Prime / iTunes: THE HUNT

HUNT 1, Copyright UNIVERSAL PICTURESTHE HUNT
– Prime / iTunes an 14.ß5.2020

Zwölf Fremde erwachen verstreut auf einer Waldlichtung. In der Mitte eine große Holzkiste, in der sich diverse Waffen befinden. Dann platzt der erste Kopf, getroffen von einer Gewehrpatrone, die aus unbestimmter Richtung abgefeuert wurde. Die Jagd ist eröffnet. Doch wer übersteht dieses Massaker, in dieser abgedroschenen, viel zu oft gesehenen Prämisse, um verdiente Rache zu nehmen. Ist es die zauberhafte Emma Roberts, oder der bärige Ethan Suplee, vielleicht der knuffige Ike Barinholtz? Nicht so leicht zu beantworten, denn Nick Cuse und Damon Lindelofs raffiniertes Drehbuch spielt sehr launig mit der Erwartungen, obwohl dennoch jedes noch so bekannte Klischee bedient wird. Am Ende vielleicht ein neuer Wegbereiter? Nicht ganz, auf jeden Fall nicht so furios und innovativ wie Tony D’Aquinos absolut unverständlich ignorierter THE FURIES von 2019. Aber im eigenen Potpourri von Genre-Versatzstücken, bietet THE HUNT immer noch heraushebende Momente.

Die erste Überraschung wird gleich mit der ersten Schießerei geliefert. Und man fragt sich unweigerlich, was das jetzt eigentlich soll. Allerdings in einem positiven Sinn. Es offenbart sich, das wirklich nichts so ist, wie es scheint. Am besten behauptet sich in dieser Hetzjagd die stoische Crystal, die schon auf den ersten Blick erkennen lässt, dass Lächeln nicht zu ihren Stärken zählt, und man rasch das Weite suchen sollte. Verschwörungstheorien sind in dieser Zeit sehr angesagt, und wie mit Vorahnung gesegnet, greift er das als perfiden Hintergrund auch auf. Nicht die degenerierten Hinterwäldler frönen hier ihrem höchst fragwürdigen  Freizeitspaß. Hier sind es die Finanzgrößen der selbstgefälligen Front von gehobenen Liberalen. Es soll endlich Schluss gemacht werden, mit den absurd, obskuren Verschwörungstheorien, dass gelangweilte Millionäre Menschjagden auf unterprivilegierte Rednecks ohne Bildungsgrad veranstalten.

HUNT 3, Copyright UNIVERSAL PICTURESWas zuerst ins Auge sticht, aber nicht wortwörtlich, sind Darren Tiernans klare, fast farbenfrohe Bilder. Dem Schnickschnack von grobkörnigen, schmutzig, fahlen Bildern wird vollkommen abgesagt, was sonst immer ein gewisses Unbehagen und den Terror unterstützende Atmosphäre wiederspiegeln soll. Doch Tiernan setzt dabei genau auf das richtige Empfinden, denn die knackig strahlenden Aufnahmen bilden einen viel absurderen Kontrast zu den nicht gerade zimperlichen Gewaltszenen. Regisseur Craig Zobel, der hauptsächlich mit Fernseharbeit und Musik-Videos auffällig geworden ist, weiß sich aber im exakten Moment zurück zu nehmen. Die expliziten Blutszenen sind noch immer schockierend und enthemmt grafisch, doch Zobel ergötzt sich nicht daran. Die dargestellte Gewalt wird den Erwartungen und der grundlegenden Idee des Films durchaus gerecht,  aber auch sehr geschickt in den übergeordneten Handlungsablauf eingewoben. Keine der Szenen steht für sich, was gesamt gesehen, grundsätzlich für den ganzen Film gilt.

Für die elitäre Organisation ist klar, dass den weit verbreiteten und kaum noch abzuwiegelnden Verschwörungstheorien ein Riegel vorgeschoben werden muss. Und so ist es beschlossen, dass man genüsslich und mit Wohlbehagen die Theorie aus der Verschwörungstheorie streichen sollte. Was wäre da für eine Menschenjagd besser geeignet, als gerade jene dafür verantwortlichen Sozialschmarotzer mit Laptop und zuviel Fantasie. Wäre da nicht die forsche Crystal, deren Lebenslauf die Entführer besser etwas genauer angesehen hätten. In weiten Teilen ist Betty Gilpin genau der richtige Typ an Frau, um als beherrschte Kampfmaschine zu überzeugen. Etwas mehr Mimik und emotionaleres Spiel würde aber sicher auch dem Zuschauer mehr Freude bereiten.

HUNT 2, Copyright UNIVERSAL PICTURES

THE HUNT ist sicherlich nicht der ganz weite Wurf, oder etwa eine neue Offenbarung. Aber es ist aus seiner Prämisse heraus durchweg unterhaltsam. Da lassen Drehbuch und Regie keine Minuten Leerlauf. Ständig  eröffnen sich neue Perspektiven und ergeben sich wunderbare Wendungen. Die Unterhaltung zwischen zwei Soldaten im Bunker, ist so ein kleines Highlight, durch die THE HUNT sich immer wieder angenehm abhebt. Erst im Oktober 2019 aus Respekt gegenüber den Opfern von zwei Amokläufen verschoben, und nun die weltweite Krise. D wäre bei 6 Millionen Dollar sicherlich noch lange nicht Schluss gewesen. Dieser Film hätte sich zu einem neuen Liebling unter den Genre-Freunden entwickeln können. Hoffentlich ist ihm das wenigsten noch im Heimkino gegönnt. Wer den Film gesehen hat, wird allerdings heftig kritisieren: Das mit Orvill hätte nicht sein müssen.

HUNT 4, Copyright UNIVERSAL PICTURES

 

Darsteller: Betty Gilpin, Hilary Swank, Ike Barinholtz, Wayne Duvall, Emma Roberts, Ethan Suplee, Amy Madigan, Reed Birney u.a.
Regie: Craig Zobel
Drehbuch: Nick Cuse, Damon Lindelof
Kamera: Darren Tiernan
Bildschnitt: Jane Rizzo
Musik: Nathan Barr
Produktionsdesign: Matthew Munn
USA / 2020
90 Minuten

Bildrechte: UNIVERSAL PICTURES
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Fernsehen gesehen, Rund ums Kino abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort