BEAUTIFUL CREATURES – EINE UNSTERBLICHE SEELE

BEAUTIFUL CREATURES – Bundesstart 04.04.2012

Ethans Mom hat immer gesagt, die Menschen in Catlin sind entweder zu dumm um abzuhauen, oder zu festgefahren, um sich zu bewegen. Aber so uninteressant wie der sechzehnjährige Ethan glaubt, ist Catlin eigentlich gar nicht. Wenn man tiefer blickt, wenn man sich nicht abschrecken lässt, wenn man keine Angst hat. Die fünfzehnjährige Lena wird diese Herausforderung für Ethan. Denn Lena ist nicht einfach nur mysteriös, sondern eine mysteriöse Hexe, aus einem ganzen Klan von mysteriösen Hexen und einer langen Ahnenreihe von Hexen. Die Normalsterblichen von Catlin haben den ebenso mysteriösen Onkel von Lena, Macon Ravenwood, schon immer im Verdacht, nicht ganz koscher in weltlichen Dingen zu sein. Aber wer glaubt schon an Hexen? Nur durch seine unbändige Liebe zu Lena, wird Ethan tiefer blicken, wird sich Ethan nicht abschrecken, wird Ethan keine Angst haben. Aber ihr sechzehnter Geburtstag steht bevor, und der prophezeit Lena eine schreckliche Aussicht auf ihr zukünftiges Leben. Und bringt Ethan in tödliche Gefahr.

Zuerst sollte man vollkommen den Gedanken verwerfen, das dies nur eine weitere Geldfalle für jugendliche Leser und Liebhaber von Fantasy geprägten Romanzen sein soll. BEAUTIFUL CREATURES ist natürlich der erste von vier Bänden die Kami Garcia und Margaret Stohl geschrieben haben. Aber Romanverfilmungen, oder Verfilmungen von Romanreihen, wird es auch nach diesem Film noch zuhauf geben. Es ist also kein Kriterium, einen Film zu bewerten, oder ihn pauschal vorzuverurteilen. Es mag eine Überraschung sein, aber VOM WINDE VERWEHT war einmal ein Buch.

Der große Vorteil von BEAUTIFUL CREATURES ist, dass Drehbuchautor Richard LaGravenese die Regie selbst übernommen hat. Was sonst passieren kann, musste man zuletzt bei WASSER FÜR DIE ELEFANTEN erdulden, den Francis Lawrence zu Tode inszeniert hat. LaGravenese hat sein Buch im Griff, hat dadurch ein herrliches Verständnis für das Timing, und erzählt schnörkellos die dramatische Beziehung zwischen einem Weltlichen und einer Hexe. Der Autor und Regisseur in einem, weiß genau wo der Ton leichter sein darf, wo flotte Sprüche angebracht sind, und wann für die Dramaturgie ein Gang runter geschalten werden muss. Leerlauf gibt es dabei kaum. Die Liebesszenen sind ansprechend, aber nicht wirklich kitschig, und wechseln in angenehmer Folge mit guten Schauwerten von Hexerei. Die visuellen Effekte sind in ihrer Umsetzung nicht gerade überraschend originell, aber erfüllen ihren Zweck ohne zu enttäuschen.

Mit Alden Ehrenreich und Alice Englert hat LaGravenese Hauptdarsteller gefunden, bei denen die Chemie wirklich stimmt. Seine lockere Unbeschwertheit und ihre Angst geprägt Unsicherheit interagieren sehr realistisch miteinander. Aber die wirklichen Größen sind natürlich Emma Thompson und Jeremy Irons. Sie beherrschen ihre jeweiligen Szenen, spielen ihre jungen Kollegen nicht an die Wand, sind aber allein durch ihre Präsenz sehr dominant. Zur Freude des Publikums, denn Thompson und Irons verstehen es einen zu fesseln. In einer gemeinsamen Szene der beiden, tobt sich LaGraveneses ganz besonders gegen religiösen Fanatismus und dem daraus resultierende Einfluss auf die Gesellschaft aus. Aber der Regisseur macht dies nicht zu einem Thema, sondern bleibt bei seiner eigentlichen Geschichte. Und die ist viel Zauberei, noch mehr Liebe, und viel mehr Herzschmerz.

Selbstverständlich ist und bleibt BEAUTIFUL CREATURES eine eher auf weibliche Jugendliche zugeschnittene Romanze. Aber ein sehr gelungener Film, unter diesem Aspekt, der die begleiteten harten Kerle auf einem nicht minderen Niveau zu unterhalten versteht. Und selbst wenn sich Tiefgründigkeit und künstlerischer Anspruch nicht gerade groß hervortun, kann er auch für Erwachsene zwei stimmige Stunden Unterhaltung bieten.

Darsteller: Alden Ehrenreich, Alice Englert, Jeremy Irons, Emma Thompson, Violas Davis, Emmy Rossum, Thomas Mann, Eileen Atkins u.v.a.
Regie: Richard LaGravenese
Drehbuch: Richard LaGravenese, nach den Romanen von Kami Garcia & Margaret Stohl
Kamera: Philippe Rousselot
Bildschnitt: David Moritz
Musik: Thenewno2
Produktionsdesign: Richard Sherman
USA / 2013
zirka 124 Minuten

Bildquelle: Warner Bros. Pictures / Concorde Filmverleih
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort