BRIDE HARD

Bride Hard - (c) MAGENTA LIGHT STUDIOS– Bundesstart 28.08.2025
– Release 20.06.2025 (CAN)

Es gibt Filme die auf Grund ihrer Geschichten, ihres Budgets und ihrer bewussten Umsetzung so schlecht sind, dass sie ihren ganz eigenen, anziehenden Reiz bekommen. Und dann gibt es Filme wie „Bride Hard“ – die einfach nur schlecht sind. Rezensenten und Kritiker fühlen sich immer bemüßigt, ihre Auffassungen zu erklären und zu rechtfertigen. Das macht aber eine gute Rezension auch aus. Eine bloße Schimpftirade würde demnach unter den Begriff ‚unprofessionell‘ fallen. Doch wie beschreibt man einen Film, an dem wirklich gar nichts stimmt? Schon der Titel gibt vor, auf was die Geschichte der Spezialagentin Samantha hinauslaufen soll – aber nicht vollbringt. Die Komödie von „Brautalarm“ gepaart mit der Action von „Stirb Langsam“. Wer sich die Mühe machen will, wenn das Interesse an der abstrusen Inszenierung nicht schon vorher abhanden gekommen ist, muss selbst versuchen irgendwelche Ansätze zu den genannten Vorbildern zu finden.

Diese Samantha, fortan nur Sam genannt, ist Zeit ihres Lebens besten Freundin mit Betsy. Die Beziehung hat nur etwas gelitten seit Sam ihrem Job als Agentin im Top-Secret-Modus nachgeht. Betsy trifft Sams Job besonders hart, weil die prügel- und schießwütige Sam ihren Verpflichtungen als Trauzeugin nicht mit nötigem Einsatz nachkommt. Da wird die Trauzeugin kurzerhand ausgetauscht, Sam auf Abstand gehalten, und die Hochzeit weiter schön auf der Familieninsel vor Georgia vorangetrieben. Alle Gäste sind versammelt, als eine Truppe von Terroristen anlandet, alle als Geisel nehmen, und das Familiengold rauben wollen. Und weil Sam ja bekanntlich in Ungnade gefallen ist, die Zeremonie wegen Streit verlassen musste, und bei der Geiselnahme nicht anwesend war, kann sie nun unerkannt von außen helfend eingreifen.

Bis es einmal soweit ist, dass die ersten Hochzeitsgäste gerettet werden müssen, ist es ein extrem ermüdender Weg. Leider wird es danach nicht besser. Drehbuchautorin Shaine Steinberg hatte merklich die besten Absichten, was es aber auf die Leinwand geschafft hat, sieht aus wie die grobe Skizze für einen Film. Und das bei einem Regisseur wie Simon West, der seinerzeit immerhin den derben Unfug von „Con Air“ zu einem Trash-Klassiker hin inszenierte. „Bride Hard“ ist die Antithese zu „Con Air“. Es gibt keine Bemühungen in irgendetwas. Schlampiges Buch, katastrophale Inszenierung, beliebige Bildführung, wahlloser Schnitt, fehlende Schauspielführung, furchtbar miese Tricks, unerfreuliche Figuren, und dumme Dialoge. Unglaublich viele Adjektive, ohne die man aber nicht auskommt, um dieses filmische Desaster zu beschreiben. Wer bitte schön, erfindet denn solche Freundschaft, die sich ausschließlich nach Handlungselementen ausrichten? Mit Darstellerinnen die nicht die Geringste Chemie haben.

Bride Hard a - (c) MAGENTA LIGHT STUDIOS

Es gibt eine obligatorische Ausnahme (die muss es einfach geben). Das ist die phänomenale Da’Vine Joy Randolphs als burschikose Lydia. Eine der Brautjungfern, die sich den Priester angeln will. Randolphs unvermittelte und witzigen Einzeiler wirken wie aus einem anderen Film. Sie sind zudem auch noch so in den Film geschnitten, als wären diese Witzeleien nachträglich gefilmt und eingefügt worden. Aber Randolph macht auch deutlich, was dieser Film wirklich sein wollte, aber nicht im Geringsten erfüllt. Paul Feigs „Brautalarm“ ist nach 14 Jahren noch immer eine der besten Komödien der 2000er, und bahnbrechend in der anrüchigen Komödie. Die Macher hätten dieses Vorbild wirklich als solches nehmen müssen, und nicht versuchen schlauer zu sein.

Der ganze Film läuft so unrund, dass einem alle möglichen Gedanken kommen, aber keiner dieser Gedanken bleibt bei der Handlung. Was aber bestimmt auffällt, sind die technischen Unzulänglichkeiten. In erster Linie die Kampf-Choreografien, speziell die mit Rebel Wilson. Obwohl starke Verfechterin von Body Positivity, hat Wilson eine für sich beachtenswerte Leistung an körperlicher Vitalität vollbracht. Nur wird in jeder Kampfszene klar ersichtlich, dass Wilson die meisten ihrer Stunts nicht selbst gemacht hat. Kopf schüttelnd auffallend versucht die Kamera immerzu das Gesicht des Doubles zu verbergen. Auch wenn Wilson (nach Worten des Studios) ein intensives Programm für die eigene Darstellung von Faustkampf und Schießereien durchlaufen haben soll. Es ist nicht nur offensichtlich, sondern auch peinlich dilettantisch wie Alan Caudillo an der Kamera versucht den Einsatz des Stunt-Doubles zu kaschieren.

Wo die Action versagt, macht es die Komödie noch schlimmer. Eine Protagonistin meint am Ende zu den beiden Hauptfiguren, sie sähen aus wie aus einem Hallmark-Weihnachts-Film. Hallmark sind die, die zu jedes Weihnachten Dutzende von sehr billig produzierten Beziehungsfilmen mit extremem Wohlfühlcharakter machen. Das ist insofern unheimlich witzig, weil Hallmark-Filme nicht nur viel witziger, sondern auch viel ehrlicher sind. Was „Bride Hard“ sein will, lässt sich nicht feststellen. Es ist ein Film in dem die Darsteller allesamt unglaublich bemüht sind und dabei ins Leere laufen, von Buch, Regie und Technik verlassen. Und die Art, wie die Bösewichtel am Ende die Goldbarren transportieren, zwingt Rezensenten zu ‚unprofessionellem‘ Schreiben.

Bride Hard b - (c) MAGENTA LIGHT STUDIOS


Darsteller: Rebel Wilson, Anna Camp, Stephen Dorff, Da’Vine Joy Randolph, Anna Chlumsky, Justin Hartley u.a.

Regie: Simon West
Drehbuch: Shaina Steinberg
Kamera: Alan Caudillo
Bildschnitt: Andrew MacRitchie, Todd Miller
Musik: Ryan Shore
Produktionsdesign: Marek Dobrowolski
USA / 2025
105 Minuten

Bildrechte: MAGENTA LIGHT STUDIOS
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