FFF ’19: CHARLIE SAYS

Charlie Says a, Copyright IFC FILMSFFF19, Copyright ROSEBUD ENTERTAINMENTCHARLIE SAYS
- auf DVD
- 26. Oktober ’19 auf Blu-ray

Da ist Mary Harrons Film aber gut aufgehoben. Eingebettet zwischen der zweiten Staffel von MINDHUNTER und ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD, könnte CHARLIE SAYS das Interesse an Charles Manson für sich zunutze machen. Bekanntlich war Mason in jener Geschichte schreibenden Nacht nicht selbst am Cielo Drive, so richtet der Film sein Hauptaugenmerk auf die drei in diesem Zusammenhang zum Tode verurteilten Frauen, welche an den kaltblütigen Morden beteiligt waren. Aus ihrer Sicht wird der charismatische Charlie beschrieben, wie er seine ‘Familie’ an sich band, sein zelebrieren eines freien und offenherzigen Lebenswandels, und die einhergehenden obskuren Weltansichten.

Buch und Regie verzichten weitgehend auf die ‘Helter Skelter’ Theorien, nach denen die Beatles einen Rassenkrieg vorhersagten. Der Film konzentriert sich mehr auf Mansons Ambitionen ein bekannter Musiker zu werden. Sein überdrehtes Ego, und die fanatische Blindheit (oder Taubheit) seiner ‘Familie’, gaben ihm die Gewissheit ein Star zu werden. Als Bindeglied zwischen Zuschauer und den Hintergründen der Ereignisse auf der besetzten Ranch, fungiert die Sozialarbeiterin Karlene Faith, welche versucht die unreflektierte Hingabe der verurteilten Mädchen zu verstehen, die sie für Manson hegen. Merritt Wever als Karlene ist es letztendlich, die den tiefsten Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Mit sehr wenig Dialog beschrieben, vermittelt sie ihr Erstaunen, das Unfassbare, die Verständnislosigkeit, aber auch die nagende Neugier mit einer bemerkenswerten Mimik. Zu keinem Zeitpunkt übertreibt sie, oder vernachlässigt ihr ehrliches Interesse an der Geschichte.

Matt Smith kann durchaus den verrückten Egomanen geben, das macht er überzeugend und mit merklicher Freude am diabolischen. Was Smith allerdings nicht kann, und das ist ihm genauso wie der Regie geschuldet, ist Mansons einnehmendes Charisma zu erklären. Mary Harron inszeniert einen Charles Manson, wie ihn sich ein Außenstehender vorstellen mag, aber offeriert nicht einmal den Ansatz von Verständnis für seine vornehmlich weiblichen Mitglieder der ‘Familie’. Murray, Bacon und Redón sind einfach nicht die besten Darstellerinnen, um eine glaubwürdige Brücke zwischen Wahnsinn und der ihnen gebotenen, angeblichen Geborgenheit zu schlagen. Wenn man bedenkt wie sicher und überzeugend Mary Harron Christian Bale durch AMERICAN PSYCHO geführt hat, ist CHARLIE SAYS eine herbe Enttäuschung an Charakterzeichnung und deren Umsetzung.

Es mag durchaus der Realität entsprechen, das es nicht sehr viel brauchte, um orientierungslose, gezeichnete, oder sehr schwache jugendliche Erwachsene mit dubiosen Lebensweisheiten zu ködern. Aber ein Film mit diesem Hintergrund sollte genau diese Situation einem gefestigten Zuschauer näher bringen können. Er muss kein Verständnis wecken, aber eine nachvollziehbare Erklärung aufzeigen, für jemanden dem diese Vorgänge vollkommen fremd sind. So wird das, was den Ereignissen am Cielo Drive vorausging zu einer sehr schnell ermüdenden Abfolge der immer selben Rituale. Eine wirkliche Verbindung zum Zuschauer, schafft CHARLIE SAYS jedenfalls nicht.

Charlie Says b, Copyright IFC FILMS

Darsteller: Hannah Murray, Matt Smith, Sosie Bacon, Marianne Redón, Merritt Wever u.a.
Regie: Mary Harron
Drehbuch: Guinevere Turner
Kamera: Crille Forsberg
Bildschnitt: Andrew Hafitz
Musik: Keegan DeWitt
Produktionsdesign: Dins Danielsen
USA / 2018
110 Minuten

Bildrechte: IFC FILMS
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