AM ENDE EINES VIEL ZU KURZEN TAGES

Wie vielschichtig kann ein Film sein, der einen Fünfzehnjährigen als krebskranken Todeskandidaten thematisiert? Mit dem richtigen Schauspieler kann das sehr viel Potenzial haben. Mit nur 22 Jahren ist Thomas Brodie-Sangster bereits ein alter Hase im Filmgeschäft und wird hier seiner Aufgabe mehr als gerecht, noch dazu da seine mimischen Fähigkeiten durch die fehlenden Augenbrauen stark eingeschränkt wurden. Er spielt den krebskranken Donald Clarke, der gerade eine Chemotherapie hinter sich hat. Selbstverständlich ist Donald wütend, des Öfteren wird er in Polizeibegleitung nach Hause gebracht. Aber Donald besitzt mit dem Zeichnen von Comics ein außerordentliches Talent. Leider finden sich seine Motive zum Unmut der Obrigkeit immer wieder einmal auch an öffentlichen Gebäuden. Sein soziales Umfeld bereitet ihm ein den Umständen entsprechend normales Leben, und mit einer vielversprechenden Aussicht auf Genesung wagt Donald sogar, sich zu verlieben.

Dass diese Geschichte schon so oft erzählt wurde, wird dem Film am Ende zum Verhängnis. Nicht etwa, weil er sich von einem Standard zum nächsten hangelt, sondern weil er ganz mühsam versucht, diese Standards zu umgehen. Natürlich gibt es da diesen einen Therapeuten, Donald nennt ihn „der Sechste“, und schon weiß der Zuschauer Bescheid. Er trägt schlampige Klamotten, raucht im Haus und heißt im richtigen Leben Andy Serkis. Man weiß, was diese Beziehung bringen wird. Ansonsten gibt sich der TOD DES SUPERHELDEN dann doch sehr unspektakulär und weit unter seinen Möglichkeiten. Donald ist wütend, klar, aber nicht wütend genug. Seine Familie ist ständig eine Spur zu verständnisvoll. Die Dialoge kratzen ständig nur an der Oberfläche, dabei ist die Chemie zwischen den Darstellern gerade richtig, um es emotional ordentlich krachen zu lassen. Nicht Sentimentalität fehlt dem Film, sondern der Mut, ordentlich in die Wunden zu hauen. GOOD WILL HUNTING kommt da in den Sinn, was es für diese irisch-deutsche Koproduktion nicht einfacher macht.

Donalds gezeichnete Geschichten sind fantastisch. Darin sieht er sich selbst als Superheld, der gegen Doktor Tod und seine teuflischen Krankenschwestern einen erbitterten Kampf austragen muss. In Tagträumen finden die gezeichneten Figuren für kurze Einlagen einen Weg in Donalds richtiges Leben. Aber auch hier verwehrt sich der Film einer originelleren, tiefergehenden Umsetzung. Wann immer sich eine Möglichkeit ergibt, sich von gleichen oder ähnlichen Geschichten abzuheben, verweigern sich die Geschichte und die Inszenierung. Letztendlich bleibt er dann doch einer der Filme, von denen er sich von der anderen Seite her ebenso krampfhaft zu entziehen versucht. Dabei hat ein fünfzehnjähriger Todeskandidat sehr viel Potenzial, um wirklich vielschichtig die Tragödie dahinter zu thematisieren. Dank Thomas Brodie-Sangster und einem hervorragenden Ensemble ist DEATH OF A SUPERHERO sehenswert und wird dramaturgisch seinen eigenen Ansprüchen gerecht. Sehr spannend und originell ist das aber nicht. Dazu fehlen ihm einfach richtige Ecken und Kanten.


DEATH OF A SUPERHERO
Darsteller: Thomas Brodie-Sangster, Andy Serkis, Michael McElhatton, Sharon Horgan, Jessica Schwarz, Aisling Loftus, Ned Dennehy u.a.
Regie: Ian Fitzgibbon
Drehbuch: Anthony McCarten nach seinem Roman
Kamera: Tom Fährmann
Bildschnitt: Tony Cranstoun
Musik: Marius Ruhland
Irland-Deutschland / 2011
zirka 97 Minuten

Bildquelle: Global Screen / NFP Marketing & Distribution
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