EDITORIAL: Gedanken zu traurigen Oscars

MainstreamEs ginge ihm gut, und es mache ihm nichts aus, nicht nominiert worden zu sein. Es war die erste Frage an Robert Redford, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Sundance Film Festival, die die Schauspiel-Ikone beherzt und offensichtlich ehrlich beantwortete. Aber oscars14poster-1, Copyright Academy of Motion Pictures Arts and Scienceses macht anderen etwas aus, und denen geht es nicht gut. Nein, das Jahr 2014 fängt als ein trauriges Kinojahr an. Ein sehr trauriges Kinojahr, das durch ein ehrfürchtig gutes 2013 ausgelöst wurde. Es sind die Oscar-Nominierungen, und selten gab es niederschmetternde Nominierungen. Denn selten gab es ein so gutes und erfülltes Kinojahr, wie das Vergangene. So richtig angefangen hat es mit Forest Whitaker, der als sicherer Kandidat für THE BUTLER gehandelt wurde. Später kam Oscar Isaac für INSIDE LLEWYN DAVIS hinzu, dann McConaughy, und Ejiofor, Hanks, Bale, DiCaprio, Cooper, und nicht zu vergessen Robert Redford. Gedenkt man an James Gandolfini, wären das schon 10 Anwärter, verdiente Anwärter. Bei fünf Nominierungen. Das hat etwas sehr Grausames.

Und bei den Frauen, waren sich die Experten und Analysten sicher, das Emma Thompson und Julia Louis-Dryfus den Fuß in der Tür hätten. Die selben Experten und Analysten waren sich aber auch bei Adams, Blanchett, Bullock, Dench und Streep sicher. Das macht aber immer noch zwei zu viel. Ich war entsetzt, dass INSIDE LLEWYN DAVIS nicht als Bester Film nominiert wurde. Ich kenne HER und DALLAS BUYERS CLUB noch nicht, aber muss einfach davon ausgehen, das die knapp 6000 zur Abstimmung berechtigten Mitglieder der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences wussten was sie wählten. Es ist wirklich nicht schön anzusehen. Bei Woody Allen war ich mir sicher, dass er wieder für Regie bei BLUE JASMINE nominiert werden würde, und bei CAPTAIN PHILIPS’ Paul Greengrass hatte ich keine Zweifel. Und da halte ich es mit den Experten und Analysten, denn ich hielt auch die letztendlich nominierten Russell, Cuarón, Payne McQueen und Scorsese über alle Zweifel erhaben. Soviel verdientes Talent, das einfach im falschen Jahr veröffentlicht wurde. Denkt man an 2012, wo völlig unverständlich EXTREM LAUT & UNGLAUBLICH NAH in die Lücke springen musste. Hätten die Coen-Brüder INSIDE LLEWYN DAVIS nicht zu dieser Zeit machen können?

Die Nacht des 2. März auf den 3. März wird eine sehr unspektakuläre und sehr überraschungsfreie Nacht. Als bester Film könnte AMERICAN HUSTLE gewinnen. Mein persönlicher Favorit wäre CAPTAIN PHILIPS, aber was soll’s, Letztendlich gewinnt ein Film der es auch verdient hat. Ich möchte auch, dass Alfonso Cuarón für GRAVITY den besten Regie-Preis bekommt, aber vielleicht McQueen für 12 YEARS A SLAVE bekommt. Oh, Qual der Wahl, das wäre durchaus gerechtfertigt. In der Nacht vom 2. auf den 3. März werde ich vor dem Fernseher sitzen und bei jeder Gewinner-Bekanntgabe einfach nur zustimmend nicken. Weil es egal ist, wer den Zuspruch erhält. Verdient haben es nicht nur die, die unter den Nominierten waren, sondern auch die, die nicht einmal zu den ersten Fünf der Nominierten zählten. Das ist grausam für den Cinephilen, und brutal für die, denen eine Nominierung auch im Ruf weiter geholfen hätte. Es ist ein grausames Jahr. Und als Cinephiler, wünsche ich mir tatsächlich noch mehr dieser Jahre  2013. Denn die bedeuten einen Überschuss an guten und anspruchsvollen  Filme. Was für eine verrückte Welt.

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