MAGIC IN THE MOONLIGHT

MAGIC IN THE MOONLIGHT – Bundesstart 04.12.14

Magic-Moonlight-1,  Copyright Warner Bros.Seit 1966 hat Woody Allen in fünf seiner Schaffensjahren keinen Film heraus gebracht. Das mag nach einem Skandal klingen, allerdings gab es genauso viele Jahre, wo er zwei Filme inszenierte. Unverschämt ist aber, dass er selbst mit fast achtzig Jahren nicht die Energie für diese Leistung zu verlieren scheint. Schließlich sind seine Filme keine mit Handkamera gefilmten Familientreffen. Im Gegenteil, meistens sogar opulent ausgestattete Reisen in der Zeit. RADIO DAYS, PURPLE ROSE OF CAIRO, oder MIDNIGHT IN PARIS. Natürlich macht Woody Allen seine Filme nicht alleine, aber ein sehenswerter Film braucht ein gutes Drehbuch und eine sichere Inszenierung. Mit ungeminderter Energie stemmt Allen dies Jahr für Jahr. Manchmal überragend, manchmal ernüchternd. Mal ist es Komödie, mal Romanze, mal eine gute Mischung daraus. Er kann spannende Krimis, und nachdenklich stimmende Dramen. Nur von absurden Albernheiten, die einst seine Karriere begründeten, hat er schon einige Zeit Abstand gehalten. MAGIC IN THE MOONLIGHT spielt 1928, und geizt ebenfalls nicht an Kostüm und Ausstattung. Eine Zeit, die es dem Filmautoren angetan hat, wie er stets mit den alten Jazz-Stücken aus jener Zeit unterstreicht, selbst wenn der Film im Heute spielt.

Bühnenmagier Stanley wird von seinem alten Kollegen und Freund Simon in Berlin aufgesucht. Stanley soll mit ihm gemeinsam das Medium Sophie entlarven und als Hochstaplerin überführen. Die angeblich übersinnliche Sophie hat eine befreundete Familie an der Côte d’Azur mit ihrem Hokuspokus fest im Griff, in dem sie vorgibt, mit dem verstorbenen Patriarchen des Hauses Kontakt aufnehmen zu können. Simon fürchtet nicht nur um das Seelenheil der Familie, sondern in erster Linie um deren Finanzen. Für Stanley keine Herausforderung, aber eine diebische Freude, hasst der Misanthrop doch nichts mehr, als den Glauben an das Übersinnliche. Doch als die gepriesene Nummer Eins der Entlarvungen von Scharlatanen und Betrügern, auf die zauberhafte Sophie trifft, geschehen merkwürdige Dinge. Merkwürdig, dass Sophie tatsächlich Dinge ausspricht, die sie nicht wissen kann. Merkwürdig, dass Stanley sich in ihrer Gegenwart wohl zu fühlen scheint.

Auch wenn bei Stanley immer wieder diese neurotische Hysterie durch zu blinzeln scheint, die nur Woody Allen  in seinen von ihm selbst gespielten Charaktere glaubhaft und nicht nervend darstellen kann, beherrscht Colin Firth seine Figur mit souveräner Eleganz, und einnehmender Energie. Kenneth Branagh hatte in CELEBRITY als Lee Simon einen Mann gespielt, den Allen mit dem ganzen überdrehten Habitus ganz offensichtlich zuerst für sich selbst geschrieben hatte. Das Ergebnis war eine Katastrophe. Colin Firth hingegen macht diese überspannten Ticks zu seinen eigenen, und brilliert dabei einfach mit der Kunst, seinen Charakter glaubwürdig zwischen der eigenen Persönlichkeit und Allens Interpretationen auszuloten. Ist das Ensemble in einem Film dieses Filmemachers grundsätzlich aller erste Güte, ist natürlich die zauberhafte Emma Stone an der Seite von Firth nicht nur wunderbarer Augenfang. Mit unprätentiöser Leichtigkeit spielt sie ihre natürlich übertriebenen Manierismen beim empfangen der ‚mentalen Vibrationen‘, wie die einnehmend liebreizende Unschuld. Stone und Firth sind bei allen charakterlichen Anfeindungen und Zuneigungen, ein hinreißendes Gespann.

Auf den ersten Blick wirkt MAGIC IN THE MOONLIGHT wie ein stimmiges Ganzes. Doch im tieferen Sinne hat Allen sich nicht wirklich entscheiden können. Der erste Teil lässt sich überhaupt nicht einordnen, und kann man nur als leichte Unterhaltung bezeichnen, eine die allerdings gefällt. Später entwickelt sich die Geschichte zu einer handfesten Romanze, um im weiteren Verlauf leichte Krimi-Elemente aufzunehmen. Irgendwo zwischendrin setzt sich der Film kurz mit spirituellen Fragen auseinander, um am Ende … . Doch soll an dieser Stelle genug sein. So richtig rund ist der Handlungsverlauf also nicht. Aber wie immer können Allens geschliffene Dialoge und inszenatorische Feinsinn weitgehend über so manche Schwächen hinweg sehen lassen. Ein Woody Allen ist eben ein Woody Allen. Und wer ihn kennt, weiß auch, ob MAGIC IN THE MOONLIGHT dem eigenen Unterhaltungsanspruch gerecht wird. Nächstes Jahr kommt dann, inklusive der Kurz- und TV-Filme, sein fünfzigster Film. Aber bestimmt wird man dann auch wieder sagen können, dass es eben ein Woody Allen ist. Nicht das schlechteste Prädikat.

Magic-Moonlight-1, Copyright Warner Bros.

Darsteller: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden, Hamish Linklater, Eileen Atkins, Simon  McBurney, Jacki Weaver u.a.
Drehbuch & Regie: Woody Allen
Kamera: Darius Khondji
Bildschnitt: Alisa Lepselter
Produktionsdesign: Anne Seibel
USA / 2014
97 Minuten

Bildrechte: Warner Bros.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar