THE HOUSEMAID – Wenn sie wüsste

Housemaid c - © LIONSGATE / LEONINE– Bundesstart 15.01.2026
– Release 16.12.2025 (BG)
Preview 14.01.26, Cineplex, Fürth

Housemaid d - © LIONSGATE - LEONINE

Millie Calloway braucht dringend einen Job. Nina Winchester braucht für Haus und Tochter dringend ein Hausmädchen. Zwei die sich gesucht haben, finden sich auch. Und Stück für Stück bröckelt in Paul Feigs außergewöhnlich effektivem Psychothriller die Fassade beider Frauen. Hier an der Tastatur zu sitzen, und nicht über die verzwickte Handlung und starken Wendungen reden zu dürfen, macht diese Besprechung unheimlich schwer. Denn jedes Wort über die Handlung könnte schon ein Wort zu viel sein. Wer den Trailer gesehen hat – und wer hat das nicht – bekommt eine ungefähre Vorstellungen von dem, wie sich die Dynamik zwischen der Hilfe suchenden Millie und der Hilfe benötigenden Nina entwickelt könnte. Und diese Vorstellung ist nicht annähernd an dem dran, was der Film letztendlich bietet.

Leser die mit dem Roman von Freida McFadden vertraut sind, können an dieser Stelle wirklich entspannen. Die dramaturgischen Veränderungen, die Drehbuchautorin Rebecca Sonnenshine [sic!] vorgenommen hat – und das sind wirklich nur wenige – gehen keinesfalls auf Kosten der Handlung oder der Figuren. Zuerst denkt Millie einen Traumjob bekommen zu haben. Bis sie auf extrem unangenehme Weise feststellen muss, dass ihre Arbeitgeberin unter ausgeprägter Schizophrenie leidet, und auch gegen bipolare Störung behandelt wird. Mittendrin steht aber das leicht überforderte Familienoberhaupt Andrew, der immer wieder versteht die Wogen zwischen den Frauen zu glätten.

Schon mit den ersten Minuten im Hause Winchester – die konkret und explizit auf die anstehenden Probleme hinweisen – wird auch schnell deutlich das sich hinter dem Offensichtlichen weit mehr verbergen muss. „The Housemaid“ ist ein perfekt konstruierter Thriller, der nichts dem Zufall überlässt. Jede Szene ist kalkuliert, und ohne Leerlauf der Handlung unterworfen. Das hört sich zuerst verstörend künstlich an, und ist es auch – mit einem großen ‚Aber‘. Es ist wesentlicher Teil des Gänsehautvergnügens. Genau wie das gnadenlos perfekte Traumhaus der Winchesters, oder Ninas stereotyper Freundeskreis von verlogenen und versnobten High Society Gattinnen.

Es schwingt immer das Gefühl mit, das einem alles bekannt vorkommt. Die Ausstattung, das Umfeld, und die Zeichnung der Figuren. Und man glaubt auch immer wieder zu wissen, wie sich die Situationen drehen werden, wo Wahrheit und Illusion liegen, was sich als angedachte Überraschung auftut. Das alles nutzt Paul Feig zu Gunsten seiner wirklich raffiniert gesetzten Wendungen – und derer gibt es nicht wenige – welche aber die wenigsten tatsächlich vorhersehen werden. Natürlich fordert ein Film wie dieser den typischen Sixth-Sense-Effekt, mit Schwätzern die behaupten jeden neue Wendung längst gewusst zu haben. Diese Leute sollten allen anderen den Gefallen tun und wegbleiben. Denn „The Housemaid“ ist für ein Publikum, dass einen guten Thriller noch zu würdigen weiß, und Euphorie bei atemloser Spannung empfindet.

Housemaid b - © 2025 Lionsgate

Der Film lässt kein Klischee aus, und spielt ganz ausgezeichnet mit hinlänglich bekannten Elementen. Und das ist seine ganz große Stärke, weil es als geniales Täuschungsmanöver funktioniert. Was wiederum nur durch brillante Darsteller möglich wird. Die schüchterne verunsicherte Sydney Sweeney. Die unberechenbare psychotische Amanda Seyfried. Es ist eine Zwei-Frau-Show, in der sich Brandon Sklenar wie schmückendes Beiwerk ausnimmt – was auch nicht verkehrt ist. Aber mit einem Ensemble wie diesem ist es auch ein Leichtes, die Handlung nach belieben von Innen nach Außen zu stülpen, ohne Diskrepanzen im Spiel der Schauspieler zu sehen. Aus gutem Grund sind Sweeney und Seyfried die angesagtesten Darstellerinnen dieser Tage.

Ein Film ist immer dann in Schwierigkeiten, wenn er an einer bestimmten Marke eine Pause einlegen muss. Dann werden in einer Rückblende bestimmte Sachverhalte erklärt, die der Regisseur mit der eigentlichen Handlung nicht vermitteln konnte. Was sonst als Schwäche eines schlecht geschriebenen Buchs gewertet wird, passiert in „Housemaid“ gleich zweimal als raffinierte Erweiterung, die nicht nur neue Wendungen bringt, sondern auch die emotionalen Ebenen der Figuren erweitert. Der Film bekommt damit auch weit mehr Richtungsänderungen als sonst für einen Thriller üblich. 

Paul Feigs „The Housmaid“ ist nicht das Nonplusultra im Spannungskino. Es gibt ohne Zweifel raffiniertere Plots. Es gibt sicherlich spannendere Charaktere. Es gibt bestimmt auch differenziertere Darsteller. In allen Elementen kann man im Thriller-Genre nach Besserem suchen – wenn es sein muss – und vielleicht auch finden – wenn man will. Doch mit allem zusammengenommen und Lust auf Gänsehaut, ist es in jüngster Zeit nicht möglich sich besser unterhalten zu lassen. Und Paul Feig macht mehr als gut, was er mit diversen Melissa McCarthy-Komödien zugemutet hat. Für einen Thriller, bei dem man nie weiß was einen erwartet, ist dafür sein Ende überraschend klar. Es ist ein sehr befriedigendes Ende, das überhaupt nicht anders sein dürfte.

Housemaid a - © 2025 Lionsgate


Darsteller: Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Indiana Elle, Elizabeth Perkins u.a.

Regie: Paul Feig
Drehbuch: Rebecca Sonnenshine
Nach Freida McFaddens Roman
Kamera: John Schwartzman
Bildschnitt: Brent White
Musik: Theodore Shapiro
Produktionsdesign: Elizabeth J. Jones
USA / 2025
131 Minuten

Bildrechte: LIONSGATE / LEONINE DISTRIBUTION
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