– Bundesstart 08.01.2026
– Release 24.12.2025 (BL)
Von Zeit zu Zeit kommt ein Film daher, der einfach perfekt ist. Nicht weil er originell ist, nicht weil er jeden anspricht, nicht weil er alle Rahmen sprengt, und auch nicht weil man ihn immer und immer wieder sehen möchte. Ein Film, der perfekt ist, weil er alles richtig macht. Der das Gewöhnliche für sich zu nutzen versteht, der auf seine Zielgruppe fokussiert ist, der immer innerhalb seiner Rahmen bleibt, der sich schon beim ersten Mal ansehen einbrennt. Doch folgt Craig Brewers Film, den er selbst geschrieben hat, auch den wahren Begebenheiten? Greg Kohs‘ Film von 2008 über das Gesangsduo Lightning and Thunder ist eine Dokumentation über die Ereignisse. Brewers Interpretation dieser Ereignisse ist ein Film über das innere Wesen von Zuneigung und Hingabe. Mike ist Imitator von Don Ho, Claire tritt als Patsy Cline auf. Doch Mike ist mit seiner Routine nicht zufrieden, und strebt nach künstlerischer Neuausrichtung.
Von Claires Gesang, ihrem Aussehen und ihrem Wesen mehr als angetan, überzeugt Mike sie zu einer Neil Diamond Coverband. Als Lightning and Thunder machen sie mit ihrer Bühnenshow ‚The Neil Diamond Experience‘ in der Imitatoren-Szene richtig Karriere – weit über die Staatsgrenze hinaus. Von Hugh Jackman ist das Gesangstalent wohl bekannt, bei Kate Hudson ist es bisher noch nicht wirklich aufgefallen. Nach diesem Film werden beide beim Publikum gleichauf liegen, nicht nur gesangstechnisch. Jackman und Hudson machen sich mit ihrer Strahlkraft und ihrem Können die Geschichte vom Mike und Claire Sardina zu Eigen. Das ihr filmischer Weg dabei von den wahren Ereignissen abweicht, lässt Regisseur Brewer nebensächlich erscheinen.
Der Film geht einen riskanten Mittelweg der zwischen gefälligem Wohlfühlkino und Unterschichtsdrama a-la Darren Aronofsky wandelt. Was von beiden Arten des Kinos bleibt, sind beeindruckend tiefgehende Darbietungen seiner beiden Hauptdarsteller. Auch wenn Hugh Jackman mit Diamonds Markenzeichen-Frisur nicht annähernd so anziehend wie der wirkliche Sänger aussieht. Er macht es mit erstklassigem Gesang wett, dem immer noch die eigene Note gegönnt ist, aber exakt die Dynamik von Diamonds Aufnahmen trifft. Und Jackman steht auch in den Bühnenauftritten in nichts nach. Er wird nicht zu Neil Diamond, er ist die perfekte Neil Diamond-Imitation.
Wird Jackman zu Mike Sardina? Jedenfalls zu einer perfekten Filmfassung, die sich allerdings vom realen ‚Lightning‘ – wie Mike ausschließlich genannt wird – drastisch unterscheidet. So wie auch Kate Hudson, die hier aber immer noch ihre bislang eindrucksvollste dramatische Rolle spielt. Claire ‚Thunder‘ Sardina ist nicht die Hauptperson in diesem Duo, ist aber die treibende Kraft für ‚Lightning‘. Es ist faszinierend dabei zuzusehen wie Hudson mit einer scheinbaren Leichtigkeit die Komplexität der Figur wiedergibt ist. Ist sie Claire ‚Thunder‘ Sardina? Zumindest ist sie eine mitreißende Interpretation der realen Persönlichkeit. Inszenatorisch bedingt kommen weder Hudson noch Jackman tiefer als es Unterhaltungskino zulässt, dafür sind sie allerdings schon glaubwürdig nahe an die untere Mittelschicht herangekommen.
Anders als Kohs‘ Dokumentation, konzentriert sich Brewer in der ersten Hälfte auf die Energie der beiden Figuren und den Aufstieg von Lightning and Thunder. Bevor Claire bei einem bizarren Unfall ein Bein verliert, durch Medikamente depressiv wird, und Lightning nicht mehr ohne seine bessere Hälfte auftreten will. So schwungvoll und begeisternd die musikalische erste Hälfte verführt, umso eindringlicher wirkt das sich entwickelnde Drama. Craig Brewers Film funktioniert nicht wegen der Handlung selbst, sondern durch die überwältigende Chemie zwischen Kate Hudson und Hugh Jackman. Und Brewer inszeniert die beiden auf bestmöglich anziehende Weise.
Greg Kohs‘ ungeschminkte Dokumentation kann einen gewissen Trash-Faktor im Geschäft der Imitatoren und den Untere-Mittelschicht-Charme der Familie Sardina nicht verleugnen. Craig Brewer allerdings legt sehr viel Wert darauf, diese Kunstrichtung als ehrenwertes und mit Liebe und Herzblut betriebenes Gewerbe zu zeigen. Imitatoren haben nicht nur ihren festen und berechtigten Platz in der Gesellschaft, sondern es geht tatsächlich auch ein nicht abzusprechender Glamour und verdienter Bekanntheitsgrad einher. Ein Faktor im Film, der durch die Intensität von Hudson und Jackmans Hingabe zueinander und zur Musik besonders zur Geltung kommt.
Von Zeit zu Zeit kommt ein Film daher, der einfach perfekt ist. Als Biografie nimmt sich „Song Sung Blue“ tatsächlich zu viele Freiheiten. Als Drama geht er allzu bekannte Wege. Craig Brewer bemüht sehr strikt die Drehbuch-Struktur nach Syd Fields. Obwohl dieser strukturelle Aufbau in Verbindung mit der Geschichte – selbst wenn sie unbekannt seine sollte – immer eine gewisse Vorhersehbarkeit mitbringt, schafft Craig Brewer einen für diese Verhältnisse sehr inspirierenden Film. Und mit der Musik einer amerikanischen Ikone die generationenübergreifend alle gesellschaftlichen Schichten anspricht, wird „Song Sung Blue“ zum perfekten Unterhaltungskino.
„Did you ever read about a frog who dreamed of being a king… ?“, fragt Neil Diamond in ‚I Am… I Said‘. Der Frosch sollte nach seinen Fähigkeiten Frosch bleiben. Aber Brewer, Hudson und Jackman machen Lightning and Thunder zu einem Königspaar, das den Thron in ihren Gefilden durchaus zu Recht regiert.
Darsteller: Hugh Jackman, Kate Hudson, Ella Anderson, Hudson Hensley, King Princess, Michael Imperioli, James Belushi, Fisher Stevens u.a.
Regie & Drehbuch: Craig Brewer
Nach der Dokumentation von Greg Kohs
Kamera: Amy Vincent
Bildschnitt: Billy Fox
Musik: Scott Bomar
Lieder: Neil Diamond u.a.
Produktionsdesign: Clay A. Griffith
USA / 2025
132 Minuten

