Century Studios


Darsteller: Emma Mackay, Jamie Lee Curtis, Albert Brooks, Woody Harrelson, Kumail Nanjiani, Spike Fearn u.a.

Regie & Drehbuch: James L. Brooks
Kamera: Robert Elswit
Bildschnitt: Tracey Wadmore-Smith
Musik: Hans Zimmer
Produktionsdesign: Richard Toyon
USA / 2025
115 Minuten

Bildrechte: 20th CENTURY STUDIOS
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