MY MOTHER’S WEDDING

Der Film läuft nur in ausgewählten Kinos
oder im Stream bei Apple TV (US) & Amazon Prime (US)

My Mothers Wedding - Courtesy VERTICAL ENTERTAINMENT– Bundesstart 05.02.2026
– Release 08.08.2025 (CAN)

Es ist erstaunlich, dass sich Kristin Scott Thomas nach 40 Jahren im Geschäft und beinahe 100 Rollen, erst jetzt dazu entschlossen hat hinter der Kamera aktiv zu werden. „My Mother’s Wedding“ ist nicht nur ihr Regiedebüt, sondern auch erstes Drehbuch, dass sie mit Ehemann und Journalist John Micklethwait geschrieben hat. Es ist eine – Trommelwirbel – Geschichte nach wahren Begebenheiten. Wie ihre Filmtöchter, hatte auch Scott Thomas zwei Väter. Ebenfalls befreundete Piloten bei der British Royal Navy, die in kurzen Abständen beide bei Einsätzen starben. Im Film sind die Kinder Navy Captain Katherine (Johansson) und Schauspielerin Victoria (Miller) aus erster Ehe, sowie Krankenpflegerin Georgina (Beecham) aus zweiter Ehe. Jetzt will Mutter Diana (Scott Thomas) ein drittes Mal vor den Altar treten. Die Kinder sind entsetzt, noch dazu, weil Mutter den Namen ihres neuen Gatten annehmen will: Loveglove.

Kristin Scott Thomas und ihr Mann verzichten darauf das Rad neu zu erfinden. Sie versuchen die Konflikte innerhalb der Familie und die individuellen Probleme der erwachsenen Töchter möglichst geradlinig auf den Punkt zu bringen. Was ihnen sogar erstaunlich gut gelingt. Geradlinig heißt aber auch, dass nicht viele Überraschungen auf dem Weg der immerhin sehr kurzen 95 Minuten liegen. Vielleicht ist das der Grund warum der bereits ’23 gedrehte Film erst ’25 in nicht einmal einer Handvoll Länder lief, und sonst im Streaming verheizt wird. Das Universal hierzulande einen Kinostart wagt, ist mutig, aber intelligenter Gegenpol zur Horror-Mehrheit.

Seine leichte Art, mit den eher gewöhnlichen Problemen, macht „My Mother’s Wedding“ aber nicht zu einem uninteressanten Film. Seine fünf Hauptfiguren sind erstklassig besetzt. Und was er an so etwas wie Originalität vermissen lässt, macht er mit seinem tiefen Verständnis für seine problembehafteten Figuren absolut wett. Das ist natürlich in erster Linie auf Kristin Scott Thomas zurückzuführen, die ein sehr gutes Gespür für die ausgewogene Behandlung für die Figuren Katherine, Victoria und Georgina zeigt. Was ihren Darstellerinnen Scarlett Johansson, Sienna Miller und Emily Beecham gleichberechtigt Raum gibt, in ihren Rollen zu glänzen.

My Mothers Wedding 1 - Courtesy VERTICAL ENTERTAINMENT

Es sind turbulente 48 Stunden – vor bis nach der Hochzeit. Während sich Mutter Diana zufrieden und glücklich zeigt, kämpfen ihre drei Mädchen mit Problemen, deren Schuld sie nur bei anderen finden – darauf sollte aber aus Gründen des Anstands nicht näher eingegangen werden. Es geht um Bindungsängste und Verantwortung, um Identifikation und Selbstwertgefühl. Und es geht um Bindung und Familie. Mit was die diversen Figuren ausgerechnet am Tag des Glücks zu kämpfen haben, entpuppt sich als selbst implizierter Irrtum. Scott Thomas pendelt ihre Geschichte geschickt zwischen den Schwestern, wobei die Schicksale aber kaum ineinandergreifen wollen.

Darüber hinaus weiß der Film leider nie, ob er Komödie oder Drama sein möchte. Für die Komödie ist er so ernst, für das Drama zu beschwingt. Erst in den letzten zwanzig Minuten formt sich „My Mother’s Wedding“ zu einem ergreifenden und wirklich schlüssigen Ganzen, in dem sich die Regisseurin den eigentlich schönsten Teil des Film selber gönnt. „Ich habe euch großgezogen um Frauen zu sein, und nicht nur Töchter“. Damit entfernt sich dann die Erzählung auch endlich vom überbeanspruchten Landhaus-Idyll, von dem Kameramann Yves Bélanger wirklich ausgiebig Gebrauch macht. Ein bisschen Kitsch darf sein, aber der Film schwelgt fast schon etwas zu viel darin. Doch das starke Ensemble und zu Herzen gehenden Lebensweisheiten machen ihn sehenswert.

My Mothers Wedding 2 - Courtesy VERTICAL ENTERTAINMENT


Darsteller: Scarlett Johansson, Sienna Miller, Emily Beecham, Kristin Scott Thomas, James Fleet u.a.

Regie: Kristin Scott Thomas
Drehbuch: Kristin Scott Thomas, John Micklethwait
Kamera: Yves Bélanger
Bildschnitt: Joan Sobel
Musik: Rolfe Kent
Produktionsdesign: Andrew McAlpine
Großbritannien / 2023
95 Minuten

Bildrechte: VERTICAL ENTERTAINMENT
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