KON-TIKI

KON-TIKI – Bundesstart 21.03.201

Für die Wissenschaft war unbestritten, das die polynesischen Inseln von Asien her besiedelt wurde. Der 1914 geborene Norweger Thor Heyerdahl beschleichen schon in jungen Jahren Zweifel an dieser Theorie. Heyerdahl war Anthropologe, Zoologe, Botaniker, Ethnologe und Geologe. Er verbrachte selbst mit seiner Frau einige Zeit unter Ureinwohnern Fatu-Hivas, und hier machte er eine einzigartige Entdeckung. Es folgt eine These Heyerdahls, für die in anthropologischen- und ethnologischen Kreisen nur ein mitleidiges Lächeln übrig war. Aber der Wissenschaftler war auch experimenteller Archäologe, und er wollte beweisen, das eine Besiedlung der polynesischen Inseln vom 4000 Kilometer entfernten Südamerika möglich gewesen wäre. Und zwar zu einer Zeit, als die Schifffahrt für die Menschheit noch gar nicht relevant war.

Wer KON-TIKI gesehen hat, den dürfte es nicht verwundern, wenn in zwei bis drei Jahren eine amerikanische Kinofassung auf den Markt kommen würde. Mit Ryan Gosling und Joseph Gordon-Levitt vielleicht, mit Bryan Singer als Regisseur, aber vielleicht auch Ben Affleck, der sich weiterentwickeln würde. Das Regie-Duo Joachim Rønning und Espen Sandberg haben mit ihrer dritten Kinoproduktion gezeigt, das richtig großes Kino nicht nur aus Amerika kommen muss. Und das für einen Bruchteil des dortigen Budgets. KON-TIKI hat gerade 12 Millionen Euro gekostet, sieht aber um ein vielfaches größer aus.

Aber es sind nicht nur die natürlichen, im weltweiten Markt unverbrauchten Gesichter mit Pål Sverre Hagen und Anders Baasmo Christiansen an der Spitze, die überzeugen und dabei eine realistische Ehrlichkeit vermitteln. Ohne andere künstlerische Aspekte zu schmälern, ist es in erster Linie Geir Hartly Andreassens fantastische Szenengestaltung, die den Zuschauer die Kälte Norwegens spüren lässt, ihn nach Polynesien einlädt und das Vorkriegs-New-York spürbar macht. Und letztendlich vermitteln die intensiven, kraftvollen Bilder alle Strapazen und Emotionen einer 4000 Kilometer lange Reise auf einem Balsaholz-Floss, die sich auf das Publikum überträgt. Dies ist ein Abenteuer, bei dem man dabei gewesen sein wollte. Zu den spannendsteten und ergreifendsten Momenten gehört zweifellos die Begegnung mit einem Walhai, aber auch eine Jagdszene die in einem Blutrausch gipfelt, um den Tod eines Mitreisenden zu rächen.

Das richtig großes Kino nicht aus Amerika kommen muss, ist absolut keine Kritik am amerikanischen Studiosystem. Es sollte als Lehrstück gerade für deutsche Filmproduktionen verstanden werden, sich ruhig an bestimmte Formeln zu orientieren, dabei aber eigenständiger zu werden. Und sich nicht auf die eigene Schulter klopfen, wenn in Babelsberg mit deutschen Fördermittel Stinker wie IN 80 TAGEN UM DIE WELT oder DIE DREI MUSKETIERE produziert werden. KON-TIKI zeigt was passiert, wenn man nicht dem Erfolg hinterher hechelt, sondern mit einem engagierten Team kreativ seiner Leidenschaft frönt. Und das mit einem amerikanischen Remake, kann man sich getrost sparen.

Auf YouTube ist die Begegnung mit dem Walhai als Ausschnitt des 1951 mit einem Oscar prämierten Dokumentarfilms KON-TIKI zu sehen. Der gesamte Film ist allerdings nur in russischer Sprache verfügbar.

Darsteller: Pål Sverre Hagen, Anders Baasmo Christiansen, Gustaf Skarsgård, Odd Magnus Williamson, Tobias Santelmann u.a.
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Drehbuch: Petter Skavian, mit Unterstützung von Allan Scott
Kamera: Geir Hartly Andreassen
Bildschnitt: Per-Erik Eriksen, Martin Stoltz
Musik: Johan Söderqvist
Produktionsdesign: Karl Juliusson
Norwegen / 2012
zirka 118 Minuten

Bildquelle: DCM Film Distribution / Nordisk Film Distribution
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